Ich fühle mich nicht mehr glücklich mit dir


„Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“ – diesen Satz sagen weltweit täglich Millionen Paare in unterschiedlichsten Sprachen zueinander. Danach trennen sie sich meistens ziemlich bald. Wahrscheinlich kennst du das sogar aus deinem persönlichen Erleben.

– Aber warum ist das so?

Nun, die meisten Menschen begehen in ihren Beziehungen einen uralten Kardinalfehler und dieser besteht aus zwei Aspekten.
Der erste Aspekt ist jener, eine Partnerschaft nicht aus Bereitschaft zur Liebe sondern aus Bedürftigkeit einzugehen. Beide fühlten sich vor ihrer Begegnung einsam, innerlich unerfüllt und wollten jemand finden, der diese Umstände ausgleichen soll. Genau deshalb haben sie sich ja auch gefunden, denn Gleiches zieht Gleiches an. In einem solchen Falle sind es zwei Bedürftige, von denen jeder den anderen um Erfüllung anbettelt. Anfangs schwelgen sie im Rausche der Verliebtheit auf Wolke 7, sind guter Dinge und projizieren im Stillen sämtliche Hoffnungen auf den neuen Schwarm. Das geht eine gewisse Zeit lang gut. Da jedoch jeder Rausch mit Ernüchterung endet und zwei unerfüllte Wesen einander nicht zu erfüllen vermögen, weil ja außer Leere nichts da ist, mit dem man den anderen erfüllen könnte, geraten sie in ein elendes Dilemma.

Zwei leere Krüge können einander eben nicht füllen. Ist einer der Krüge voll und der andere leer, wird der volle Krug den leeren zwar zu füllen versuchen, am Ende aber selbst leer sein und somit herrscht wieder die Ausgangssituation. Es bleibt Leere, wo Leere ist. Zwei Bettler können einander nicht vor der Armut retten. Auch ein Reicher kann einen Bettler nicht vor der Armut retten. Er kann ihm zwar Geld geben, ihn aber damit nicht reich machen. Denn Armut ist, ebenso wie Reichtum, ein Seinszustand, keine Frage des materiellen Vermögens. Ein unerfüllter, bedürftiger Mensch bleibt ein unerfüllter, bedürftiger Mensch. Er bleibt es so lange, bis er sich daran erinnert, dass nur er selbst sich erfüllen und somit aus der Bedürftigkeit und Einsamkeit befreien kann. Er muss sich selbst mit Liebe füllen. Er muss ein solch reichlich gefüllter Krug werden, bis er vor Liebe überquillt. Sonst bleibt er leer. Soviel zu Aspekt Nummer Eins, den ich in anderen Texten bereits ausführlicher behandelt habe.

Der zweite Aspekt des Kardinalfehlers in Beziehungen ist der, dass beide dachten, es gäbe eine Zeit des „Sich Kennenlernens“, die eines Tages ihr Ende finden würde. Irgendwann hätte der Eine den Anderen ausreichend kennengelernt und umgekehrt. Dann würde man sich kennen… Ja, und dann? Was sollte danach folgen, sobald man einander ausreichend zu kennen glaubt?

– Daran haben beide wahrscheinlich nur in Form von Idealvorstellungen gedacht. Sie hatten sich den Siebenten Himmel ausgemalt, ganz so, wie er in Liebesfilmen und Liebesromanen verkauft wird. Sie hatten sich vorgestellt, dass sie dann den anderen so gut kennen würden, um alle Techniken zu beherrschen, aus der Begegnung das meiste an Erfüllung für sich selbst herausschlagen zu können. Man würde die Prinzipien verstehen, mittels derer man den anderen so weit bringen könne, sich so zu verhalten, dass es einem selbst angenehm ist. Man hätte den Partner in einem solchen Maße ausgelotet, dass man alle Tricks drauf hat, um durch den anderen an das zu kommen, was man für sich selbst erhofft hatte.

