Kinder brauchen keine Regeln


Ein Kind muss so frei als möglich aufwachsen. Jede Regel, die du zwangsweise an Kindern durchsetzt, tötet ein Stück ihres Geistes und sollte dir selbst einen gewaltigen Mangel an natürlicher Autorität aufzeigen. Wer zwingen muss, ist schwach. Wer Zwang braucht, um sich durchzusetzen, verfügt nicht über Autorität sondern bloß über psychische Gewalt, die stets ein Zeichen von Schwäche ist. Und Kinder orientieren sich dann an dieser Schwäche, die sie irrtümlich für Stärke halten. Daraus entstehen dann weitere Generationen armseliger Machtmenschen für die das Mittel der Unterdrückung als Werkzeug der Stärke gilt.

Kinder brauchen weniger Regeln und mehr Förderung ihrer Kreativität. Eltern, die frühzeitig die wahren Talente eines Kindes erkennen und fördern, legen der Seele dieses Kindes den Schlüssel zur Großartigkeit in Händen. Dabei müssen diese Eltern tunlichst darauf achten, nicht die eigenen unerfüllten Lebensträume auf das Kind zu projizieren, was dieser Tage der Regelfall ist. Kinder wurden nicht dazu geboren, die verpatzten Schicksale ihrer Eltern zu korrigieren, sondern um der eigenen Bestimmung zu folgen. Und diese Bestimmung kann völlig konträr zum Wunsch der Eltern stehen. Akzeptiere das in Liebe.
Achte sehr genau auf die Art der Schule, die du deinem Kind angedeihen lässt. Wenn du dein Kind in eine Regelschule steckst, tötest du es geistig. Es wird in dieser Schule systematisch angeglichen an die Dumpfheit des Lohnsklaventums. Es wird zum funktionierenden Roboter konditioniert. Man bringt ihm bei, im Gleichschritt zu denken, zu leben und zu funktionieren. Das kommt einer psychischen Tötung des Kindes gleich. Es wird durch diese Schule niemals zu seiner vollen Schönheit, zu seiner vollen Blüte heranreifen können.

Betrachte ein Kind nicht als dein Eigentum – betrachte es als Baum, zu dessen Gärtner du bestellt wurdest. Lass ein Kind in höchstmöglicher Freiheit aufwachsen ohne große Sorgen um seine Bestimmung, denn diese bestimmst nicht du; sie ist bereits von höherer Stelle vorgezeichnet. Betrachte dein Kind als Baum, dessen Same man dir gab. Sein Platz wurde vorgegeben. Achte du darauf, dass dieser Baum ausreichend Licht, Schatten, Nährstoffe und Wasser bekommt. Halte ihm die Schädlinge fern, aber beschneide diesen Baum niemals durch kranke Regeln, deinen persönlichen Lebensfrust oder die Angst vor dem eigenen Versagen – die Seele eines Kindes hat ihren eigenen Weg. Den gilt es freizuhalten in Liebe.
Jede zwanghafte Regel, die du einem Kind auferlegst, tötet seine Kreativität, seine Schönheit, seine natürliche Wildheit.
Wenn du ein Kind liebst, schenke ihm das Höchstmaß an Freiheit und Vertrauen in seinen ganz persönlichen Lebensweg. Fördere ein Kind, aber beschränke und beschneide es nicht. Und bedenke: Die größten Persönlichkeiten der Menschheit waren keine Musterschüler und Vorzeigekinder, sondern Rebellen und Regelbrecher. Solchen Menschen verdankst auch du eine Menge.
Wenn du also eine neue Welt wünscht, lass zwei Generationen von Kindern in Liebe und Freiheit aufwachsen. Und beginne mit jenen Kindern, die dir das Leben in Obhut gestellt hat.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Jungfrau für immer


Arvo Pärt, geboren in Wien, am 10.09. irgendwann, heute zuhause in Berlin. So sind wir, wir Jungfrauen, wie diese Violine und der Anschlag am Piano. Zerbrechlich und zu nahe am Wasser gebaut und doch unbeugsam wie die Felsen der Berge, wo wir gerne wandern. So sind wir, du und ich, Baby. Niemals finden wir leicht ans Ziel, aber wir finden dahin, denn wir arbeiten. Sehr hart. Und immer. Ich höre dich und ich höre mich, wenn ich Arvo höre, und ich lese dich und mich, wenn ich Neale lese, und ich tanze dich und mich, wenn ich Freddie spüre oder Mr. Jackson, und ich frage dann nicht, weil ich weiß. Weil ich weiß, tief in mir drinnen. So wie du weißt, tief in dir drinnen. Und dann werden sie sagen „Du hast mir so gut getan, denn du warst immer am Boden!“, doch da wollten wir gar nicht sein. Fliegen wollten wir. Fliegen in die Weite der Berge hinaus. Getragen von der Violine, oder auch einem Cello, gehalten an die Tasten des Pianos. Korsika. Kanada. Irgendwohin. Nur nicht da, wo Arbeit uns das Maß spricht. Zart sind wir in der Seele, doch ruppig im Austausch. Sanft sind wir im Fühlen, doch kantig in der Sprache. Jungfrauen sind wir. Ewig unschuldig, doch niemals frei von Schuld. Das sind wir, du und ich, Nini. So klingen wir. Und am Ende werde ich warten wie der Felsen, den du erklimmst. Unbeugsam, sanft und zart, wie die Weide. Rauh mein Stamm, aber meine Äste biegsam und fein. Offen mein Herz und meine Seele aus Glas. Nichts verbergend, aber alles schützend. So sind wir, du und ich. Jungfrauen für immer. Cello und Violine, Klavier und Piano. Felsen und Erde. Arbeit und Fleiß. Verlust und Hoffnung. So sind wir, du und ich. Jungfrauen für immer. Ich hab dich lieb. Einfach nur lieb. Wie der Felsen. Wie der Berg, der sich das Fliegen wünscht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Gewöhnlich wie jeder


Berge bewege ich und in Ozeanen schwimmend,
obwohl Berge schwer und Ozeane tief und voller Getier sind,
aber ich lasse dich in deinen Launen,
in deiner Disbalance nicht allein,
denn ich weiß,
wir sind größer als das.
Wir sind der stille Punkt am Horizont,
die Wolke unbewegt.
Du kommst heut Nacht nicht heim und ich sage:
Na und?
Weil ich weiß,
ich warte am Rande deiner Seele,
ich warte da und erinnere mich in den Stunden ohne dich,
wie ich selbst war in deinem Alter.
Wütend.
Behauptend.
Zuweisend.
Mutig aber voller Angst.
Ich warte am Rande deiner Seele
als Randfigur.
Da warte ich mit einem konservierten Lächeln,
ein Leben lang,
aber mein Leben war außergewöhnlich,
verflucht,
gesegnet und gewonnen.
Weil alle Dinge eines Tages enden.
Selbst die größten Lieben
müssen eines Tages fallen.
Ich weiß ganz genau,
wo ich damals war.
Und ich weiß um die Bedeutung all dessen.
Und ich kenne den Abstand zum Mond.
Und ich weiß um die Leere der Jugend.
Und ich kenne das Geheimnis deines Lächelns.
Und ich kenne das Echo der Liebe.
Und ich kenne die Einsamkeit der Herzen,
Und ich bin vertraut mit den Abgründen der Seele.
Aber ich weiß,
die Welt ist in deine Handflächen geschnitten,
sie ist um den Herz gewickelt,
und ohne diese Welt
kannst du nicht leben,
denn ich kenne die Stille der Welt.
Ich kenne die Stille der Welt.
Aber am Ende frage ich mich,
ob ich gebrochen wurde durch diese Welt.
Und stehe noch!
Und stehe immer noch wie eine Weide,
weil nicht immer sieht es so schön aus,
wenn Biegsamkeit überlebt.
Heute lehne ich mich zurück,
knicke den Ast,
fasse nach einer Banane und weiß:
You are going nuts!
You are going nuts to be a part of me.
Das ist Liebe,
die man nicht kaufen kann.
Das ist Wissen,
das man nicht lesen kann.
Das ist Leben,
das man nicht borgen kann.
Das bin ich.
Liebe.
Und alle Liebe ist Macht.
Macht ja nichts.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Der Krieger und der Weise


