Ich fühle mich nicht mehr glücklich mit dir


„Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“ – diesen Satz sagen weltweit täglich Millionen Paare in unterschiedlichsten Sprachen zueinander. Danach trennen sie sich meistens ziemlich bald. Wahrscheinlich kennst du das sogar aus deinem persönlichen Erleben.

– Aber warum ist das so?

Nun, die meisten Menschen begehen in ihren Beziehungen einen uralten Kardinalfehler und dieser besteht aus zwei Aspekten.
Der erste Aspekt ist jener, eine Partnerschaft nicht aus Bereitschaft zur Liebe sondern aus Bedürftigkeit einzugehen. Beide fühlten sich vor ihrer Begegnung einsam, innerlich unerfüllt und wollten jemand finden, der diese Umstände ausgleichen soll. Genau deshalb haben sie sich ja auch gefunden, denn Gleiches zieht Gleiches an. In einem solchen Falle sind es zwei Bedürftige, von denen jeder den anderen um Erfüllung anbettelt. Anfangs schwelgen sie im Rausche der Verliebtheit auf Wolke 7, sind guter Dinge und projizieren im Stillen sämtliche Hoffnungen auf den neuen Schwarm. Das geht eine gewisse Zeit lang gut. Da jedoch jeder Rausch mit Ernüchterung endet und zwei unerfüllte Wesen einander nicht zu erfüllen vermögen, weil ja außer Leere nichts da ist, mit dem man den anderen erfüllen könnte, geraten sie in ein elendes Dilemma.

Zwei leere Krüge können einander eben nicht füllen. Ist einer der Krüge voll und der andere leer, wird der volle Krug den leeren zwar zu füllen versuchen, am Ende aber selbst leer sein und somit herrscht wieder die Ausgangssituation. Es bleibt Leere, wo Leere ist. Zwei Bettler können einander nicht vor der Armut retten. Auch ein Reicher kann einen Bettler nicht vor der Armut retten. Er kann ihm zwar Geld geben, ihn aber damit nicht reich machen. Denn Armut ist, ebenso wie Reichtum, ein Seinszustand, keine Frage des materiellen Vermögens. Ein unerfüllter, bedürftiger Mensch bleibt ein unerfüllter, bedürftiger Mensch. Er bleibt es so lange, bis er sich daran erinnert, dass nur er selbst sich erfüllen und somit aus der Bedürftigkeit und Einsamkeit befreien kann. Er muss sich selbst mit Liebe füllen. Er muss ein solch reichlich gefüllter Krug werden, bis er vor Liebe überquillt. Sonst bleibt er leer. Soviel zu Aspekt Nummer Eins, den ich in anderen Texten bereits ausführlicher behandelt habe.

Der zweite Aspekt des Kardinalfehlers in Beziehungen ist der, dass beide dachten, es gäbe eine Zeit des „Sich Kennenlernens“, die eines Tages ihr Ende finden würde. Irgendwann hätte der Eine den Anderen ausreichend kennengelernt und umgekehrt. Dann würde man sich kennen… Ja, und dann? Was sollte danach folgen, sobald man einander ausreichend zu kennen glaubt?

– Daran haben beide wahrscheinlich nur in Form von Idealvorstellungen gedacht. Sie hatten sich den Siebenten Himmel ausgemalt, ganz so, wie er in Liebesfilmen und Liebesromanen verkauft wird. Sie hatten sich vorgestellt, dass sie dann den anderen so gut kennen würden, um alle Techniken zu beherrschen, aus der Begegnung das meiste an Erfüllung für sich selbst herausschlagen zu können. Man würde die Prinzipien verstehen, mittels derer man den anderen so weit bringen könne, sich so zu verhalten, dass es einem selbst angenehm ist. Man hätte den Partner in einem solchen Maße ausgelotet, dass man alle Tricks drauf hat, um durch den anderen an das zu kommen, was man für sich selbst erhofft hatte.

Leider aber haben sich beide damit hoffnungslos in einem Irrtum verrannt, denn man kann einen anderen niemals ausreichend kennenlernen. Man kann sich im Prinzip nichtmal selbst ausreichend kennenlernen, da man sich täglich von Augenblick zu Augenblick verändert und entwickelt. Das gilt natürlich für den Partner ebenso. Er ist ein sich unentwegt selbst entdeckendes Wesen. Er entwickelt und verändert sich unaufhörlich. Wie kann man da nur glauben, einen anderen jemals vollständig zu kennen?
Jeder Mensch ist für sich betrachtet ein unendliches Universum. Man kann ewig durch das Wesen, durch die Seele seines Gegenübers reisen, käme aber niemals an ein Ende. Daher endet auch das „Sich Kennenlernen“ niemals. Es gibt keine Zeitspanne, innerhalb derer dieser Prozess jemals abgeschlossen wäre. Das gilt es zu verinnerlichen.

Der Tanz zweier Seelen beginnt bereits vor ihrer Geburt. Lange Zeit tanzen sie vielleicht alleine oder mit anderen. Bis es zwischen ihnen zur Begegnung in dieser Welt kommt. Da setzt sich der Tanz dann fort. Anfangs ist der Tanz unbeholfen. Man tritt einander häufig auf die Zehen, hat aber Freude daran, weil man weiß, es ist Teil des Tanzes. Mit der Zeit wird man besser. Man findet allmählich einen gemeinsamen Rhythmus sowie die Balance zwischen Nähe und nötiger Distanz. Der Tanz wird leichter, anmutiger, fließender, aber man beherrscht längst nicht alle Schritte und Figuren. Man muss üben und üben und üben. Man muss arbeiten an diesem Tanz. Manchmal frustriert es, weil man selbst einen Schritt bereits drauf hat, der andere aber noch nicht. Dann braucht man Geduld. Man braucht Hingabe. Man braucht Liebe. Man muss einander Zeit, Raum und auch Abstand schenken. Und man kann den Tanz nicht einfach aufgeben, bloß weil er manchmal anstrengend ist. Sonst ist man kein guter, sondern bloß ein fauler Tänzer. Faule Tänzer werden irgendwann zu Solotänzern, die versuchen, sich mit anderen faulen Solotänzern die Nacht um die Ohren zu schlagen, um sich aus der Verantwortung vor dem Tanz wahrer Liebe zu stehlen. Ein solcher Tanz ist ein trauriger und zutiefst einsamer.

Das Geheimnis aller erfüllten Partnerschaften lag und liegt demnach darin, dass sich beide nicht aus Bedürftigkeit fanden, sondern aus der Bereitschaft des überreichlich gefüllten Kruges, der so sehr mit Liebe angefüllt ist, dass er gar nicht mehr anders kann, als sich über und in den anderen zu ergießen. Und beide waren und sind stets bereit, ihre Entdeckungsreise durch die Seele des anderen nicht an eine fiktive Zeit des „Sich Kennenlernens“ zu opfern, sondern sich im vollen Bewusstsein auf den endlosen Tanz miteinander einzulassen. Sie wissen beide, es gibt nur die tägliche Neuentdeckung des Geliebten. Da ist die ewige Übung im gemeinsamen Tanz.
Ein solches Paar wird nach Dekaden des Miteinanders nicht sagen „Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“, sondern es wird sagen „Seit wir einander trafen, wurden wir täglich besser!“.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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© 2017 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Mondblut


Ich ersehne dich
und den Weihrauch der Nacht.
Ich ersehne dich
und das Blut des Mondes im Juli.
Ich erflehe das Bad
in der Flamme deines Lichts.
Kalt und silbrig die Hoffnung
in stillen Tränen,
gefolgt von Jahren,
die die Unschuld meiner Liebe
nährten.
Ich erbitte dich
und den Schmerz,
der du bist.
Ich erflehe den Tanz
im Feuer deiner Liebe.
Ich ersehne dich
und das Mondblut auf weißen Laken.
Warm und schillernd der Abschied
in deinem Lächeln,
abgelöst von jenen Augenblicken,
die die Hoffnung auf dich
erstickten.
Ich ersehne dich.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Als ich begann, dir nichts mehr zu sagen



Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ als sanfte Einstimmung auf den heutigen Abend, der lieblich in die morgige Langeweile eines Feiertags gleiten möchte wie ein müder Schwan übers stille Wasser eines kitschigen Seerosenteiches, an dem du und ich nicht sitzen im Regen eines Julis, der niemals kommen mag, Hand in Hand, geschmolzen wie das Wachs einer heruntergebrannten Kerze, wie eine Zigarette, der keiner Feuer geben mag, schweigend, jeder in liebevoller Einsamkeit für den anderen.
Wenn dann die Wärme deiner Hand aus der meinen schwindet, weil du einem Traum ähnlich wieder deiner Wege ziehst, dann sollst du wissen, dass ich dich erst so unerbittlich zu lieben begann, als du nicht mehr da warst. Weil auch du mich immer erst dann lieben kannst, wenn du gegangen bist – drehe dich um und flüchte mit einer faulen Ausrede, so wie du das gerne tust. Doch wie oft und wohin du auch gehen magst – du bleibst mein Spiegel im Spiegel, so wie ich der Bruch im Herzen deines Herzens bleibe. Ein Bruch, den du mit seichten Liebschaften zu kitten bemüht bist.
Sie tun mir nichts, diese Regenpfützenliebschaften, aber du bist es, die verzweifelt an ihrem Mangel am Ankommen, einem Blinden mit Pfeil und Bogen ähnlich, in dumpfer Dunkelheit scheiternd, ein Herz so zu treffen, wie das meine. Weil nur ich ihn wieder flicken werde, diesen Bruch in deiner Mitte, indem ich dich nie wieder halte und dir keine Gedichte mehr schreibe. Dieses Gedicht ist nicht für dich, so wie keines meiner Gedichte jemals für dich war – all meine Gedichte waren stets nur für den Applaus, sie waren für die Katz, denn die ist ehrlicher zur Liebe, als wir beide es jemals sein werden.
Wir beide wissen nur zu gut: Bloß weil jemand nicht zu sehen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass er nicht da ist. Also bin ich dir niemals bitter, ich bin dir niemals gram, keine Fesseln mehr, keine Versprechungen, kein Drama – stille Akzeptanz ist mein Tanz, zu dem ich dich nicht bitte, denn Kirschblüten regnet es zu allen Zeiten, wenn der Frühling zur Ewigkeit wächst.
So sieht meine Spontan-Profan-Poesie aus, wenn nichts Besseres da ist, weil das Beste wieder einmal geflohen ist. Innert 7 Minuten geschrieben, innert 19 Minuten vergessen, innert 12 wieder erinnert… 1979 Tastenanschläge sind nicht nötig, um weniger zu sagen als nichts. Nichts – das ist alles, was ich dir noch zu sagen habe, doch es ist mehr, als ich jemals sagen wollte.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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