Leider aber haben sich beide damit hoffnungslos in einem Irrtum verrannt, denn man kann einen anderen niemals ausreichend kennenlernen. Man kann sich im Prinzip nichtmal selbst ausreichend kennenlernen, da man sich täglich von Augenblick zu Augenblick verändert und entwickelt. Das gilt natürlich für den Partner ebenso. Er ist ein sich unentwegt selbst entdeckendes Wesen. Er entwickelt und verändert sich unaufhörlich. Wie kann man da nur glauben, einen anderen jemals vollständig zu kennen?
Jeder Mensch ist für sich betrachtet ein unendliches Universum. Man kann ewig durch das Wesen, durch die Seele seines Gegenübers reisen, käme aber niemals an ein Ende. Daher endet auch das „Sich Kennenlernen“ niemals. Es gibt keine Zeitspanne, innerhalb derer dieser Prozess jemals abgeschlossen wäre. Das gilt es zu verinnerlichen.

Der Tanz zweier Seelen beginnt bereits vor ihrer Geburt. Lange Zeit tanzen sie vielleicht alleine oder mit anderen. Bis es zwischen ihnen zur Begegnung in dieser Welt kommt. Da setzt sich der Tanz dann fort. Anfangs ist der Tanz unbeholfen. Man tritt einander häufig auf die Zehen, hat aber Freude daran, weil man weiß, es ist Teil des Tanzes. Mit der Zeit wird man besser. Man findet allmählich einen gemeinsamen Rhythmus sowie die Balance zwischen Nähe und nötiger Distanz. Der Tanz wird leichter, anmutiger, fließender, aber man beherrscht längst nicht alle Schritte und Figuren. Man muss üben und üben und üben. Man muss arbeiten an diesem Tanz. Manchmal frustriert es, weil man selbst einen Schritt bereits drauf hat, der andere aber noch nicht. Dann braucht man Geduld. Man braucht Hingabe. Man braucht Liebe. Man muss einander Zeit, Raum und auch Abstand schenken. Und man kann den Tanz nicht einfach aufgeben, bloß weil er manchmal anstrengend ist. Sonst ist man kein guter, sondern bloß ein fauler Tänzer. Faule Tänzer werden irgendwann zu Solotänzern, die versuchen, sich mit anderen faulen Solotänzern die Nacht um die Ohren zu schlagen, um sich aus der Verantwortung vor dem Tanz wahrer Liebe zu stehlen. Ein solcher Tanz ist ein trauriger und zutiefst einsamer.

Das Geheimnis aller erfüllten Partnerschaften lag und liegt demnach darin, dass sich beide nicht aus Bedürftigkeit fanden, sondern aus der Bereitschaft des überreichlich gefüllten Kruges, der so sehr mit Liebe angefüllt ist, dass er gar nicht mehr anders kann, als sich über und in den anderen zu ergießen. Und beide waren und sind stets bereit, ihre Entdeckungsreise durch die Seele des anderen nicht an eine fiktive Zeit des „Sich Kennenlernens“ zu opfern, sondern sich im vollen Bewusstsein auf den endlosen Tanz miteinander einzulassen. Sie wissen beide, es gibt nur die tägliche Neuentdeckung des Geliebten. Da ist die ewige Übung im gemeinsamen Tanz.
Ein solches Paar wird nach Dekaden des Miteinanders nicht sagen „Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“, sondern es wird sagen „Seit wir einander trafen, wurden wir täglich besser!“.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Partnerschaft als Feld der Entwicklung


Eine fruchtbare Partnerschaft ist keine Sache, die du irgendwann im Rausche der Verliebtheit beginnst und die dann ganz von selbst zu laufen hat – eine fruchtbare Partnerschaft erfordert kontinuierliche Arbeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und die aufrichtige Absicht zur Liebe. Dazu gehört auch der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen, manchmal persönlichen Eigendünkel und eigene Bedürfnisse hintanzustellen, sowie Verletzlichkeit zuzulassen. Und ihr braucht Ziele.
Wenn ihr eine Partnerschaft anstrebt, die auch noch nach Jahren rockt, dann müsst ihr bereit sein, Verletzungen hinzunehmen und miteinander Räume der Heilung und des Wachstums zu eröffnen. Ihr müsst lernen, Konflikte nicht als Niederlagen sondern als Felder der Entwicklung zu erkennen.
Erarbeitet euch gemeinsame, klar definierte Regeln und setzt euch realistische Ziele. Legt Konsequenzen fest, die auf Regelverstöße folgen und verliert dabei die Ziele nicht aus den Augen.
Stellt euch offen Fragen:

• Wie tief wollen wir uns aufeinander einlassen?
• Wohin wollen wir zusammen?
• Was können wir gemeinsam und was kann jeder für sich selbst tun, damit wir einander als Bereicherung dienen?
• In welchen Gesichtspunkten kann ich dich und wo kannst du mich unterstützen, damit es uns als Paar aber auch als Individuen gut geht?
• Welches Verhältnis von Nähe und Distanz ist eines, das uns beiden Erfüllung bringt?
• Schenken wir einander ausreichend Raum für unsere Partnerschaft und gewähren wir einander auch Räume des Rückzugs?
• Welche Eigenschaften schätze ich an dir, welche schätzt du an mir, und welche Unterschiede unseres Wesens haben wir bisher nicht als gegenseitige Ergänzung betrachten können?
• In welchen Aspekten unserer Partnerschaft kann ich selbst meine Liebesfähigkeit noch erweitern?

– Wenn ihr eure Partnerschaft nicht als einen Selbstläufer oder als Quelle egoistischer Bedürfnisbefriedigung betrachtet, sondern als ein gemeinsames Feld der Entfaltung, an dem ihr beide zu arbeiten habt, um progressive Bewusstwerdung und Erfüllung zu erfahren, dann werdet ihr erkennen, dass sie lebendig, fruchtbar und heilig bleibt, denn ihr habt einander nicht zufällig gefunden – ihr habt eine gemeinsame Bestimmung und die bedeutet: Entwicklung!

Akzeptiere: Das übergeordnete Ziel einer jeden Partnerschaft, einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung, ist nicht Glück, sondern Bewusstwerdung. Glück darf dabei als Nebenprodukt entstehen, aber es kann niemals als Hauptziel dienen, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Fallend


Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich mit all meinen Kurven und Kanten. Erinnere dich an diese Zeit, als mein Name dich begleitete und dir Sonnenschein ins Lächeln brachte. Ich trage den deinen immer noch an den schmerzenden Stellen und stehe in der U-Bahnstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Staub in der Galaxie, wie Birkenblätter im Wind, wie Lieder ohne Musiker.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bitte, sieh nicht den Mann, der sich in seinen Träumen verrannt hat.
Bitte, sieh mich an. Erinnere dich daran, als alles an dir alles an mir liebte. Und wenn du mich willst, dann umarme mein Licht ein weiteres Mal. Es wird jeden Tag schwerer, dein Gesicht zu erinnern, aber ich denke immer noch an dein Lächeln. Ich trage es an den unfassbaren Stellen und stehe an der Endstation, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Zug auf seinen Schienen.
Da kommt die Erinnerung wieder wie Vögel am Himmel, wie Schneeflocken im Sturm, wie Poesie ohne Dichter.
Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.

Bin ich tatsächlich hier ohne dich oder träume ich? Ich kann Traum nicht mehr von Wirklichkeit trennen. Und wenn ich ganz alleine bin und Distanz bloß Stille bringt, die meine Ohren betäubt, dann erinnere ich mich an unsere verschmolzenen Hände, an die Geliebte, die neben mir erwachte, als die Tage noch ungezählt und die Nächte leicht waren. Meine Strahlen tanzen dann durch die Ewigkeit, verzweifelt auf der Suche nach den deinen, wie damals, als wir einander fanden.
Und ich stehe unter deinem Fenster ohne Adresse, mein ganzes Leben in einer Plastiktüte neben mir.
Da kommt der Wagen auf seiner Straße.
Da kommt die Erinnerung zurück wie Regen in der Nacht, wie Donner mit den Wolken, wie ein Tanz ohne Tänzer.

Vielleicht sind wir nichts weiter als verlorene Sterne, ihr Licht in die Dunkelheit strahlend.
Vielleicht sind wir verlorene Sterne, für immer fallend ohne einander.
Wenn du mich willst, dann finde mein Licht ein weiteres Mal. Wenn du mich erinnerst, dann liebe mich endlos, denn ich bin nichts weiter als ein verlorener Stern am Himmel über dir. Für immer fallend ohne dich. Für immer fallend ohne uns.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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In diesen Armen


Manchmal, da will ich mich klein fühlen. Hin und wieder möchte ich Bedürftigkeit empfinden. Dann erlaube ich mir Sehnsucht. Sehnsucht nach Armen, die einfach nur da sind, um mich zu halten.

Manchmal brauche ich nichts weiter als diese Arme. Keine Ermutigungen, keine klugen Worte, denn ich kenne sie alle als mein Eigen und mag sie nicht mehr hören aus tausend Mündern.

Manchmal, da will ich bloß in die Arme eines weichen Herzens kriechen, um über mich selbst zu weinen. Wie ein Baby will ich darin ruhen und haltlos fallen in mein kleines, dummes Drama, ohne dass man versucht, mich aufzufangen. Fallen will ich dann und aufschlagen am Boden der Tatsachen. Mehr will ich dann nicht, mehr brauche ich in solchen Momenten nicht. Bloß Arme, die da sind wie ein schützender Mutterleib in dem ich schwimmen darf, wie ein warmes Bad in das ich gleite nach langer Wanderung durch eine Winternacht.

Manchmal will ich nur die Geborgenheit dieser Arme. Haut will ich dann spüren, die mit der meinen verschmilzt, und jemand, der diesen müden Kopf streichelt, aber mir nicht vorlügt, alles würde gut. Denn es wird nicht gut. Es war nie gut und es wird nie gut sein. Es wird immer bloß so sein, wie es ist, aber niemals wird es gut sein. Und am Ende finden wir uns sowieso alle wieder in unglücklichen Reihen von Steinen in die unsere Namen gemeißelt sind. Unglückliche Reihen erzählend von plötzlich zerschmetterter Hoffnung und unerfüllten Plänen, von abgetriebenen Träumen und bedeutungslosen Kämpfen, für immer aus den Erinnerungen der Welt wehend mit dem Wind der Zeit.

Manchmal will ich einfach nur diese Arme, die mich ehrlich, die mich aufrichtig umfangen. Keine Versprechungen, keine süßen Lügen, keine Schwüre oder Belehrungen, keine Ratschläge, keinen Trost, nur diese stillen, wahrhaftigen Umarmungen, die mich für zwölfhundert Herzschlage und neun Sekunden vergessen lassen, wo ich bin, wer ich bin und dass ich bin.

Manchmal brauche ich nicht mehr als das. Nur die Arme eines weichen Herzens, an dem ich ruhen darf, dessen Schlag mir ein Schlaflied pocht. Nur diese Arme, wo ich für ein paar Atemzüge meiner Heimatlosigkeit, meiner angeborenen Verzweiflung entfliehen darf, wo weder Frage noch Antwort mich plagt, wo einzig stiller Frieden, wo flüchtige Geborgenheit mich trägt.
Und wenn mich dann endlich Schlaf findet in diesen Armen, dann flüstere sanft „Ich liebe dich!“, denn das ist der einzige Moment, in dem ich es dir glauben werde.

Manchmal, da brauche ich genau das. Nichts weiter als diese Arme, mein Einschlafen in ihrem Schutz und die schönen Worte, die du mir dann flüsterst, wenn ich da bin, wohin mir keiner folgen kann. Das ist alles, was ich wirklich brauche. Manchmal.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Die Pathologie der Single-Gesellschaft


Eine Gesellschaft in der Partnerschaften nahezu unmöglich wurden ist eine zutiefst kranke, psychotische Gesellschaft. Du erkennst die seelische Gesundheit einer Zivilisation daran, wie fähig ihre Mitglieder zu dauerhaften, erfüllten Partnerschaften sind. Menschen, die aus Partnerschaften Konsumgüter und aus dem Partner ein Subjekt zur Wunschbefriedigung machen, sind seelisch krank. Sie leiden an einer künstlich geschaffenen Krankheit, deren Ursprung im Wunsch nach Kontrolle und Macht wurzelt. Diese Krankheit wird gefördert durch jene, die von Macht und Kontrolle profitieren, und sie wird übertragen und verbreitet von jenen, die sich zum alleinstehenden Individuum, zum sogenannten Singletum manipulieren lassen.

Die „Liebe dich zunächst selbst“-Gesellschaft hat zu nichts anderem geführt als zu…

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– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Partnerschaft bedeutet Arbeit


Solange du darauf hoffst, dass eines Tages jemand kommt, der dich endlich, endlich glücklich macht, wirst du Wege der Enttäuschung gehen. Niemand wird kommen, um dich glücklich zu machen, denn jeder ist sein ganzes Leben damit befasst, darauf zu warten, dass endlich einer kommt, der ihn glücklich macht. Akzeptiere das. Eine Partnerschaft ist kein Zuckerschlecken. Eine Partnerschaft erfordert Hingabe, Arbeit, Liebe. Ohne diese Zutaten stirbt sie.

Erinnere dich an jene Zeit, als man noch reparierte und nicht wegwarf! Zu dieser Zeit hielten die Dinge entschieden länger; und sie hatten unendlich größeren Wert. Solange du denkst, du könntest durch Austausch der Protagonisten das dargebotene Stück verbessern, solange spielst du in leeren Hallen wieder und wieder dieselbe frustrierende Vorstellung. Wenn du weiterhin als einzige Lösung für deine zwischenmenschlichen Probleme das Auswechseln der Mitspieler lebst, dann musst du dir eingestehen, dass du nicht liebst – du konsumierst!

Die erste wichtige Erkenntnis am Weg zu erfüllenden Partnerschaft wurzelt darin, zu begreifen, an welchem Menschen du zu arbeiten hast: An dir selbst!
Da musst du ansetzen. Das gilt es zu akzeptieren und in konkretes Handeln umzusetzen. Mit dem Anklagefinger auf deinen Partner zu zeigen, führt dich geradewegs in die zerstörerische Spirale des modernen Partner Hoppings. Du tauscht aus und tauscht aus und wirst dabei immer leerer und frustrierter. Irgendwann machst du dann aus der Not eine Tugend und verfällst in Selbstbetrug, indem du dir einredest, du wärst eben nicht für Partnerschaften geschaffen und alleine sowieso viel glücklicher.
Das mag eine gewisse Zeit lang funktionieren, am Ende deines Lebens aber wirst du dir wünschen, weniger für dein Ich und mehr an einem Wir gearbeitet zu haben, denn der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen. Er braucht sein Gegenüber, er braucht Gemeinschaft, er braucht Zwischenmenschlichkeit, um zu seinem vollen menschlichen Potenzial zu gelangen und es zum Erblühen zu bringen.

Das offene Geheimnis jeder erfüllenden Zwischenmenschlichkeit liegt in der Arbeit an dir selbst, an deiner Hingabe und deiner Bereitschaft zur Selbsterfahrung. Um dich selbst erfahren zu können, braucht es Selbstreflexion. Durch Selbstreflexion wird dir klar, was an dir selbst nicht stimmt. Und wenn du weißt, was an dir selbst nicht stimmt, weißt du auch, was in deinen Partnerschaften nicht stimmt. Denn den Einzigen, den du verändern kannst und oftmals auch musst, der bist und bleibst du selbst. Du kannst dich nicht weiterhin als das fehlerfreie Zentrum des Universums wähnen und glauben, die ganze Welt sowie alle Menschen darin müssten sich an dich anpassen, gleichsam aber von erfüllten Partnerschaften träumen.

Die erfüllende Partnerschaft beginnt nämlich in dir. Sie beginnt mit dir und durch dich. Werde zunächst selbst ein „idealer“ Partner, indem du deine Launen, Stimmungen und egoistischen Allüren erkennst, in den Griff bekommst und erlöst. Trenne dich von der Notwendigkeit der Selbstliebe. Du liebst dich bereits selbst. Du liebst dich so sehr, dass du dich für den wichtigsten Menschen auf Erden hältst und alle anderen entweder als Nebendarsteller oder Erfüllungsgehilfen zum eigenen Glück betrachtest. Das größte Stück vom Kuchen und den letzten Fallschirm im abstürzenden Flugzeug beanspruchst du immer noch für dich selbst – wo also braucht es da bitte noch mehr Selbstliebe?
Und der Spruch „Ich muss mich selbst so lieben und akzeptieren, wie ich bin!“ ist nichts weiter als eine billige, unintelligente Ausrede für jene, die zu faul sind, sich ändern und verbessern zu wollen. Dahinter steckt eine unfaire, feige Geisteshaltung. Sie hätte nur dann ihre Gültigkeit, wenn auch alle anderen sich so lieben und akzeptieren dürften, wie sie sind. Doch von denen forderst du ja gerne, dass sie das nicht tun und sich endlich zu deinen Gunsten ändern mögen. Selbstliebe führt zu Egoismus, Egozentrik und zum Narzissmus. Von daher solltest du schleunigst lernen, einen großen Bogen um all jene zu machen, dir ihre Lehre von der Selbstliebe verbreiten.

Durch das ständige Füttern des unersättlichen Monsters der Selbstliebe bist du unfähig geworden, das zu erfahren, was Liebe wirklich ist. Was übrig bleibt, ist dieses kleine, wollende, verlangende Ich auf seiner einsamen Insel der Selbstherrlichkeit, das bei der kleinsten Gelegenheit das Däumchen in den Mund steckt, in der Opferhaltung versinkt und schmollt.

Lass die zeitgeistliche Idiotie von der Selbstliebe nicht weiter den Diktator deines Lebens spielen. Wende dich lieber der Nächstenliebe zu. Durch Nächstenliebe findest du alles, was du suchst. Denn wenn du deinen Nächsten lieben kannst, weißt du auch, sein Leben hat dieselbe Bedeutung und dieselbe Wertigkeit wie dein eigenes. Seine Bedürfnisse werden zu deinen eigenen. Seine Sehnsüchte, seine Träume, seine Hoffnungen, seine Freuden werden zu deinen eigenen. Sein Leid wird zu deinem Leid, sein Glück wird zu deinem Glück. Und am Ende hast du das, was du dir so dringlich in der Tiefe deines Herzens gewünscht hast: Verschmelzung! Denn plötzlich erkennst und erfährst du, wie es sich anfühlt, wenn du und dein Nächster eins sind. So hast du durch Nächstenliebe letztlich auch zur Selbstliebe gefunden, ohne dabei zu riskieren, ein narzisstisches, egozentrisches Arschloch zu werden.

Wenn du dem irrigen Paradigma der Selbstliebe weiterhin folgst, wirst du da bleiben, wo du gerade bist – auf der einsamen Insel deiner Egozentrik. Folgst du aber dem Pfad der Nächstenliebe, fokussierst du dich auf dein Gegenüber, wird dir alles andere hinzugetan. Du findest dich dann in deinem Nächsten wieder, bist dir plötzlich selbst nahe, weil du einem anderen nahe bist. Du bereitest deinem Gegenüber Freude, weil seine Freude auch die deine ist. Es ist dir dann nicht mehr so leicht möglich, andere Menschen zu benutzen, zu verletzen oder zu hintergehen, weil du dich damit selbst missbrauchen würdest. Daher ist Nächstenliebe der Weg zu erfüllenden Partnerschaften, nicht die Selbstliebe.
Und sei dir sicher – es ist eine Lüge, dass du erst dich selbst lieben musst, um andere lieben zu können. Das sollte dir eigentlich deine selbstreflektierte Lebenserfahrung bewiesen haben. Denn es gab gewiss Phasen deines Lebens, da konntest du dich selbst nicht ertragen. Trotzdem konntest du deine Eltern, deine Kinder und deine Freunde lieben. Alleine dieser Fakt sollte dich eines besseren belehren. Vergiss das Märchen von der Selbstliebe. Nächstenliebe ist immer größer als Selbstliebe. Letzteres ist zwar modern, aber leider der unbrauchbarste Weg zu deinem Ziel.

Glaubst du wirklich, die Welt wäre in einem solchen Zustand, es gäbe so viele frustrierte Singles und Alleinerziehende, so viele zerbrochene Familien, Scheidungswaisen und gescheiterte Existenzen, wenn sich der globale Fokus weg von der Selbstliebe und hin zur Nächstenliebe richten würde?

Betrachte erfüllte Paare und frage dich, wie sie es machen. Was leben sie? Leben sie Selbstliebe oder leben sie innerhalb der Partnerschaft die Nächstenliebe? Lassen sie die „Kiste“ einfach laufen oder arbeiten sie daran? Geben sie in Krisen auf oder boxen sie sich durch? Wandeln solche Paare tagein und tagaus auf Rosenblüten oder wird da geschwitzt, geweint, geblutet und hart geackert? Macht jeder nur das Ich-Ding oder basteln sie kräftig am Wir-Ding? Arbeitet man da tüchtig an sich selbst oder warten die darauf, dass sich der Partner endlich ändert?

Du wirst erkennen, wie hart erfüllte Paare an ihrer Partnerschaft, respektive an sich selbst arbeiten. Es muss dir klar werden, wie selten da der Spruch „Ja, da gehören immer zwei dazu!“ zum Tragen kommt. Erfüllte Paare wissen, dass zwei dazu gehören. Sie wissen aber noch viel mehr, dass  Zwei aus jeweils einem Einzelnen bestehen. Und so arbeitet jeder hingebungsvoll an sich selbst in Kooperation mit dem anderen. Es werden keine Ausreden benutzt, um Ziele zu vereiteln, sondern Handlungen gesetzt, um Tatsachen zu schaffen.

– Stelle dir aufrichtig diese Fragen: Wie sehr bin ich bereit, mich selbst zu erkennen? Wie tief will ich mich wandeln? Wie fähig bin ich, mich hinzugeben, an mir selbst zu arbeiten und meinen Egoismus hintanzustellen? Wie mutig erkenne ich, dass die Fehler bei mir selbst zu finden und nur da zu beheben sind? Hat mir mein bisheriger Zugang zu mir selbst und zu anderen dabei geholfen, das zu leben, was ich mir unter einer erfüllenden Partnerschaft vorstelle? Wie hoch gegriffen sind meine Vorstellungen eigentlich? Warum wünsche ich mir eine erfüllende Partnerschaft? Und was bin ich zukünftig bereit dafür zu tun und zu geben?

Fazit: Wenn deine Partnerschaften heute scheitern, dann meist nicht deshalb, weil ihr nicht zusammenpasst, sondern aus einem Mangel an Hingabe, Arbeit und Nächstenliebe.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Liebe setzt den Verstand schachmatt


Ich sage es wieder und wieder: Es gibt keine bedingungslose Liebe, sonst müsste es im Gegensatz dazu auch eine bedingungsvolle Liebe geben – die aber gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird es nie geben. Bedingungslose Liebe ist ein Un-Begriff. Streiche ihn am besten aus deinem Sein – er führt bloß zu tiefer innerer Spaltung. Dein Verstand kann da nicht mit – er ist Angesichts der Liebe schachmatt. Der Verstand ist ohnehin blitzschnell schachmatt gesetzt, weil er zu begrenzt ist, um das Unfassbare zu erfassen. Schon allein der Begriff „Liebe“ reicht aus, um ihn auszuhebeln. Immer da, wo du mit Liebe konfrontiert bist, ist dein Verstand unbrauchbar. Es gibt keine bedingungslose Liebe. Liebe ist immer bedingungslos, sonst ist es keine Liebe. Daraus jedoch ergibt sich nach den Gesetzen deiner Logik eine Bedingung, nämlich jene, dass Liebe immer bedingungslos zu sein hat, weil es sich sonst nicht um Liebe handeln kann. Für deinen Verstand tut sich hier ein Paradoxon auf. Damit aber kommt er nicht klar. Deshalb geht er in Anbetracht der Liebe stets bankrott; er macht auf der ganzen Linie totale Pleite. So schnell setzt man den Verstand schachmatt – mit einem einzigen Satz, um den er sich nun Ewigkeit für Ewigkeit im Kreise drehen könnte, ohne jemals einen Ausweg zu finden. Deshalb vergiss den Verstand, sobald es um Liebe geht. Die Liebe ist und bleibt für die Ratio etwas Unfassbares, sie bleibt ein ewiges Paradoxon. Solange du mit dem Verstand an die Liebe herangehst, solange bist du der Liebe fern, solange verfehlst du sie, solange wirst du keine Ahnung von ihr haben. Es gibt keine bedingungslose Liebe. Aber es gibt Liebe. Und mehr wirst du mit deinem Verstand über die Liebe auch niemals erfahren, als dass sie ist. Das aber reicht völlig aus, um sie leben zu können.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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