Du bist Soldat in einem unsichtbaren Weltkrieg


Ist dir das schon aufgefallen? – Egal, welche Information du dir holst, dich findet sehr bald schon jene Gegeninformation, welche die erste Information neutralisiert. Wo auch immer du hinsiehst, was auch immer du hörst oder liest – irgendwer hat immer Argumente und „Beweise“, die ebenso schwer wiegen wie das, was du gesehen, gehört oder gelesen hast. Zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie, zu jeder These eine Antithese, zu jedem Beweis einen Gegenbeweis, zu jeder Information eine Gegeninformation. Und all das trifft dich täglich massenweise und in allen Bereichen deines Lebens. Es gibt nichts mehr, rein gar nichts mehr, woran du dich halten kannst, sobald du dich auf den mühsamen Weg zur Wahrheit machst. Unter dem Strich weißt du hinterher soviel wie vorher. Was bleibt ist Verwirrung und Ratlosigkeit, manchmal auch Wut.
– Das ist das Informationszeitalter! Du lebst in einer Welt voller Information. Du lebst in einer Welt, in der alle Information jederzeit verfügbar scheint. Aber du lebst dadurch auch in einer Welt ohne Wahrheit. Und das ist der größte Verlust, den die Menschheit jemals erleiden musste – den Verlust der Wahrheit zum Preis des Gewinns an unüberschaubarer, überall verfügbarer Information.
Information aber ist nicht gleich Wahrheit und Wahrheit ist nicht gleich Information. Doch woran sollst du das Eine vom Anderen unterscheiden in einer Welt, in der jeder Idiot jedwede Information als Wahrheit verkaufen möchte und auch kann?

Nun, diese Frage ist nicht mit wenigen Worten zu beantworten, denn zunächst muss geklärt werden, worin der Unterschied zwischen Information und Wahrheit besteht.

Information ist etwas, das jeder herstellen kann. Das geht ganz leicht. Du setzt dich einfach vor deinen Computer, logst dich in das soziale Medium deiner Wahl ein oder verfasst einen Blog oder sogar ein Buch. Schreibe einfach munter drauf los. Du musst dich dabei durch nichts bremsen lassen. Schreibe über das, was dir gerade selbst gefällt und was du gerne als Info unter die Leute bringen willst. Wenn du das geschickt machst und so tust, als hättest du von dem Thema, über das du schreibst, tatsächlich Ahnung, dann wird daraus Information. Und wenn du dazu ein wenig googelst, um jemand zu finden, der eine ähnliche Ansicht wie du vertritt, damit du dich in deinen Texten auf ihn beziehen kannst, wird daraus sogar Information mit Wahrheitsanspruch. Ob deine Information tatsächlich wahr ist oder nicht, spielt kaum noch eine Rolle – sobald du deine Texte publizierst, wird es Menschen geben, die sie für die Wahrheit halten. Was sich dazu immer gut macht, sind Fotos zum Text. Diese Fotos müssen nicht unbedingt von dir selbst stammen – du kannst sie mittlerweile einfach auf google klauen. Das kostet nichts und der Großteil aller Menschen tritt das Urheberrecht ohnehin bereits mit Füßen – alles scheint public domain! Daher benutze Fotos, wenn du deine Info besser aussehen lassen möchtest. Du solltest bei der Fotoauswahl bloß darauf achten, dass die Fotos in ihrer Aussage das bekräftigen, was du mit deinen Texten auszudrücken versuchst.
Wenn du ganz schlau bist, googelst du nach irgendwelchen Studien von sogenannten „Experten“, die deine Meinung untermauern könnten, und packst diese Studien als Fußnoten oder Bezugsquellen in deine Texte. Dann publizierst du das Ganze und sorgst dafür, dass es viral wird.
– Voilà! Du hast Information hergestellt! Und die muss nicht einmal wahr sein – sie muss bloß wahr wirken und viral gehen, damit viele Menschen sie für wahr halten. So einfach geht heutzutage Information.

Wahrheit ist im Vergleich zur Information schon schwieriger zu bekommen, denn Wahrheit ist weder inflationär noch ist sie künstlich herzustellen. Natürlich gibt es ein paar ganz Schlaue, die behaupten, es gäbe so etwas wie die Wahrheit gar nicht. Doch vor denen hüte dich, denn solche „Schlaumeier“ wollen dir mit ihrer Aussage bloß weismachen, das es die Wahrheit sei, dass es keine Wahrheit gäbe – ein offenkundiger, logischer Widerspruch und ein Paradoxon, das nicht funktioniert. Daher sei schlauer als die „Es-gibt-7 Milliarden-Wahrheiten-Fraktion“. Es gibt keine 7 Milliarden Wahrheiten – es gibt immer nur eine einzige Wahrheit und vielleicht 7 Milliarden Wahrnehmungen, 7 Milliarden Blickwinkel auf dieser Wahrheit. Doch es gibt Wahrheit. Und von dieser Wahrheit gibt es zu jedem Sachverhalt immer nur jeweils eine einzige.
Wahrheit erkennst du daran, dass sie sich nicht wandelt – sie ist unveränderlich, ewig und klingt immer gleich, ganz egal, von welcher Quelle sie verbreitet wird. Zwei mal Zwei ist immer Vier. Das ist unveränderlich. Alle Farben des Lichtspektrums vereint ergeben immer weißes Licht. Das ist unveränderlich. Eine Kraft ist immer die Ursache einer Beschleunigung. Das ist unveränderlich. Für den Frieden kannst du nicht kämpfen – du musst Frieden sein, wenn du welchen haben willst. Das ist unveränderlich. Alles Leben unterliegt der Evolution und alle Evolution ist Leben. Das ist unveränderlich. Mathematik ist Wahrheit. Physik ist Wahrheit. Evolution ist Wahrheit.
– All das sind Beispiele für Wahrheit. Und all diese Beispiele stellen Aspekte dar, die Unveränderlichkeit ausdrücken. Daher erkennst du Wahrheit daran, dass sie immer gleich klingt, ganz egal, wer sie verkündet. Wahrheit wandelt sich nicht mit der Zeit, der Mode, dem Trend oder der Moral. Sie ist zeitlos und unterliegt nicht dem persönlichen Geschmack. Und Wahrheit ist zudem meist unbequem. Sie deckt sich oftmals nicht mit deinem persönlichen Paradigma und so gut wie nie mit dem globalen. Wahrheit kann weder vergehen noch muss sie erschaffen werden. Wahrheit ist. Wahrheit kann nicht verändert und nicht verborgen bleiben, denn alle Wahrheit strebt beständig an die Oberfläche, ans Licht. Und sie sucht nach dir, wie du nach ihr suchst. Sie wird dich finden, bevor du sie findest. Denn alle Wahrheit strömt. Sie liegt nicht außerhalb von dir, sondern tief in dir. Du kannst sie nicht in deinem Kopf, in deinem Verstand finden – du findest sie ausschließlich in deinem Herzen. Tief in deinem Innersten existiert Wahrheit. Von daher stammt sie. Sie kann nur da sein, wo dein Denken nicht mehr ist, denn dein Denken ist durch Information permanent verwirrt. Dein Herz aber kann nicht durch Information in Verwirrung geraten. Wahrheit ist kein Erzeugnis und sie klingt immer gleich, ganz egal, wer sie verkündet.
– Daran erkennst du Wahrheit.

Wie du siehst, besteht ein großer Unterschied zwischen Wahrheit und Information. Das, was du gemeinhin für Wahrheit hältst, ist meist bloß Information. Dabei wählst du gerne jene Information als deine vermeintliche Wahrheit, die dir momentan am besten in den Kram passt. Du suchst dir jene Info, die das bestätigt, was dir in deiner gegenwärtigen Lebensphase am besten gefällt, und behauptest dann, dies sei die Wahrheit. Dabei vergisst du, wie viele „Wahrheiten“ du im Laufe deines Lebens schon zu ein und demselben Thema hattest – als Fünfzehnjähriger hattest du ganz andere Wahrheiten als mit Fünfundzwanzig und mit 65 hast du ganz andere Wahrheiten als mit 45. Für all deine vermeintlichen Wahrheiten aber warst du zum jeweiligen Zeitpunkt stets bereit zu kämpfen und zu streiten. Und für mache davon wärst du sogar bereit gewesen, etwas ziemlich Dummes oder Schreckliches zu tun.
Doch wo sind sie heute hin, diese total „wahren“ und „wichtigen“ Wahrheiten?
– Sie wurden durch andere, durch neue „Wahrheiten“ ersetzt.
Daher kannst du davon ausgehen, dass deine bisherigen Wahrheiten nicht die Wahrheit waren, sondern bloß Informationen, die dir gut gefallen haben.
Information ist jederzeit und von jedermann künstlich herstellbar, formbar, veränderlich und deinem Geschmack oder dem Trend unterlegen, denn es gibt massig davon. Wahrheit aber ist kein Produkt. Sie ist der unmanipulierte Zustand von etwas, das tatsächlich so ist, wie es ist. Sie kann in ihrer Essenz nicht verändert werden und schert sich einen Dreck um Geschmack, Zeitgeist, Mode oder Moral.

Das Schlimme an der Zeit in der du lebst, ist der Krieg, in dem du dich befindest. Die Schlachtfelder dieser Epoche sind keine geografischen mehr – die Schlachtfelder unserer Zeit befinden sich in unseren Köpfen. Da tobt der Dritte Weltkrieg. In unseren Gehirnen findet der Krieg statt. Und er wird mit Waffen geführt, die da lauten: Argument und Gegenargument, Studie und Gegenstudie, These und Antithese, Beweis und Gegenbeweis, Information und Desinformation. Das Medium dieses Krieges ist das Internet, die sozialen Plattformen. Und du bist ein Soldat mit einem Avatar als Kampfanzug. Deine Front ist deine Meinung, die du dir aus Informationen zusammengebastelt hast. Und so kämpfst du in einem Krieg, den du als solchen nicht erkennen kannst, solange du daran glaubst, dass Wahrheit etwas sei, das außerhalb von dir selbst existieren könnte. Du wirst solange Soldat in diesem Krieg sein, solange du Wahrheit in deinem Kopf zu finden versucht bist. Du wirst mit den Waffen dieses Krieges verletzen und töten, solange du an Expertenmeinungen, unabhängige Studien und Massenmedien glaubst. Du wirst es sogar bis zum Weltuntergang treiben, ehe du nicht erkennst, worin der Unterschied zwischen Information und Wahrheit besteht.
So hart und pathetisch das möglicherweise klingen mag, aber du befindest dich tatsächlich in einem Weltkrieg. Seine Waffe ist die Information. Seine Schlachtfelder sind wir selbst. Und seine Opfer sind unsere dereinst freien Geister. Der Friede unserer Seele ist das größte Opfer dieses Krieges. Erst dann, wenn der Großteil aller Menschen jene Wege geht, die der Wahrheit erlauben, aus dem Herzen des Menschen empor zu steigen, wird dieser Krieg enden. Dazu muss der Mensch das Herzdenken erlernen. Solange der Mensch ein Kopfwesen bleibt und die Wahrheit aus externen Informationsquellen zu beziehen versucht, statt sie aus sich selbst empor steigen zu lassen, solange wird der Krieg weiter toben und die Menschheit in noch kleinere Fraktionen zersprengen, die alle ihren bevorzugten, als Wahrheit gepriesenen Informationen dienen. Denn indem man durch massenhafte Information dem Menschen die Wahrheit nimmt, beraubt man ihn auch des inneren Friedens. Man beraubt ihn der Solidarität mit seinem Nächsten. Und man beraubt ihn dadurch der Würde als menschliches Wesen.
Massenhafte Information ist das Gift, welches die Wahrheit auf Basis der daraus entstehenden Desinformation zu zerstören versucht. Und Wahrheit ist das Heilmittel gegen die Information. Daher finde Wahrheit! Und bedenke: Information existiert inflationär – Wahrheit gibt es zu jeder Sache immer nur jeweils eine. Information strömt von außen nach innen – Wahrheit fließt von innen nach außen. Information verwirrt den Verstand – Wahrheit klärt ihn. Information erreicht den Kopf – Wahrheit kommt aus dem Herzen. Der Weg zum Herzen führt über echte Meditation. Echte Meditation ist etwas, das jenseits des Denkens geschieht.

Wenn du erkannt hast, das echte Meditation der Schlüssel zur Wahrheit ist, weil echte Meditation dir den Quell der Wahrheit und des universellen Wissens in deinem Innersten offenbart, dann wirst du frei sein von all den Wirrnissen des Informationszeitalters. Du wirst dann kein Soldat mehr im Infokrieg sein.

Und am Ende muss jetzt dein Herz entscheiden, ob meine Worte nun Wahrheit sind oder bloß Information. Betrachte es als die erste Übung zum Ausstieg aus dem Krieg in deinem Kopf.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Der Wahn von totaler Sicherheit


Ich mache dir ein Scheinangebot, dass du nicht ablehnen kannst, weil ich sowieso durchsetzen werde, was ich längst beschlossen habe. Dieses Scheinangebot lautet:

Ich werde dir 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, dein ganzes Leben lang mit einer Kamera und einem Aufnahmegerät folgen. Ich werde alles, was du tust, aufzeichnen – deine Telefonate, deine intimen Gespräche mit deinem Partner, deiner Familie, deinen Freunden. Ich werde dich filmen beim Scheißen, beim Sex, beim Onanieren, beim Nasenbohren. Ich werde speichern, wann du lachst und wann du weinst, wann du schwanger wirst oder Grippe hast. Ich werde wissen, welche Bücher du magst, welche Pornos du schaust, welche Speisen du verträgst und von welchen dir übel wird. Ich werde deine Lieblingsfarbe kennen und wissen, welchen Rasierer du benutzt, ob du lieber Binden oder Tampons verwendest. Ich werde Einblick haben in deine Lebenskrisen, deine Sehnsüchte, deine Ängste, deine Hoffnungen. Ich werde deine Blutgruppe kennen und deine DNA durchleuchten. Ich werde immer und überall sein. Wohin du auch gehst, ich werde dir folgen. Was auch immer du tust, ich werde es wissen. Wen auch immer du triffst, ich werde ihn kennen.

Im Gegenzug verspreche ich dir Sicherheit, die ich zuvor für dich ins Wanken gebracht habe. Ich verspreche, dich vor Bedrohungen zu schützen, die ich selbst für dich kreiert habe. Und ich gebe dir das Versprechen, all das, was ich über dich weiß – und ich weiß alles über dich und noch ein wenig mehr, denn ich habe dich biologisch, mental und psychologisch komplett analysiert –, nicht gegen dich verwenden werde, indem ich dich öffentlich bloßstelle und einen Teil oder alle Daten über dich publik machen werde. Dieses Versprechen gilt natürlich nur solange, bis ich einen Gesinnungswandel durchmache oder aus einer Laune heraus Lust dazu habe, dich völlig nackt dastehen zu lassen. Und ich halte dieses Versprechen auch nur solange, solange du das tust, was ich will, solange du dich so verhältst wie ich das möchte, solange du das kaufst, was ich dir sage, solange du die Arbeit tust, die ich von dir verlange und solange du dich niemals gegen mich auflehnst, denn solltest du nicht so agieren, wie ich das will, werde ich dich vor Gericht stellen in einem Prozess, den du nicht gewinnen kannst, weil ich als Sieger bereits feststehe. Dann stecke ich dich ins Gefängnis, wo ich dich vielleicht foltere und, so mir der Sinn danach steht, sogar eliminiere.

– Wenn ich dir so ein Angebot machen würde, was würdest du dann sagen? Würdest du es still mit dem Satz „Mach nur, ich habe ja nichts zu verbergen!“ annehmen und mir sogar Steuern dafür zahlen, deren Höhe die Hälfte all dessen ausmacht, was du durch den Einsatz deiner unwiederbringlichen Lebenszeit verdienst?
Würdest du mir all das mit Gleichgültigkeit gestatten?

– Nein, das würdest du wohl nicht erlauben. Du würdest dich mit allen dir zu Verfügung stehenden Mitteln gegen mich auflehnen. Du würdest deine Familie und deine Freunde auf den Plan rufen und mich sabotieren, wo du nur kannst.

Meine durchaus berechtigte Frage nun an dich: Wenn du mir das also nicht gestatten würdest, obwohl du meinen Namen und meine Person kennst, wieso gestattest du es dann anonymen, gesichtslosen Institutionen und Personen tagein tagaus? Warum winkst du nicht einfach mal freundlich in die nächste Überwachungskamera (du weißt gar nicht, wie viele es davon allein in deiner nächsten Umgebung gibt)? Warum stellst du die Privatsphäre-Einstellungen auf deinen liebsten sozialen Plattformen nicht einfach so ein, dass jeder alles sehen kann, wenn du doch nichts zu verbergen hast?

– Ganz einfach: Weil Privatsphäre dein Recht als freies Individuum ist. Es ist ein Grundrecht in einem demokratischen System. Da du aber keine Privatsphäre mehr hast, bist du kein freies Individuum mehr. Und da deine Privatsphäre nicht mehr gewahrt bleibt, ob du das willst oder nicht, lebst du auch in keinem demokratischen System mehr.

Bedenke: Du wirst rund um die Uhr überwacht, ob dir das nun gefällt oder nicht. Und alles, was du tust, sagst, kaufst, wünscht, hoffst, brauchst, ablehnst oder hasst wird für immer gespeichert und kann und wird jederzeit, wann immer sich das System wandelt, gegen dich verwendet werden.
Die Geschichte ist voll von Geschichten, in denen Menschen wegen der falschen Gedanken, der falschen Gesinnung plötzlich zum Straftäter wurden. Sei dir dessen bewusst, wenn du das nächste mal ignorant und dumm sagst „Ich habe doch nichts zu verbergen!“, denn ich weiß, dass du etwas zu verbergen hast. Und sei froh, wenn dies niemals an die Öffentlichkeit gelangt.

Fazit: Totale Sicherheit (die es nie geben wird) erfordert totale Überwachung und totale Überwachung bedeutet totale Unsicherheit für den Einzelnen. Jeder, der diesen Fakt tatenlos ignoriert, ist mitschuldig. Punkt.

PS: Nein, ich biete dir keine Lösungsansätze, denn genau das wäre der falsche Ansatz – du sollst wieder lernen, selbst zu denken, aus dir selbst heraus kreative Lösungen zu entwickeln und dich mit deinem nächsten zusammen zu tun, um endlich ein freies, selbstverantwortliches Wesen in einer besseren Welt zu werden. Dir wurde bereits alles vorgekaut – ich bin hier, um dir das bewusst zu machen.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Die Wölfe unter den Schafen


Es gibt Schafe. Und es gibt Wölfe. Das sind die zwei Kategorien, in die sich die Menschheit teilt. Wölfe bevorzugen das Rudel oder streifen sogar als Einzelgänger durch die Welt. Sie sind wach und wachsam, treiben die Schafherde vor sich her, lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Schafe hingegen folgen gedankenlos der Herde, sind systemhörig, befinden sich in einem Dämmerschlaf.
Systemhörige Gehirne können weder an ihre eigene Versklavung noch an die Tatsache einer Weltverschwörung glauben – sie wurden darauf trainiert und konditioniert, für das Lügengebäude ihrer Welt zu kämpfen. Es ist ihre Aufgabe, dieses System bis aufs Blut zu verteidigen, selbst wenn dieses für sie schädlich ist. Ihr Glaube stützt sich allein auf die Lügen der Wissenschaft, der Politik und der Medien. Folgsam sind sie. Soldaten in Zivil, mit eingeschränktem Neocortex und betäubtem präfrontalem Cortex ist es ihnen nicht gegeben, das System als solches anzuzweifeln. Sie werden alles tun, um die Lüge, in die sie hineingeboren wurden, zu verteidigen, beginnend mit Selbstbetrug bis hin zur Diffamierung sowie der Lynchjustiz an jenen, welche die Lüge durchschauen und lautstark anprangern. Um das System zu schützen ist den Schafen jedes Mittel recht. Es handelt sich bei diesen Zivilsoldaten um hörige, abhängige, bedauernswerte Wesen, die auf Befehl ihrer Autoritäten funktionieren und wie Lemminge über die Klippe eines bodenlosen Abgrundes stürzen, der Werbung und dem Trend folgen, sich moralisch anpassen und ohne Befehlsgeber völlig hilflos dastehen. Menschen dieses Schlages machen den Großteil der Weltbevölkerung aus. Es sind dies die geheimen Soldaten einer perfiden Elite, deren erklärte Agenda darin liegt, die totale Kontrolle über den Planeten zu übernehmen. Es hat wenig Sinn, mit diesen Wesen zu diskutieren – sie sind sowohl aus biologischen als auch mentalen Gründen unfähig, die Wahrheit über ihre Welt zu erkennen, geschweige denn, diese zu akzeptieren.
Wölfe sind nicht zu zähmen, sie folgen nur ihrem Alphatier aus freiwilligen Gründen, können aber auch alleine für sich bestehen. Wenn du also ein Wolf bist, dann verschwende deine Zeit nicht mit Schafen – bedauere sie und geh unbeirrbar deinen Weg als waches, bewusstes Wolfswesen. Sei froh, kein Schaf sein zu müssen, auch wenn du als Wolf von den Schafen gehasst wirst.
Akzeptiere: Es gab immer schon weniger Wölfe als Schafe. Und das hat seinen Sinn.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by David P. Pauswek © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Mut zur Dunkelheit


« Die Unterdrückung und Verleugnung deiner inneren Dunkelheit ist jene Kette, die dich an sie bindet. Wenn du lange genug die Dunkelheit in dir verneinst, wirst du letztlich zum Heuchler, zu einer bedauerlichen Witzfigur – ein schwindendes Licht, das vergessen hat, die Dunkelheit als seinen Rahmen zu nutzen. »

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Foto by Babou Lina © 2012. grafik & design by alphawolf © 2015. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Das Leben tanzen


« Wenn ich sage, lebe das Leben, liebe das Leben, tanze das Leben, dann möchte ich dich damit ermutigen, den Augenblick zu feiern. Feiere all das, was jetzt ist – jeden Atemzug, jeden Herzschlag, jedes Lächeln, jede Träne, jede Begegnung, jeden Abschied, jeden Gipfel und jedes Tal. Kannst du den Augenblick feiern, so als gäbe es keinen anderen als diesen einen, dann wird dein Dasein zu einem Fest der Fülle. Du tanzt in den Hallen höchsten Reichtums. Das ist es, was ich meine, wenn ich sage: Lebe das Leben, liebe das Leben, tanze das Leben! »

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek. Foto by Fotostudio Eiger © 2012. grafik & design by alphawolf © 2013. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du und das Karma


Der Begriff „Karma“ wird von vielen Menschen völlig widersinnig verstanden. Karma ist für die meisten Menschen so etwas wie für die Christen die Erbsünde. Das Wort „Karma“ entstammt dem Sanskrit. Es bedeutet „Wirken, Tat“. Der Glaube an ein Karma, das dir aus „früheren“ Inkarnationen nachhängt, entstammt dem Hinduismus. Dieser aber wurde über die Jahrtausende hinweg verfremdet. Der Hinduismus ist eine Religion. Und Religionen hat man bloß aus einem einzigen Grund so machtvoll aufgeblasen – um Menschen zu manipulieren, um sie in Schach zu halten.

– Wie hält man Menschen am Besten in Schach? Nun, man schaffe ganz einfach ein Szenario der Gefahr, man halte sie in Angst. Das Christentum erreicht dies durch den Zorn Gottes und mittels der Erbsünde. Der Hinduismus setzt dafür das Karma ein, welches man über Inkarnationen hinweg aufgebaut hat. Du fürchtest natürlich insgeheim dein Karma aus „früheren“ Leben, hast Angst, dieses Karma nun „abtragen“ zu müssen und wirst somit von diesem Karma und der Furcht davor in Schach gehalten – ich aber sage dir, dass es gar keine „früheren“ Leben gibt.

Alles Leben findet zur selben Zeit statt – Jetzt! Alle Inkarnationen werden in einem einzigen Augenblick, der ewig andauert, erlebt – Jetzt! Nur du in der Erfahrungsmatrix deiner Realität erfährst Zeit als etwas Sequenzielles. Zeit aber ist dort, wo das ewige Jetzt ist, ausschließlich simultan und hört somit auf zu existieren. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist Eins im ewigen Jetzt. Das Leben selbst ereignet sich somit stets nur simultan – im ewigen Jetzt.

– Wie also kann es da frühere Leben geben und wie ein Karma, das dich heute noch heimsucht, für das du entweder büßen musst oder für das du belohnt werden kannst? Du kannst dich ja nicht mal erinnern an dein vermeintliches Karma – wo also läge der Sinn eines solchen, wenn du daraus nichts lernen kannst, weil du dich nicht erinnerst?

Lernprozesse erfordern ein Erinnerungsvermögen, sonst findet kein Lernen, sondern bloß ein Erleben statt – und genau deshalb bist du auch hier: Um zu erleben, um zu erfahren auf irdischer Ebene. Lernen ist nicht der Grund deines Hierseins. Es gibt nichts zu lernen. Du hast bereits alles Wissen in dir – du bist hier um dieses Wissen auf der Ebene der Erfahrung zu erleben. Denn Wissen ohne die Erfahrung des Wissens ist gleich dem Nicht-Wissen. Somit bist du kein Lernender, sondern ein Erfahrender.

Wenn ich also von Karma spreche, dann meine ich etwas völlig Anderes, als die meisten Menschen darunter verstehen. Meine Erfahrung von Karma ist eine vollkommen andere – sie ist befreit von religiösen Hintergründen, befreit vom Belohnungs- und Bestrafungssystem deiner dualistisch orientierten Religionen.
Wenn ich von Karma spreche, dann meine ich den Plan, den du als Seele hattest, bevor du dich inkarniert hast. Ich meine die Skizze, die du angefertigt hast, bevor du aus dem All-Einen in das Vielfache übergingst. Dieser Plan, diese Skizze – das ist dein Karma, deine Bestimmung, der Plot, nachdem deine Inkarnation verlaufen wird.
Die All-Seele hatte den Plan, sich als jene Individuation, als die du dich im Augenblick erfährst, in gewisse Erfahrungen zu begeben. Dieser Plan erfüllt sich unabdingbar. Es gibt keinen Weg, ihn zu ändern. Deshalb erscheint dir das, was du auf deiner bewussten Ich-Ebene, was du innerhalb der Erfahrungsmatrix des Egos erfährst, wie Schicksal, Bestimmung oder Karma im herkömmlichen Sinne.

Du kannst auf der Ich-Ebene diesen Plan der Seele weder ändern noch kannst du daran scheitern – du magst die Illusion eines Scheiterns erfahren, weil dem Ego nicht gefällt, was es erleben muss, doch das liegt dann bloß an einem Mangel an Hingabe an den Plan, den die Seele ausführt.
Es ist also weiser, dich hinzugeben, als gegen dich selbst zu kämpfen – du kannst diesen Kampf ohnehin nicht für das Ego entscheiden! Das Ich zieht hier unweigerlich den Kürzeren.
Wenn du den Körper verlässt, gehst du erneut über in die All-Seele, fernab von allen Illusionen dieser Welt. Die Person, die du glaubtest zu sein, löst sich auf für immer – dein Ego erlischt. Es hat dich nie gegeben. Die Illusion endet. Der Plan ist erfüllt, das Karma abgetragen.
– Wozu also gegen deinen eigenen Plan ankämpfen?

Wenn ich dich nun unter Hypnose „zurückführe“ in eine Inkarnation, dann erinnerst du dich nicht an dein früheres Leben, sondern wirst vielmehr zum Kanal (zum Channel) für die All-Seele. So transportierst du Informationen aus einem simultan stattfindenden Leben in die Matrix von Zeit und Raum. Im Grunde bist du jedoch alle Inkarnationen zugleich – wir alle sind jeder, in Wahrheit aber nur das Eine.

Dich gibt es in Wirklichkeit überhaupt nicht. Das gilt es zu akzeptieren. Du existierst nicht wirklich, denn auch du als das Ich, das du glaubst zu sein und als welches du dich im Augenblick erfährst, bist bloß Teil dieser Illusion innerhalb der Matrix von Raum und Zeit.
Du als dein wahres Selbst aber bist immer unbefleckt gewesen – du wirst es ewig sein! Deshalb nimmst du auch keine Liste an „guten“ oder „schlechten“ Taten mit, wenn du dich wieder inkarnierst, wenn du wieder ein Ego erschaffst, wenn du dich wieder als ein Ich in die Illusion begibst. Du kommst vollkommen unbelastet, rein und weiß wie ein frisches Leintuch in die Welt.
Bedenke: Dein Ich existiert bei deiner Geburt noch gar nicht. Du brauchst in etwa drei Jahre, um dieses Ich zu entwickeln, und in Folge den Rest deiner Inkarnation, um dir die Illusion einer Persönlichkeit zu erschaffen, mit der du dich während des Verlaufs deines Lebens identifizierst.
– Nimm also nicht allzu ernst, was du erlebst! Es ist bloß Illusion, eine perfekt gemachte Simulation – nicht mehr, nicht weniger.

Das dualistische Paradigma deiner Welt mag mit diesen Gedanken nicht klarkommen, aber vergiss diese Polaritäten, lass sie einfach los – sie sind bloß Teil der Illusion, in der du dich hier auf Erden befindest. Es gibt keine Polaritäten im All-Einen. Somit gibt es auch keine Waage, auf welche deine Taten gelegt werden am Ende deiner Inkarnation. Und es gibt keinerlei Schuld, die du abzutragen hättest, ausgenommen jener, die du durch dein unmittelbares Denken und Handeln als Konsequenz im Jetzt erfährst. Doch eine Konsequenz ist noch lange keine Schuld in dem Sinne, in dem Schuld generell verstanden wird. Das ist es, was Jesus meinte, als er sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben, denn ich habe es gesagt!“
Nun bin ich hier und sage es dir erneut: Du bist frei von Schuld!

Wenn ich dir Karma mit einem Satz erklären möchte, dann sage ich: Das große Karma ist der Plan der Seele, das kleine Karma ist das Echo deiner gegenwärtigen Schwingung, die du aussendest. Und dieses Echo hallt unmittelbar wider. Vielleicht erreicht dich sein Widerhall um einige Jahrzehnte verzögert, doch ein Jahrzehnt gilt im Anbetracht nicht-existenter Zeit als unmittelbar – Karma ist das Echo deiner gegenwärtigen Schwingung, nicht mehr, nicht weniger.

Sende Liebe aus – Liebe wird das Echo sein! Aber sende die Liebe nicht des Echos wegen – sende sie allein der Liebe wegen!

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du, ein Schöpfer?


Viele propagieren dieser Tage ihr Schöpfertum. Du erzählst mir von göttlicher Macht, die du besäßest, erzählst davon, deine Wirklichkeit zu erschaffen mittels deiner Gedanken. Jeder Gedanke, so sagst du, weil es dir jemand gesagt hat, dem es jemand erzählt hat, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat, wäre machtvoll und könne Realität erzeugen. Du müsstest einfach nur dein Denken und Glauben ändern und dann würde sich dein Leben wandeln zu einer Erfahrung von Liebe, Fülle, Reichtum und Glück. Und so denkst und denkst du, tagein und tagaus, bist ständig am Denken und Visualisieren.

– Wieso aber läuft dann dein Leben nicht rund? Wieso wird nichts so, wie du es wünscht, wie du es denkst, wie du es glaubst?

Weil du „falsch“ denkst, sagt dir jener, der dir über die Macht der Gedanken erzählt hat, weil es ihm jemand gesagt hat, der es von jemand erzählt bekam, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat. Du mühst dich dem gemäß ab und hoffst darauf, schon bald das gewünschte Ergebnis durch deine Gedanken erlangt zu haben – bald wird sich dein Leben wandeln zu einer Erfahrung von Liebe, Fülle, Reichtum und Glück.

Das ist aber nicht deine unmittelbare Erfahrung von der Wirklichkeit. Du erfährst immer noch ein ähnliches Dilemma in deinem Leben wie damals, bevor dir einer von der Macht der Gedanken erzählt hat, weil es ihm jemand gesagt hat, der es von jemand erzählt bekam, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat – du erreichst mit deinem Denken schlicht und einfach nicht das, was du dir versprichst.

– Woran liegt das wohl?

Nun, ich habe da für dich eine kleine, leicht bittere, dafür aber interessante und heilsame Antwort:

Die wahren Schöpfer wissen genau, dass sie nicht die Schöpfer sind – sie waren und sind nur ein Instrument, ein Medium, ein Kanal. Gewiss, etwas geschah und geschieht durch sie, aber sie haben es nicht gemacht. Du in deinem Ich-Bewusstsein bist nicht der Schöpfer. Du wirst niemals der Schöpfer sein, denn dazu reicht dein Blick nicht weit genug, dazu wandeln sich deine Wünsche und Begierden zu rasch – sie sind flüchtig wie Morgennebel bei der ersten Berührung mit den Sonnenstrahlen. Sie schmelzen dahin wie Schnee im lauen Märzwind.

Zur Verwirklichung gelangt nur jene Realität, die im Einklang mit dem Großen Ganzen steht – niemals aber deine auf den Illusionen des Egos basierenden Vorstellungen von der Welt, und auch niemals jene Vorstellungen von deinem Leben in dieser. Du bist nicht der Schöpfer – du bist sein Instrument. Wenn du dich vollkommen der Liebe öffnen kannst, wenn du zu einem klaren und reinen Kanal für den Schöpfer wirst, indem du dich hingibst, dann wird die Melodie, die er durch dich spielt, für dich eine liebliche sein, selbst dann, wenn sich nicht verwirklicht, was dein Ego, dein Ich-Bewusstsein begehrt.

In deiner Seele wartet ein Lied, das gesungen werden will, in deinem Herzen schlummert ein Bild, das gemalt werden möchte – doch das Bild ist unsichtbar und das Lied hat noch niemals jemand vernommen. Es ruht tief verborgen in der heiligen Lotusblüte deines Herzens. Du darfst es an die Oberfläche bringen, darfst es ausdrücken, indem du dein Ich, dein Ego beiseite treten lässt – so bekommst du einen Geschmack vom totalen Leben, so wirst du zum Instrument des Schöpfers, so erfährst du Selbstverwirklichung.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce