Seelenpartner?


Buddha sagte „Bist du bereit, sind es die Dinge auch!“ und manchmal fühlst du dich zwar bereit, bist es aber in Wirklichkeit noch nicht. Gerade in Beziehungsfragen ist der Mensch ein Meister darin, sich selbst zu täuschen. Er hat noch nicht einmal die letzte Begegnung psychisch abgeschlossen, wähnt sich aber schon bereit für die kommende. Und so stürzt er sich mit all den alten Verletzungen und Enttäuschungen von einer Beziehung in die nächste. Dadurch hofft er, es könne der neue Partner das ordnen, was durch vergangene Partnerschaften in Unordnung geraten ist.
Ohne zu bemerken, dass du dich immer tiefer in einer Abwärtsspirale befindest, die zwangsläufig zu erneuter Frustration führen muss, fliegst du von einer Blüte zu nächsten, obwohl deren Nektar von Mal zu Mal bitterer schmeckt. Ähnlich einer Biene, deren Beinchen von Blütenstaub der Zwischenmenschlichkeit so schwer geworden sind, dass sie kaum noch fliegen kann. Sie summt mit aller Kraft, zappelt und ächzt, kommt aber nicht mehr in die Höhe. Sie trägt einfach zu viel mit sich – Höhenflug ausgeschlossen!

Auch du bist voller altem Ballast. Du blutest aus unzähligen Wunden. Du trägst Enttäuschung, Verletzung und Schmerz mit dir. Dein Herz ist verschlossen. Und auch dein neuer Partner ist voller altem Ballast, blutet aus unzähligen Wunden, trägt Enttäuschung, Verletzung und Schmerz in sich. Sein Herz ist verschlossen. So begegnet ihr einander als Bedürftige, die voneinander erwarten, durch die Bedürftigkeit aus der Bedürftigkeit gerettet zu werden. Ihr verliebt euch zwar, gebt euch dem Taumel dieses Rausches aus körpereigenen Drogen hin, innerlich aber seid ihr weder gelöst noch frei noch bereit. Ihr seid auf psychischer Ebene weder heil noch offen. Und sobald der Taumel der Verliebtheit nachlässt, wundert ihr euch, weshalb es mit euch beiden nicht besser klappt, als mit euren vorherigen Partnern. Solange ihr voller Enttäuschungen, Verletzungen, Bedürftigkeit und Idealvorstellungen seid, solange ist euer Herz verschlossen. Und solange euer Herz verschlossen ist, werdet ihr auch niemals erfüllt lieben können.

Zudem sind viele von euch auf Seelenebene sogar Vertraglich an jemand anderen gebunden, weil ihr irgendwann in einem Anfall von Sentimentalität geschworen hattet, irgendeinen bestimmten Menschen aus eurer Vergangenheit für immer zu lieben – nur diesen einen und niemals wieder einen anderen! Weil sich diese Liebe zu dieser bestimmten Person nicht erfüllt hat und ihr nicht loslassen wollt oder könnt, glaubt ihr nun, diese Person wäre euer Seelenpartner. Schließlich habt ihr darüber schon so viel gelesen und gehört. Man hat euch allerhand Schwachsinn darüber erzählt, den ihr aus Mangel an echtem Wissen für wahr erachtet habt. Vor allem hat man euch gesagt, dass eine Liebe, die ihr nicht loslassen könnt oder wollt, wahrscheinlich euer Seelenpartner sein muss. Und je schwieriger und unmöglicher diese Begegnung für beide Seiten war, desto fester sollt ihr daran glauben, dass es sich um den Seelenpartner handelt – so klingt das, was man euch diesbezüglich beigebracht hat.

– Das aber ist totaler Schwachsinn! Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht gelernt hast, alleine zu sein. Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht all den alten Ballast losgeworden bist, die alten Wunden akzeptiert und sämtliche Seelenverträge gekündigt hast. Solange du nicht losgelassen hast und aus Bedürftigkeit von einer Beziehung in die nächste schlitterst, wirst du dein Leben lang auf deinen Seelen- oder Lebenspartner warten. Solange du verwundet, enttäuscht, beladen und bedürftig bist, solange bist du nicht bereit. Du bist erst dann bereit für den Seelenpartner, wenn du alle Erwartungen an ihn und sogar ihn selbst losgelassen hast, obwohl er noch gar nicht da ist. Erst dann, wenn du akzeptiert hast, dass der Seelenpartner noch nicht aufgetaucht ist, weil du bisher einfach nicht bereit warst, erst dann wird er auftauchen. Akzeptiere, dass der Seelenpartner schon längst bei dir wäre, wenn du bisher bereit gewesen wärst. Da er aber noch nicht an deiner Seite ist, musst du dir eingestehen, dass du noch nicht bereit bist. Denn wie Buddha schon sagte, sind die Dinge erst dann bereit, wenn du es auch bist.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Du solltest selten bei Verstand sein


Die meiste Zeit befindest du dich mit deiner Aufmerksamkeit in der Vergangenheit, indem du sie entweder beklagst oder glorifizierst. Und wenn du nicht in der Vergangenheit dümpelst, dann denkst du an die Zukunft, die du entweder schrecklich fürchtest oder dir herrlicher ausmalst, als sie jemals sein wird. Oftmals bastelst du dir aus deiner Vergangenheit eine Kopie derselben für die Zukunft – damit verbringst du den Großteil deiner Zeit und verschwendest auf diese Weise den einzigen Augenblick, in dem das Leben stattfindet: Jetzt.
Solange du im Gestern dümpelst mit deinem Denken, solange ist deine kostbare Gegenwart verschwendet und deine Zukunft eine Wiederholung des Vergangenen – du wieder-holst, du holst das Gestern wieder her, indem du dich nie da befindest, wo das Leben geschieht: im Hier & Jetzt.
Schuld daran ist dein Denken, dein Verstand. Der Verstand ist niemals im Hier & Jetzt – er ist immer einen Augenblick davor oder einen Augenblick danach. Aber er ist nie da, wo das Leben geschieht. Daher sind Menschen, die wahre Meditation praktizieren, selten bei Verstand, sie sind selten am Denken, Grübeln, Planen oder Fürchten und die meiste Zeit total im Sein; sie transzendieren. Im Zustand des Seins, der Transzendenz, herrscht weder Angst noch ein Problem. Da bist nur du und das, was dich tatsächlich umgibt. Du befindest dich genau da, wo du hingehörst und das macht dich unsagbar frei und kraftvoll. In dieser Qualität der Transzendenz kannst du handeln, ohne zu denken. Und alle Handlungen aus diesem Zustand heraus sind vollkommen. Wenn du meditierst, wenn du transzendierst, bist du frei von der Depression der Vergangenheit und frei von der Paranoia der Zukunft. Wahre Meditation bedeutet, da zu sein ohne zu denken. Da zu sein ohne zu denken ist der einzige Weg, wirklich am Leben teilzuhaben. Daher ist wahre Meditation wahres Leben. Alles andere ist bloß ein bedauerlicher Zustand von Halbtot oder Halblebendig.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Trennung und Rückkehr zur Seligkeit


Der ganze Bereich der Aktivität ist ein Spiel des Geistes. Der Geist spielt dieses Spiel schon sehr lange. Unzählige Leben hindurch hat er dieses Spiel gespielt. Dadurch hat er seine wahre Natur vergessen; er hat die Wahrheit über die Seele, deren Werkzeug er ist, vergessen. Aber er spürt, dass ihm etwas Entscheidendes fehlt und somit hat er sich auf die Suche danach gemacht. Er hat begonnen zu wandern.
Auf seiner nahezu endlos dauernden, rastlosen Wanderschaft hat er gelernt zu trennen, zu unterscheiden, zu urteilen; und er hat gelernt zu vergessen. Durch dieses Vergessen im Spiel der Aktivität ging dem Geist das Gefühl für das Feine der Seele verloren – er ist abgestumpft und müde. Er ist so abgestumpft und müde, dass er selbst die Seele vergessen hat, derer er dient. Somit hat er die Göttlichkeit vergessen, denn die Seele ist eine sehr reine, unverklärte Form des höchsten Aspektes der Göttlichkeit. Bisher nanntest du Dieses göttlich und Jenes nanntest nicht-göttlich, du sagtest dieses sei Gott, aber jenes sei nicht Gott. Ich aber sage dir: In allem, ausnahmslos allem, findet sich Göttlichkeit – ganz besonders in jenen Dingen, Menschen, Situationen und Ereignissen, in denen du dich weigerst, sie zu erkennen, denn alles, was ist, ist Göttlichkeit. Es gibt nichts anderes als Göttlichkeit. Die Wahrheit hinter allem ist Göttlichkeit, die Essenz von allem ist Göttlichkeit. Der Großteil aller Göttlichkeit aber liegt jenseits deines Verstandes – diesen Fakt gilt es zu akzeptieren. Natürlich ist auch der Verstand göttlich, doch der Verstand ist ein sehr begrenztes Mittel, um die Göttlichkeit in ihrer allumfassenden Herrlichkeit zu erkennen. Es ist dem Verstand nämlich nicht möglich, das Wichtigste zu erfahren: Seligkeit. Das Sein findet seinen höchsten Ausdruck in der Seligkeit. Aber der Verstand kann Seligkeit nicht erfassen, er kann sie nicht wahrnehmen, denn der Verstand ist zu eingeengt, zu kalt, zu nüchtern. Seligkeit aber ist die wahre Natur, die Essenz der Göttlichkeit. In Wahrheit ist die ganze Welt Seligkeit. Auch du bist Seligkeit und nichts sonst. Alles, was ist, ist Ausdruck dieser Seligkeit, ist ein Aspekt der Göttlichkeit oder auch Brahman, wie manche es nennen. Brahman ist absolute Seligkeit, ewige Seligkeit, die höchste Realität.
[…]
Meditation in Stille ist eine Methode, die den Geist dahin führt, die feineren Bereiche, die größere Herrlichkeit der Welt wahrzunehmen. Durch Meditation in Stille erfährt der Geist bei jedem Schritt eine größere Herrlichkeit; er erfährt tieferes Verständnis, höhere Klarheit, bis er die Herrlichkeit der Transzendenz erlebt, die ewige Seligkeit ist. Er kehrt zurück zu seinem Ursprungszustand, zum reinen Sein, zum absoluten Gewahrsein – zur Seligkeit.

(Auszug aus „Meditation in Stille ist dein Weg Heimwärts“ von ANDERSmensch)

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Gebet oder Meditation?


Du fragst, was der Unterschied zwischen Gebet und Meditation ist. Dazu aber müsstest du zunächst wissen, was wirkliches Meditieren bedeutet. Das habe ich dir bereits mehrmals erklärt, doch du erfährst es wohl am effektivsten, indem du eines meiner Seminare besuchst, wo du wirkliche Meditation erlernst und von da an den Rest deines Lebens täglich praktizierst. Daher werde ich es hier nicht erneut erläutern. Ich kann dir jedoch nahe bringen, warum Meditation und Gebet nicht dasselbe ist.
Der wesentliche Unterschied zwischen Meditation und Gebet ist jener:

Im Gebet offenbarst du die Haltung der Trennung von der Quelle – dort ist Gott und da bist du. Du fühlst dich nicht eins mit der Göttlichkeit, daher bittest und bettelst du. Du flehst die Quelle an und hoffst auf deren Güte, deren Erbarmen. Dabei entsteht keinerlei Tiefe, keinerlei Verbindung, keinerlei Einheit, denn du murmelst Phrasen, bist kognitiv am Winseln um die Erfüllung gewisser Bedürfnisse deines Egos, die vielleicht erfüllt werden, wenn die Quelle das so möchte. Du bist im Wollen und Verlangen und dies ist immer ein Beweis dafür, dass du in irgendeinem Aspekt deines Lebens an Mangel zu leiden glaubst. Selbst wenn du in Dankbarkeit betest, so ist dein Gebet das Eingeständnis deines Mangels an Dankbarkeit in dem Glauben, Gott hätte deine Dankbarkeit nicht schon längst erkannt. Und wenn du für andere betest, dann zweifelst du unbewusst daran, dass die Göttlichkeit eins mit diesen anderen ist und deren Bedürfnisse ignoriert oder nicht schon längst erkannt hätte. Du glaubst, die Göttlichkeit bräuchte deine Hinweise, um zu wissen, was für den Anderen das Beste sei. Dein Gebet ist damit eine Verkündung deines Zweifels an Gott. Es ist praktizierter Zweifel. Du glaubst nicht, dass die Göttlichkeit für dich und alles Leben alles bereithält und es im rechten Moment geben wird, daher möchtest du sie durch dein Gebet daran erinnern.
Das Gebet ist eine groteske, verstümmelte Form der Hinwendung an die Quelle – so als müssten deine Lungen das Herz um Zulieferung deines Blutes bitten, was töricht ist, denn Herz und Lungen sind eins als Teil der Organe deines Körpers. So wie du eins mit Gott, mit der Göttlichkeit, mit der gesamten Existenz bist.

In der Meditation aber gehst du zurück in die Einheit mit Gott. Du bist ohne Wollen, ohne Verlangen, ohne Gedanken, ohne den Glauben an Trennung, ohne dem Irrtum, die Göttlichkeit wüßte nicht schon längst, dass du ein Teil von ihr bist. Meditation ist das stille, absichtslose Bekenntnis und die totale Hingabe an die Einheit mit der gesamten Existenz im Hier & Jetzt. Du erinnerst den Kern deines Wesens in völliger Gedankenstille an seinen Ursprung. Du gehst absichtslos und in absolutem Vertrauen zurück in das Bewusstsein der Quelle, hebst jede Form der illusorischen Trennung von Gott auf. Dein Ich, dein Ego ist in der Meditation gar nicht da. Du meditierst um der Meditation willen – nicht aus Mangel heraus, sondern aus Freude an der Fülle. Du meditierst aus Liebe zu Gott und daher willst oder brauchst du in der Meditation auch nichts von der Quelle. Meditation ist das stille, bedingungslose Eingeständnis deiner Einheit mit allem.

Daher kann Gebet niemals die Meditation ersetzen. Und wenn du schon eine Art des Gebetes führen willst, dann bitte und bettle nicht, sondern sprich ganz offen und voller Vertrauen im Geiste als würdest du zu deinem allerbesten Freund sprechen. Sprich die Quelle an in dem Wissen, dass sie dich ohnehin speist.
Wenn du aber meditierst – wirklich–wirklich meditierst –, dann wirst du nie wieder beten müssen, denn du weißt, dass du bloß zu dir selbst sprechen würdest, weil da keine Trennung zwischen dir und der Göttlichkeit existiert. Weil du niemals von der Existenz getrennt warst und es auch niemals sein wirst. Darum ist Mediation stets größer als das Gebet.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Haltet das Feuer am Brennen


Das erste große Dilemma vieler Partnerschaften besteht darin, sich irgendwann des Anderen sicher zu fühlen, ihn als Selbstverständlichkeit anzusehen. Man hat die Wohnung, das Haus, das Geschäft, die Kinder oder zumindest die gemeinsamen Jahre – das bindet in nicht zu unterschätzendem Maße. Aber in Wahrheit vermittelt es falsche Sicherheit durch Gewohnheit, der man im spröden Alltagstrott leichtfertig auf den Leim geht. Was einst als wildes Feuer unter freiem Sternenhimmel loderte, das ist jetzt einer lauen Zentralheizung gewichen, die dumpf jene Räume der Begegnung wärmt, welche früher aufregende Spielwiesen für Liebe, Sex und Drama waren.

Das zweite große Dilemma vieler Partnerschaften offenbart sich durch die Abstumpfung der Wahrnehmung hinsichtlich den Veränderungen, den Reifeprozessen, der Entwicklung des Partners – war es zu Beginnn noch spannend, die unerforschte Seelenlandschaft des Anderen zu entdecken, sich verwegen in die entlegendsten Winkel dieser Seele vorzuwagen, so meint man mit der Zeit, bereits alles erforscht zu haben. Das Bild ist gefestigt, erstarrt in stereotypen Ansichten über das Wesen des Partners. Man glaubt zu kennen, was man nur noch selten mit wachen Sinnen wahrnimmt.

Das dritte große Dilemma vieler Partnerschaften ist der Mangel an Bereitschaft zur Vergebung, weil nicht begriffen wird, dass man immer genau jenen Partner zur Seite hat, den man verdient und braucht. Du hast nie den falschen Partner, sondern stets den genau für dich und deinen momentanen Entwicklunsstand perfekt passenden. Je länger man zusammen ist, desto länger wird auch die Litanei beim Herunterbeten der Vergehensliste, die beide im Laufe der Zeit angelegt haben, um dem Anderen die Täter- und sich selbst die Opferrolle zuzuweisen. In manchen Partnerschaften bleibt dieses Spiel sogar als einzige Gemeinsamkeit übrig – es verbindet einander nichts mehr, außer die pathologische Freude daran, dem Anderen seine Vergehen aufzuzählen und sich selbst zu bemitleiden.

Fakt 1: Dein Partner ist dir niemals sicher! Egal wie solide der Background und wie schlau geplant die Zukunft anmutet, auf die man die Gemeinschaft gründet, ganz gleich, wie wundervoll die Liebeschwüre auch klingen mögen – der Andere bleibt ein Geschenk mit Widerrufsrecht, eine Leihgabe, die es jeden Tag, jeden Augenblick zu feiern gilt. Dankbarkeit und Wertschätzung für die guten wie die schlechten Tage, die Nähe, die Liebe, die Berührungen, den Austausch, die Körperwärme des Partners sind der Schlüssel hierfür.

Fakt 2: Dein Partner ist, so wie du selbst, ein lebendes, sich jeden Augenblick, jeden Tag durch Erkenntnisse und Erfahrungen veränderndes Wesen. Er wächst, er reift, er entwickelt sich von Moment zu Moment. Natürlich bemerkst du nicht jede subtile Veränderung, aber je mehr Aufmerksamkeit du dem Anderen schenkst, je größer deine Bereitschaft ist, den Partner täglich neu zu entdecken, desto deutlicher erkennst du, dass euer Feuer am Brennen bleibt, weil ihr beide unaufhörlich am Wachsen seid. Weil ihr euch durch eure seelische Unerschöpflichkeit, euer Wachstum ständig gegenseitig beschenkt.
Kannst du den Anderen immer wieder neu entdecken, dich wieder und wieder in ihn verlieben, indem du dir gewahr bist, dass er eine unerschöpfliche Seele ist, und du daher seiner Entwicklung ähnliche Aufmerksamkeit schenkst wie deiner eigenen, dann ist es kaum möglich, dass du irgendwann sagen musst „Wir haben uns einfach in unterschiedliche Richtungen entwickelt!“, denn das ist meist nur eine billige Ausrede für jene Paare, die sich gegenseitig jahrelang nicht mehr richtig wahrgenommen haben, da sie dem Irrglauben anheimgefallen sind, den Anderen längst restlos erforscht zu haben.

Fakt 3: Du machst Fehler, dein Partner macht Fehler, weil da, wo gehobelt wird, nun mal Späne fallen. Du machst keine besseren Fehler als dein Partner – du machst bloß andere Fehler. Eure größten Fehler, die tiefsten Verletzungen, die ihr einander zufügt, sind nichts weiter als ein Zeichen eurer Menschlichkeit, der keiner von euch entsagen kann, denn ihr seid nun mal zum Menschsein geboren. So wie du selbst weißt, dass du es tief drinnen bereust, wenn du deinen Partner verletzt hast, so kannst du sicher sein, dass es auch dein Partner tief drinnen bereut, wenn er dich verletzt hat, selbst dann, wenn er das nicht zugibt. Jeder Mensch handelt in jedem Augenblick nach dem ihm höchstmöglichen Maße. Hätte es dein Partner in den Augenblicken, als er dich verletzt hat, besser gekonnt, dann hätte er es mit Sicherheit auch besser gemacht – du kennst das von dir selbst!
Ihr seid beide durch die Verletzungen in eurer Partnerschaft dazu aufgerufen, euer Maß an Liebesfähigkeit zu erkennen und zu steigern. Und das geschieht nun mal einzig und allein durch den Akt der Vergebung. Wenn ihr bewusst genug seid, dann erkennt ihr sogar, dass es in Wahrheit gar nichts zu vergeben gibt, denn ihr habt einander erwählt, um durch den Anderen gewisse Reife- und Entwicklungsprozesse zu erfahren, die euer beider Bewusstseinserweiterung dienen. Wenn du liebst, dann vergibst du. Und der Lohn der Vergebung ist deine eigene innere Freiheit, deine Unbeschwertheit. Alles, was du nicht vergeben willst, macht dich unfrei, macht dich schwer. Betrachte jeden Konflikt als Feld für Selbsterkenntnis und Wachstum, dann ersparst du dir die Opferhaltung und drängst deinen Partner nicht in die Rolle des Bösewichts. Was ihr einander vergeben habt, schweißt euch letztlich nur noch fester zusammen, denn es sind die Krisen, die euch zeigen, wie stark eure Verbindung ist. In der Liebe gibt es weder Opfer noch Täter – es gibt nur Wege zur Bewusstwerdung!

Fazit: Die Begegnung zweier Menschen ist nie zufällig und dennoch ist sie ein gnadenvolles Geschenk, das es tagtäglich wertzuschätzen gilt. Ihr seid beide lebendige, der Evolution unterworfene Wesen, die bis zum Lebensende einen Entwicklungs- und Reifeprozess erfahren. Die Kunst sich täglich neu in die Unerschöpflichkeit des Anderen zu wagen, sich in Vergebung, Geduld und Akzeptanz zu üben, ist Garant dafür, sich wieder und wieder in einander verlieben zu können.
Wenn du willst, dass deine Partnerschaft auch noch nach Jahren rockt, dann haltet euch beide diese Tatsachen vor Augen. Haltet beide ganz bewusst das Feuer am Brennen, indem ihr euch täglich aufs Neue für die Liebe entscheidet, dann bleibt es auch beständig warm und hell in den Räumen eurer Begegnung.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Was ist Dualseelen-Liebe?


Es ist so: Niemand ist für dich bestimmt. Nur du, du bist für dich bestimmt. Es gibt niemand da draußen, der dazu geschaffen wurde, dich zu vervollkommnen. Du bist nämlich bereits eine vollkommene, vollständige Einheit. Dir fehlt nichts, um komplett zu sein. Die Existenz liefert dich nicht als unvollständigen Bausatz aus, der dazu verdammt ist, den Rest seines Lebens nach Bauteilen zur eigenen Vervollständigung zu suchen. Du bist bereits ganz. Du bist schon vollständig. Aber einmal im Leben, ein einziges Mal nur, tritt eine Seele in deine Erfahrung, die sich mit der Schwingung der Seele, die du in Wahrheit bist, zu einem unsagbar kraftvollen Lied zusammenfügt. Ein Lied, das euer beider Entwicklung, euer Karma auf erhabenste Weise zu klären vermag. Dieses Seelenlied macht Quantensprünge in eurer Bewusstwerdung möglich.
Die meisten Menschen sind jedoch zu sehr in ihren Ich-Verhaftungen verwickelt, um diese eine Seele überhaupt zu erkennen. Doch selbst wenn sie erkennen, stellen sie sich gegenseitig ein Bein über den Verstand, über ihren notorischen Egotrip, bis sie letztlich daran vorbei und wieder zurück in mehr oder minder profane Bedürfnis-Partnerschaften stolpern.
Die wenigen, die erkennen und in der Lage sind, das Lied dieser Seelen dauerhaft erklingen und anschwellen zu lassen, erleben nach einer Phase gegenseitiger Zertrümmerung und anschließender Wiederherstellung metaphysische Verschmelzung, höchste spirituelle Ekstase, totale Transformation. Der Andere ist dann wie ein Portal, durch das du schreitest. Ein Portal in ein neues Universum des Eins-Seins – Liebe wird nicht mehr als Bedürfnis erfahren, sondern als Multiplikator zur Schöpfung eines seelischen Doppelsterns.
Ein solches Paar wird zum Leuchtfeuer innert der dumpfen Dunkelheit dieser Matrix, in der sich der Großteil der Menschheit noch befindet. Ein solches Paar vereint Yin & Yang als lebendiges Exempel. Es ist nichts Geringeres als die Hochzeit des männlichen und weiblichen Prinzips in absoluter Totalität des sich selbst erkennenden Allbewusstseins. Das ist es, was sich abspielt, wenn ihr von „Dualseelen-Liebe“ sprecht – was immer schon Eins war, sich aber auf Ebene der Illusion bisher als gespalten darstellte, erkennt sich nun in neuer Klarheit wieder und verschmilzt letztlich auf einer höheren Daseinsebene zu seiner ursprünglichen Form.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Sackgassen sind nicht das Ende


Manchmal schickt dir das Leben Zeichen um Zeichen, aber du läufst stur auf eine Sache fixiert, so als gäbe es ausschließlich dieses eine Ding, blind daran vorbei, um dich letztlich in einer Sackgasse wiederzufinden. Dann stehst du eine Weile ratlos rum, weinst vielleicht, resignierst. Doch irgendwann ertönt von irgendwoher ein leiser Ruf, der dich hinausführt. Und plötzlich erkennst du! Neuer Wind weht in deine Segel, weite Ozeane und unentdeckte Küsten eröffnen sich und warten.
Du stehst auf dem Oberdeck und sagst:
„Ich bin bereit, meine Liebe zu teilen. Ich bin bereit, ganz von vorne anzufangen und das Alte, Schwere in Dankbarkeit aus dem Rucksack meines Lebens zu entfernen. Meine Liebe teile ich wieder mit allem, was ist.“
Denn du hast dir vielleicht alles nehmen lassen, doch niemals deinen Glauben an die Liebe. Du verschenkst sie nun wieder, die Liebe. Überschwenglich. Uneingeschränkt. Freudig wie ein Kind.
Dann, an einem ganz besonderen Tag, gehst du an einer frischen Küste vor Anker, betrittst neues Land, und das erste, was dich da empfängt, ist mindestens das dreifache Maß der Liebe, die du gegeben hast…
Sackgassen sind demnach nicht das Ende, sondern ein Aufruf, die Richtung zu ändern. Und Liebe dient auf allen Wegen als der Magnet für die Nadel des Kompasses in deinem Herzen. Folge ihr!

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce