Die Beschissenheit der Krise


In jedem Leben gibt es Phasen in denen alles schief läuft. Falls du gerade in einer solchen stecken solltest, dann tue dir selbst einen Gefallen und kämpfe weder dagegen an noch bemühe dich, die Kacke golden einzufärben. Du hast es derzeit hart, kriegst echt dein Fett ab. Dein Kreuz wiegt schwer und du trägst es ganz für dich allein. Quäle dich nicht zusätzlich durch den Anspruch, das Ganze müsse nun positiv betrachtet werden. Damit schaffst du dir bloß Druck. Wenn es nicht positiv ist, dann ist es eben nicht positiv. Du brauchst dir nicht selbst in den Sack zu lügen, nur weil das in gewissen Kreisen angesagter Usus ist. Vergiss, was Hinz und Kunz mit ihrem Positivgelaber in die Welt posaunen. Es muss nicht immer alles rosarot übermalt werden. Tiefschwarz darf hin und wieder auch mal sein. Die Nacht ist eben finster. Sie raubt dem Tag alle Farben und ersetzt sie durch etliche Schattierungen von Grau, was durchaus seine Berechtigung hat. Genauso ist das auch mit den Auf und Abs des Lebens. Lass das einfach mal so stehen.

Das Sinnvollste, was du dir in einer Krise also schenken kannst, ist die vollkommene Akzeptanz des dunklen Tals, durch das du gehst. Wenn du klagen musst, dann klage. Wenn du weinen musst, dann weine. Wenn du wüten musst, dann wüte. Und wenn dir dein hübscher Kopf zu schwer wird, dann lass ihn eben hängen. Gestatte dir das. Du darfst niedergeschlagen, verletzt und hoffnungslos sein.

Wer immer alles schönfärbt, der kriegt eines Tages Seelenkrebs. Sich ein Leben lang alles Negative positiv zu reden, führt geradewegs in den Wahnsinn. Und am Ende wird man zu einer bedauerlichen Witzfigur, die beim leisesten Anflug von Negativität ein Räucherstäbchen anmachen oder an einem Bergkristall rumlutschen muss. Achte also darauf, kein Neurotiker zu werden, der sich notorisch alles rosa färbt. Notorische Schönfärber bedürfen nämlich dringend psychologischer Abklärung, da sie seelisch krank sind. Ihre Krankheit wird nicht als solche erkannt, dennoch handelt es sich um pathologische Fälle. Kein Mensch ist gesund, der nicht auch das Negative zulassen kann. Solange du trauern kannst, solange du Hoffnungslosigkeit empfinden kannst, solange du vor dem Negativen nicht ins „Glücksbärchiland“ für Neurotiker flüchten musst, solange bist du gesund. Das ist das Positive am Negativen.
Daher halte dich in Krisen fern von jenen, die immer alles „im Griff“ haben und dir ihre Positiv-Phrasen suggerieren möchten. Meide Menschen, denen die Sonne aus dem Hintern scheint.

Es macht nämlich höchstens zornig, wenn es einem richtig schlecht geht, und andere tanzen mit Floskeln an, wie „Erkenne das Positive!“, „Das wird schon wieder!“, „Kopf hoch!“ oder „Alles wird gut!“. Man fragt sich dann meist, was man mit dieser Oberflächlichkeit anfangen soll, wo man sich doch selbst total in Grund und Boden gestampft fühlt, statt fröhlich an der Oberfläche plantschend ein Liedchen zu trällern. Wem es im Augenblick gut geht, der hat leicht Phrasen dreschen, die substanziell an Banalität und Inhaltslosigkeit kaum zu überbieten sind. Vom hohen Ross herab zu predigen ist keine Kunst. Dazu braucht es weder Mitgefühl noch Sensibilität. Aber es mangelt dabei gehörig an Empathie. Damit kann allerdings kaum einer wirklich etwas anfangen, der gerade durch eine depressive Phase muss.

Das Schlimme an einer Krise, die eine temporäre Depression repräsentiert, ist nicht unbedingt die Depression selbst. Das Schlimme sind jene, denen es gut zu gehen scheint und dir sagen, du dürftest nicht depressiv sein. Es sind die Schönfärber und Positiv-Jünger, die glauben, man könne ein Stück Mist golden anmalen und das ginge dann de facto als echtes Gold vom Tisch. Solche Leute meinen es vielleicht nicht böse, aber praktisch wirken sie als Depressionsverstärker. Durch sie wird alles nur noch schlimmer.

Was hilft es dir, wenn du im finsteren Tal wandelst und von den Gipfeln winkt man dir mit Fackeln? Wenn es dir beschissen geht, dann brauchst du jemand, der sich zu dir setzt und mit dir weint. Du brauchst jemand, der zu dir in die Dunkelheit hinabsteigt, um an deiner Seite zu sein. Gewiss aber dient es nicht, wenn man von den Anhöhen herabruft, du müsstest jetzt da hochklettern.

In den vielen Jahren meiner Therapietätigkeit habe ich immer wieder erlebt, wie erlösend es auf verzweifelte Menschen wirkt, wenn man ihnen in die Verzweiflung folgt, wie heilsam und befriedend es auf den Geist Einfluss nimmt, wenn man einfach nur da ist, zuhört und mitfühlen kann, weil man die Scheiße, durch die man selbst bereits ging, nicht vergessen hat. Ich lasse meine Klienten trauern, verzagen, scheitern. Ich schenke ihnen Zeit, bis sie durch sind durch ihr dunkles Tal. Ich begleite sie, halte ihre Hand, lege meinen Arm um ihre Schultern und manchmal weinen wir auch gemeinsam. Nur so fühlen sie sich angenommen. Nur so ist wahre Begegnung möglich – auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch und von Herz zu Herz. Bevor man sich da nicht begegnet ist, braucht man erst gar nicht beginnen, an Lösungen zu arbeiten. Denn der Mensch in der Krise hat ein Recht auf Trauer, auf Verzweiflung, auf Hoffnungslosigkeit und Schmerz. Er muss dieses Recht bewahren. Er muss den ganzen langen Weg durch all das gehen dürfen, denn nur so kann er sich für Lösungen und Veränderungen öffnen. Nur so kann er wachsen. Nur so kann er heilen.
Seit Jahren arbeite ich mit meinen Klienten auf dieser Grundlage. Und die Erfolge geben dieser recht.

Mag sein, dass es vielleicht überraschend und wohl auch ein wenig pathetisch klingt, doch es waren die Kinder, die mich dies lehrten. Allen voran meine Eigenen. Durch meine Liebe zu den kleinen Menschen, durch meine große Achtung vor ihrer unverfälschten Natürlichkeit und simplen Weisheit, durch die tiefe Hingabe an die Beschäftigung mit ihnen, durfte ich beobachten und erkennen, dass man die Affekte eines Menschen zu würdigen hat. Man kann einem Menschen, der seinen Emotionen und Affekten erliegt, nicht begegnen, man kann ihn nicht retten, wenn man sich nicht in seine Räume begibt.
Von draußen, hinter unsichtbaren Glaswänden geschützt zu agieren, das kann keinesfalls zu echter Nähe führen. Da, wo sich der Andere gerade aufhält, da muss man anwesend sein, wenn man ihm helfen möchte.

Man darf ein Kind, das sich zutiefst in einem Wut- oder Weinanfall verloren hat, nicht dadurch beruhigen, dass man es mit Albernheiten oder fröhlichen Floskeln ablenkt, bloß weil man sich durch dessen Emotionalität in der eigenen Komfortzone gestört fühlt. Sonst zwingt man den kleinen Menschen fortan, jede sogenannte Negativregung affektiver bzw. emotionaler Natur zu verdrängen. Man lehrt es, das Dunkle, das Abgründige, das Schmerzhafte zu übergehen und künftig zu verleugnen. Man leitet es dadurch an, zum Heuchler vor sich selbst zu werden. Doch das ist nicht nur kontraproduktiv im Sinne gesunder menschlicher Entwicklung, sondern zudem für die Psyche extrem schädlich. Langfristig entstehen auf diese Weise nämlich Neurosen.

Aus diesem Grunde sollte man sich in die Emotion oder den Affekt des Gegenübers hineinbegeben. Es ist nicht nötig, ebenfalls in Wut, Verzweiflung oder Depression zu geraten, man muss nicht in Tränen ausbrechen, aber man sollte tunlichst nicht mit leeren Phrasen darüber hinweg wischen. Hier ist Empathie gefragt. Empathie bedeutet vereinfacht ausgedrückt, mitzufühlen, sich einzufühlen, sich in gewissem Maße hinzuzugesellen.
Und so waren es vorrangig Kinder, die mich gelehrt haben, mich in die inneren Räume der Menschen zu begeben, indem sie mich nonverbal dazu einluden. Innerhalb dieser Räume konnte ich ihnen stets begegnen und somit auch Hilfe stellen. Wenn ein kleiner Mensch weint, dann umarme ich ihn, um gleichzeitig verbal zu versichern, dass ich weiß, wie schlimm es sich anfühlt, was er gerade erlebt, denn ich kenne das, was er im Augenblick empfindet. Durch dieses Bekenntnis fühlt er sich abgeholt und verstanden. Er empfindet Nähe, weil er in seinem Schmerz angenommen wird und sich nicht alleine darin befindet. Im Gegensatz führt es zu schwer überbrückbarer Distanz, wenn man die Alles-Wird-Gut-Haltung einnimmt. Man vermittelt dem Anderen damit eher, man befände sich am anderen Ende des Spektrums, nämlich da, wo er gerade nicht sein kann. Deswegen macht es wenig Sinn, ein sich in einer Krise befindliches Gegenüber auf diese Weise mit zusätzlicher Einsamkeit zu belasten, die natürlich empfunden wird, wenn man nicht auf den Schmerz eingeht.

Schließlich kennen wir alle Schmerz, wir alle kennen Trauer, wir alle kennen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Und wir alle fühlen das auf gleiche Weise, obwohl wir meist unterschiedlich damit umgehen. Indem man dies seinem Gegenüber bezeugt, hilft man ihm wesentlich effektiver, als wenn man sich bemüht, oberflächlich mit dem Gegenteil zu trösten. Aufrichtig zu bestätigen „Ja, im Augenblick scheint alles beschissen zu sein!“ birgt größere Heilkraft als zu sagen „Ach, das wird schon wieder!“. Gemeinsam zu weinen schafft größeren Trost, als wenn einer weint und der andere lächelt. Und was für die kleinen Menschen gilt, das gilt grundsätzlich auch für die Großen.

Deshalb sollte man nicht auch noch zur Verdrängung innerhalb einer Krise anleiten. Denn die Welt braucht nicht noch mehr Verdrängerpersönlichkeiten. Davon gibt es bereits zu viele. Die Welt braucht mehr Menschen, die lernen, dass Krisen ein wesentlicher Teil des Daseins sind, dass Krisen ihre Notwendigkeit haben, dass Krisen immens produktives Potenzial zur Selbsterkenntnis und zum Wachstum in sich bergen und nicht für jede Krise eine Sofortlösung, ein Medikament oder ein Brachialakt herbeigezaubert werden muss. Es muss dem Menschen gestattet sein, Krisen offen leben zu dürfen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Es braucht dafür Anleitung und kompetente Lehrer. Auf gar keinen Fall aber braucht es in einer Krise die Schönfärberei, denn diese vertieft die Krise bloß.

Darum meide in dunklen Phasen die Schönfärber. Halte dich von „Ich-Hab-Das-Leben-Im-Griff-Typen“ fern. Bleibe bei dir und dem, was dich plagt. Nimm deine Krise an. Betrachte sie in all ihrer Tragödie. Rotze eine Familienpackung Taschentücher voll und dann noch eine. Höre deine traurigsten Lieder und suche nicht nach dem Ausweg. Am tiefsten Punkt des Abgrundes brauchst du nämlich noch gar keinen Ausweg. Was du da brauchst, ist in erster Linie deinen Schmerz und die Hingabe an diesen. Lass ihn zu, diesen Schmerz. Gestatte dir Verzweiflung. Bewahre deine Fähigkeit zur Trauer. Sie ist einer deiner kostbarsten Schätze. Leide eine Zeit lang. Bewege dich nicht von der Stelle. Halte inne. Beobachte, um die feinen Nuancen des Schmerzes zu verstehen. Koste die Hoffnungslosigkeit aus und schimpfe, wenn nötig. Tu dir selbst ein bisschen leid in der ganzen Beschissenheit der Krise. Bewundere deine Zerbrechlichkeit, denn sie ist nicht Schwäche, sondern Schönheit.

Und dann, irgendwann, wenn du lange genug am Boden warst, wenn der letzte Funken Hoffnung zu erlöschen droht, dann packt dich plötzlich ganz von selbst eine Kraft, die nicht von dir kommt. Eine unerwartete Wendung tritt ein. Das ist dann der Moment, da du beobachten kannst, wie sehr dich etwas liebt. Etwas, das größer, machtvoller und gütiger ist, als du bisher erahnt hast. Du siehst mit einem Mal den Ausgang aus dem finsteren Tal. Ganz von selbst. Denn da kommt plötzlich der Beistand, von dem du erkennen kannst, dass er vom Vater ausgeht.
Und das, mein Freund, bedeutet Heilung, die nicht von dieser Welt ist. Das ist das himmlische Geschenk, das jedem zuteil wird, der zu lange in der Finsternis war. Danach, nach all dem Übel, all der Dunkelheit und dem ganzen Schmerz, bist du nämlich gewachsen und stärker als jemals zuvor. Vielleicht kannst du sogar aus der Krise und ihrem Heil am Ende lernen, wie du mit zukünftigen Krisen besser umgehen möchtest. In jedem Falle aber hat dich die Beschissenheit der Krise stärker gemacht. Du bist dann jemand, der du niemals ohne diese Krise und ihre Beschissenheit geworden wärst.

Darauf vertraue! Ganz egal, wie schlecht es dir jetzt auch gehen mag, vertraue darauf, dass der Beistand kommen wird, von dem du erkennen kannst, dass er vom Vater ausgeht. Und er wird kommen, das ist so sicher, wie morgens die Sonne aufgeht. Ich wünsche dir jedenfalls von ganzem Herzen, dass du das erleben darfst. Und dass sich bald schon glückliche Wendungen für dich ergeben, auch wenn du dich jetzt vielleicht noch im tiefsten Dunkeln der Beschissenheit einer Krise befindest.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Andersmensch TV – Flucht vor negativen Gefühlen?


Ein wirklich erfüllender Umgang mit Gefühlen & Emotionen wurde uns weder in der Schule noch von unseren Eltern beigebracht. Im Verlauf unserer Reifung entwickeln wir dies mühsam selbst. In der Regel scheitern wir jedoch an sogenannten „negativen“ Empfindungen…
Viel Freude beim Schauen.

Herzlichst,
dein Andersmensch

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Liebe und Schmerz



Es ist eine Sache, einen Menschen zu lieben, aber eine völlig andere, auch mit ihm leben zu können. Manche Paare brennen so lichterloh im Feuer der Liebe, dass sie es unmöglich ein Leben lang miteinander ertragen könnten:
Wenn einer die Flamme und der andere der Wind ist, der die Flamme anfacht, dann kann es zu Flächenbränden kommen oder die Flamme könnte ausgeblasen werden. Wenn einer die Flamme und der andere das Wasser ist, was sich gegenseitig fürchtet, würde die Flamme entweder erlöschen oder das Wasser verdunsten. Wenn einer die Flamme ist und der andere ebenso die Flamme, was sich zwar anzieht, aber nur schlecht ergänzt, dann könnte sich die Hitze zur Unerträglichkeit vervielfachen oder beide würden sich die Luft zum Atmen rauben. Wenn einer die Flamme ist und der andere die Erde, die das Feuer geduldig tragen möchte, dann könnte die Flamme die Erde verdörren oder die Erde die Flamme ersticken.
Ich weiß nicht, ob du dieses Gleichnis verstehen kannst, aber ich möchte dir damit klar machen, dass Liebe nicht davon abhängt, mit dem Geliebten leben zu können. Oft ist es sogar so, dass gerade zwei Seelen, die sich innigst lieben, ein Leben Seite an Seite nicht auf Dauer ertragen. Immense Liebe kann zu immensem Schmerz führen. In Wahrheit ist es sogar so, dass totale Liebe immer einen gewissen Schmerzfaktor beinhaltet. Manchmal liebt man so sehr, so innig, manchmal fließt die Kraft der Liebe so heftig durch dein Wesen, bis es im Herzen weh tut, bis es zu zerspringen droht.
Es werden die Esoteriker kommen und ihre abgelutschten, unreflektierten Phrasen dreschen von wegen, dass Liebe nicht schmerzt. Und ich sage dir, keiner, der das ernsthaft behauptet, hat jemals selbst erfahren, was er da wie eine Hindu-Kuh wiederkäut. Keiner, der das in der Welt verzapft, hat jemals so geliebt, wie ich es hier beschreibe. Einer, der jemals so sehr geliebt hat, weiß, wovon hier die Rede ist:

„Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
bis es schmerzt, kein Schmerz mehr da ist,
sondern nur noch Liebe.“
– Mutter Teresa

Das ist wahrlich paradox! Denn in der höchsten Liebe sind Schmerz und Liebe eins. Diese Ebene der Liebe bringt Schmerz, denn bevor das Herz sich öffnen kann, muss es brechen. Nur ein gebrochenes Herz ist ein offenes. Und ein vollkommen offenes Herz schmerzt von all der Liebe, die da ein- und ausströmt. Der Schmerz, der daraus erwächst, ist ein wunderschöner Schmerz, ein heiliger Schmerz, ein willkommener Schmerz. Es ist tiefstes Mitgefühl mit dem Anderen, tiefstes Mitgefühl mit der gesamten Schöpfung und der Vergänglichkeit ihrer Form. Höchste Liebe bedeutet, dass Liebe und Schmerz zu ein und derselben Erfahrung werden.
Das ist der Grund, weshalb jene, die sich als Dualseelen erkennen, zwar auf ewig verbunden, aber nur selten unter einem Dach zusammen sind. Das Feuer ihrer Liebe würde sie zerstören, weil Flamme und Flamme sich selten dienen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Trennung und Trauer


Wenn ein Mensch dich verlässt, dann ist das schmerzhaft. Und es ist völlig in Ordnung, deshalb zu trauern, denn das, was ihr beide miteinander hattet, wird es niemals wieder geben. Kein anderer Mensch kann dir dasselbe Gefühl vermitteln, das du mit einer ganz bestimmten Person hattest. Jede Begegnung ist daher einzigartig, wenn auch vergänglich. Ein Mensch, der geht, hinterlässt für immer eine Lücke. Was bleibt, ist eine weitere Anekdote im Buch deines Lebens. Bilder in Form von Erinnerungen, mehr bleibt nicht. Besondere Erfahrungen, Augenblicke, Gesten – all das lässt sich nicht wiederholen. Es kann zwar ein neuer Mensch den Platz an deiner Seite einnehmen, aber niemals einen anderen Menschen ersetzen. Menschen sind nicht austauschbar. Deshalb tut es weh, wenn ein Geliebter geht. Deine Liebe für ihn wird weiterleben, aber eure Geschichte ist zuende. Es ist okay, deshalb Trauer zu empfinden, es ist okay, deshalb zu weinen.
Nimm dir Zeit zu trauern. Trauer ist Teil des Menschseins. Sie ist natürlicher Bestandteil des Lebens. Trauer bezeugt, dass du ein Herz hast. Menschen, die dein Herz nicht sehen konnten, sind noch auf der Suche nach ihrem eigenen. Wünsche ihnen Glück beim Finden und erlaube dir selbst ausreichend Zeit für Trauer.
Nach und nach aber erinnere dich an einen wunderschönen Umstand, der nach jeder Trennung zur Wahrheit wird: Du kannst bei einer neuen Begegnung all das geben, was du in deinen vergangenen Beziehungen vielleicht nicht gegeben hast. Du hast eine neue Chance darauf, die großartigste Vision von dem, der du in der Liebe sein möchtest, zu verwirklichen. Du kannst dich selbst ganz anders definieren innerhalb einer neuen Begegnung, du kannst dich selbst ganz neu erfahren im Bezug auf die Liebe.
– Das ist der Segen jeder Trennung. Das ist der gelebte Atem der Liebe. Du atmest ein durch eine neue Begegnung, du atmest aus, wenn die Zeit abgelaufen ist. Und mit jedem neuen Einatmen hast du die Chance, noch inniger, noch großartiger zu lieben. Wie auch immer es nach einer Trennung weitergeht – die Liebe ist es, die den Lauf der Liebenden lenkt, niemals umgekehrt. Und die Liebe hat immer recht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Wenn Traurigkeit dich besucht


sadness02Wenn die Traurigkeit an deine Türe klopft, dann schicke sie nicht fort – lass sie ein. Schenke ihr dein müdestes Lächeln, so sie an der Türe deines Lebens steht, und lass sie ein. Entkorkt eine Flasche Wein, hört in wehmütiger Eintracht dein liebstes Herzschmerz-Lied – wieder und wieder. Kuschelt euch mit dem Tränenpolster ins Sofa und dann weint gemeinsam so ungeheuerlich, als wäre jeder Moment eine 7-Tage-Regenperiode im kalten November.

Wenn die Traurigkeit an deine Türe klopft, dann weise sie nicht ab – lass sie ein. Mach das grelle Licht aus, entzünde eine sanfte Kerze. Nimm sie in den Arm und bitte sie zu deinem hoffnungslosesten Tanz. Schluchze deine salzigsten Tränen an ihrer Schulter, wende das schwere Herz komplett von innen nach außen, verbrauche zwei Packungen Papiertaschentücher, aber biete auch ihr mit Regelmäßigkeit eines davon an, denn sie weint für dich.

Wenn die Traurigkeit an deine Türe klopft, dann schicke sie nicht fort – lass sie ein. Sie ist eine Freundin aus dem Theaterstück deines Lebens, ein wichtiger Teil davon. Schicke die Traurigkeit nicht fort, weise sie nicht ab. Als die graue Zwillingsschwester der Fröhlichkeit wispert sie zwischen jeder warmen Tränenspur ganz zart ein Lied von jenen Tagen, an denen ihre bunte Schwester dich besuchen wird – sie verspricht dir diese Zeit sogar und lehrt dich loszulassen, so wie der Himmel die Wolken den Regen lehrt.

Wenn die Traurigkeit an deine Türe klopft, dann lass sie ein – küsse sie gleich einem wohlvertrauten Gast, dessen Wiederkehr nicht neu ist. Schicke die Traurigkeit nicht fort, weise sie nicht ab. Sie unterweist dich in Hingabe an Vergänglichkeit und Neubeginn, bringt dir den heiligen Rhythmus des Lebens bei, denn ihre farbenfrohe Schwester – die Fröhlichkeit – folgt stets drei Schritte im Verzug, so schwört sie. Und tief in dir weißt du, Traurigkeit kennt die Lüge nicht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Da stehen wir nun


sadlove01Da stehen wir nun, entsetzt starrend auf die Scherben unserer Begegnung – eine jede Spiegel unseres Unvermögens.
Wir stehen da schaudernd vor der Asche, die wir hinterlassen haben – mehr haben wir nicht zustande gebracht?
Unsere Seelen sangen von Liebe – das hier aber hatten sie damit gewiss nicht gemeint.
Nun sammelst du meine Tränen und ich sammle die deinen. Beide wünschten wir wohl, es wären welche der Freude.
Du bist jene Frau, die nicht zu mir gehört, ich bin jener Mann, der nicht zu dir gehört – wie aber sollen wir von einander lassen, wenn das Schicksal gnadenlos bindet?
Wie verzweifelt ich wünschte, du wärst meine Erfüllung, wie verzweifelt du wünschtest, ich wäre die deine.
Da stehen wir nun starrend auf die Bruchstücke verlorener Zeit – jedes eine unheilbare Wunde.
Verstört stehen wir da, unserer Liebe beim Sterben zusehend, ihr bloß noch den Gnadenstoß erteilend – ist da doch weder ein Miteinander noch ein Ohneeinander.
Was ist von uns geblieben, wenn da nun weniger ist als nichts?
Jetzt stehen wir ernüchtert da und die Nacht senkt sich über unsere Leben.
Ungläubig stehen wir da – unfähig, Abschied zu nehmen.
Weinenden Kindern gleich sinken wir gebeutelt in die Knie, jeder verzweifelnd an das Herz des Anderen klammernd, beklagend den Trümmerhaufen, der von uns geblieben ist.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Dein Platz in der Mitte


Du bist der irrigen Ansicht, ein in seiner Mitte ruhender Mensch, ein Mensch, der bei sich selbst angekommen ist, der würde den ganzen Tag über phlegmatisch grinsen und sanft blinzeln wie eine Hindu-Kuh. Aber das ist unrichtig. Ein Mensch, der in seiner inneren Mitte ruht, trägt immer noch das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen in sich und bringt es auch zum Ausdruck. Doch er selbst bleibt davon unberührt, weil er erkannt hat, dass er nicht seine Emotionen ist. Er verspürt diese Emotionen, aber er ist nicht seine Emotion. Er verfügt über sie – nicht sie über ihn.

Menschen, die nicht in ihrer Mitte ruhen, werden zum Spielball, zum Opfer ihrer Emotionen. Doch der, der bei sich selbst angekommen ist, der meistert sie. Er kann Trauer, Zorn, Wut, Angst oder auch das Gegenteil davon empfinden, aber er verweilt dennoch in seiner Mitte, ist dabei selig, bleibt unberührt. Er beobachtet die Emotion in ihrer Flüchtigkeit, weiß um ihre zeitlich begrenzte, wechselhafte Form. Für ihn wiegt das nicht schwerer als die vorüberziehenden Wolken am Himmel.

Ein in seiner Mitte ruhender Mensch bleibt unbeteiligter Beobachter aller in seinem Innersten stattfindenden Vorgänge – deshalb ist er Meister seines Daseins; er hat sich aus der Rolle des Opfers enthoben, ist zum Gefäß geworden. Ein Gefäß identifiziert sich nicht mit seinem Inhalt – es bleibt dasselbe Gefäß, unabhängig davon, was man hineintut. Und ganz gleich, welcher Inhalt es füllt – der Inhalt muss stets die Form des Gefäßes annehmen, nicht umgekehrt. Ein in seiner Mitte ruhender Mensch weiß, dass er von seinen Emotionen unberührt bleibt in seiner Seligkeit. Das ist seine Kraft, seine Weisheit, seine heilige Freiheit – die Wurzel seiner Seligkeit.

Jene, die diesen Zustand erreicht haben, wissen das. Jene, die ihn nicht erreicht haben, halten das für unmöglich. Und solange sie es für eine Unmöglichkeit halten, erreichen sie diesen Zustand auch nicht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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