Tag des Vaters


Als ich im November 1991 das erste Mal Vater wurde, bekam mein Leben zum ersten Mal wirklich Sinn. Und auch wenn ich damals verhältnismäßig jung war, so fand ich in der Aufgabe und Ehre, in der Verantwortung und der Ernsthaftigkeit meiner Vaterschaft das erste Mal wahrhaftig Glückseligkeit.
Im März des Jahres 2017 durfte ich das zweite Mal Vater werden. Dieses Mal bin ich verhältnismäßig alt, aber an der Glückseligkeit und der unbändigen Freude an meiner Vaterschaft hat sich nicht das Geringste geändert – im Gegenteil: Sie ist unermesslich gewachsen!
Und auch wenn ich von diesen Anlass-Tagen nicht viel halte, so möchte ich diesen heutigen Tag dazu nutzen, mich ganz bewusst in Liebe und Dankbarkeit an all die Männer in meinem Leben zu erinnern, die mir Stück um Stück zeigten, wie ich als Vater sein möchte und wie ich niemals werden will. Ich möchte diese Männer in Aufrichtigkeit ehren, sie in meinem Innersten erheben zu wertvollen Lehrern, ich will ihnen sagen, dass sie mich durch ihr Vorbild zu jenem Vater gemacht haben, der ich heute sein kann und darf.

Allen voran danke ich meinem Großvater, der mich lehrte, mutig zu sein, der mir Tiefsinnigkeit und ein simples Gespür für die Poesie der Welt schenkte. Du warst mir ein Vorbild an Tapferkeit und Standhaftigkeit und ich werde den Tag niemals vergessen, kurz bevor das Leben dich fällte wie eine alte Eiche, als du im Wind standest mit deinem immer noch geraden Rücken und deinem schlohweißen Haar, das schütter im Wind wehte – als diesen aufrechten Mann trage ich dich in mir.

Ich danke meinem Vater, der mich Geduld und Durchhaltevermögen lehrte, der mich an totale Gewaltlosigkeit und den unerschütterlichen Glauben in die eigenen Träume gemahnte. Du lebst in mir als die Wahrheit von Love & Peace, als die Liebe zur Musik und zum Schöngeist. Ich werde dich immer als den lässigsten, geduldigsten Mann erinnern, der, eine „Camel“ zwischen den Fingern, dem Leben und seinen Härten ein gelassenes Lächeln und ein paar Rauchkringel schenkt.

Ich danke meinem Stiefvater, der mich Heldenhaftigkeit lehrte und das Handeln, wenn Worte keinen Sinn mehr machen, der mir beibrachte, dass man hilft, ohne Gegenleistung zu erwarten, und dass man als Vater von dem, was man erwirtschaftet, nur den kleinsten Teil für sich beanspruchen muss. Du wirst für mich immer der kraftvollste und fleißigste Mann sein, an den ich mich erinnern möchte.

Ich danke auch all den anderen oft stillen Männern, die mir Beispiel und Vorbild waren. Ihr alle seid Teil meines Weges zum Mann und Vater gewesen. Und so unterschiedlich ihr als meine Lehrer zum Mann- und Vatersein auch ward, da sind drei große Qualitäten, die ich in euch allen fand: Güte, Warmherzigkeit und einen gewissen Trotz den Härten des Lebens gegenüber. Ich glaube, diese Qualitäten sind es, die uns Männer und Väter so unverzichtbar machen. Ja, und so bin ich der gütigste Vater und der warmherzigste und der trotzigste geworden. Und ich hoffe, ich bin der liebevollste Vater, den die Welt jemals ertragen musste.

Zum Abschluss aber möchte ich auch all den anderen wunderbaren Vätern dieser Welt danken – meinen Brüdern, meinen Schwägern, Freunden und jenen, die ich persönlich nicht kenne. Ich danke im Namen unserer Kinder für eure Opfer, für eure Geduld mit den Müttern, für eure Güte, für eure Warmherzigkeit und euren Trotz dem Leben gegenüber. Und auch wenn wir Väter das Leben niemals bezwingen werden und auch gar nicht bezwingen müssen, so werden wir ihm in all seiner Härte, all seiner Verrücktheit und Gnadenlosigkeit dennoch erhobenen Hauptes begegnen mit einer Kraft im Herzen, die sagt: Bevor du meine Kinder und deren Mutter kriegst, musst du erst durch mich hindurch! Und all das tun wir in Liebe. In Liebe für unsere Kinder und deren Mütter. Es ist die Liebe, die uns schließlich zu Vätern macht und die Vaterschaft, die aus uns Männer macht. Es ist am Ende immer die Liebe, die uns zu etwas Großem erhebt.

Daher gebe ich letztlich meinen ganz persönlichen Vatertag an meine Kinder und an all die Kinder dieser Welt zurück, indem ich ich mich heute abermals ganz bewusst meinen Kindern schenke mit Haut und Haar, mit Herz und Seele. Für euch bin ich gekommen – für euch allein will ich leben, denn ihr, Kinder, ihr seid das Licht, die Liebe und die Hoffnung dieser Welt. Und ihr seid das Wundervollste, das Schönste und Heiligste, was ich im Leben jemals bekommen habe. Ich danke dafür, euer Papa sein zu dürfen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

Herzstern


Vor vielen Jahren,
da wolltest du zu mir kommen, mein Herzstern.
Grausamkeit und ein Ende ohne Gnade war dir bestimmt,
als man dich hinter meinem Rücken
aus dem warmen Leib deiner Mutter schnitt.
Du hast die Tränen dann vom Himmel aus gezählt,
die ich um dich weinte, mein Herzstern.
Doch es ist bekannt, denn man sagt,
Seelen wählen die Eltern lange vor der Geburt.
So hast du mich einmal gewählt.
Auf rätselhaften Wegen kamst du ein zweites Mal.

Ob ich dich zeugte oder nicht,
ich durfte Zeuge deines Lebens sein.
Danke, dass ich dich ansehen durfte.
Danke, dass ich dein Lachen hören durfte.
Danke, dass ich neben dir liegen durfte.
Danke, dass du mir gezeigt hast, du lebst.
Welche Wege das Leben uns auch bereitet,
ich weiß du lebst, Tochter.
Und das hast du mir so eindringlich,
so zauberhaft auf deine Weise gezeigt.

Mein Herzstern, Kind auf seltsamen Wegen.
Mein Herzstern, Rebell mit dem Löwen im Herzen.
Mein Herzstern, Kriegerin der neuen Welt.
Deine Pfeile richte auf die Sterne und die Liebe.
Mit den Herzen der Menschen handle sanft.
Nicht Grenzen noch Ketten werden dich halten,
und die Schatten dir bloß drohen.
Angst tötet die Liebe und Liebe heilt Angst.
Dein Herz hat immer recht.
Und deine Füße gehen seinen Weg.

Wo auch immer ich, dein Zweitpapa, sein werde,
wo auch immer du bist – der Stern in meinem Herzen,
der helle Funken Licht, der du darin bist,
wird niemals Dunkelheit da drin zulassen.
Und so liebe ich dich, mein Herzstern.
Und so nenne ich dich: Tochter.
Und so bist du: Herzstern.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

Du und die Kinder


Es ist eine Ehre, die dir das Leben erweist, Vater oder Mutter eines oder auch mehrerer Kinder zu sein. Wenn dir diese Ehre zuteil wird, dann ehre auch du das, denn durch ein Kind bezeugt die Existenz, dass sie dir vertraut! Sie legt das Leben eines Kindes in deine Hände in all seiner Verletzlichkeit, in all seiner Schutzbedürftigkeit, in all seiner Reinheit, in all seiner Schönheit; und du darfst für dieses Kind da sein, darfst es begleiten ein Stück seines abenteuerlichen Weges durch die Welt. Kinder sind deine Unsterblichkeit auf physischer Ebene, in ihnen lebst du weiter.