Der wesentlichste Unterschied zwischen dem Krieger und dem Weisen ist jener, dass der Weise erkannt hat, dass er bereits besiegt wurde – vom Leben, von der Liebe, vom Schicksal und in weitester Folge vom Tod. Daher ist er bereit zu akzeptieren. Er lebt jenseits des Kampfes, jenseits des Wunsches nach Kontrolle. Er weilt in der Akzeptanz dessen, was ihn umgibt. Und diese Akzeptanz macht ihn unendlich machtvoll und still. Er handelt nur noch dann, wenn es wirklich nötig ist.
Der Krieger hingegen will alles bekämpfen, alles an sich reißen, es kontrollieren. Er glaubt in seiner Torheit noch an den Sieg und erschöpft sich im Gefecht gegen übermächtige Gegner. Doch er wird nicht siegen – gegen das Leben, die Liebe, das Schicksal oder den Tod. Er wird pausenlos in die Knie gezwungen, er wird verlieren, bleibt jedoch töricht genug, der Übermacht mit neuen Waffen und Strategien zu antworten. Dabei leidet er, kann aber seinen Kampf gegen Windmühlen nicht beenden, bevor er sich nicht vom Krieger zum Weisen wandelt, bevor er nicht erkannt hat, dass er nur noch dann handeln muss, wenn es unbedingt nötig ist. Er wird keinen Frieden finden, solange er nicht gelernt hat zu akzeptieren.
Diese Welt ist eine Welt erschöpfter, trauriger Krieger, die unheimlich stolz auf ihren Kampf, ihre Torheit sind. Wäre diese Welt eine Welt der Weisen, würde sie in Frieden liegen; sie wäre bevölkert von zufriedenen Menschen, die sich freudig dem hingeben, was sie im Augenblick umgibt. Es gäbe keine Tendenz mehr zum Kampf, zur Macht oder Kontrolle, weil Weisheit weder kämpft noch sich in sinnloser Aktivität erschöpft.
Und so wird es stets klüger sein, den Weg des Weisen statt jenen des Kriegers zu gehen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Papierschiffchen


Ein Grashalm möcht ich sein,
durch den Asphalt deines Panzers dringen,
um dich zu überraschen mit meiner Kraft,
bis du erstaunst und dich wunderst,
was mich angetrieben hat.
Ein Sonnenstrahl will ich sein,
der dich berührt in Momenten,
da die Dunkelheit dich übermannt,
um dich zu trösten mit meinem Licht,
bis du lächelst und dich freust,
weil ich auf deiner Netzhaut tanze.
Ich will die Hand sein,
die Wolken für dich zur Seite schiebt
und dir den Himmel klar macht,
die Hand, die nachts nach deiner fasst,
wenn du zuckst im Schlaf und Träume dich plagen.
Ich will der Augenblick sein,
der dich zum Staunen bringt,
der Presslufthammer,
die Betondecke deines weichen Herzens sprengend,
damit du siehst,
dass Liebe wirklich ist und Angst nur ein Schatten.
Ich will dir meine Befürchtungen darlegen,
um die deinen zu schmälern,
denn ich komme als Liebender in dein Leben,
nicht als die Dolche deiner Vergangenheit.
Ich will deine Gegenwart sein,
die Sicherheit für deinen Gang durch die Welt.
Das ist der Grund,
weshalb ich bei dir bin: Liebe.
Einen anderen Grund gab es nie.
Und jetzt gib mir die Angst,
setze sie mit mir in ein Papierschiffchen,
sieh zu,
wie die meine mit der deinen in die Wellen treibt.
Wir lassen sie ziehen, die Angst.
Und unterm Strich wirst du erkennen,
ich bin die Rechnung,
die letztlich aufgeht.
Denn Liebe war der Multiplikator.
Und Liebe ist dann auch das Resultat,
Papierschiffchen, Papierschiffchen!
Unser Meer ist voll davon.
Und in einer Flaschenpost kam ich auf deine Insel.
Da bin ich gestrandet als Antwort auf dein Gebet.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Seelenasyl


Sie kauert im Eck,
weit weg von deinem Blick,
rottet vor sich hin,
füllt Salz und Wasser
in den Becher des Moments.
Und du sitzt vor den Stäben,
vor den Gittern dieses Gefängnisses,
erschöpfst deine Kraft,
fütterst ihr Happen deines Herzens,
flüsterst Lieder und Gedichte,
erzählst von Wiesen und Wäldern,
von den Flügeln der Schmetterlinge
und vom Duft der Blüten im Mai.
Das ist dein Bild der Rettung,
dein kläglicher Versuch sie zu befreien.

Sie kriecht unter den Staub,
unter den Staub ihrer Träume,
schwindet vor sich hin,
gießt Worte so kalt wie Schneeflocken
in den Becher des Augenblicks.
Und du hockst vor den Gittern,
lehnst an den Mauern ihrer Zelle,
geduldig aber müde,
berührst ihr Haar und krümmst ihr keins,
hauchst dein Empfinden,
deine Wahrheit an den Stein dieses Herzens,
erzählst von ihrer Schönheit und Würde,
von den Straßen der Liebe,
vom Seelenasyl.
Doch nichts davon dringt durch,
wenn deine Lippen sich bewegen,
hört sie nicht,
was du sagst.

Sie spricht es nicht aus,
aber du hörst den stillen Ruf,
den stummen Schrei ihrer Seele.
Nach Liebe ruft sie,
aber tritt sie gleichsam von sich.
In deiner offenen Hand lose der Schlüssel,
der Schlüssel und Ausweg aus ihrer Kammer.
Doch sie lässt niemand ein,
noch geht sie jemals aus.
Sie kauert im Eck,
verkriecht sich unter dem Staub ihrer Träume
und beißt deine Wärme tot.
Während der Schnee fällt in einer Welt,
die sie nicht liebt.
Doch du liebst sie,
du liebst sie fort und fort.
Und du wartest mit dem Schlüssel,
bereit ihr Herz zu umfangen,
sobald sie hervor kommt aus ihrem Eck,
nach Hause ins Seelenasyl,
während der Schnee fällt in einer Welt,
die sie nicht liebt,
in einer Welt,
wo sie schwindet wie Nebel
und du hoffnungslos nach ihr greifst.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Du, Herz allein


In allem, was du tust, liegt so viel Herz.
Deine Worte, deine Hände, deine Lippen
breiten Frieden über meine Dummheiten,
machen mich lächeln über Wunden alter Tage,
und in deinen Augen finde ich jene Spiegel,
klar und silbrig,
schonungslos aber wahr,
um wieder neue Wesenszüge zu schmecken.
Du bist in allem einfach Herz.
Und mein Herz will stets zu deinem,
sucht es nachts mit feuchter Hand,
jauchzt und wird freudig,
weil es die deine findet.
Dann schleichen Ängste,
dann kriechen Zweifel zu uns ins Zelt,
aber dein Herz,
tapfer und weich,
gemahnt meins.
Und dann schlagen unsere Herzen wie Trommeln,
schlagen die Schatten tot,
donnernd und lachend.
Und wir erinnern uns,
deine Seele aus Glas
und meine Seele aus Glas
bleibt sicher bewahrt im Puls dieser Liebe.
Denn du bist Herz,
nur Herz und Herz allein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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