Rubin



Hände, Haut und Atem,
ihr Schweiß und der meine,
für immer ineinander fließend
als Nächte ohne Ende,
als Tage ohne Zahl,
als ein Herz und zwei Hälften,
und durchs Küchenfenster,
lächelnd,
ein Gesicht,
dessen Namen ich nicht kennen muss,
weil ich es erinnere,
bis in alle Zeit.
Was uns trennt, ist nicht der Weg,
was uns trennt, ist die Liebe.
Wenn die Liebe zwischen zwei Seelen,
wenn das Feuer zu wild verlangt,
dann schützt die Liebe diese Seelen,
damit sie nicht ineinander verdampfen.
Die Nadel fährt ins Fleisch,
ein Schmerz,
um den anderen zu lindern.
Und in dem Rubin eines Blutstropfen,
darin fühle ich ihr Herz schlagen,
sehe sie tanzen wie das Licht einer Kerze,
und weiß: Sie lebt in mir.

© 2016 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Tochter Liliths


Die bösen Mädchen sind es,
nicht die braven,
deren Beute ich bin.
Sie hinterlassen keine Bitterkeit,
sie schenken Schmerz,
echten, aufrichtigen Schmerz,
süß wie deine Erbeerlippen.
Komm, brich mein Herz!
Es kann noch einen Riss gebrauchen.
Dein Wahnsinn fasziniert mich,
legt mir deinen Namen auf die Zunge.
Darum Schnüre deine Stiefel fester,
nimm noch einen Hauch
vom Spiegel deiner Eitelkeit,
ziehe ihn durch deine Seele,
und küss mich heiß,
bevor du morgen gehst.
Heute Nacht aber spiele mit dem Mond,
und leg zuerst die Unsicherheiten ab,
dann erst deine Kleider.
Werde unvergesslich nackt,
denn ausgezogen bist du schön,
ungezogen aber bist du schöner.
Mach sie zum Gast dieser Nacht,
die Flammen deiner Gier,
die Gier nach mehr von mir.
Atme aus die schmutzigen Worte,
wirf sie kostbar in den Raum,
als wilde Poesie,
wie Ornamente für den Sturm.
Sei mir Liliths Tochter,
die ich nicht vergessen will,
gleite heimlich in mein Schicksal,
während ich einen Tropfen Lust
vom Latex deiner Schenkel lecke.
In seinem Glitzern schenkt uns der Tod
ein Lächeln.
Und der Engel unserer Liebe
opfert die Dauer einer Kerze.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Mondblut


Ich ersehne dich
und den Weihrauch der Nacht.
Ich ersehne dich
und das Blut des Mondes im Juli.
Ich erflehe das Bad
in der Flamme deines Lichts.
Kalt und silbrig die Hoffnung
in stillen Tränen,
gefolgt von Jahren,
die die Unschuld meiner Liebe
nährten.
Ich erbitte dich
und den Schmerz,
der du bist.
Ich erflehe den Tanz
im Feuer deiner Liebe.
Ich ersehne dich
und das Mondblut auf weißen Laken.
Warm und schillernd der Abschied
in deinem Lächeln,
abgelöst von jenen Augenblicken,
die die Hoffnung auf dich
erstickten.
Ich ersehne dich.

© 2012 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Weib (zum Weltfrauentag)


Sofern ich, Mann, ohne dich leben könnte, Weib, ich würde ein solches Dasein vorziehen. Du aber erscheinst schlicht unwiderstehlich wie die Mondin in jener kühlen Mystik deiner Weiblichkeit – unfassbar, schön, erschreckend tröstlich.
– Wie soll ich, Mann, da jemals von dir lassen? Wie soll ich jemals der Entdeckungsreise durch die Topografie deines unergründlichen Wesens abschwören?
Allein dein Duft besitzt sanfte Gewalt – so machtvoll, dass man(n) mit einem Atemzug Mama vergisst. Und dann berührst du mit Vorliebe da, wo man(n) nur selten berührt werden möchte – in der Seele.
Die natürliche Strenge deiner Gegenwart vermag das geistige Eisen eines Mannes zwar niemals zu brechen, in deiner Weiblichkeit aber biegst du es zu feinen Ornamenten. So wandelt sich das wild lodernde Herz des Jägers zu dauerhaft kultivierter Glut. Weib, das ist jener totale Augenblick, in dem ein Mann in die Knie gehen möchte, um dir all sein Eisen, seine ganze Erde zu widmen.
Du bringst es fertig, machst aus dem Narren einen Kaiser.
Dann gebärst du Kinder und vermittelst hinterher den Eindruck, als wäre das ähnlich leicht, wie ein Lied zu summen – wie soll man(n) da nicht lernen, dich zu fürchten im schönen Sinne?
Du lächelst, obwohl dir Tränen die Seele hinab laufen, wirst zum Mut, zum Schiff, zum Kompass durch das Leben eines Mannes, obwohl du ebenso der Ozean mit wechselhaftem Wellengang bist.
Und bei all dem kannst du gnadenlos grausam aber trotzdem sanft wie Vanillesoße sein.

Wenn alle Freunde mir den Rücken kehren, Weib, dann bist du jenes Wesen, das hinter ihnen die Türe schließt mit mildem Lächeln, um deine Liebe wie einen wärmenden Mantel des Trostes zu spenden.
Den betrunken Kerl kannst du nach hause bringen, aus profanen Dingen Kunstwerke zaubern, es gemütlich richten, lächelnd heilen.

Du kannst total Weib sein – ganz deiner Natur gemäß einem Mann auf die Nerven gehen, ihn an die Wand reden oder sanft machen, wenn er rasend war. Einen Bestseller machst du ihn schreiben, einen Nobelpreis gewinnen. Den Haushalt führst du nebenher, bist während dessen sogar noch reizend Schönheit.
Du kannst total Weib sein – in weicher Umarmung wie warmes Wachs an seinen Körper fließen, ihn spinnen in das schillernde Geflecht deiner Umgarnungen und dennoch von seiner Freiheit säuseln.
Du begreifst zwar die Maschine nicht, weil du die Maschine auf der Gefühlsebene verstehen möchtest – darin aber, so hat es den Anschein, findest du herrlich Gründe für Hysterie.
Einen Kontinent wirst du nicht entdecken, ein Ungeheuer nicht erschlagen, weil du dazwischen sicher pinkeln musst, und in den Füßen ist dir kalt, wenn andere bereits Schweißsocken haben. Du blutest regelmäßig, ohne daran zu sterben.
Nähe verlangst du oftmals genau dann, wenn der Mann wieder mal ein tolles neues Spielzeug gekauft hat, und willst einfach manchmal nicht kapieren, was man(n) dir zu sagen bemüht ist, aber weißt oft genug präzise das zu sagen, was man(n) hätte sagen sollen.
Verlässt du, so tauscht all die süße Wärme mit bitterer Kälte. Du verwandelst dich für einen Mann immer genau dann in das, was man(n) eigentlich immer wollte, wenn du wieder mal gehen möchtest.

Du bist fähig, mich in den Wahnsinn zu treiben, weil ich nicht ohne dich sein kann, weil auch du nicht ohne mich sein kannst.
Liebe – das ist es, was ich dir geben darf, soll, muss. Liebe – das ist jenes Haus, von dem ich im Garten der Zeit versprach, es dir zu errichten, um dich in der Ewigkeit über seine Schwelle zu tragen. Liebe – weil du ein Rätsel, ein ewiges Mysterium, ein Weib bist.
Ich danke der Existenz, dass es dich gibt, Weib! Denn nur zusammen sind wir ganz…

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Eine schlichte Hypothese



Und gesetzt den Fall, wir begegnen einander erneut auf irgendeinem Festival…
So rein „zufällig“…
Würdest du dann in meine Arme laufen?
Und würde ich dich dann im Kreise wirbelnd die Spirale hinauftragen?
Und würden in diesem Moment Kirschblüten vom Himmel regnen?
Und hätten wir dann eine Zukunft, die nicht schon morgen endet?
Und würden die Seile des Schicksals all das halten, was wir einander versprechen wollen?
Und würde der Mond jeden Tag voll sein?
Und würden die Sterne unserer Verbindung Beifall zollen?
Und würde dann endlich Frieden in unseren Herzen sein?
Und würde ich dir törichte Gedichte schreiben wie in alten Zeiten?
Und würden wir den Tod höhnen, weil er unserer Liebe nichts entgegenzubringen hat?
Würdest du mich anlächeln? Mit deinem bescheidensten Lächeln?
Und würde ich dich in all deiner Freiheit so lieben, wie du geliebt sein sollst?
Würde auch nur die Hälfte von all dem geschehen?
– Dann lautet meine absolute Antwort: JA! ich will dich wiedersehen…

– David Peterson Pauswek

© 2012 text by David Peterson Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce