Eine Kunst, glücklich zu sein


In meinem Leben gibt es zwei Menschen, ich liebe sie sehr, die praktizieren eine seltene Kunst: Sie sehen in allem etwas Schönes. Oder besser gesagt, sie bemühen sich, in allem das Schöne zu finden. Und es sind diese beiden meine ganz besonderen Lehrer im Glücklichsein. Obwohl ich sie oft dafür kritisiert, manchmal sogar belächelt habe, zu meiner Schande. Denn ich war der Ansicht, sie würden sich damit selbst betrügen. Das aber, so weiß ich heute, tun sie nicht. Sie gehen einen sehr weisen Weg…

Paramahansa Yogananda, der indische Yoga-Meister, Philosoph und Schriftsteller, war bei seinen Schülern dafür bekannt, in wirklich allem das Schöne zu finden. Und ähnlich wie ich, lehnten ihn seine Schüler genau dafür manchmal ab. Man lehnt eben oftmals jene ab, die einem das Meiste beibringen können. Bis man dann doch den inneren Widerstand niederlegt, weil man für sich die Hingabe entdeckt hat. Man kann nur wirklich dann wachsen, wenn man gegen das Wachstum keine Widerstände mehr hegt. Wachstum geschieht durch Hingabe an die Veränderung, aber das will ich hier gar nicht behandeln…

Ich wollte dir lieber davon erzählen, dass Yogananda wirklich in allem, selbst in den hässlichsten Dingen und Erfahrungen, immer noch das winzige Kleinod der Schönheit erkennen konnte, denn dieses steckt tatsächlich in allem, wenn man es zu erkennen weiß. Die Schüler Yoganandas aber wollten das nicht akzeptieren. Sie waren der Ansicht, dass auch ihr stets unerschütterlich positiver Meister in dieser Fähigkeit Grenzen haben musste. Also überlegten sie lange, womit sie den Meister konfrontieren konnten, sodass es ihm unmöglich sein müsse, etwas Schönes darin zu finden. Und sie entschieden sich für einen sich im ekelhaftesten Stadium der Verwesung befindlichen toten Fuchs, den sie ihm vor die Füße legten. Der Fuchs stank bestialisch und sah schrecklich aus mit all den Maden in seinem aufgedunsenen, geplatzten Leib. Das Fell war struppig und stumpf, die Augenhöhlen leer und grausig. Aus dem starr geöffneten Maul hing ihm die Zunge und üble Säfte quollen aus ihm hervor. Die Schüler waren sich absolut sicher, der Meister würde darin niemals etwas Schönes finden können. Doch Yogananda betrachtete den verwesenden Fuchs, lächelte erfreut und sagte: „Meine Güte! Wie schön das Sonnenlicht in den schneeweißen Zähnen des Fuchses glitzert…“

– Er vermochte selbst darin etwas zu finden, das ihn erfreute. Und das ist eine sehr hohe Kunst des Glücklichseins, die jeder für sich üben kann. In wirklich-wirklich allem steckt ein Funken Schönheit. Selbst in den schrecklichsten, ekelhaftesten Dingen, selbst in den schmerzvollsten und widrigsten Erfahrungen kann man Schönheit finden, wenn man es nur möchte. Man kann es, ohne sich selbst dabei auch nur im geringsten zu belügen. Man muss das Schöne bloß erkennen.

Mit diesen Worten möchte ich vor allem jene beiden Menschen in meinem Leben öffentlich ehren, die mir diese Kunst durch ihre Lebensanschauung vermitteln, denn sie werden es lesen und wissen, ich meine sie. Und ich möchte sie auch dir näher bringen, diese Kunst des Glücklichseins. Was auch immer du betrachtest, was auch immer du erlebst – lass uns das Schöne darin finden! Ich schätze, wenn wir das können, blicken wir ständig in das Antlitz Gottes, was uns zeigt, wir haben immer einen Grund, um trotzdem glücklich zu sein. Ganz gleich, was auch geschehen mag und wie dunkel das Tal auch sein will durch das wir gehen. Da ist immer irgendwo das Licht der Göttlichkeit. Manchmal vielleicht nur wie das schwache Flackern einer weit entfernten Kerze in mondloser Nacht. Aber es ist da. Und so wandern wir von einem Kerzchen zum nächsten, indem wir uns auf das Schöne einstimmen. Das ist eine Kunst, glücklich zu sein. Und ich lade dich dazu ein, sie mit mir gemeinsam zu üben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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