Nur ein liebender Mund spricht Wahrheit


Als Maria aus Magdala zum Grab von Jeshua ging, um den Leichnam zu salben, da sah sie, dass der Stein vor dem Grab weggerollt und das Grab leer war. Sie fiel auf die Knie und weinte. Ihr Weinen galt dem Fehlen des Körpers jenes Mannes, dem sie folgte als Schülerin und den sie liebte als ihren Mann, und es galt der Erkenntnis, dass er der Heiland sein musste.

Als sie aus dem Grab kam, stand ein Fremder vor ihr, der lächelnd fragte: „Weib, was weinst du so bitterlich?“
Sie antwortete: „Das Grab ist leer. Ich bin ohne meinen Mann und ich bin ohne meinen Meister.“
Aber der Fremde lächelte nur und sagte „Erkennst du mich denn nicht, Weib? Was suchst du den Lebenden unter den Toten? Ich bin es. Und ich lebe.“
Da erkannte Maria ihn, denn sie sah, dass er es war, und sie fiel vor ihm auf die Knie und streckte ihre Hände nach ihm aus, doch er sagte: „Rühre mich nicht an, Frau, denn noch bin ich nicht aufgefahren zu meinem Vater im Himmel. Doch zu dir komme ich als der Erste und als die Erste sollst du gehen und ihnen sagen, ich lebe. Gehe, und bringe ihnen die frohe Kunde, dass ich nicht eingehen kann ins Reich der Toten, und lehre sie die Worte, die ich nur dir gab, und berichte, wer ich dir bin, nachdem ich hochgestiegen bin zum Vater!“
Und Maria war glücklich, denn sie wusste nun, dass er lebte und sie ging zu dem Haus, wo die Jünger sich versteckten aus Angst vor Verfolgung, wo sie klagten um den Tod ihres Meisters, denn sie hatten Angst und waren voll Kummer. Maria tat, wie er ihr es aufgetragen hatte. Doch die Jünger konnten nicht glauben, was Maria erzählte. Und so gingen drei von ihnen mit Maria zum Grab, unter ihnen Simon Petrus, und auch sie sahen, dass es leer war.

Da nahm Simon Petrus Maria zur Seite und sagte: „Schwester, wir wissen, der Herr hat dich mehr geliebt hat als andere Frauen. Erzähle uns doch von seinen Worten die er nur dir allein gab, denn vielleicht haben wir einige davon noch nicht gehört. Welches sind die Geheimnisse, die nur du kennst?“
Maria aus Magdala antwortete: „Sobald er aufgestiegen ist zum Vater im Himmel will ich euch alles wahrheitsgetreu sagen, so wie er es mir gesagt hat, bis ins Kleinste.“
Da wurde Simon Petrus sehr wütend, denn er war voll Eifersucht.
Maria aber beruhigte ihn und sagte: „Ich will euch nicht nur die Geheimnisse anvertrauen, die er nur mir allein anvertraute und die dann keine mehr sein sollen. Ich will euch auch berichten von dem Mann, der er mir war und der er mir immer sein wird, denn ihr sollt ihn kennen bis ins Kleinste. Als Meister habt ihr ihn geliebt, als Heiland werdet ihr ihn erkennen, ich aber habe die Aufgabe, euch den Menschen zu bringen, der er ist.“

Was ich dir mit dieser Geschichte sagen möchte? – Ich will dir damit nahelegen, dass du nicht die fragen sollst, die nicht lieben. Jemand, der nicht liebt, kann nicht die Wahrheit sagen. Wenn du etwas über einen anderen Menschen erfahren willst, den du selbst nicht fragen kannst, dann gehe nicht zu jenen, die ohne Liebe über einen anderen berichten, denn was sie dir erzählen werden, ist bloß die Wahrheit über sie selbst, aber eine Lüge über den Menschen. Wenn du einen Menschen nicht über sich selbst fragen kannst, damit er dir über sich erzählt, dann frage diejenigen, die ihn lieben. Frage die, die mit ihm in Frieden sind. Sonst wirst du nur Lügen hören und ein falsches Bild bekommen. Kein Mensch kann die Wahrheit sagen, wenn er nicht liebt. Denn Liebe und Wahrheit sind eins.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Du lebst in einer Lüge


Was auch immer man dich gelehrt hat, was auch immer deine Kinder in der Schule über die Geschichte des Planeten, die Evolution des Menschen erfahren oder was auch immer für „real“ gehalten wird – es ist nicht die Wahrheit!
Deine Geschichtsbücher sind nichts besseres als Märchenbücher. Die gesamte Historie des Menschen muss als allgemein gültige Lüge, als von den Großeltern an die Eltern und deren Kinder weitergegebene Fehlinformation und nicht als Doktrin akzeptiert werden. Weder stammst du vom Tier ab noch wurden die Pyramiden in Gizeh von den alten Ägyptern, die Majatempel von indigenen Völkern erbaut oder die Dinosaurier von einem Kometen ausgelöscht. Weder ist der Nachthimmel noch der Mond real. Weder deine brüchige „Realität“ noch deine Religionen bergen die Wahrheit über diese Welt.
– Erwachen bedeutet auch, den Mut und die Kraft aufzubringen, jenseits des Luzidtraumes eines vermeintlichen Wachzustandes, jenseits der indoktrinierten Matrix zu gelangen. Dieses Erwachen birgt den größten Schmerz, die brutalste Leere, das mächtigste Drama in sich, das ein Menschenwesen zu erfahren fähig ist. Das ist auch der Grund, weshalb so viele, die bereits den Weckruf der Seele vernommen haben, doch lieber im Dämmerschlaf des Halbbewussten verweilen, anstatt das Lager ihrer Illusion zu verlassen.
Wenn ich von Erwachen spreche, dann meine ich damit nicht bloß esoterisch-romantisches Tingeltangel – ich meine den schmerzbehafteten Geburtsvorgang, das knallharte Erkennen, das Zurücklassen aller historischer und naturwissenschaftlicher Strohhalme; ich meine das zwangsläufige Ertrinken im metaphysischen Ozean des darauf folgenden inneren Vakuums. Das ist die Zweite Geburt des Individuums, die ich wieder und wieder erwähne. Das ist der mutigste Akt zu dem ein Mensch im Stande ist. Ein suizidaler Akt der Liebe. Denn Liebe zur Wahrheit, zu echter Evolution muß dazu das Motiv sein. Es gibt keine größere Absicht, keine andere Liebe zur Göttlichkeit, keine größere Liebe zur Existenz selbst, als den suizidalen Schritt in diese totale Leere des Erwachens. Und sobald du diese Leere für dich selbst verkraftet hast, folgt als einzige Konsequenz ganz automatisch der Schritt, deinen Nächsten zu erwecken. Erfüllst du diese Konsequenz in zu populärem Maße, riskierst du damit zwangsläufig deine physische Assasination durch die wahren Initiatoren, die Präzeptoren deiner vormaligen Realität. Davon sollten deine Geschichtsbücher handeln – von all den populären Personen, die wegen dieser Konsequenz ermordet wurden!
Akzeptiere: Diese Welt und ihre Herren sind nicht nur eine Illusion im metaphysischen sondern auch im physischen Sinne. Erwachst du daraus, gibt es weder ein Zurück noch Hilfestellung im daraus resultierenden Vakuum. Und für die Meisten mag es ein Segen sein, dieses Erwachen niemals zu erleben, um als Futter, als Weidevieh, als Rohstofflieferant für die Meister, die Direktoren dieser Matrix zu verbleiben. Erwachen ist ein suizidaler Effekt des sich selbst erfahrenden Bewusstseins.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2014 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Armut ist nicht spirituell


Wer hat dir bloß die Flause in den Kopf gesetzt, Armut sei spirituell? – Armut ist nicht spirituell. Sie hat nichts mit Spiritualität zu tun. Ganz im Gegenteil – Armut verhindert vielmehr die spirituelle Bewusstwerdung, sie legt einen hässlichen Schleier um sie herum, denn ein Mensch, der 24 Stunden am Tag damit beschäftigt ist, seinen Magen zu füllen, sich ein Dach über dem Kopf zu schaffen und seine Kinder nicht verhungern zu wissen, der hat keinen Raum für Spiritualität – sein ganzes Dasein besteht darin, das eigene Überleben zu sichern. Da bleibt keine Zeit für spirituelle Belange; es gibt keinen Platz, um sich der Spiritualität gewahr zu werden und sie im vollen Umfang zu leben.

