Social Justice Warrior oder die Macht der Großbuchstaben


Immer dann, wenn ich Artikel von der Art wie etwa „Die zunehmende Verblödung des Menschen“ oder „Die Masken der Lichtarbeiter“ publiziere, dauert es nicht lange und sie rückt an, die bedrohliche Armee der Social Justice Warrior.

Das freut mich, weil es mir sagt, meine Rechnung ging auf. Ich habe sie also erreicht, diese spezielle Klientel von Weltrettern, von selbsternannten Foren-Rächern und Blog-Säuberern. Meine Artikel haben sie, wie erwartet, mitten ins Ego getroffen, die Ritter von der Tastaturenrunde. Kampflustig, siegessicher und stets auf der richtigen Seite, auf der Seite ihrer eigenen Gerechtigkeit, schwärmen sie hinaus über ihre Schlachtfelder. Diese sind Foren und Fanpages, Threads und Blogs. Gerne auch meine Seiten. Besonders dann, wenn ich sie mal wieder voll erwischt habe.

Bewaffnet mit fixierter Caps Lock-Taste, die vernichtende GROSSBUCHTABEN abfeuert, furchteinflößende Allgemeinphrasen im Anschlag, tödliche Vorurteile am Patronengurt ihres Neocortex, entschlossen gerüstet mit einem überlegenen Maß an Selbstgerechtigkeit ziehen sie gegen mich, den Feind, in ihren heiligen Dschihad.
Meist komme ich gar nicht mehr dazu, meine Deckung der Gelassenheit zu beziehen, da feuert auch schon einer eine Salve vernichtender GROSSBUCHSTABEN auf mich: „IN DIR SCHEINT SEHR VIEL WUT ZU STECKEN!“, gefolgt von „DA IST NOCH ZIEMLICH VIEL UNERLÖSTES IN DIR!“.

Ich denke mir dann meistens…
Hm, ja was denke ich mir dann meistens?
Ah, ja! Gar nichts denke ich mir dann meistens, weil es mir grundsätzlich egal ist, was andere über mich denken. Wenn aber eine halbe A4-Seite GROSSBUCHSTABEN in den Kommentarboxen unter meinen Artikeln zu finden ist, dann weckt das mein weiches Therapeuten-Herz. Da will dann die Liebe doch noch mal hinsehen, um zu verstehen, um die Aussage im Subtext zu erkennen und vielleicht zu helfen. Ich lese dann die GROSSBUCHSTABEN-Suppe und habe manchmal den Verdacht, es ist immer ein und dieselbe Person, die in VERSALIEN literarisch auf mich feuert, denn so unterschiedlich die Namen der Gerechtigkeitsritter auch sein mögen – sie leiden offenkundig alle unter demselben Trauma.
Ich wäre ein schlechter Therapeut, würde ich besagtes Trauma an dieser Stelle aufdecken. Jeder Mensch sollte seine Traumata selbst erkennen. So heilen sie am schnellsten. Daher lasse ich weiterhin den Nebel des Geheimnisvollen darüber ziehen und übe mich in Schweigepflicht gegenüber diesen von mir ohne Vertrag und Honorar betreuten Klienten.
Dennoch verbliebe ich in der Hoffnung, du, werter Ritter von der Tastaturenrunde, würdest dich eines glücklichen Tages aus ähnlicher Perspektive erkennen, wie ich dich. Das gilt natürlich auch für dein Faible in Bezug auf GROSSBUCHSTABEN.

Da ich allerdings nicht nur therapeutisch sondern vor allem auch menschlich tätig bin, möchte ich dir durch diesen kleinen Artikel doch gerne ein wenig helfen, lieber Social Justice Warrior, der so inbrünstig mit Puls 180, hochrotem Kopf und Schweißperlen auf der Stirn an der GROSSBUCHSTABEN-Kanone sitzt und mit Selbstgerechtigkeit, Allgemeinurteilen und Populär-Polemik auf meine Artikel, respektive gegen meine Persona feuert. Daher lasse dir von einem ehemaligen Werbegrafiker und Multimedia Designer folgendes sagen:

GROSSBUCHSTABEN, die man im Fachjargon auch „Versalien“ nennt, sind für Fließtexte völlig ungeeignet. Sie dienen gut als Headline oder zur Hervorhebung einzelner Wörter, aber als Brotschrift zerstören sie die Leserlichkeit eines Textes. Das ist übrigens auch der einzige Aspekt, bei dem sie schmerzhaft wirken. Ansonsten ist es weder so, dass ich dich durch die Verwendung von GROSSBUCHSTABEN lauter lese noch durch ihren Einsatz tiefer berührt und schon gar nicht vernichtet bin. Ich sitze, liege oder stehe dann nach wie vor noch so da wie vorher, meine Ansichten und Texte haben sich nicht um das heimlichste Komma oder den zaghaftesten Punkt verändert, ich blute dann auch nicht, habe keine gebrochene Nase und werde auch nicht bewusstlos oder so. Also, für mich ändert sich durch diese GROSSBUCHSTABEN nur mein Gesichtsausdruck – von einem Grinsen zu einem Lachen. Okay, manchmal kneife ich die Augen zusammen und fasse nach meiner Lesebrille. Mehr aber passiert durch den Einsatz von Pauschalurteilen, auswendig gelernter Phrasen und Meme-Jargon in Form von GROSSBUCHSTABEN bei mir nicht. Ich finde, das solltest du wissen, einfach weil ich das dir gegenüber fair finde.

Weißt du, nur die Ungebildeten oder die Idioten schreiben in GROSSBUCHSTABEN. Ausgenommen davon ist „Gevatter Tod“ aus Terry Prattchets Scheibenwelt-Romanen, der durfte in Versalien sprechen, weil sein Dialogumfang sowieso ziemlich gering war. Der Tod hat nämlich meistens nicht viel zu sagen, wohl aber zu lachen. Das nur mal am Rande.

Aus der Sicht der öffentlichen Person, die ich darstelle, gebe ich zu: Ja, in mir scheint sehr viel Wut zu stecken und da ist auch noch sehr viel Unerlöstes.
Das ist nämlich der Grund, weshalb mich Menschen aus aller Herren Länder buchen und mich international bei meinen Seminaren und Vorträgen besuchen. Aus demselben Grunde laden mich Radio- und TV-Sender ein. Nur deshalb folgt mir eine knappe Million Menschen im sozialen Medium und das bei steigender Tendenz.

Nur wegen all der Wut und all dem Unerlösten in mir. Weißt du, die wollen alle etwas über die in mir steckende Wut und das viele Unerlöste erfahren. Genau das ist es, weshalb mich ganz viele Menschen kennen und aufsuchen, dich aber nur deine fünf Freunde und Timmy der Hund. Weil in dir eben keine Wut und gar nichts Unerlöstes mehr steckt und du das mittels GROSSBUCHSTABEN auch sehr deutlich zum Ausdruck bringst. Ich bin nur deshalb Therapeut, Autor und Meditationslehrer, weil ich dauernd wütend bin und am Unerlösten in mir zu ersticken drohe. Deshalb bist ja auch du jetzt auf meinem Blog und ich weiß nicht mal, ob du einen solchen überhaupt hast. Darum kennst ja auch du meinen Namen und ich weiß nur dann, dass es dich gibt, wenn du dich mittels GROSSBUCHSTABEN bemerkbar machst. Alles nur wegen der in mir steckenden Wut. Alles nur wegen dam ganzen Unerlösten in mir. Und natürlich wegen meiner Arroganz, die du jetzt zu erkennen glaubst. Weil es ist schwer, echtes Selbstbewusstsein von Arroganz zu unterscheiden. Vor allem dann, wenn es an Ersterem mangelt.

Es liegt echt nur an all der Wut und all dem Unerlösten in mir. Und ich bin äußerst froh, dass du es mir immer wieder durch GROSSBUCHSTABEN sagst. Ich bin glücklich, dass du es mir anhand deiner durch zahlreich von dir in Illustrierten absolvierten psychologischen Kreuzchen-Tests erlangten Kompetenzen, durch die vielen auswendig gelernten Esoterik-Memes sowie durch deine ethische Überlegenheit bewusst gemacht hast und mir nun endlich klar ist, wo das Problem liegt. DANKE! Und das muss ich dir einfach in GROSSBUCHSTABEN mitteilen, weil du mich ja dann viel lauter lesen kannst und meine DANKBRAKEIT dein Herz viel inniger berührt.
Und ich entschuldige mich an dieser Stelle auch gleich bei allen, die sich durch mich noch nicht beleidigt gefühlt haben – ihr seid mit Sicherheit irgendwann auch noch dran! Bitte habt Geduld.

In rasender Wut, hoffnungsloser Unerlöstheit und grenzenloser Arroganz,
dein Andersmensch

© 2018 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Ganzheitliche Akzeptanz ist der höchste spirituelle Akt


Solange du Wut, Zorn, Angst, Eifersucht, Neid, Zweifel und ähnliche Empfindungen als „negativ“ deklarierst, bist du weit entfernt davon, ein authentisches, wahrhaft spirituelles Leben zu führen – du bist dann wohl eher Mitläufer der zeitgeistlichen, aber verblendeten Licht & Liebe-Welle, die sich vielmehr wie das Glücksbärchi-Land für Neurotiker anlässt, denn ein Weg, um deinem wahren Selbst näher zu kommen.

Kein Kind erachtet seine Wut, seinen Zorn, seine Eifersucht als negativ – es spürt instinktiv, dass diese Empfindungen gesund und menschlich sind; es hat das natürliche Bedürfnis, diese Empfindungen auszuleben. Erst mittels der Konditionierung durch eine neurotische Gesellschaft wird dem Kind das Recht auf diese Gefühle geraubt – es lernt sie zu unterdrücken, zu verbergen, zu kaschieren. Das Resultat davon sind Psychosen, Neurosen, Magengeschwüre, Tumore usw.

Solange du deine Menschlichkeit einseitig lebst, solange du natürliche Aspekte deines Menschseins verleugnest, unterdrückst oder versteckst, solange bist du weit entfernt von einer authentischen Spiritualität – du wirst bloß zum selben Heuchler wie viele Führer, Priester und Politiker.

Diese Welt ist dual, sie ist bipolar – auch du bist dual, auch du bist bipolar, denn das macht das Menschsein aus. Du wirst hoffnungslos verzweifeln, du wirst dich weiter ins Unglück stürzen, solange du jenen folgst, die dir weismachen möchten, es gäbe Licht ohne Schatten. Du wirst niemals du selbst sein, wenn du nicht erwachst aus dem Urteil über deine Empfindungen – „positive“ und „negative“ Empfindungen sind eine Erfindung deiner Sklaventreiber, sie sind Konstrukte einer knechtenden Psychologie, die dir einen fiktiven Norm-Menschen vorgaukelt, nach dem du dich entwickeln solltest. Dadurch soll eine Spaltung in dir entstehen, dadurch möchte man dich von Geburt an als „pathologisch“ stigmatisieren, damit man dich leichter manipulieren kann. Du sollst dich für gewisse Gefühlsregungen schuldig fühlen, du sollst deshalb Pillen schlucken, Coaches und Gurus aufsuchen, die dich davon „heilen“ möchten – du kannst das Licht nicht vom Schatten heilen und auch den Schatten nicht vom Licht, aber du kannst beides als ein Ganzes akzeptieren, du kannst sie als untrennbar vereint annehmen, und damit ist alle Heilung vollzogen, denn einer anderen bedarf es nicht.

Jede Empfindung in dir ist natürlich, jede Empfindung in dir ist im Einklang mit der Existenz – wäre dem nicht so, dann wärst du mächtiger als die Existenz, du stündest über der Göttlichkeit, denn dann könntest du durch irgendeine deiner Empfindungen gegen die Existenz verstoßen, du könntest Gott seiner Allmacht berauben, indem du zornig wirst, indem du ängstlich bist, indem du Zweifel verspürst… Das ist töricht! Du kannst durch nichts, was du tust, gegen die Existenz sein, denn sollte etwas nicht sein, dann wäre es nicht. Sollten Wut, Zorn, Angst, Eifersucht, Neid, Zweifel und ähnliche Empfindungen nicht im Sinne der Göttlichkeit, im Sinne der Natur sein, dann gäbe es sie von vornherein gar nicht.

Und bekräftige nun nicht, du seist gekommen, um diese Empfindungen zu überwinden – das klingt in etwa so, als sei der Sommer gekommen, um den Winter zu besiegen, oder als bräche der Tag an, um die Nacht aus der Welt zu schaffen, als könne Wärme für immer Kälte auslöschen. Es klingt zu sehr nach konditioniertem Leistungsdenken; es klingt, als erwarte das Leben, Gott, die Existenz eine gewisse Leistung von dir. Du musst auf deinem spirituellen Wege nichts leisten und du kannst auf diesem Wege auch niemals scheitern.

Du kamst weder in diese Welt, um etwas zu leisten oder zu überwinden, noch um etwas zu besiegen oder auszulöschen – du kamst, um das Leben zu erfahren in seiner Ganzheit. Die ganzheitliche Erfahrung deines Menschseins in all seinen Aspekten ist der spirituellste Akt, den du hier auf Erden erfüllen kannst – es gibt keinen höheren spirituellen Akt auf dem Planeten Erde.

Wenn auch du in dir selbst ankommen und ganzheitliche Akzeptanz entwickeln willst, um deine Lebensverdindung verstärkt zu kultivieren und zum Quell der Seele vorzudringen, dann klicke hier: ZUM SEMINAR →

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Plädoyer für das Ego



Ich möchte zu später Stunde ein Plädoyer für das arme Ego halten. Allerdings bin ich mir dessen bewusst, dass wohl einige Unkenrufer, vor allem die Erz-Esoteriker unter den Lesern, mir nach der Lektüre dieses Artikels erbost werden Räucherstäbchen an den Kopf werfen wollen für diese Freveltat meiner ganz persönlichen Erkenntnisse, die ich mit Freuden in hübsche Worte kleide, um sie so besser an den Mann und seine Frau zu bringen. Aber, wie einige meiner Stammleser bereits wissen, lehnt sich der Andersmensch gerne aus dem Fenster – nicht zuletzt wegen des sich dadurch erweiternden Horizontes, der zweifelsohne einen besseren Fokus auf die Sachverhalte bietet, als würde ich hinter den Gardinen meines Geistes die Welt betrachten.

Dies sei mal vorweg erwähnt.

Nun aber zur Sache: Wir gehen mit dem allzu sehr missachteten Ego äußerst lieblos um, sind geneigt, ihm zuweilen die Schuld für so vieles zuzuschreiben. Ja, es wird geradezu verteufelt, doch das ist dem Ego gegenüber einfach nicht fair, wie ich meine. Den Teufel haben wir abgeschafft, um ihn postwendend gegen einen neuen zu tauschen – das Ego. Wurde in früheren Zeiten jeder menschliche Abgrund als Werk des Teufels bezeichnet, so hat man heute bloß den Terminus gewechselt – aus „Teufel“ wurde „Ego“. Das ist weder ein wirklicher spiritueller Fortschritt noch ist es dem Ego, dem Ich, gegenüber gerecht.

Das Ego ist (welch Wortspiel) unser größter Segen. Hätte unser Selbst kein Ego erschaffen, gäbe es im Grunde gar kein lebendiges, wachsendes, erkennendes Selbst. Das Göttliche Selbst benötigt nämlich sein illusorisches Gegenteil, sein fiktives Contra, um erfahrbare Wirklichkeit werden zu können. Erst das Ego macht uns zu individuellen Erscheinungsformen des Einen, der wir wirklich sind. Es stellt eine vollkommene, natürliche Abgrenzung zwischen dem „Ich“ und dem „Du“ her, die nötig ist, um sich als Individuum zu erkennen. Es ist außerdem unser Anker in der Welt. Gäbe es das Ego nicht, wären wir weiterhin die still in sich ruhende Allgegenwart Gottes vor dem Urknall. Das Resultat wäre dann zwar universelle Allwissenheit und vollkommene Einheit auf allen Ebenen, aber auch schlichtes Nicht-Sein auf der Erfahrungsebene Gottes. Kurzum: göttliche Langeweile.

Weil wir aber geniale Seelen sind, schufen wir uns ein Ego. So weit so gut. Jetzt werden sich einige die berechtigte Frage stellen, was wir denn von dem oft groben, rücksichtslos anmutenden Verhaltend des Egos denken sollen. Eifersucht, Gier, Neid – all das sind Dinge, um nur einige zu nennen, die das Ego hervorbringt. Dem pflichte ich vorbehaltlos bei. Allerdings bringt es aber auch Kunstwerke, Musikstücke und ähnlich schöne Erscheinungsformen hervor, denn das Ego will unter anderem auch als Künstler Bewunderung finden. Und nicht nur das. Jeder Heiler, Weltlehrer oder Prophet tut seine Werke nicht aus reiner Egolosigkeit und Nächstenliebe – es ist auch sein Ego, welches ihn dazu anstiftet. Das Ich möchte glänzen, herrlich sein, Achtung und Anerkennung erheischen.
– Gott findet also gefallen an sich selbst durch das Ego!

Hat nun Gott auch ein Ego? Die Frage müsste eigentlich jeder Denkende für sich selbst bereits beantwortet haben, denn die Antwort liegt auf der Hand: Ja, natürlich hat Gott auch ein Ego! Er hat sogar alle Egos des gesamten Universums – Gott erscheint in Form all dieser Egos, denn wenn alles, was ist, Gott ist, dann ist demnach auch das Ego Gott. Aus dem All-Einen darf nichts herausfallen, sonst ist das All-Eine nicht mehr all-eins.

Natürlich ist das Ego in Wahrheit ohne echte Existenz, da es bloß Illusion ist, doch auch die Illusion findet innerhalb der Göttlichkeit statt. Die Ego-Ebene ist eine Erfahrungsmatrix für die Erscheinungsformen des Einen in der Vielfalt von Alldem-Was-Ist. Das Eine teilt sich in unendlich viele Individuationen, die sich auf der Erfahrungsebene durch das Ego voneinander abheben – ohne Ego ist das nicht möglich, also ist das Ich (das Ego) innerhalb der Erfahrungsmatrix eine Notwendigkeit.

Wer so weit folgen konnte (mochte), wird wohl fragen: Wie sollen wir nun mit den Bedürfnissen des Egos umgehen, wo doch alle Meister sagten, wir müssten das Ego besiegen? – Nun, ich schlage vor: Befriedigen wir sie! Befriedigen wir die Wünsche des Egos, als würden wir mit einem weinerlichen Kind umgehen. Und in der Tat ist es das ja auch – unser Kind, unser Geschöpf. Wir haben es geschaffen, und es führt kein Weg an den Erfahrungen vorbei, die wir durch das Ego machen müssen, oder besser gesagt, machen wollen, denn deshalb sind wir hier – um Erfahrungen zu machen. Dazu erschufen wir unter anderem auch unsere Egos.

Als Yahshua sagte: „Man hat euch gelehrt, eure Freunde zu lieben. Ich aber sage euch, liebet eure Feinde, denn wenn ihr nur die liebt, die auch euch lieben – was wäre dann euer Lohn?“, da meinte er, meiner Auffassung nach, wir sollen nicht nur die Feinde außerhalb unserer selbst lieben, sondern gerade auch die uns immanenten Widersacher. Dadurch verschwinden sie, denn: Was du ansiehst, das verschwindet – dem, dessen du dich widersetzt, das bleibt bestehen.

Also, sehen wir das Ego ruhig an! Beachten wir es, denn nur das wünscht das Ego. Geben wir ihm das, wonach es ihm verlangt. Verfallen wir dabei aber nicht dem Irrtum, uns für das Ego zu halten; verstricken wir uns nicht noch tiefer in die Identifikation mit dem Ich, sondern finden wir den Weg aus der Identifikation heraus. Denn wir sind nicht das Ego, wir sind nicht das Ich. Unser Kern ist weit erhabener. Unser Kern ist reinste Liebe, unser Kern ist das Göttliche Selbst in Liebe. Und diese Liebe geben wir auch unserem Ego. So kommt das Ego zu dem, was ihm, wie allen Ausdrucksformen Gottes, zusteht – Liebe! Nur durch Liebe und vollkommene Akzeptanz unseres Egoismus können wir ihn „überwinden“. Nur so ist es möglich, das Ego zu transzendieren. Dabei sollten wir aber nicht dem Trugschluss erliegen, zu denken, es würde sich zwar der Geist und die Seele entwickeln und wachsen, nicht aber auch unser Ego. Das wäre ebenso töricht, als glaubten wir, bei einem Baum würden nur die Äste, Zweige und Blätter wachsen, die Wurzeln und der Stamm jedoch nicht, nur weil wir deren Wachstum nicht sehen können – auch das Ego, auch das Ich entwickelt sich im Sinne der Evolution.

Jeder Meister hatte ein Ego, nur verlangte es diesem Ego nach anderen, „höheren“ Dingen, als dies etwa beim Ego eines primitiven Geistes der Fall ist.
Ich fordere deshalb: Mehr Liebe und Mut zum Ego – es wird es uns danken durch sein Schweigen!

Die Kunst der Bewusstwerdung ist es unter anderem auch, zu erkennen, wann es angebracht ist, sein Ego zu „stillen“ wie einen Säugling, der schreit, und wann Zeit für die reinen Bedürfnisse der Seele ist. Tägliche Meditation in Stille wird uns die nötige Klarheit bringen.

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