Zum Kern der Liebe


„Eine erfüllte Partnerschaft symbolisiert die endlose Reise zum Kern der Liebe – mit jedem Schritt durch den ihr tiefer in euch vordringt, rückt dieser Kern ein Stück von euch ab, obwohl das Maß eurer Liebesfähigkeit um das Maß dieses Schrittes steigt, ähnlich dem Horizont, den ihr niemals erreichen werdet, weil auch er mit jedem neuen Schritt um exakt diesen Schritt von euch abrückt. So bleibt die Reise zwar nicht ziellos aber doch ohne Ende.
Und in Wahrheit ist es vollkommen egal wohin ihr reist auf diesem unendlichen Wege – da wo ihr beide seid, da ist immer Zuhause.“
– der Andersmensch © 2016

Mr & Mrs Andersmensch senden hiermit allen Fans liebe Grüße aus dem Urlaub sowie eine wundervolle Wanderung zum Kern der Liebe.

 

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Nini & Dave © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Partnerschaft als Feld der Entwicklung


Eine fruchtbare Partnerschaft ist keine Sache, die du irgendwann im Rausche der Verliebtheit beginnst und die dann ganz von selbst zu laufen hat – eine fruchtbare Partnerschaft erfordert kontinuierliche Arbeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und die aufrichtige Absicht zur Liebe. Dazu gehört auch der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen, manchmal persönlichen Eigendünkel und eigene Bedürfnisse hintanzustellen, sowie Verletzlichkeit zuzulassen. Und ihr braucht Ziele.
Wenn ihr eine Partnerschaft anstrebt, die auch noch nach Jahren rockt, dann müsst ihr bereit sein, Verletzungen hinzunehmen und miteinander Räume der Heilung und des Wachstums zu eröffnen. Ihr müsst lernen, Konflikte nicht als Niederlagen sondern als Felder der Entwicklung zu erkennen.
Erarbeitet euch gemeinsame, klar definierte Regeln und setzt euch realistische Ziele. Legt Konsequenzen fest, die auf Regelverstöße folgen und verliert dabei die Ziele nicht aus den Augen.
Stellt euch offen Fragen:

• Wie tief wollen wir uns aufeinander einlassen?
• Wohin wollen wir zusammen?
• Was können wir gemeinsam und was kann jeder für sich selbst tun, damit wir einander als Bereicherung dienen?
• In welchen Gesichtspunkten kann ich dich und wo kannst du mich unterstützen, damit es uns als Paar aber auch als Individuen gut geht?
• Welches Verhältnis von Nähe und Distanz ist eines, das uns beiden Erfüllung bringt?
• Schenken wir einander ausreichend Raum für unsere Partnerschaft und gewähren wir einander auch Räume des Rückzugs?
• Welche Eigenschaften schätze ich an dir, welche schätzt du an mir, und welche Unterschiede unseres Wesens haben wir bisher nicht als gegenseitige Ergänzung betrachten können?
• In welchen Aspekten unserer Partnerschaft kann ich selbst meine Liebesfähigkeit noch erweitern?

– Wenn ihr eure Partnerschaft nicht als einen Selbstläufer oder als Quelle egoistischer Bedürfnisbefriedigung betrachtet, sondern als ein gemeinsames Feld der Entfaltung, an dem ihr beide zu arbeiten habt, um progressive Bewusstwerdung und Erfüllung zu erfahren, dann werdet ihr erkennen, dass sie lebendig, fruchtbar und heilig bleibt, denn ihr habt einander nicht zufällig gefunden – ihr habt eine gemeinsame Bestimmung und die bedeutet: Entwicklung!
Akzeptiere: Das übergeordnete Ziel einer jeden Partnerschaft, einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung, ist nicht Glück, sondern Bewusstwerdung. Glück darf dabei als Nebenprodukt entstehen, aber es kann niemals als Hauptziel dienen, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Raffael Pauswek/Projekt 21 © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

