Ein Hobel, der keine Späne wirft, ist stumpf


Ich bin der Andersmensch. Komm nicht zu mir und frage nach einer Veränderung, die reibungslos vonstatten geht – das hier ist kein Hollywood-Film, das hier ist kein Liebesroman. Du wirst niemals eine Wandlung erleben, die keinen Staub aufwirbelt. Veränderung trägt immer zuerst die Maske des Chaos, sei dir dessen bewusst. Um eine neue Ordnung zu schaffen, ist zuvor die Unordnung Bedingung. Zu dieser Unordnung ermutige ich dich, aber ich lasse dich nicht im Unklaren darüber, dass es unbequem ist, deine Komfortzone zu verlassen. Du wirst von mir keine Samthandschuhe erfahren. Wenn du kuscheln willst, dann umarme deinen Teddy. Wenn du Märchen hören willst, dann geh zu deinen Politikern, zu deinen Priestern. Ich bin nicht der, der Luft in den Ballon deines Egos pumpt – ich bin die Nadel! Ich bin nicht der, der die Dosis deiner Tranquilizer erhöht – ich bin die Entziehungskur. Ich bin nicht die Nachfrage – ich bin das Angebot. Wenn du ein Produkt nach deinen Wünschen suchst, dann schaffe es dir selbst – ich bin weder der Weihnachtsmann noch hast du bei mir drei Wünsche frei. Ich bin nicht hier, um dir wohlgefällig zu sein – ich bin eine Provokation, eine Herausforderung. Ich bin eine Einladung zur Veränderung. Wenn du mich nach meiner Sicht der Dinge fragst, dann erwarte nicht, die deine zu hören – stell dich vor den Spiegel, denn dort findest du die einzige Person, die dir nach dem Mund redet. Wenn du eine Veränderung anstrebst, dann berufe dich nicht auf das, was dir bekannt ist – wage dich ins Unbekannte. Erscheint dir das zu unbequem, dann bleib besser zuhause.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Farewell, Jeanne d’Arc!


Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Raue Winde des Schicksals
griffen durch dein wildlanges Haar,
trugen den Duft deines Mutes
schwer über meine Länder.
Und so zwang mich der Ruf still zu dir
jenseits der Grenzen,
die besser kein Mensch übertritt.


Deine Arme waren kostbares Eiland,
Wiedergeburt und Neubeginn,
warm wie ein Regen,
der die Wunden sanft heilt.
In deinen Augen lag tröstende Heimat
nach all den beschwerlichen Pfaden.
Kein Mann und auch kein König
würde jemals dein Herr.
Doch um mein Herz schlugst du
kalt eiserne Bänder,
obgleich du wohl wusstest,
sein Schlag galt längst nur noch dir.

Ich sah dich reiten im Nebel des
Morgens,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön,
barfuß wie immer,
doch diesmal allein,
denn du rittst nicht mit mir.
Da war kein Blick zurück,
bloß der tote Staub deiner entschlossenen Spur.
Kalt die Angst, dich nie mehr zu sehen,
befahl meinem Ritt töricht Galopp,
doch die Flüsse der Zeit ohne Gnade
holt selbst der wildeste Reiter nicht ein.
So blieb ich zurück,
die Tage schwermütig zählend,
mit jeder grausamen Sonne vergehend,
denn du kehrtest nicht wieder.

Die linke Flanke deckte ich dir
in gemeinsamen Schlachten,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Die Faust hoch gen Himmel,
um deines Banners und Namens Willen,
der als Ruf des Sieges hallte
durch die fließenden Schleier der Zeit,
so dass Burgen erzitternd
von selbst in sich zusammenfielen.

Über Leben und Leben hinfort
war da nur ein einzig brennender Wunsch
ewig an deiner Seite König und Gatte zu sein,
stets den liebenden Mut,
für dich durch die Feuer jeder Hölle zu gehen,
und wenn es das Schicksal so wünschte,
dann in Liebe für dich auch zu fallen.

Ich saß dir zu Füßen mit königlichem Stolz,
lauschte deinen magischen Träumen
als wären sie ein Lied der Ewigkeit,
verloren in den Welträumen deiner Seele,
küsste den Kindhöhlenbauch,
ergab mich süßem Tod in Sommernächten mit dir.
Und du legtest das Kleid des Kampfes ab,
leicht als wäre es des Mondes Schein,
jetzt endlich ganz Frau in meiner Umarmung,
befreit, um keine Kriegerin mehr zu sein.

Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Keine Heldentat schrieb ich noch in ein Buch,
blieb unser Thron doch stets kalt und leer.
Immer noch folge ich deiner schwindenden Spur,
doch die spricht schlicht und bitter,
du kehrst nimmermehr…
Farewell, Jeanne d’Arc!

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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