Wer hat dir gesagt, Reichtum sei unheilig? – Reichtum ist total heilig. Die gesamte Natur ist reich, sie ist Überfluss. Überfluss ist natürlich – Natürlichkeit ist heilig. Reichtum ist heilig. Ein reicher Mensch ist deshalb kein unspiritueller Mensch, bloß weil er reich ist. Doch du verstehst Reichtum und sein Wesen nicht – nach deiner Auffassung ist jeder Reiche ein Krimineller, weil du nicht glauben kannst, dass Reichtum auf liebevolle, rechtschaffene Weise erlangt werden kann, da du selbst arm bist.
Du bist vielleicht nicht am Verhungern, aber du bist dennoch arm – arm an Zeit, arm an Raum zur Selbstverwirklichung, arm an Freiheit, arm an Erfüllung, arm an Rechten. Auch das ist Armut – eine sehr subtile aber furchtbare Form von Armut, denn diese Form wird nicht gleich erkannt. Viele Menschen in der westlichen Welt leben in dieser Form der Armut, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Um das wahre Wesen des Reichtums verstehen zu können, musst du selbst reich werden. Reichtum bedeutet nicht bloß über Geld und materielle Güter zu verfügen – Reichtum ist Überfluss in sämtlichen Aspekten des Lebens.
Der natürliche Zustand eines jeden Wesens ist Reichtum. Jedes Wesen wurde reich geboren. Die Natur gibt jedem Individuum ausreichend von dem, was es benötigt, um seine Aufgabe für die Zeit seiner Existenz auf Erden zu erfüllen. Sich der göttlichen Quelle im Inneren bewusst zu werden – das ist der erste Schritt zum wahren Reichtum. Ein Mensch, der sich dieser Quelle im vollen Umfang bewusst ist, leidet keinen einzigen Augenblick seines Daseins Mangel. Frei von jeglichem Mangel zu sein, das ist wahrer Reichtum. Die Loslösung aus allem Mangeldenken, aus jedem Glauben an eine Trennung von der Quelle – das ist wahrer Reichtum.
Reichtum ist das, worin sich die Göttlichkeit am liebsten offenbart. Reichtum ist das, worin sich der Geist am wohlsten fühlt, aber du hast vergessen, was Reichtum in Wahrheit ist. Für dich bedeutet Reichtum bloß Unmengen an Geld zur Verfügung zu haben, doch das ist eine einseitige Sicht auf Reichtum, die du da entwickelt hast; so wie du auch eine einseitige Sicht auf Armut entwickelt hast.

Armut ist Mangeldenken und die Erfahrung dessen, was aus diesem Mangeldenken resultiert. Armut ist der Glaube an eine Trennung von der göttlichen Quelle. Armut ist es bereits, wenn auch nur in einem einzigen Aspekt des Daseins Mangel herrscht. Jede Form von Mangel ist ein Ausdruck von Armut – so gesehen kann sowohl der Bettler als auch der Millionär als arm bezeichnet werden, sofern beide auch nur irgendwo in ihrem Dasein einen Mangel erfahren.
Du siehst einen Bettler und denkst, er sei arm. Vielleicht hast du damit sogar Recht. Doch du siehst nicht, dass du selbst genauso arm bist in deinem Lohnsklaventum. Der Bettler hat zwar kein Geld, aber er hat immerhin Zeit; er braucht sich niemals zu beeilen und erfährt daher Dinge, die du gar nicht kennst – du hast zwar ein wenig Geld, dafür aber keine Zeit; du hetzt wie irre durch dein Leben und verpasst dabei das Leben. Das ist ebenfalls Armut.

armut02Die Armut, wie sie sich in deiner Welt offenbart, ist ein unnatürlicher Zustand, eine Krankheit, die einem entarteten, unmenschlichen Gesellschaftssystem entspringt. Der Reichtum, wie er sich in deiner Welt darstellt, ist eine ebensolche Entartung. Beide Formen offenbaren Mangel; und Mangel ist stets ein Ausdruck von innerer Armut.

Du musst eine neue Sicht auf die Begriffe Armut und Reichtum entwickeln, wenn du ihre Bedeutung verändern möchtest. Du musst beides neu kennenlernen, sofern du die Armut und den falschen Reichtum aus der Welt schaffen möchtest.

Zunächst erkenne in deinem Herzen: Du wirst nicht deshalb erleuchtet, bloß weil du arm bist – deine Erleuchtung kann nicht verhindert werden, bloß weil du reich bist. Erleuchtung ist etwas, das jenseits dieser Seinszustände auf dich wartet. In Wahrheit aber lenken beide Zustände – sowohl Reichtum als auch Armut, so wie du sie kennst – vom spirituellen Wege ab: Der Arme hat keinen Raum für Spiritualität, weil er 24 Stunden am Tag um sein Überleben kämpft; der Reiche hat keinen Raum für Spiritualität, weil er 24 Stunden am Tag mit seinem Geld und seinen Gütern befasst ist. Beides ist wider die Natur. Beides ist eine Form der Armut.

Du siehst Meister, die nichts besitzen, und denkst deshalb, sie seien arm, doch hier verwechselst du Bescheidenheit mit Armut. Kein Meister ist arm – alle Meister sind reich. Ihnen fehlt nichts, absolut nichts. Sie leben vielleicht bescheiden aber dennoch nicht in Armut. Ihr Leben ist ein Leben im Überfluss – Nahrung, Obdach, Selbstverwirklichung, Freiheit, Einfluss, Lebenslust, sind jene Dinge, die sie reich machen. Wenn sie in Bescheidenheit leben, dann bloß aus dem Grund, um dir damit etwas Bestimmtes zu demonstrieren; aber glaube mir, ein Meister müsste niemals bescheiden sein – er könnte der König aller Könige sein, wenn er es so wollte. Seine Bescheidenheit soll dir dienen – nicht ihm selbst. Sie soll dir etwas Wichtiges offenbaren. Etwas, das der Meister für sich selbst längst erkannt hat.
Und auch jene Meister, die in überschwänglichem Reichtum leben – sie verurteilst du am heftigsten – wollen dir mit ihrem pompösen Lebensstil etwas demonstrieren. Für sie selbst hat kein einziges Ding, das du als ihren Besitz wähnst, eine große Bedeutung – sie leben in ihrem Überfluss bloß aus dem Grund, um dir zu zeigen, dass materieller Reichtum und Meisterschaft nicht im Widerspruch zueinander stehen. Danke diesen Meistern am innigsten, denn an deinem Zorn, an deiner Entrüstung über ihren Lebenswandel erkennst du deine eigene verdrehte Sicht auf diese Dinge – du offenbarst dir dadurch auf wunderbare Weise dein eigenes Mangeldenken!

Deine Armut dient niemand. Du kannst einen Bettler nicht dadurch retten, weil du dich selbst als Bettler zu ihm gesellst. Deine Solidarität mit den Armen macht die Armen nicht reicher; das erlöst sie nicht aus ihrer Not. Wirst du jedoch ein reicher Mensch, kannst du mit deinem Reichtum den Armen helfen – du kannst geben. Aber noch viel besser: Du kannst geben UND lehren, was wahrer Reichtum ist. Somit empfiehlt es sich, ein reicher Mensch zu werden und das Bettlertum aufzugeben.

Verinnerliche: Ein armer Mensch ist einer, der nichts zu geben hat – das gilt sowohl für Bettler als auch für Millionäre. Ein reicher Mensch ist einer, der alles zu geben hat – das gilt sowohl für Bettler als auch für Millionäre.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Sei existenziell


freedom-zsuzsa-tasi01Mein Wunsch ist es, dich frei, wild und natürlich zu wissen, mit dem Wind um die Wette laufend, barfuß im Regen tanzend, weinend vor Ergriffenheit über die Schönheit einer Kirschblüte, laut lachend, fröhlich ein Lied summend durch die Stadt spazierend, kichernd und nackt im lauen Wasser eines Sees badend, erwachend, meditierend, jedes Wesen liebend. Ich wünsche mir dich erlöst und befreit von der gesellschaftlichen Knechtung durch Dogmen und moralische Konditionierungen, losgelassen aus dem Lohnsklaventum, unabhängig, selbstbestimmt, vollkommen lebendig.
Ich möchte dich weder religiös noch spirituell – ich wünsche mir den existenziellen Menschen auf Erden. Sei existenziell – sei einfach nur du selbst. Mache das Dasein zu einem Fest deines Selbstausdrucks, zu einem Lobgesang an die gesamte Existenz, indem du alles abschüttelst, was du nicht bist; indem du einfach nur du selbst bist. Lebe deine eigene Erfahrung als die einzig für dich gültige Weisheit, sei dein eigener Meister, Erlöser, Guru. Geh täglich in die Stille deiner Seele – alles Wissen liegt darin. Verkörpere deine Träume, deine Liebe, entfalte deine wahre Schönheit als authentisches Wesen. Erblühe zur Herrlichkeit deiner Individualität. Sei existenziell – das ist der neue Mensch, der Andersmensch.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek / Artwork © by Zsuzsa Tasi. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Sei dein eigener Erlöser


erloesung01Immer dann, wenn ein neuer Präsident an die Macht kommt, hoffst du, dass er dein Leben verbessern wird. Wenn ein neuer Papst, ein neuer Lama, ein neuer religiöser Führer gewählt wird, liegt deine Hoffnung darin, dass nun doch noch eine Wende zum Guten in deinem Leben geschieht. Erscheint ein neuer spiritueller Bestseller-Autor auf der Bildfläche, kaufst du begeistert seine Bücher und siehst (meist heimlich und still, denn offiziell gibst du dich ja nicht der Lehre eines Gurus hin – das würde zu sehr am Stolz deines Egos kratzen) in ihm deinen neuen Guru. Lernst du einen neuen Partner kennen, hegst du die Hoffnung, dass er dich glücklich machen wird – ständig rufst du nach einem Erlöser, einem Messias!

Solange du nicht begreifst, dass es keinen anderen Erlöser, keinen anderen Messias als dich selbst gibt, wirst du bitter enttäuscht sein. Nur du allein kannst dich erlösen! Nur du allein kannst dein Guru, dein Messias, dein Erlöser sein – einen anderen gibt es nicht. Kein anderer ist damit zu belasten, dass du dich befreist und erlöst, und niemand, absolut niemand wird dir das abnehmen. Du ganz alleine trägst die Verantwortung für dein Leben, dein Glück, deine Erleuchtung.
Alles Wissen liegt in dir selbst, alle Erleuchtung war schon da, bevor es dich in dieser deiner gegenwärtigen Form gab – aller Ursprung dieses Wissens, dieser Erleuchtung, ist die Stille, die Gedankenleere. Nur da findest du, was du suchst. Nur du allein kannst es aus dieser Stille heraus zu deinem gelebten Gewahrsein machen.
Da dir dieses Maß an Verantwortung aber zu groß erscheint, regredierst du geistig zu einem Kleinkind und zwängst andere in die Rolle deines metaphysischen Papas, deiner Mama, deines Führers, deines Erlösers, denn dieser ist dann angenehmer zu verurteilen, wenn du einmal mehr nicht befreit wurdest. Es ist bequemer diesen zu kreuzigen, als dich selbst.

Du schimpfst über die Politik, die Machthaber, die du selbst gewählt, denen du selbst die Macht über dich verliehen hast. Aber würdest du endlich wirklich erwachsen werden, hätte keiner mehr Macht über dich – du würdest niemand mehr in die Rolle deines Führers, Erlösers oder Meisters drängen.

Eine Gesellschaft, die sich nur noch aus psychisch erwachsenen Menschen zusammensetzt, braucht weder Führer, noch Päpste, noch Polizei, noch Armee – eine solche Gesellschaft ist eine erleuchtete Gesellschaft. Doch bei den letzten Sätzen geht dir folgendes durch den Kopf: „Ja, stimmt! Wären doch auch die Anderen dazu bereit…“
– Und genau daran erkennst du deine geistige Unreife! Genau daran scheitert deine ganze neurotische Gesellschaft. Denn schon wieder machst du jemand anderen dafür verantwortlich, was nur in dir selbst Veränderung finden kann.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du und deine Guru-Schizophrenie


Es geht die gängige Meinung um, Gurus wären gefährlich, sie wären Verführer, Heuchler und Manipulatoren, doch die wahren Heuchler sind nicht die Gurus, sondern ihre Jünger. Der Großteil der Menschen ist mittlerweile so sehr geistig erblindet, so intensiv manipuliert, dass den meisten gar nicht klar ist, was ein Guru überhaupt ist, deshalb will ich es dir erklären.

Das Wort „Guru“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet zu Deutsch „schwer, gewichtig“ aber auch „Lehrer“ oder „Verleiher des Wissens“. Es ist dies der Titel für einen spirituellen Lehrer nichts weiter als das ist ein Guru.

Du aber erkennst deine Gurus heutzutage gar nicht, weil sie nicht mehr mit Turban und im Kaftan gekleidet auftreten, obwohl du eine Menge Gurus hast. Wenn du mir nicht glaubst, dann sieh mal in dein spirituelles oder esoterisches Bücherregal und denke an all die Seminare, die du bereits besucht hast oder noch gerne besuchen möchtest. Sieh sie dir an, deine Bestsellerautoren, Mentaltrainer, Coaches und New Age-Priester!
Ja, all das sind deine geistigen Lehrer, deine modernen Gurus.

Dir ist wohl auch nicht klar, dass Jesus von Nazareth einst ein Guru war und einer Sekte von 12 Jüngern liebevoll das Christentum lehrte. So hat das damals nämlich begonnen mit dieser Weltreligion. Und nur weil Jesus behauptete, der Sohn Gottes zu sein, bedeutet das nicht, dass er ein Heuchler war, denn er hat auch dir gesagt, dass du die Tochter Gottes, der Sohn Gottes bist. In seiner Lehre findet sich aber nirgends der Aufruf zur Tötung Andersgläubiger das haben dann später seine zahlreichen Anhänger in den Kreuzzügen getan. War also Jesus der Guru ein Verführer, ein Blender, oder waren es seine späteren Anhänger?

Was du auch nicht zu wissen scheinst, ist, dass Gurus sich nicht selbst zum Guru machen, sondern dazu gemacht werden, und zwar von dir. Mit jedem spirituellen Buch, das du gekauft hast, mit jedem Vortrag, dem du beiwohnst, mit jedem Seminar, das du besuchst, machst du den Autor oder den Vortragenden gegen seinen Wunsch zum Guru. Du bist von seinen Lehren begeistert und imitierst sie fleißig, was dir oft mehr schlecht als recht gelingt. Irgendwann bist du deshalb frustriert, weil den Teil, in dem dich der Lehrer dazu aufgerufen hat, deinen eigenen Weg zu gehen, die Verantwortung für deine spirituelle Entwicklung selbst zu übernehmen, wolltest du einfach nicht hören, da es der unangenehmste Teil der Lehre war. Es ist nicht Schuld des Gurus oder Lehrers, wenn du seinem Weg nicht folgen kannst. Doch du drehst gerne den Spieß um, wähnst dich lieber als Opfer, als armer Verführter, und misst durch die Tränen deines Selbstmitleids bereits die Balken fürs nächste Kreuz, während dein Nachbar die Nägel dazu schärft. Aber wisse: Opferhaltung ist nichts weiter als Feigheit.

Zuerst suchst du den Guru, dann folgst du ihm, verehrst ihn sogar, aber bei der kleinsten seiner menschlichen Regungen, oder bei deinem eigenen Scheitern an seinen Lehren, bist du bereit, ihn vom Sockel zu stoßen, auf den du selbst ihn gestellt hast. Notfalls würdest du ihn sogar vor Gericht stellen oder töten lassen. Deine Politiker jedoch, die dich offensichtlich belügen, manipulieren und verführen, die bezahlst du hoch, wählst sie Jahr für Jahr wieder und lässt sie ungestraft davonkommen, aber deine geistigen Lehrer, die verurteilst du aufs Schärfste beim kleinsten Anzeichen ihrer Menschlichkeit oder beim ersten Aufkommen deiner Unzufriedenheit an ihrer Lehre.
Das ist Wahnsinn, oder? Das ist Schizophrenie!

Du kannst sicher sein, dass kein spiritueller Lehrer jemals die Absicht hegt, dir zu schaden. Und selbst wenn es vereinzelt welche gab oder gibt, die verführt haben oder verführen, so bist doch du zu ihnen gegangen, um dich verführen zu lassen. Der Verführer trägt an der Verführung weit weniger Verantwortung als der Verführte selbst, so es sich beim Verführten um einen erwachsenen Menschen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte handelt.
Du aber behauptest doch, erwachsen und voll zurechnungsfähig zu sein!

Der Lehrer dient dir hingebungsvoll und geduldig, doch zum Dank für seinen Dienst kreuzigst du ihn. Das tust du schon seit tausenden von Jahren. Vielleicht kreuzigst du heute nicht mehr am Ölberg, aber du tust es mittels der Medien und Gerichte, die du beauftragst, die Schatten des Gurus, des Lehrers, auszuspionieren, um sie ihm als tödliches Kreuz anzulasten. Damit hoffst du vielleicht, dich von deinen eigenen Schatten befreien zu können, aber das wird dir auf diese Weise nicht gelingen.

Jeden, den du um Rat und Unterweisung bittest, machst du so zum Guru, zu deinem Lehrer, doch bedenke: Gurus machen keine Hausbesuche!
Und dir ist hoffentlich klar, was ich dir mit dem letzten Satz sagen möchte.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du und dein Wunsch nach Erleuchtung


Die Menschen besuchen meine Seminare und Vorträge, sie lesen meine Schriften, kommen in mein Institut und fragen: „Andersmensch, bist du erleuchtet? Bist du schon ein Meister?“ – Natürlich tun das einige in der Absicht, mich damit zu provozieren, andere aber stellen diese Fragen vollen Ernstes.

Für gewöhnlich erzähle ich nicht gerne über mich selbst – wozu auch? Du glaubst ohnehin nur das, was dir dein Ego zu glauben gestattet, und mich interessiert deine Meinung sowieso nicht – es ist deine Meinung, sie hat nichts mit mir zu tun, deshalb darfst du sie auch gerne behalten. Wenn ich dich danach frage, kannst du anhand meiner Frage erkennen, dass mich deine Meinung interessiert. Solange ich dich nicht danach frage, versuche nicht, mich damit zu vergewaltigen. Und obwohl ich wenig Sinn darin sehe, über meine Person zu erzählen, möchte ich diesen Artikel dennoch mit einer kurzen Anekdote aus meinem Leben beginnen:

Ich kam erwacht zu Welt. Das war für meine Eltern nicht immer eine Freude und für meine sogenannten Lehrer eine Qual. Da ich in einem spirituell orientierten Umfeld aufwuchs, praktiziere ich seit meinem 7. Lebensjahr Transzendentale Meditation. Das war und ist keine große Sache für mich – es ist einfach Teil meines Lebens. Der Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, war jener Tag, als ich gerade mal 10 Lenze zählte und eine Schneeflocke in meiner Handfläche betrachtete. Mir wurde gewahr, dass diese Schneeflocke, wie alles im Universum, Bewusstsein besaß. Ich sah zu, wie all ihre Herrlichkeit, wie all ihre Einzigartigkeit dahinschmolz in wenigen Augenblicken, aber es lag dabei nicht eine einzige Sekunde Selbstmitleid, Angst oder Reue in diesem vollkommen natürlichen Vorgang des Dahinscheidens. Es schien dem Universum auch völlig gleich, ob jemand ihre herrliche Existenz zur Kenntnis genommen hatte oder nicht.
Jener Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, das war der Tag, als ich 10 Jahre alt war und beim Betrachten dieser Schneeflocke erkannte, dass alles vollkommen ist, dass ich selbst vollkommen bin, dass jeder Mensch und das ganze Universum vollkommen ist. Das war der Tag, an dem ich mir meiner Erleuchtung bewusst wurde. Mir wurde klar, dass Erleuchtung der Grundzustand ist – nicht das Ziel. Das wachsende Gewahrsein dieses Zustandes ist der Weg.

Und in diesem Moment, genau jetzt, bin ich mir vollkommen der Provokation bewusst, die diese Aussage für manche von euch in sich birgt, denn ihr habt euch Erleuchtung anders vorgestellt. Doch das ist euer Problem – nicht das meine. Der Fakt, dass ich mich nicht ausnahmslos und ständig im Zustand von Glückseligkeit befinde, sondern ebenso voll bewusst in die tiefsten Abgründe fallen kann, ist für mich selbst die Bestätigung meiner Aussage, denn Erleuchtung bedeutet, voll und ganz am Leben zu sein und sich dieses Lebens vollkommen bewusst zu sein. Leben bedeutet Auf und Ab, Freude und Leid. Die vollständige Akzeptanz dessen, das ist die Meisterschaft. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst – Erleuchtung ist ein ewiger, endloser Prozess. Und je eher du erkennst, dass du nichts zu leisten hast auf deinem spirituellen Wege, desto näher kommst du deiner eigenen Erleuchtung. Sie ist im Grunde bereits da – du bist dir ihrer bloß noch nicht bewusst…

– Ich weiß nicht, was für dich Erleuchtung ist. Ich habe keine Ahnung, was in deinen Augen einen Meister ausmacht, und es ist mir auch völlig egal, aber ich kann dir versichern, dass jene, die im Lotussitz milde lächelnd wie eine Hindu-Kühe vor dir auf einem Teppich kauern und dir darüber erzählen, wie wundervoll Erleuchtung sei, und welch ein Meister sie selbst wären, schlicht und einfach eine Show abziehen. Sie wollen dir mit all dem Theater weismachen, sie wären erleuchtete Meister, die ein ganz spezielles Geheimnis hüten, damit du ihre Bücher kaufst, ihre Veranstaltungen besuchst, damit du dich unterlegen fühlst und sie samt ihren Lehren zu brauchen beginnst, damit du abhängig wirst von ihrem eigenen illusionären Mangel an innerem Licht, und sie damit ihr Ego und ihre Bank befriedigen können.

Ich versichere dir, ein wahrer Meister muss seine Erleuchtung nicht durch Showeinlagen deklarieren – sie ist offensichtlich und deutlich spürbar. Dazu ist keine theatralisch-suggestive Demonstration nötig. Ein wahrer Meister ist total lebendig. Er kennt die Höhen und Tiefen des Daseins und gibt sich diesen hin. Er weint und lacht. Er hat Sex und liebt das Feiern. Er tanzt ausgelassen wie ein Kind im Regen. Er weint vor Ergriffenheit beim Anblick der Schönheit einer Blüte. Er kann zornig wie ein Gewittersturm oder sanft sein wie der Wind im Mai. Ein Meister macht dich niemals von seiner Lehre abhängig – er macht dich vielmehr frei von allen Lehren, ganz besonders von seiner eigenen.

Ich stelle mir selbst nicht die Frage nach meiner Erleuchtung oder einer möglichen Meisterschaft, denn ich bin voll und ganz damit beschäftigt, lebendig zu sein. Ich bin so sehr am Leben, dass ich keine Zeit habe, mir solche Fragen zu stellen. Ich lebe mein Leben total und das reicht vollkommen aus. Ein totales Leben ist ein Leben in Erleuchtung. Wer sein Leben jeden Augenblick in aller Totalität lebt, der ist ein Meister.

Für mich ist zum Beispiel eine Schneeflocke erleuchtet. Ihre herrliche Erscheinung ist so zart, so vergänglich, so kurzlebig und zerbrechlich in ihrer wunderbaren Einzigartigkeit, dass man, wenn man sie mit allen Sinnen wahrnimmt, von ihr alles, aber absolut alles, über das Universum und das Leben lernen kann. Eine Schneeflocke ist ein erleuchteter Meister; vor allem aber ist sie das, was sie am besten kann – voll und ganz eine Schneeflocke. Es ergeben sich in ihrem Dasein keinerlei Fragen. Sie ist für sich gesehen die beste Schneeflocke, die jemals existiert hat, und selbst wenn ihre Existenz nur einen einzigen Augenblick währt, so ist dieser Augenblick ein Augenblick vollkommener Meisterschaft.
Als Zehnjähriger wurde mir bewusst, dass das Leben als Mensch wie diese Schneeflocke ist – einzigartig, herrlich und vergänglich.

Ein wahrlich spiritueller Mensch verschwendet keinen einzigen Gedanken an seine Erleuchtung, noch sucht oder strebt er danach – ein wahrlich spiritueller Mensch ist einfach voll am Leben. Er ist voll und ganz damit befasst, im Hier und Jetzt zu sein. Er lebt sein Leben total. Er gibt sich jedem Auf und jedem Ab, aller Freude, allem Leid, aller Lust und allem Schmerz voll und ganz hin. Da bleibt kein Raum und keine Zeit mehr, sich nach der Erleuchtung oder Meisterschaft zu fragen.

Du sehnst dich nach Erleuchtung, ja du kämpfst und buhlst regelrecht um das, was du für Erleuchtung hältst, ehrgeizig, ganz und gar konform mit dem Leistungsdenken deiner Gesellschaft – doch warum tust du das? Warum möchtest du erleuchtet sein, wenn du noch nicht einmal weißt, was Erleuchtung ist? Du hast gar keine Ahnung, was Erleuchtung ist. Niemand kann sie dir erklären, bevor du sie nicht für dich selbst erlangt hast.
– Man hat dir jedoch Erleuchtung versprochen, wenn du dieses oder jenes tust, wenn du auf diese oder jene spezielle Weise lebst; und das tust du dann auch in der Hoffnung, dadurch die Erleuchtung zu erlangen, aber du weißt gar nicht, warum du das alles tust.

Nun stelle ich dich vor eine Herausforderung: Gut! Angenommen, du wärst jetzt in diesem Augenblick erleuchtet, ein Meister – was wäre dann? Und vor allem – was kommt danach?
– Das hat dir noch keiner gesagt; und auch du hast noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, was danach geschieht, weil es dir in Wirklichkeit gar nicht um Erleuchtung, sondern um Überlegenheit geht. Du glaubst, durch das, was du für Erleuchtung hältst, endlich überlegen und von aller Angst und jedem Leid befreit zu sein, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich da gewaltig täuscht. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst, denn Erleuchtung ist kein statischer Zustand – Erleuchtung ist ein beweglicher, individueller Prozess; ein ewiger, endloser Prozess.

Ich sage dir, solange du dich nach Erleuchtung sehnst, wird sie für dich nicht eintreten. Solange du dich oder andere nach einer Meisterschaft fragst oder beurteilst, wirst du die deine nicht erlangen, denn wenn du Zeit hast, solche Fragen zu stellen, dann lebst du noch nicht voll und ganz im Hier und Jetzt, dann lebst du dein Leben noch nicht total genug, dann bist du noch nicht total lebendig.

Erlange zunächst einmal den Zustand des total lebendigen Seins im Hier und Jetzt mit all seinen Widersprüchlichkeiten, die es in ihrem vollen Ausmaß zu akzeptieren gilt, und du wirst niemals mehr einen einzigen Gedanken an Erleuchtung oder Meisterschaft verschwenden.
Vor der Erleuchtung, vor der Meisterschaft, kommt das völlige Loslassen des Wunsches danach.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce