Und das ist alles, was zählt


In meine Arme,
in meine Arme,
in meinen Händen dein Herzschlag.
So klein,
so kraftvoll.
Und ich erinnere mich an jene Zeit,
als du ohne Worte zu mir sprachst,
kleines Wunder,
kleines Wunder ganz groß.

Da sein,
ich will da sein,
wenn du kommst.
Und du wirst da sein,
wenn ich gehe.
Es ist schwer,
es ist so schwer,
dir diesen Weg nicht ersparen zu können.
Du wirst da sein,
wenn ich gehe.
Aber jetzt noch nicht.
Jetzt noch nicht.

Nimm meine Hand,
schau die Berge,
schau die Täler und die Flüsse,
meine Falten und das graue Haar,
der Duft des Frühlings und die Milde des Schnees.
Höre die Bienen und die Fliegen,
schmelze mit den Wassern im März,
atme den Mai und brenne im Juli,
wenn die Sonne mehr verspricht,
als sie hält.

Jetzt noch nicht.
Jetzt noch nicht.
Ein paar Jahre,
ein kurzes Stück des Weges,
bleib als Teil meiner Seele,
als das Atemlose,
das Namenlose,
als der erste Schrei in einer fremden Welt.

Ich will da sein,
wenn du kommst.
Und du wirst da sein,
wenn ich gehe.

So tapfer,
so milde,
so sehr du selbst.
So nehme ich dich,
so sehe ich dich,
so liebe ich dich,
kleines Wunder ganz groß.

Es ist nicht die Zeit für Revolte,
es ist nicht die Zeit für Kampf,
es ist nur Zeit.
Es ist immer nur Zeit.

Bleib wach,
schlafe niemals ein,
wenn du durch diese Welt wandelst.

Und ich weiß,
es ist nicht leicht,
ruhig zu bleiben,
wenn alle Welt in Aufruhr ist
und du erkennst,
da läuft was schief.
Aber es ist nicht Zeit für den Kampf,
es ist nicht Zeit für den Widerstand,
denn es ist Zeit,
es ist immer nur Zeit.

Und all die Zeit über,
habe ich die Dinge,
die ich wusste,
in mir behalten,
aber ich spreche sie in dein Herz,
jetzt,
mit deinem Namen.
Und ich nenne dich: Helena.

Wilde Pferde,
wilde Pferde,
Würde und Wahrheit,
ein unbeugsames Genick,
sanftes Geschick und Liebe,
das ist mein Wunsch für dich.

Und all die Zeit über,
habe ich die Dinge,
die ich wusste,
in mir behalten,
aber ich spreche sie in dein Herz,
jetzt,
mit deinem Namen.
Und ich nenne dich: Helena.
Du lebst.
Und das ist alles,
was zählt.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Kinder brauchen keine Regeln


Ein Kind muss so frei als möglich aufwachsen. Jede Regel, die du zwangsweise an Kindern durchsetzt, tötet ein Stück ihres Geistes und sollte dir selbst einen gewaltigen Mangel an natürlicher Autorität aufzeigen. Wer zwingen muss, ist schwach. Wer Zwang braucht, um sich durchzusetzen, verfügt nicht über Autorität sondern bloß über psychische Gewalt, die stets ein Zeichen von Schwäche ist. Und Kinder orientieren sich dann an dieser Schwäche, die sie irrtümlich für Stärke halten. Daraus entstehen dann weitere Generationen armseliger Machtmenschen für die das Mittel der Unterdrückung als Werkzeug der Stärke gilt.

Kinder brauchen weniger Regeln und mehr Förderung ihrer Kreativität. Eltern, die frühzeitig die wahren Talente eines Kindes erkennen und fördern, legen der Seele dieses Kindes den Schlüssel zur Großartigkeit in Händen. Dabei müssen diese Eltern tunlichst darauf achten, nicht die eigenen unerfüllten Lebensträume auf das Kind zu projizieren, was dieser Tage der Regelfall ist. Kinder wurden nicht dazu geboren, die verpatzten Schicksale ihrer Eltern zu korrigieren, sondern um der eigenen Bestimmung zu folgen. Und diese Bestimmung kann völlig konträr zum Wunsch der Eltern stehen. Akzeptiere das in Liebe.
Achte sehr genau auf die Art der Schule, die du deinem Kind angedeihen lässt. Wenn du dein Kind in eine Regelschule steckst, tötest du es geistig. Es wird in dieser Schule systematisch angeglichen an die Dumpfheit des Lohnsklaventums. Es wird zum funktionierenden Roboter konditioniert. Man bringt ihm bei, im Gleichschritt zu denken, zu leben und zu funktionieren. Das kommt einer psychischen Tötung des Kindes gleich. Es wird durch diese Schule niemals zu seiner vollen Schönheit, zu seiner vollen Blüte heranreifen können.

Betrachte ein Kind nicht als dein Eigentum – betrachte es als Baum, zu dessen Gärtner du bestellt wurdest. Lass ein Kind in höchstmöglicher Freiheit aufwachsen ohne große Sorgen um seine Bestimmung, denn diese bestimmst nicht du; sie ist bereits von höherer Stelle vorgezeichnet. Betrachte dein Kind als Baum, dessen Same man dir gab. Sein Platz wurde vorgegeben. Achte du darauf, dass dieser Baum ausreichend Licht, Schatten, Nährstoffe und Wasser bekommt. Halte ihm die Schädlinge fern, aber beschneide diesen Baum niemals durch kranke Regeln, deinen persönlichen Lebensfrust oder die Angst vor dem eigenen Versagen – die Seele eines Kindes hat ihren eigenen Weg. Den gilt es freizuhalten in Liebe.
Jede zwanghafte Regel, die du einem Kind auferlegst, tötet seine Kreativität, seine Schönheit, seine natürliche Wildheit.
Wenn du ein Kind liebst, schenke ihm das Höchstmaß an Freiheit und Vertrauen in seinen ganz persönlichen Lebensweg. Fördere ein Kind, aber beschränke und beschneide es nicht. Und bedenke: Die größten Persönlichkeiten der Menschheit waren keine Musterschüler und Vorzeigekinder, sondern Rebellen und Regelbrecher. Solchen Menschen verdankst auch du eine Menge.
Wenn du also eine neue Welt wünscht, lass zwei Generationen von Kindern in Liebe und Freiheit aufwachsen. Und beginne mit jenen Kindern, die dir das Leben in Obhut gestellt hat.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Sackgassen sind nicht das Ende


Manchmal schickt dir das Leben Zeichen um Zeichen, aber du läufst stur auf eine Sache fixiert, so als gäbe es ausschließlich dieses eine Ding, blind daran vorbei, um dich letztlich in einer Sackgasse wiederzufinden. Dann stehst du eine Weile ratlos rum, weinst vielleicht, resignierst. Doch irgendwann ertönt von irgendwoher ein leiser Ruf, der dich hinausführt. Und plötzlich erkennst du! Neuer Wind weht in deine Segel, weite Ozeane und unentdeckte Küsten eröffnen sich und warten.
Du stehst auf dem Oberdeck und sagst:
„Ich bin bereit, meine Liebe zu teilen. Ich bin bereit, ganz von vorne anzufangen und das Alte, Schwere in Dankbarkeit aus dem Rucksack meines Lebens zu entfernen. Meine Liebe teile ich wieder mit allem, was ist.“
Denn du hast dir vielleicht alles nehmen lassen, doch niemals deinen Glauben an die Liebe. Du verschenkst sie nun wieder, die Liebe. Überschwenglich. Uneingeschränkt. Freudig wie ein Kind.
Dann, an einem ganz besonderen Tag, gehst du an einer frischen Küste vor Anker, betrittst neues Land, und das erste, was dich da empfängt, ist mindestens das dreifache Maß der Liebe, die du gegeben hast…
Sackgassen sind demnach nicht das Ende, sondern ein Aufruf, die Richtung zu ändern. Und Liebe dient auf allen Wegen als der Magnet für die Nadel des Kompasses in deinem Herzen. Folge ihr!

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce