Die globale Erwärmung der Herzen


Wir leben in Zeiten totalen Umbruchs, in einer seelischen Eiszeit. Soziale Kälte, Egomanie und Materialismus haben sich als Usus der Massen etabliert. Niemals zuvor war ein spirituell-ethischer Klimawandel dringender. Die großen Helden, die wahren Wandler dieser Zeit werden nicht aus den Königshäusern, den Parlamenten oder Religionsstühlen geboren – aus der Stille, aus der Wärme des einzelnen Herzens wird die Revolution kommen. Denn es gibt sie, die heimlichen Leuchtfeuer, die leisen Sterne des Friedens und der Liebe. Wie Blumen blühen sie unter Disteln. Aus ihnen geht die Saat des wahren Wandels hervor.
Denn ich glaube an die globale Erwärmung der Herzen.

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© 2018 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Worauf wartest du?


Du suchst ständig nach Sicherheit, doch im Leben gibt es keine Sicherheit. Alles in dieser Welt bleibt stets vage, es bleibt solange unbestimmt, bis es sich ereignet im Hier und Jetzt. Aber selbst im Augenblick der Manifestation verbleiben die Ereignisse in ihrer universellen Tragweite ein ewiges Mysterium für die menschliche Ratio. Die Welt, das Leben verharrt in heiliger Unergründlichkeit. Von daher gibt es keine Sicherheit. Gib also den Wunsch danach auf. Lasse ihn los, denn er ist nichts weiter als ein Kind deiner Ängste, ein hoffnungsloses Produkt deiner Befürchtungen. Ganz gleich, was Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Weissagungen auch prognostizieren mögen – im Grunde unterliegt alles stets einer 50:50-Chance. Mit einer einzigen Ausnahme – der Tod. Das, was du den Tod nennst, ist das Einzige, was dir zu 100% sicher ist.
Doch dieser unbequeme Fakt macht dir Angst. Daher verdrängst du jeden Gedanken daran. Du gehst sogar so weit, dich der Illusion hinzugeben, nur die anderen müssten sterben. Für dich selbst aber beanspruchst du auf nahezu arrogante Weise eine groteske Form der Unsterblichkeit. Du lebst dieses Leben so, als hättest du ewig Zeit, weil du den Fakt deiner Sterblichkeit ignorierst. Dabei verzichtest du auf den wertvollsten Lebenslehrer überhaupt – den Tod!

Du sollst wissen, nicht fürchten, dass du sterben wirst. Die mutige, absichtsvolle Integration des Wissens um deinen Tod führt dich zwangsläufig zu totaler Lebendigkeit. Wenn du dir der Vergänglichkeit deiner gegenwärtigen Form gewahr bist und zwar jeden Augenblick – wie kannst du dann noch Zeit vergeuden mit dem Warten auf irgendetwas? Wenn du dir wirklich bewusst bist, dass du sterben wirst, wenn dir klar ist, wie wenig Zeit du hast – wie kannst du auch nur einen einzigen Tag damit verschwenden, deinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten zu bestreiten, die dir keine Freude bereiten? Wie kannst du die wenige Zeit, die dir gegeben ist, damit vergeuden, wegen irgendetwas unglücklich zu sein?

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Liebe setzt den Verstand schachmatt


Ich sage es wieder und wieder: Es gibt keine bedingungslose Liebe, sonst müsste es im Gegensatz dazu auch eine bedingungsvolle Liebe geben – die aber gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird es nie geben. Bedingungslose Liebe ist ein Un-Begriff. Streiche ihn am besten aus deinem Sein – er führt bloß zu tiefer innerer Spaltung. Dein Verstand kann da nicht mit – er ist Angesichts der Liebe schachmatt. Der Verstand ist ohnehin blitzschnell schachmatt gesetzt, weil er zu begrenzt ist, um das Unfassbare zu erfassen. Schon allein der Begriff „Liebe“ reicht aus, um ihn auszuhebeln. Immer da, wo du mit Liebe konfrontiert bist, ist dein Verstand unbrauchbar. Es gibt keine bedingungslose Liebe. Liebe ist immer bedingungslos, sonst ist es keine Liebe. Daraus jedoch ergibt sich nach den Gesetzen deiner Logik eine Bedingung, nämlich jene, dass Liebe immer bedingungslos zu sein hat, weil es sich sonst nicht um Liebe handeln kann. Für deinen Verstand tut sich hier ein Paradoxon auf. Damit aber kommt er nicht klar. Deshalb geht er in Anbetracht der Liebe stets bankrott; er macht auf der ganzen Linie totale Pleite. So schnell setzt man den Verstand schachmatt – mit einem einzigen Satz, um den er sich nun Ewigkeit für Ewigkeit im Kreise drehen könnte, ohne jemals einen Ausweg zu finden. Deshalb vergiss den Verstand, sobald es um Liebe geht. Die Liebe ist und bleibt für die Ratio etwas Unfassbares, sie bleibt ein ewiges Paradoxon. Solange du mit dem Verstand an die Liebe herangehst, solange bist du der Liebe fern, solange verfehlst du sie, solange wirst du keine Ahnung von ihr haben. Es gibt keine bedingungslose Liebe. Aber es gibt Liebe. Und mehr wirst du mit deinem Verstand über die Liebe auch niemals erfahren, als dass sie ist. Das aber reicht völlig aus, um sie leben zu können.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Der Verstand ist niemals im Jetzt


Der Verstand ist ein guter Diener, aber ein denkbar schlechter Herr. Du brauchst den Verstand für viele nützliche Dinge, doch die essentiellen Probleme deines Lebens kannst du damit nicht lösen – im Gegenteil! Du schaffst dir in Wahrheit die meisten Probleme mit dem Verstand, weil er begrenzt ist, weil er dich vom Glück abhält, weil er dich mit dem Denken, statt mit dem Leben beschäftigt hält.

Der Verstand ist niemals im Jetzt – er ist im Gestern, er ist im Morgen, aber er ist niemals im Jetzt. Da es aber nie etwas anderes gab, gibt und geben wird, als das Jetzt, kannst du den Verstand nicht nutzen, um das Jetzt zu erfassen – im Jetzt setzt er aus. In besonders intensiven Glücksmomenten oder in Gefahrensituationen erlebst du sehr eindrucksvoll, wie der Verstand kapituliert – deshalb siehst du Unfälle, in die du selbst verwickelt bist, wie in Zeitlupe ablaufen: Du steigst aus dem Verstand aus und wirst in diesen Momenten zu dem, der du wirklich bist – zum unbeteiligten Beobachter, zum reinen Gewahrsein dessen, was so ist. Du erlebst jedes Detail, jede Kleinigkeit des Unfalls vollkommen unbeteiligt, siehst die Dinge sich verlangsamt ereignen, erfährst den Ablauf so teilnahmslos, aber gleichzeitig so intensiv, wie sonst kaum etwas. Erst danach kehrst du allmählich zurück auf die reduzierte Ebene deines Verstandes und identifizierst dich wieder mit dem Geschehen, aber im Moment des Unfalls bist du vollkommen lebendig, bist total im Jetzt, während die Welt um dich herum extrem verlangsamt, deine Wahrnehmung aber präzise und absolut geschärft ist – du erfährst die Tiefe des Jetzt, du bist vollkommen im Leben, aber absolut außerhalb des Verstandes.

Nur das Jetzt besitzt die Tiefe des Lebens, der Verstand aber hat keine Tiefe, deshalb kommt er mit der Tiefe nicht klar, deshalb kommt er mit dem Leben nicht klar. Der Verstand steigt immer dann aus, wenn das Leben stattfindet, und das findet jeden Augenblick statt – du bist also nie lebendig, wenn du denkst, denn du denkst so gut wie in jedem Augenblick.

Versuche das Jetzt mit dem Verstand zu erfassen – du wirst daran scheitern. Kaum hast du „Jetzt“ gedacht, ist es auch schon wieder weg, dieses Jetzt, weil schon wieder Jetzt ist. Das Jetzt ist der einzige Augenblick, in dem das Leben sich vollzieht, aber wenn du nicht da bist im Jetzt – wo bist du dann?
– Wenn du nicht im Jetzt bist, dann bist du nicht im Leben, dann bist du in der toten Vergangenheit oder in der illusorischen Zukunft.

Das Jetzt ist für den Verstand die absolute Grenze, weil im Jetzt das Leben geschieht, nicht das Denken. Du wirst das Leben niemals denken oder verstehen können, weil es weder gedacht noch verstanden, sondern gelebt und erfahren werden möchte. Solange du dich im Jetzt mit dem Denken an das Zuvor oder ein fiktives Später befasst, verpasst du das Leben und schiebst dein Glück ständig auf – das ist der Grund, weshalb du nicht glücklich bist. Dein Verstand sagt ständig, es müsse noch etwas hinzukommen, bevor du glücklich sein kannst, etwas, das vor dir liegt, und so denkst du und denkst und denkst dich am Leben vorbei. Das Positive Denken ist der beste Weg, um niemals lebendig werden zu müssen, sondern ewig im Morgen zu verweilen, doch niemand hat jemals das Morgen erlebt. Kein einziger Mensch hat jemals die Zukunft erfahren, niemals war einer in der Zukunft – jeder Mensch war immer nur im Jetzt. Glück, das später, morgen oder irgendwann geschieht, ist bloß Illusion. Die einzig wahre positive Haltung im Leben ist jene, im Jetzt zu sein. Solange du dem Irrtum aufsitzt, dass morgen dein Glück auf dich wartet, weil du dir jetzt durch Positives Denken ein glückliches Morgen erdenken musst, wirst du sterben und niemals glücklich gewesen sein, denn das Glück kann nur im Jetzt stattfinden. Egal, was du dir auch erdacht hast – ob es sich nun erfüllt oder nicht – du kannst es nur im Jetzt erfahren. Da du aber nie im Jetzt bist, macht dich nichts von dem glücklich, was du dir erdacht hast, denn kaum hat sich etwas für dich erfüllt, bist du auch schon am Denken darüber, ob es auch so erfüllt wurde, wie du es dir erdacht hast – so kommst du niemals an im Glück, so bleibst du ewig ein sich im Kreis denkender Roboter, eine kalte Maschine, eine leblose Denkfabrik.

Wenn du dich führen lassen möchtest, wenn du glücklich sein willst, dann folge dem Herzen, denn das Herz ist unbegrenzt, das Herz ist gefühlvoll, das Herz ist weise, das Herz ist im Jetzt. Der Verstand aber ist begrenzt, kalt und ohne Gefühl, denn im Kopf ist nicht die Heimat deiner Empfindungen – die wohnen im Herzen, und das Herz ist immer und ausnahmslos im Jetzt. Das Leben findet jetzt statt, das Leben ist die Erfahrung deines Empfindens im Jetzt, weniger die Erfahrung deines Denkens an Gestern oder Morgen.

Man hat dich stets nur das Denken gelehrt, niemals aber das Empfinden. Man hat dich denken gelehrt und dich damit vom Leben entfernt, man hat dir dein Jetzt geraubt – ich aber lehre dich zu Empfinden, ich erinnere dich daran, dass du in diese Welt kamst, um jetzt zu leben, nicht um zu denken.

Übe das Jetzt! Erlerne das Jetzt! Finde die Tiefe, entdecke die Stille im Jetzt, denn im Jetzt, im Augenblick, ist kein einziges Problem – eine Sekunde davor, eine danach – da liegt dein Problem, doch es liegt niemals im Jetzt.

Das Leben ist kein Problem, welches du durch denken lösen könntest – das Leben ist ein Mysterium, das es zu erfahren gilt. Solange du denkst, lebst du am Jetzt und somit am Leben vorbei. Wenn du dich von deinem Verstand führen lässt, führt er dich geradewegs in den Abgrund seiner eigenen Grenzen. Du kannst nicht glücklich werden durch das Denken, auch wenn man dich das gelehrt hat – man hat dich etwas Falsches gelehrt! Du brauchst dich nur umzusehen in deiner Welt, in deiner Gesellschaft – es ist eine traurige Welt, eine traurige Gesellschaft, weil alle bloß denken, denken und nur noch denken, weil sie von Denkern regiert und von Denkern bewohnt wird. Die Natur denkt nicht – die Natur erfährt sich immer nur im Jetzt, aber im Jetzt ist kein Gedanke. Im Jetzt ist die Stille, im Jetzt ist das Leben. Im Verstand ist nur tote Vergangenheit oder fiktive Zukunft, aber im Verstand ist kein Leben.

Kinder sind deshalb glücklicher, lebendiger und energetischer, weil sie weniger denken, dafür mehr im Jetzt sind. Dadurch sind sie fröhlich, dadurch sind sie unbeschwert, deshalb haben sie weniger Probleme. Es liegt nicht daran, weil sie weniger Verantwortung zu tragen haben, sondern daran, dass sie in Wahrheit mehr Verantwortung übernehmen – die Verantwortung für das Leben im Jetzt.
Deine einzige Verantwortung ist jene, lebendig zu sein im Jetzt, aber du flüchtest davor, indem du dich im Gestern oder im Morgen vor dem Jetzt versteckst. Kinder sind lebendiger und verantwortungsbewusster als du, weil sie die natürliche Verantwortung am Leben zu sein übernehmen – so wie die Blüte alleine dafür verantwortlich ist, zu blühen, so wie der Wind alleine dafür verantwortlich ist, zu wehen, so wie der Jaguar alleine dafür verantwortlich ist, ein Jaguar zu sein – dazu ist kein Denken nötig, dazu ist kein Verstand erforderlich. Du nennst dich Homo Sapiens – der denkende Mensch – und bist darauf sehr stolz, aber du bist nicht glücklich mit all deinem Denken. Worauf also bist du stolz – auf dein Unglück? Auf dein Unvermögen, das Leben im Jetzt zu genießen vor lauter Denken?

Weil du nichts anderes hast, als deinen Verstand, machst du ihn zu deinem goldenen Kalb, doch dieses Gold ist kalt, hart und gefühllos. Es ist Selbstbetrug, dich mit der Krone des Verstandes zum unglücklichsten König des Planeten zu krönen. Jeder Sperling auf der Straße, jede Ameise im Wald ist glücklicher als du. Jedes Blatt am Baum, jede Wolke am Himmel hat mehr Freude am Dasein als du. Sogar deine Katze rollt sich hinter dem Ofen zufrieden mit sich selbst zusammen, ohne zu denken, ob das auch das wahre Glück sei. Nur du denkst unentwegt und möchtest die Arroganz, die hinter der Illusion deines Verstandes steckt, einfach nicht aufgeben und dir den Irrtum des Denkens als höchste Errungenschaft deines Daseins eingestehen – du hast dich in eine Sackgasse gedacht! Deine ganze Gesellschaft steckt in dieser Sackgasse. Da wird gedacht und gedacht, aber es wurde kein einziges essentielles Problem der Menschheit durch Denken gelöst – es gibt immer noch Kriege, es gibt immer noch Hunger, es gibt immer noch Armut, es gibt immer noch eine bald vollkommen zerstörte Biosphäre. Nichts hast du mit deinem Denken verändert in den letzten 10.000 Jahren, absolut nichts. Du hast sie bloß hin und her geschoben in deinem Kopf, die Problematik des Menschseins. Du steckst in einer Sackgasse. Der einzige Ausweg ist der Weg zurück zum Nicht-Denken, zum Fühlen, zum Jetzt Hier Sein.

Verwende den Verstand als deinen Diener, aber beende die Knechtschaft durch ihn – du bist nicht dein Denken, du bist nicht dein Verstand. Du bist das, was jenseits deines Verstandes liegt – du bist das Herz, der Beobachter im Jetzt!

Solange du deinen Verstand als dein einziges und höchstes Werkzeug ansiehst, solange du das unerklärliche Mysterium des Lebens mittels des Denkens zu erklären versuchst, solange wirst du am Leben vorbei leben. Du lebst nur deshalb am Leben vorbei, weil du nicht glücklich bist – und du kannst nicht glücklich sein, wenn du der Sklave eines Herrn bist. Der Handwerker wird zum Sklaven seines Werkzeugs, wenn dieses Werkzeug sein einziges ist, denn ohne Werkzeug kann er sein Handwerk nicht verrichten – du hast dich auf ein einziges Werkzeug eingelassen: den Verstand. Deshalb bist du zu seinem Sklaven geworden und leidest unter seiner eiskalten Knechtschaft.

Wäre diese Gesellschaft eine Gesellschaft des Herzens, dann wäre die Welt ein warmer, reicher, freundlicher Ort – diese Gesellschaft aber ist eine des Verstandes, deshalb ist sie kalt, arm, berechnend und voller Probleme.

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