Tochter Liliths


Die bösen Mädchen sind es,
nicht die braven,
deren Beute ich bin.
Sie hinterlassen keine Bitterkeit,
sie schenken Schmerz,
echten, aufrichtigen Schmerz,
süß wie deine Erbeerlippen.
Komm, brich mein Herz!
Es kann noch einen Riss gebrauchen.
Dein Wahnsinn fasziniert mich,
legt mir deinen Namen auf die Zunge.
Darum Schnüre deine Stiefel fester,
nimm noch einen Hauch
vom Spiegel deiner Eitelkeit,
ziehe ihn durch deine Seele,
und küss mich heiß,
bevor du morgen gehst.
Heute Nacht aber spiele mit dem Mond,
und leg zuerst die Unsicherheiten ab,
dann erst deine Kleider.
Werde unvergesslich nackt,
denn ausgezogen bist du schön,
ungezogen aber bist du schöner.
Mach sie zum Gast dieser Nacht,
die Flammen deiner Gier,
die Gier nach mehr von mir.
Atme aus die schmutzigen Worte,
wirf sie kostbar in den Raum,
als wilde Poesie,
wie Ornamente für den Sturm.
Sei mir Liliths Tochter,
die ich nicht vergessen will,
gleite heimlich in mein Schicksal,
während ich einen Tropfen Lust
vom Latex deiner Schenkel lecke.
In seinem Glitzern schenkt uns der Tod
ein Lächeln.
Und der Engel unserer Liebe
opfert die Dauer einer Kerze.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Und wir wandern blind


Man kann unmöglich wissen, wohin eine Weggabelung führt, welches Ergebnis eine Entscheidung bringt, oder wann etwas zerstört wird, wann etwas aufblüht oder stirbt.

Was, wenn ich tausend Meilen wanderte?
Würde ich vergessen können?
Fände ich Erlösung, fände ich Läuterung?
Träfe ich das Lächeln jener wieder, die ich gehen ließ?
Könnte das, was ich träume, bereits jenes Leben sein, das mir zusteht?
Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir bereits angekommen sind, ohne uns jemals auf den Weg gemacht zu haben?

All diese Fragen stelle ich, ohne mich um die Antwort zu kümmern, die sich mit jedem Schritt wandelt. Ich wandere einfach weiter. Schritt um Schritt. Und je weiter ich wandere, je näher der Abend rückt und sich die Zahl der noch bleibenden Tage beständig verkürzt, desto klarer wird mir: Dies alles war und ist mein Leben. Mag es auch noch so schmerzhaft, so wild, so verrückt und unerklärlich bleiben – in all seiner Unabänderlichkeit ist es das meine. Es ist mir so nahe, es erscheint mir so ähnlich, dass ich es unbedingt als das meine erkenne. Und doch bleibe ich ihm fremd.

Aber heute weiß ich, dass man nicht mehr nach dem Stern am Himmel greifen muss – es ist genug, ihn sehen zu dürfen. Ich weiß, dass du nicht bei mir sein musst, um dich lieben zu können – es reicht zu wissen, dass es dich gibt. Und ich erkenne, dies alles ist unabänderlich. Dies alles ist heilig.

Und so überquere ich abermals die Brücke in ein neues Leben, zu der mich mein bisheriges Leben geführt hat. Nicht ohne Blick zurück, nicht ohne einen Teil des Gesterns ganz fest an mein Herz zu drücken und zu flüstern „Du fehlst mir, doch lebe wohl!“ Und ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich in 9 Monaten einem Menschen begegnen werde, der ähnliche Wege ging, und den ich in einem Moment treffen werde, da wir beide es am wenigsten erwarten, mit dem ich eine Tochter zeugen werde, der ich den Namen gebe, den ich heute manchmal leise flüstere. Ich weiß noch nicht, dass wir in einem Haus leben werden, von dessen Schlafzimmer aus ich diese Brücke werde sehen können, über die ich in diesem Augenblick gehe.
Denn man kann unmöglich wissen, wohin eine Weggabelung führt, welches Ergebnis eine Entscheidung bringt oder wann etwas zerstört wird, wann etwas aufblüht oder stirbt.
Und wir sind niemals auf das vorbereitet, was wir erwarten.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Geschenke der Liebe


Es gibt diese Begegnung zwischen zwei Seelen, nach der die Welt nie wieder so schmeckt wie zuvor. Nichts kann danach so sein, wie es einst war. Und oftmals schlagen sich diese Seelen dabei Wunden, die ein Leben lang brauchen, um zu heilen. Manchmal erkennt man erst sehr spät, dass die Wunde ein Geschenk der Liebe war, das sagen sollte: „Wir werden immer aneinander denken müssen. Bitte, vergiss mich nicht!“.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Fallend


Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich mit all meinen Kurven und Kanten. Erinnere dich an diese Zeit, als mein Name dich begleitete und dir Sonnenschein ins Lächeln brachte. Ich trage den deinen immer noch an den schmerzenden Stellen und stehe in der U-Bahnstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Staub in der Glaxie, wie Birkenblätter im Wind, wie Lieder ohne Musiker.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich an. Erinnere dich daran, als alles an dir alles an mir liebte. Und wenn du mich willst, dann umarme mein Licht ein weiteres Mal. Es wird jeden Tag schwerer, dein Gesicht zu erinnern, aber ich denke immer noch an dein Lächeln. Ich trage es an den unfassbaren Stellen und stehe an der Endstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung wieder wie Vögel am Himmel, wie Schneeflocken im Sturm, wie Poesie ohne Dichter.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bin ich tatsächlich hier ohne dich oder träume ich? Ich kann Traum nicht mehr von Wirklichkeit trennen. Und wenn ich ganz alleine bin und Distanz bloß Stille bringt, die meine Ohren betäubt, dann erinnere ich mich an unsere verschmolzenen Hände, an die Geliebte, die neben mir erwachte, als die Tage noch ungezählt und die Nächte leicht waren. Meine Strahlen tanzen dann durch die Ewigkeit, verzweifelt auf der Suche nach den deinen, wie damals, als wir einander fanden.
Und ich stehe unter deinem Fenster ohne Adresse, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Wagen auf seiner Straße.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Regen in der Nacht, wie Donner mit den Wolken, wie ein Tanz ohne Tänzer.

Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.
Wenn du mich willst, dann finde mein Licht ein weiteres Mal. Wenn du mich erinnerst, dann liebe mich endlos, denn ich bin nichts weiter als ein verlorener Stern am Himmel über dir. Für immer fallend ohne dich. Für immer fallend ohne uns.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Glitterblues in a-Moll


Kommen und Gehen,
Fallen und Stehen,
Abschied, Wiedersehen,
Beten und Flehen,
die Blinden nicht,
die anderen aber sehen,
nicht alles, was glitzert, ist Gold.
Gib acht auf dein Herz.

Straßen der Liebe,
Straßen der Lüge,
Abstürze, Nachtflüge,
Tickets und Züge,
die Blinden nicht,
die anderen aber sehen,
nicht alles, was glitzert, ist Gold.
Gib acht auf dein Herz.

Schlüssel und Türen,
Denken und Spüren,
Abgründe, Allüren,
Brechen und Berühren,
die Blinden nicht,
die anderen aber sehen,
nicht alles, was glitzert, ist Gold.
Gib acht auf dein Herz.

Nimm den Glitter mit,
wenn du gehst.
Nimm den Glitter mit,
wenn du bei ihm schläfst.
Flüster die Lügen leise,
wenn du seinen Ring trägst.
Ich lass dich gehen,
lass dich stehen.
Ich züchte lieber Steine
und jede Träne,
die ich weine, ist Gold.
Ich lass dich stehen,
lass dich gehen,
denn nicht alles, was glitzert,
ist Gold,
nicht alles ist Gold.
Gib acht auf dein Herz.
Gib acht auf dein Herz.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Vanilla Sky


Frage mir süße Löcher in den Bauch,
hör nicht damit auf,
gestehe mir,
du vermisst mich,
und wundere dich,
denn ich vermiss dich auch.
Laufe mit mir barfuß durch die Nacht,
im Sommer,
wenn warmer Regen fällt,
triff mich da,
wo der Vanillehimmel uns findet.
Oder liege am See und denke zuviel,
damit ich da sein kann,
um dein Denken in einem Papierschiffchen
in die Wellen hinaus zu lenken,
indem ich dir ein Stück Vanillehimmel schenke.
Pass auf mich auf im Wald,
wenn die Zeit rinnt und ich fürchte,
allein aus diesem Traum zu erwachen,
der mit dem Vanillehimmel beginnt.
Ich kenne dich noch nicht,
doch du kennst mich.
Und die Neugier in mir sucht dich,
wenn sie dich zärtlich „Nini“ nennt,
und das klingt für zwei Jungfrauen,
kaum unschuldig doch zerbrechlich,
wie die Sonne eines Tages,
der unter dem Vanillehimmel schwebt.
Schenk uns kein Immer,
versprich uns kein Nie,
belasse es als eine Begegnung,
die sich so erfüllt,
als ob der Vanillehimmel deine Hand
ganz von selbst in die meine spielt.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Töricht Herz


Wohin mein Herz mich ruft,
dahin gehe ich.
Meinem Herz allein folge ich,
denn wo das Herz sein will,
da soll Heimat,
da mag Frieden,
da darf Ruhe,
da wird Liebe sein.
Und so bin ich ihm gefolgt,
diesem Herz,
ohne Angst mit sehr viel Mut,
und fand doch wieder einen Bruch,
einen Schnitt,
einen Abschied,
den Ruin von allem,
was ich aufgebaut,
was ich mir erträumt hatte.
Ein anderes Herz fand ich,
das meinem Herz die Freude nahm,
es umherwirbelte und fallen ließ.
Du bist ein töricht Herz,
ein solch töricht Herz.
Und doch weiß ich nicht,
wem sonst sollt ich folgen,
wenn nicht meinem töricht Herz.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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