Was dein Kind braucht, ist in erster Linie Liebe, Aufmerksamkeit, Geborgenheit. Wenn du einem Kind diese Dinge nicht geben kannst – wie soll es später selbst diese Dinge geben können? Wie soll es selbst zu einem Liebenden werden? Wie soll es dann selbst die ihm geschenkten Kinder lieben?

Ein Kind fragt nicht, ob es in einer Villa lebt oder in einem Mercedes zur Schule gebracht wird, ein Kind fragt nicht, ob seine Kleidung Marken trägt, ein Kind fragt nicht, wann du den nächsten Karriereschritt machst – ein Kind ruft schlicht nach Liebe! In seinen Augen kannst du diesen Ruf vernehmen, in seinen Umarmungen liegt dieser Ruf, in seinen Träumen träumt es ausschließlich von Liebe. Erhöre diesen Ruf, denn das ist deine heilige Pflicht. Schenke den Kindern weniger Güter, schenke den Kindern alle Liebe, alle Aufmerksamkeit und alle Geborgenheit, zu der du fähig bist. Schenke einem Kind Zeit mit dir, denn ihr habt niemals ausreichend davon – Zeit ist das knappe Gut in deinem Leben, deshalb wähle weise, wem du sie schenkst und womit du sie verbringst.

Liebe, Aufmerksamkeit, Geborgenheit – dies sind jene Wunder, die du dir selbst als Kind gewünscht hast. Jetzt kannst du dem Kind in dir geben, was man ihm damals vielleicht nicht gab, als es meist still seine Eltern danach angefleht hat. Du kannst all das nun durch jene Kinder geben, die dir das Leben anvertraut hat. Durch die Liebe zu deinen Kindern heilst du dein inneres Kind.

Liebe ist jenes Licht, welches die wunderbare Blüte des Lebens, die dein Kind verkörpert, zum erblühen bringt. Aufmerksamkeit ist jene Nahrung, die dein Kind stark macht. Geborgenheit ist das Umfeld, in dem die Blüte reifen kann. Kinder benötigen ein Klima der Liebe, um vollends zu erblühen. Nur in Liebe kann diese Blüte ihre volle Pracht entfalten.

Ein Kind ist niemals dein Kind – es gehört sich selbst. Es ist lebendiger Teil des Wunders der Existenz. Es gehört dir nicht, aber es wurde dir in vollem Vertrauen in Obhut gestellt. Achte jene Kinder in deiner Obhut, denn so achtest du das Leben. Lehre ein Kind mit dem Herzen zu sehen, lebe es ihm vor, indem du es selbst durch dein Herz betrachtest. Schaffe ein Klima der Liebe, sei aufmerksamer Zeuge des Lebens jener Kinder in deiner Obhut und nicht bloß gelegentlicher Besucher der Kinderwelt. Werde zu einem Ort der Geborgenheit für ein Kind – es gibt keinen größeren Lohn, als das Glück und die Freude eines Kindes; es gibt kein schöneres Gesicht, als jenes eines glücklichen Kindes; es gibt kein göttlicheres Lachen, als das eines fröhlichen Kindes.

Lass zwei Generationen von Kindern in Liebe aufwachsen und du hast eine neue Welt!

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2014 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Weib (zum Weltfrauentag)


Sofern ich, Mann, ohne dich leben könnte, Weib, ich würde ein solches Dasein vorziehen. Du aber erscheinst schlicht unwiderstehlich wie die Mondin in jener kühlen Mystik deiner Weiblichkeit – unfassbar, schön, erschreckend tröstlich.
– Wie soll ich, Mann, da jemals von dir lassen? Wie soll ich jemals der Entdeckungsreise durch die Topografie deines unergründlichen Wesens abschwören?
Allein dein Duft besitzt sanfte Gewalt – so machtvoll, dass man(n) mit einem Atemzug Mama vergisst. Und dann berührst du mit Vorliebe da, wo man(n) nur selten berührt werden möchte – in der Seele.
Die natürliche Strenge deiner Gegenwart vermag das geistige Eisen eines Mannes zwar niemals zu brechen, in deiner Weiblichkeit aber biegst du es zu feinen Ornamenten. So wandelt sich das wild lodernde Herz des Jägers zu dauerhaft kultivierter Glut. Weib, das ist jener totale Augenblick, in dem ein Mann in die Knie gehen möchte, um dir all sein Eisen, seine ganze Erde zu widmen.
Du bringst es fertig, machst aus dem Narren einen Kaiser.
Dann gebärst du Kinder und vermittelst hinterher den Eindruck, als wäre das ähnlich leicht, wie ein Lied zu summen – wie soll man(n) da nicht lernen, dich zu fürchten im schönen Sinne?
Du lächelst, obwohl dir Tränen die Seele hinab laufen, wirst zum Mut, zum Schiff, zum Kompass durch das Leben eines Mannes, obwohl du ebenso der Ozean mit wechselhaftem Wellengang bist.
Und bei all dem kannst du gnadenlos grausam aber trotzdem sanft wie Vanillesoße sein.

Wenn alle Freunde mir den Rücken kehren, Weib, dann bist du jenes Wesen, das hinter ihnen die Türe schließt mit mildem Lächeln, um deine Liebe wie einen wärmenden Mantel des Trostes zu spenden.
Den betrunken Kerl kannst du nach hause bringen, aus profanen Dingen Kunstwerke zaubern, es gemütlich richten, lächelnd heilen.

Du kannst total Weib sein – ganz deiner Natur gemäß einem Mann auf die Nerven gehen, ihn an die Wand reden oder sanft machen, wenn er rasend war. Einen Bestseller machst du ihn schreiben, einen Nobelpreis gewinnen. Den Haushalt führst du nebenher, bist während dessen sogar noch reizend Schönheit.
Du kannst total Weib sein – in weicher Umarmung wie warmes Wachs an seinen Körper fließen, ihn spinnen in das schillernde Geflecht deiner Umgarnungen und dennoch von seiner Freiheit säuseln.
Du begreifst zwar die Maschine nicht, weil du die Maschine auf der Gefühlsebene verstehen möchtest – darin aber, so hat es den Anschein, findest du herrlich Gründe für Hysterie.
Einen Kontinent wirst du nicht entdecken, ein Ungeheuer nicht erschlagen, weil du dazwischen sicher pinkeln musst, und in den Füßen ist dir kalt, wenn andere bereits Schweißsocken haben. Du blutest regelmäßig, ohne daran zu sterben.
Nähe verlangst du oftmals genau dann, wenn der Mann wieder mal ein tolles neues Spielzeug gekauft hat, und willst einfach manchmal nicht kapieren, was man(n) dir zu sagen bemüht ist, aber weißt oft genug präzise das zu sagen, was man(n) hätte sagen sollen.
Verlässt du, so tauscht all die süße Wärme mit bitterer Kälte. Du verwandelst dich für einen Mann immer genau dann in das, was man(n) eigentlich immer wollte, wenn du wieder mal gehen möchtest.

Du bist fähig, mich in den Wahnsinn zu treiben, weil ich nicht ohne dich sein kann, weil auch du nicht ohne mich sein kannst.
Liebe – das ist es, was ich dir geben darf, soll, muss. Liebe – das ist jenes Haus, von dem ich im Garten der Zeit versprach, es dir zu errichten, um dich in der Ewigkeit über seine Schwelle zu tragen. Liebe – weil du ein Rätsel, ein ewiges Mysterium, ein Weib bist.
Ich danke der Existenz, dass es dich gibt, Weib! Denn nur zusammen sind wir ganz…

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce