Herzstern


Vor vielen Jahren,
da wolltest du zu mir kommen, mein Herzstern.
Grausamkeit und ein Ende ohne Gnade war dir bestimmt,
als man dich hinter meinem Rücken
aus dem warmen Leib deiner Mutter schnitt.
Du hast die Tränen dann vom Himmel aus gezählt,
die ich um dich weinte, mein Herzstern.
Doch es ist bekannt, denn man sagt,
Seelen wählen die Eltern lange vor der Geburt.
So hast du mich einmal gewählt.
Auf rätselhaften Wegen kamst du ein zweites Mal.

Ob ich dich zeugte oder nicht,
ich durfte Zeuge deines Lebens sein.
Danke, dass ich dich ansehen durfte.
Danke, dass ich dein Lachen hören durfte.
Danke, dass ich neben dir liegen durfte.
Danke, dass du mir gezeigt hast, du lebst.
Welche Wege das Leben uns auch bereitet,
ich weiß du lebst, Tochter.
Und das hast du mir so eindringlich,
so zauberhaft auf deine Weise gezeigt.

Mein Herzstern, Kind auf seltsamen Wegen.
Mein Herzstern, Rebell mit dem Löwen im Herzen.
Mein Herzstern, Kriegerin der neuen Welt.
Deine Pfeile richte auf die Sterne und die Liebe.
Mit den Herzen der Menschen handle sanft.
Nicht Grenzen noch Ketten werden dich halten,
und die Schatten dir bloß drohen.
Angst tötet die Liebe und Liebe heilt Angst.
Dein Herz hat immer recht.
Und deine Füße gehen seinen Weg.

Wo auch immer ich, dein Zweitpapa, sein werde,
wo auch immer du bist – der Stern in meinem Herzen,
der helle Funken Licht, der du darin bist,
wird niemals Dunkelheit da drin zulassen.
Und so liebe ich dich, mein Herzstern.
Und so nenne ich dich: Tochter.
Und so bist du: Herzstern.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

Für immer nie mehr allein


Es gab eine Zeit, da war ich allein.
Und das war okay.
Doch nun bin ich einsam,
seit es dich in meinem Leben gibt.

Einsam bin ich,
wenn du nicht neben mir einschläfst,
die Wärme deines Gesichts auf meiner Brust
und die Kühle deines Atems auf der Haut.

Als ich allein war,
durfte ich die Einsamkeit nicht üben,
denn ich war alleins damals.
Doch nun bin ich einsam,
weil es dich in meinem Leben gibt.

Einsam bin ich,
wenn du nicht neben mir erwachst,
die Feuchte deiner Küsse an meinen Schultern
und die Sonne deines Lächelns
über meinen Tag strahlend.

Als ich allein war,
konnte mich die Einsamkeit nicht finden,
denn ich war damals alleins.
Doch nun bin ich einsam,
da es dich in meinem Leben gibt.

Einsam bin ich,
wenn wir nicht Hand in Hand gehen,
das leichte Zucken der deinen
in der meinen auf unseren Wegen,
während wir atmen,
während wir Alles und Eins sind.

Einsam bin ich und geteilt,
denn die Hälfte meiner Seele
verblieb in der deinen.
Ich werde nie mehr allein,
nie mehr alleins sein.
Ich werde immer einsam sein.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Südkreuz


Als ich dich das erste Mal sah,
war ich aufgeregt und voller Freude.
Als ich dich das erste Mal küsste,
am Bahnhof,
war alles neu.

Als ich dich zum ersten Mal liebte,
auf einem Zebra,
schien der Himmel auf die Erde gekommen.
Als ich das erste Mal
die Augen unserer Tochter sah,
begann ich zu wissen,
dass ich nun vergessen werde,
was ich jemals zu wissen glaubte.

Als ich dich zum letzten Mal sah,
fiel der Schnee.
Du standest da,
am Balkon.
Und mein Herz war schwer.
So schwer wie das deine.
Wenn ich dich das nächste Mal sehe,
werden neue Sterne geboren.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Kein Stern vom Himmel stürzt



Mein Wunsch war es,
sagte sie,
eines Tages auf deiner Brust liegend zu sterben,
statt in einem dämlichen Krankenhausbett.
Er wiegt sie in den Armen,
presst seine Nase an ihren Hals, atmet sie ein.
Die Uhr tickt, Zeit läuft, Schatten wandern über das Bild.
Schicksal kennt weder Gnade noch Mitgefühl.
Schicksal wählt unbeirrt seine Erfüllung.
Herzen splittern unter einer zu großen Last.
Und obwohl schon die Liebenden fallen,
die Liebe fällt nicht.
Im Licht der Tatsachen aber
stirbt jeder Liebende bereits beim ersten Kuss,
während die Erde sich dreht
und kein Stern vom Himmel stürzt.

© 2015 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Wie damals, als alles begann


In meinen Träumen sehe ich eine Frau.
Diese Frau bist du.
Du sitzt am Bahnsteig, ganz allein.
Und du wartest da auf mich,
blickst in die Ferne,
zurück in die Vergangenheit,
aber dein Herz schlägt in der Zukunft.
Eine Zukunft, auf die wir beide hoffen.
Du sitzt da, im Wind des Lebens,
singst leise Lieder für mich,
flüsterst meinen Namen.
Und ich höre dich,
höre dich in meinen Träumen,
wie damals, als alles begann.

Du sitzt da, im Wind des Lebens,
betest still Gebete für uns,
malst mein Gesicht in deine Hand.
Und ich sehe dich,
sehe dich in meinem Traum,
wie damals, als alles begann.

In meinen Träumen sehe ich eine Frau.
Diese Frau bist du.
Du sitzt am Bahnsteig, sehr allein.
Und du wartest dort auf mich,
blickst in die Ferne,
vorwärts in die Zukunft.
Eine Zukunft, die wir beide ahnen.
Du sitzt allein im Wind des Lebens,
aber dein Herz schlägt nicht hier.
Dein Herz schlägt weit entfernt.
Dein Herz schlägt in mir.

Mein Weg zu dir ist weit,
durch Länder und durch Zeit.
Mein Weg zu dir ist hart,
durch Tränen und durch Leid.
Aber ich werde dich wiederfinden,
werde dich wiedersehen.
Ich werde dich wiederwählen,
werde dich wiederhaben,
wie damals,
als alles begann.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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