In deine Hände


Von deinen Händen träumte ich.
Sie webten mir ein Kleid aus Zärtlichkeit.
In deinen Händen schlief ich heute Nacht.
Wie ein Baby lag ich darin,
sicher und warm,
gewogen nach meiner Seele,
nicht nach meinen Taten.
Getragen von deinen Händen war ich,
schlingernd wie ein Korken auf hoher See
in einem Ozean von Liebkosungen.
Deine Händen ruhten auf mir,
auf meiner Brust,
meiner Stirn und meinem Schoß.
Deine Hände schrieben Namen
aus verstaubten Leben über meine Haut,
sie waren Sternenzeit und Unendlichkeit.
Von deinen Händen träumte ich,
als Tor in neue Welten.
Deine Hände waren heut Nacht mein Quell,
meine Ankunft und Heimat,
Nahrung meines Verlangens,
Festung und endlose Weite.
Von deinen Händen träumte ich heut Nacht.
Über den Tag hinweg fühle ich sie noch,
als wären sie unter dem Mantel,
unter den Schichten meiner Person.
Und wenn ich nachts falle,
falle ich in deine Hände.
In deine allein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

An dich, Frau



Es ist mitten in der Nacht. Im Studio wälzen sich Bässe aus den Boxen, die Kopfhörer längst verwachsen mit meinen glühenden Ohren und ich habe sogar noch etwas Blut im Kaffee, der durch meine Venen fließt. Es ist mitten in der Nacht. Und ich habe gerade zärtlich an dich gedacht. An die Art, wie du so bist und wie du mich siehst. Leise hab ich deinen Namen ausgesprochen, fast so, als wärs das erste Mal. Damit wurde mir klar, ich trage dich öfter bei mir als ich dir und mir eingestehe.
Ich mache noch einen Schluck vom kalten Kaffee, equalize zart am Klang eines Beckenschlags rum, aber eigentlich equalize ich in meinem Innersten auch an meinen Gefühlen für dich rum.
Frische Luft täte uns gut, flüstere ich und meine damit nicht nur mich und meine Musik, daher trete ich ans Fenster, blicke über die schlafende Stadt, zähle die Lichter als wären es Sterne und fühle mich hier gar nicht mehr zuhause.
Etwas von mir strebt beständig zu dir. Im Moment sind es meine Gedanken, die unsere letzten Gespräche wiederholen.
„Du schreibst doch gerne für viele Frauen Gedichte“, sagtest du.
Und ich antwortete dir nicht, doch ich tue es jetzt, auf diesem Wege: Ja, ich schreibe für manche Frauen Gedichte, aber ich schreibe nicht für jede gleich. An der Art, wie sehr dich ein Gedicht berührt, wirst du erkennen, ob es für dich verfasst wurde oder nicht. Und weißt du, in all meinen Gedichten stecken Wölfe, nur in jenen an dich, darin sind keine zu finden. Weil du mir Zeit lässt. Weil du mich nicht drängst. Weil du an mich glaubst und mir vertraust. Weil du den geraden, offenen Weg zu meinem Herzen wählst. Daher stecken in den Worten an dich niemals Wölfe.
„Es verehren dich so viele Frauen!“ brachteste du vor und ich lächelte bloß still, doch ich will dir jetzt antworten, auf diesem Wege: Ja, ich würde lügen, wenn ich bestreiten wollte, dass eine schwer überschaubare Zahl an Frauen hinter mir her ist. Aber ich bin weder Freiwild noch ein junger Mann, der jagen möchte – ich bin ein Silberrücken und müde genug, um mir ein Nest zu bauen mit der Frau, die meine Seele sieht, die sie so annimmt, wie sie ist.
Und das Wundervolle an diesem Moment, mitten in der Nacht, ist meine Erinnerung an unseren Umgang miteinander:
„Wie wirst du mit meinen Wunden leben?“ fragte ich dich.
„Indem ich dir keine neuen schlage“, sagtest du.
„Wie wirst du mit den Lügen deiner Vorgängerinnen klarkommen?“ wollte ich wissen.
„Indem ich sie durch Aufrichtigkeit tilge“, gabst du zur Antwort.
„Was sollen wir mit meinen Zweifeln tun?“
„Ich heile deinen Glauben!“ kam aus deinem Mund.
„Und meine zerstören Luftschlösser – was soll ich mit den Trümmern tun?“ interessierte mich.
„Wir errichten uns daraus neue!“ lächeltest du.
„Aber meine ungestüme Liebe, wie willst du die ertragen?“
„Die wird mit der Meinen tanzen!“ drang aus deinem Mund.
Und so sitze ich hier im Studio, mitten in der Nacht, habe gerade zärtlich an dich gedacht, finde mich umgeben von Kaffeetassen und vollen Aschenbechern, equalize am Klang eines Beckenschlags und an meinen Gefühlen für dich rum. Eine Empfindung der Dankbarkeit klettert auf meinen Schoß und kriecht in mein Herz. Und mir wird klar: Frau, ich habe begonnen, dich zu lieben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Fallend


Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich mit all meinen Kurven und Kanten. Erinnere dich an diese Zeit, als mein Name dich begleitete und dir Sonnenschein ins Lächeln brachte. Ich trage den deinen immer noch an den schmerzenden Stellen und stehe in der U-Bahnstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Staub in der Glaxie, wie Birkenblätter im Wind, wie Lieder ohne Musiker.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich an. Erinnere dich daran, als alles an dir alles an mir liebte. Und wenn du mich willst, dann umarme mein Licht ein weiteres Mal. Es wird jeden Tag schwerer, dein Gesicht zu erinnern, aber ich denke immer noch an dein Lächeln. Ich trage es an den unfassbaren Stellen und stehe an der Endstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung wieder wie Vögel am Himmel, wie Schneeflocken im Sturm, wie Poesie ohne Dichter.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bin ich tatsächlich hier ohne dich oder träume ich? Ich kann Traum nicht mehr von Wirklichkeit trennen. Und wenn ich ganz alleine bin und Distanz bloß Stille bringt, die meine Ohren betäubt, dann erinnere ich mich an unsere verschmolzenen Hände, an die Geliebte, die neben mir erwachte, als die Tage noch ungezählt und die Nächte leicht waren. Meine Strahlen tanzen dann durch die Ewigkeit, verzweifelt auf der Suche nach den deinen, wie damals, als wir einander fanden.
Und ich stehe unter deinem Fenster ohne Adresse, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Wagen auf seiner Straße.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Regen in der Nacht, wie Donner mit den Wolken, wie ein Tanz ohne Tänzer.

Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.
Wenn du mich willst, dann finde mein Licht ein weiteres Mal. Wenn du mich erinnerst, dann liebe mich endlos, denn ich bin nichts weiter als ein verlorener Stern am Himmel über dir. Für immer fallend ohne dich. Für immer fallend ohne uns.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

In diesen Armen


Manchmal, da will ich mich klein fühlen. Hin und wieder möchte ich Bedürftigkeit empfinden. Dann erlaube ich mir Sehnsucht. Sehnsucht nach Armen, die einfach nur da sind, um mich zu halten.

Manchmal brauche ich nichts weiter als diese Arme. Keine Ermutigungen, keine klugen Worte, denn ich kenne sie alle als mein Eigen und mag sie nicht mehr hören aus tausend Mündern.

Manchmal, da will ich bloß in die Arme eines weichen Herzens kriechen, um über mich selbst zu weinen. Wie ein Baby will ich darin ruhen und haltlos fallen in mein kleines, dummes Drama, ohne dass man versucht, mich aufzufangen. Fallen will ich dann und aufschlagen am Boden der Tatsachen. Mehr will ich dann nicht, mehr brauche ich in solchen Momenten nicht. Bloß Arme, die da sind wie ein schützender Mutterleib in dem ich schwimmen darf, wie ein warmes Bad in das ich gleite nach langer Wanderung durch eine Winternacht.

Manchmal will ich nur die Geborgenheit dieser Arme. Haut will ich dann spüren, die mit der meinen verschmilzt, und jemand, der diesen müden Kopf streichelt, aber mir nicht vorlügt, alles würde gut. Denn es wird nicht gut. Es war nie gut und es wird nie gut sein. Es wird immer bloß so sein, wie es ist, aber niemals wird es gut sein. Und am Ende finden wir uns sowieso alle wieder in unglücklichen Reihen von Steinen in die unsere Namen gemeißelt sind. Unglückliche Reihen erzählend von plötzlich zerschmetterter Hoffnung und unerfüllten Plänen, von abgetriebenen Träumen und bedeutungslosen Kämpfen, für immer aus den Erinnerungen der Welt wehend mit dem Wind der Zeit.

Manchmal will ich einfach nur diese Arme, die mich ehrlich, die mich aufrichtig umfangen. Keine Versprechungen, keine süßen Lügen, keine Schwüre oder Belehrungen, keine Ratschläge, keinen Trost, nur diese stillen, wahrhaftigen Umarmungen, die mich für zwölfhundert Herzschlage und neun Sekunden vergessen lassen, wo ich bin, wer ich bin und dass ich bin.

Manchmal brauche ich nicht mehr als das. Nur die Arme eines weichen Herzens, an dem ich ruhen darf, dessen Schlag mir ein Schlaflied pocht. Nur diese Arme, wo ich für ein paar Atemzüge meiner Heimatlosigkeit, meiner angeborenen Verzweiflung entfliehen darf, wo weder Frage noch Antwort mich plagt, wo einzig stiller Frieden, wo flüchtige Geborgenheit mich trägt.
Und wenn mich dann endlich Schlaf findet in diesen Armen, dann flüstere sanft „Ich liebe dich!“, denn das ist der einzige Moment, in dem ich es dir glauben werde.

Manchmal, da brauche ich genau das. Nichts weiter als diese Arme, mein Einschlafen in ihrem Schutz und die schönen Worte, die du mir dann flüsterst, wenn ich da bin, wohin mir keiner folgen kann. Das ist alles, was ich wirklich brauche. Manchmal.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Die Psychopathologie der Single-Gesellschaft


Eine Gesellschaft in der Partnerschaften nahezu unmöglich wurden ist eine zutiefst kranke, psychotische Gesellschaft. Du erkennst die seelische Gesundheit einer Zivilisation daran, wie fähig ihre Mitglieder zu dauerhaften, erfüllten Partnerschaften sind. Menschen, die aus Partnerschaften Konsumgüter und aus dem Partner ein Subjekt zur Wunschbefriedigung machen, sind seelisch krank. Sie leiden an einer künstlich geschaffenen Krankheit, deren Ursprung im Wunsch nach Kontrolle und Macht wurzelt. Diese Krankeit wird gefördert durch jene, die von Macht und Kontrolle profitieren, und sie wird übertragen und verbreitet von jenen, die sich zum alleinstehenden Individuum, zum sogennanten Singletum manipulieren lassen.

Die „Liebe dich zunächst selbst“-Gesellschaft hat zu nichts anderem geführt als zu unzähligen, einsamen Super-Egoisten, die so dumpf geworden sind, dass sie nichts anderes mehr können, als sich den lieben langen Tag selbst zu feiern. Partnerschaften halten sie für anstrengend, weil ohnehin kein Partner perfekt genug ist, um der eigenen (eingebildeten) Perfektion zu entsprechen. Es ist nicht wahr, dass du zunächst dich selbst lieben musst, um andere lieben zu können, denn du liebst dich bereits selbst – das musst du nicht mehr fördern, da sich jeder Mensch von Geburt an selbst der Nächste ist.
Der „Liebe dich selbst“-Wahn ist ein künstliches Manipulationsmittel, um dich in eine unreflektierbare Scheinwelt von der eigenen Fehlerlosigkeit zu treiben. Es soll dir das Gefühl vermitteln, du wärst so unendlich kostbar, dass nur ein ebensolch perfekter und unendlich kostbarer Mensch an deiner Seite für dich akzeptabel erscheint. Du sollst dadurch jede geringere Form von Begegnung als überaus unzureichend und anstrengend empfinden, denn nur so ist es möglich, dich von deinen Mitmenschen zu isolieren, ohne dich erkennbar zu inhaftieren. Die daraus resultierende Isolation und Einsamkeit kann und wird dazu genutzt, dich als Konsument und Lohnsklave besser lenken und steuern zu können.

– Eine Partnerschaft ist nicht anstrengend – anstrengend ist der krankhafte Wunsch nach Perfektion innerhalb dieser Partnerschaft. Sobald du den Wunsch nach Perfektion aufgibst, wirst du wieder fähig sein, erfüllte, dauerhafte und leichtgängige Partnerschaften zu leben. Erst dann, wenn du all die künstlich in dir gezüchteten Ideale vom Traumpartner, der Dualseele und der perfekten Begegnung aufgegeben hast, bist du wieder frei und offen für wahre, authentisch gelebte Partnerschaft.
Es sind deine viel zu hohen Ansprüche an einen Menschen, die es dir unmöglich machen, erfüllt und leicht mit diesem zu leben. Es sind ausschließlich diese Ansprüche. Und diese Ansprüche sind wider die Natur – sie wurden dir künstlich implantiert durch die Lüge vom perfekten Partner. Gib diesen Gedanken auf, denn ein perfekter Partner existiert nicht. Du wirst niemals einem perfekten Menschen begegnen – du wirst stets nur auf Wesen treffen, die ebenso ratlos und schutzbedürftig durch diese rätselhafte Welt streifen wie du es tust.
Daher ist es essenziell, jeden Anspruch auf Perfektion zwischen zwei Menschen ad acta zu legen, um wieder ein gesundes, sozial fruchtbar agierendes Individuum zu werden.

Der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen. Sein höchstes Potenzial kann er nur in liebevoll-fruchtbaren sozialen Bindungen entfalten – er verkümmert und stirbt letztlich bei lebendigem Leibe, wenn dieses Bedürfnis nach liebevoller Nähe nicht befriedigt wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen wirken als wären sie Zombies – emotional erkaltet und sozial im höchsten Maße inkompetent. Sie alle sind Opfer bösartigster Manipulation, die von jenen ausgeht, die wissen, dass unbefriedigte, vereinsamte Menschen bessere Konsumenten und kontrollierbarere Soldaten in einem unsichtbaren Krieg sind.

Diese Single-Gesellschaft, in der du lebst, ist dermaßen psychopathologisch, dass sie in die Geschichte als das dunkelste Zeitalter der Menschheit eingehen wird. Folgende Generationen werden die Single-Epoche in einem Atemzug mit dem düsteren Mittelalter nennen und sie wird als Mahnmal für die Wichtigkeit der Liebe stehen.

Auch ich selbst bin Opfer dieser Gesellschaft, aber mein Opfertum ist ein völlig anderes, denn ich bin ein Liebender geblieben, trotz der zahlreichen Verluste an wundervollen Seelen, die ich gerne ein Leben lang an meiner Seite gehabt hätte, aber die ich gehen lassen musste, weil ihre künstlichen Ansprüche auch an unsere Begegnung zu hoch waren, und ich weiß um den Preis, den ich bezahlen musste und bezahlen werde müssen, doch meine Sicht der Liebe wird niemals in die Knie gezwungen, weil ich einfach spüre, dass sie die bessere ist.
Daher sage ich:
Fuck off, Single-Gesellschaft!
Fuck you, Feudalherr und Dualseelen-Erfinder!
Mindfuck me harder – meine Liebe bleibt unmanipuliert!
Liebe schert sich nämlich einen Dreck um Perfektion und schon gar nicht um Wirtschaftswachstum, Macht oder Erfolg. Sie kümmert sich nicht um Nationalität oder ethnische Abstammung. Sie ignoriert Altersunterschiede und sogenannte Unmöglichkeiten. Liebe ist keine Disziplin, deren Ziel eine gewisse Form des Erfolges wäre.
Die Liebe ist ansich dann erfolgreich, wenn du die Hand deines Partners auch dann noch halten willst und kannst, wenn sie alle anderen bereits losgelassen hätten – sogar du selbst. Aber du bleibst, weil du spürst, dass die Liebe dich bindet und hält, weil du dich voll und ganz dem hingibst, was die Liebe dir flüstert. Sie flüstert: „Ich habe die hässlichen Aspekte unserer Begegnung gesehen, aber ich bleibe, weil ich nur so heilen kann, was meiner Heilung bedarf…“
Liebe bedeutet, dich täglich selbst zu überwinden und an deiner Partnerschaft zu arbeiten, ohne dich ständig zu fragen, ob der Partner ebenso hart arbeitet wie du – Liebe ist keine Win-Win-Situation, sie ist kein Tauschhandel und kein Geschäft, bei dem am Ende einer profitieren muss.
Liebe ist der einzige Weg, um das zu sein, was du wahrlich bist – ein wundervolles, zutiefst soziales Wesen.
Liebe äußert sich durch die Neugier darauf, was geschieht, wenn man nicht aufgibt.
Und daher sage ich zu meinem Partner:
„Ich will dich nicht perfekt – ich will dich lieben und liebend. Ich will es nicht leicht mit dir haben – ich will es lebenslang mit dir haben.
Ich will nicht glücklich durch dich sein – ich will zufrieden mit UNS sein!“

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce