Seelenpartner?


Buddha sagte „Bist du bereit, sind es die Dinge auch!“ und manchmal fühlst du dich zwar bereit, bist es aber in Wirklichkeit noch nicht. Gerade in Beziehungsfragen ist der Mensch ein Meister darin, sich selbst zu täuschen. Er hat noch nicht einmal die letzte Begegnung psychisch abgeschlossen, wähnt sich aber schon bereit für die kommende. Und so stürzt er sich mit all den alten Verletzungen und Enttäuschungen von einer Beziehung in die nächste. Dadurch hofft er, es könne der neue Partner das ordnen, was durch vergangene Partnerschaften in Unordnung geraten ist.
Ohne zu bemerken, dass du dich immer tiefer in einer Abwärtsspirale befindest, die zwangsläufig zu erneuter Frustration führen muss, fliegst du von einer Blüte zu nächsten, obwohl deren Nektar von Mal zu Mal bitterer schmeckt. Ähnlich einer Biene, deren Beinchen von Blütenstaub der Zwischenmenschlichkeit so schwer geworden sind, dass sie kaum noch fliegen kann. Sie summt mit aller Kraft, zappelt und ächzt, kommt aber nicht mehr in die Höhe. Sie trägt einfach zu viel mit sich – Höhenflug ausgeschlossen!

Auch du bist voller altem Ballast. Du blutest aus unzähligen Wunden. Du trägst Enttäuschung, Verletzung und Schmerz mit dir. Dein Herz ist verschlossen. Und auch dein neuer Partner ist voller altem Ballast, blutet aus unzähligen Wunden, trägt Enttäuschung, Verletzung und Schmerz in sich. Sein Herz ist verschlossen. So begegnet ihr einander als Bedürftige, die voneinander erwarten, durch die Bedürftigkeit aus der Bedürftigkeit gerettet zu werden. Ihr verliebt euch zwar, gebt euch dem Taumel dieses Rausches aus körpereigenen Drogen hin, innerlich aber seid ihr weder gelöst noch frei noch bereit. Ihr seid auf psychischer Ebene weder heil noch offen. Und sobald der Taumel der Verliebtheit nachlässt, wundert ihr euch, weshalb es mit euch beiden nicht besser klappt, als mit euren vorherigen Partnern. Solange ihr voller Enttäuschungen, Verletzungen, Bedürftigkeit und Idealvorstellungen seid, solange ist euer Herz verschlossen. Und solange euer Herz verschlossen ist, werdet ihr auch niemals erfüllt lieben können.

Zudem sind viele von euch auf Seelenebene sogar Vertraglich an jemand anderen gebunden, weil ihr irgendwann in einem Anfall von Sentimentalität geschworen hattet, irgendeinen bestimmten Menschen aus eurer Vergangenheit für immer zu lieben – nur diesen einen und niemals wieder einen anderen! Weil sich diese Liebe zu dieser bestimmten Person nicht erfüllt hat und ihr nicht loslassen wollt oder könnt, glaubt ihr nun, diese Person wäre euer Seelenpartner. Schließlich habt ihr darüber schon so viel gelesen und gehört. Man hat euch allerhand Schwachsinn darüber erzählt, den ihr aus Mangel an echtem Wissen für wahr erachtet habt. Vor allem hat man euch gesagt, dass eine Liebe, die ihr nicht loslassen könnt oder wollt, wahrscheinlich euer Seelenpartner sein muss. Und je schwieriger und unmöglicher diese Begegnung für beide Seiten war, desto fester sollt ihr daran glauben, dass es sich um den Seelenpartner handelt – so klingt das, was man euch diesbezüglich beigebracht hat.

– Das aber ist totaler Schwachsinn! Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht gelernt hast, alleine zu sein. Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht all den alten Ballast losgeworden bist, die alten Wunden akzeptiert und sämtliche Seelenverträge gekündigt hast. Solange du nicht losgelassen hast und aus Bedürftigkeit von einer Beziehung in die nächste schlitterst, wirst du dein Leben lang auf deinen Seelen- oder Lebenspartner warten. Solange du verwundet, enttäuscht, beladen und bedürftig bist, solange bist du nicht bereit. Du bist erst dann bereit für den Seelenpartner, wenn du alle Erwartungen an ihn und sogar ihn selbst losgelassen hast, obwohl er noch gar nicht da ist. Erst dann, wenn du akzeptiert hast, dass der Seelenpartner noch nicht aufgetaucht ist, weil du bisher einfach nicht bereit warst, erst dann wird er auftauchen. Akzeptiere, dass der Seelenpartner schon längst bei dir wäre, wenn du bisher bereit gewesen wärst. Da er aber noch nicht an deiner Seite ist, musst du dir eingestehen, dass du noch nicht bereit bist. Denn wie Buddha schon sagte, sind die Dinge erst dann bereit, wenn du es auch bist.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Zum Kern der Liebe


„Eine erfüllte Partnerschaft symbolisiert die endlose Reise zum Kern der Liebe – mit jedem Schritt durch den ihr tiefer in euch vordringt, rückt dieser Kern ein Stück von euch ab, obwohl das Maß eurer Liebesfähigkeit um das Maß dieses Schrittes steigt, ähnlich dem Horizont, den ihr niemals erreichen werdet, weil auch er mit jedem neuen Schritt um exakt diesen Schritt von euch abrückt. So bleibt die Reise zwar nicht ziellos aber doch ohne Ende.
Und in Wahrheit ist es vollkommen egal wohin ihr reist auf diesem unendlichen Wege – da wo ihr beide seid, da ist immer Zuhause.“
– der Andersmensch © 2016

Mr & Mrs Andersmensch senden hiermit allen Fans liebe Grüße aus dem Urlaub sowie eine wundervolle Wanderung zum Kern der Liebe.

 

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Nini & Dave © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Partnerschaft als Feld der Entwicklung


Eine fruchtbare Partnerschaft ist keine Sache, die du irgendwann im Rausche der Verliebtheit beginnst und die dann ganz von selbst zu laufen hat – eine fruchtbare Partnerschaft erfordert kontinuierliche Arbeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und die aufrichtige Absicht zur Liebe. Dazu gehört auch der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen, manchmal persönlichen Eigendünkel und eigene Bedürfnisse hintanzustellen, sowie Verletzlichkeit zuzulassen. Und ihr braucht Ziele.
Wenn ihr eine Partnerschaft anstrebt, die auch noch nach Jahren rockt, dann müsst ihr bereit sein, Verletzungen hinzunehmen und miteinander Räume der Heilung und des Wachstums zu eröffnen. Ihr müsst lernen, Konflikte nicht als Niederlagen sondern als Felder der Entwicklung zu erkennen.
Erarbeitet euch gemeinsame, klar definierte Regeln und setzt euch realistische Ziele. Legt Konsequenzen fest, die auf Regelverstöße folgen und verliert dabei die Ziele nicht aus den Augen.
Stellt euch offen Fragen:

• Wie tief wollen wir uns aufeinander einlassen?
• Wohin wollen wir zusammen?
• Was können wir gemeinsam und was kann jeder für sich selbst tun, damit wir einander als Bereicherung dienen?
• In welchen Gesichtspunkten kann ich dich und wo kannst du mich unterstützen, damit es uns als Paar aber auch als Individuen gut geht?
• Welches Verhältnis von Nähe und Distanz ist eines, das uns beiden Erfüllung bringt?
• Schenken wir einander ausreichend Raum für unsere Partnerschaft und gewähren wir einander auch Räume des Rückzugs?
• Welche Eigenschaften schätze ich an dir, welche schätzt du an mir, und welche Unterschiede unseres Wesens haben wir bisher nicht als gegenseitige Ergänzung betrachten können?
• In welchen Aspekten unserer Partnerschaft kann ich selbst meine Liebesfähigkeit noch erweitern?

– Wenn ihr eure Partnerschaft nicht als einen Selbstläufer oder als Quelle egoistischer Bedürfnisbefriedigung betrachtet, sondern als ein gemeinsames Feld der Entfaltung, an dem ihr beide zu arbeiten habt, um progressive Bewusstwerdung und Erfüllung zu erfahren, dann werdet ihr erkennen, dass sie lebendig, fruchtbar und heilig bleibt, denn ihr habt einander nicht zufällig gefunden – ihr habt eine gemeinsame Bestimmung und die bedeutet: Entwicklung!
Akzeptiere: Das übergeordnete Ziel einer jeden Partnerschaft, einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung, ist nicht Glück, sondern Bewusstwerdung. Glück darf dabei als Nebenprodukt entstehen, aber es kann niemals als Hauptziel dienen, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Raffael Pauswek/Projekt 21 © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

In deine Hände


Von deinen Händen träumte ich.
Sie webten mir ein Kleid aus Zärtlichkeit.
In deinen Händen schlief ich heute Nacht.
Wie ein Baby lag ich darin,
sicher und warm,
gewogen nach meiner Seele,
nicht nach meinen Taten.
Getragen von deinen Händen war ich,
schlingernd wie ein Korken auf hoher See
in einem Ozean von Liebkosungen.
Deine Händen ruhten auf mir,
auf meiner Brust,
meiner Stirn und meinem Schoß.
Deine Hände schrieben Namen
aus verstaubten Leben über meine Haut,
sie waren Sternenzeit und Unendlichkeit.
Von deinen Händen träumte ich,
als Tor in neue Welten.
Deine Hände waren heut Nacht mein Quell,
meine Ankunft und Heimat,
Nahrung meines Verlangens,
Festung und endlose Weite.
Von deinen Händen träumte ich heut Nacht.
Über den Tag hinweg fühle ich sie noch,
als wären sie unter dem Mantel,
unter den Schichten meiner Person.
Und wenn ich nachts falle,
falle ich in deine Hände.
In deine allein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

An dich, Frau



Es ist mitten in der Nacht. Im Studio wälzen sich Bässe aus den Boxen, die Kopfhörer längst verwachsen mit meinen glühenden Ohren und ich habe sogar noch etwas Blut im Kaffee, der durch meine Venen fließt. Es ist mitten in der Nacht. Und ich habe gerade zärtlich an dich gedacht. An die Art, wie du so bist und wie du mich siehst. Leise hab ich deinen Namen ausgesprochen, fast so, als wärs das erste Mal. Damit wurde mir klar, ich trage dich öfter bei mir als ich dir und mir eingestehe.
Ich mache noch einen Schluck vom kalten Kaffee, equalize zart am Klang eines Beckenschlags rum, aber eigentlich equalize ich in meinem Innersten auch an meinen Gefühlen für dich rum.
Frische Luft täte uns gut, flüstere ich und meine damit nicht nur mich und meine Musik, daher trete ich ans Fenster, blicke über die schlafende Stadt, zähle die Lichter als wären es Sterne und fühle mich hier gar nicht mehr zuhause.
Etwas von mir strebt beständig zu dir. Im Moment sind es meine Gedanken, die unsere letzten Gespräche wiederholen.
„Du schreibst doch gerne für viele Frauen Gedichte“, sagtest du.
Und ich antwortete dir nicht, doch ich tue es jetzt, auf diesem Wege: Ja, ich schreibe für manche Frauen Gedichte, aber ich schreibe nicht für jede gleich. An der Art, wie sehr dich ein Gedicht berührt, wirst du erkennen, ob es für dich verfasst wurde oder nicht. Und weißt du, in all meinen Gedichten stecken Wölfe, nur in jenen an dich, darin sind keine zu finden. Weil du mir Zeit lässt. Weil du mich nicht drängst. Weil du an mich glaubst und mir vertraust. Weil du den geraden, offenen Weg zu meinem Herzen wählst. Daher stecken in den Worten an dich niemals Wölfe.
„Es verehren dich so viele Frauen!“ brachteste du vor und ich lächelte bloß still, doch ich will dir jetzt antworten, auf diesem Wege: Ja, ich würde lügen, wenn ich bestreiten wollte, dass eine schwer überschaubare Zahl an Frauen hinter mir her ist. Aber ich bin weder Freiwild noch ein junger Mann, der jagen möchte – ich bin ein Silberrücken und müde genug, um mir ein Nest zu bauen mit der Frau, die meine Seele sieht, die sie so annimmt, wie sie ist.
Und das Wundervolle an diesem Moment, mitten in der Nacht, ist meine Erinnerung an unseren Umgang miteinander:
„Wie wirst du mit meinen Wunden leben?“ fragte ich dich.
„Indem ich dir keine neuen schlage“, sagtest du.
„Wie wirst du mit den Lügen deiner Vorgängerinnen klarkommen?“ wollte ich wissen.
„Indem ich sie durch Aufrichtigkeit tilge“, gabst du zur Antwort.
„Was sollen wir mit meinen Zweifeln tun?“
„Ich heile deinen Glauben!“ kam aus deinem Mund.
„Und meine zerstören Luftschlösser – was soll ich mit den Trümmern tun?“ interessierte mich.
„Wir errichten uns daraus neue!“ lächeltest du.
„Aber meine ungestüme Liebe, wie willst du die ertragen?“
„Die wird mit der Meinen tanzen!“ drang aus deinem Mund.
Und so sitze ich hier im Studio, mitten in der Nacht, habe gerade zärtlich an dich gedacht, finde mich umgeben von Kaffeetassen und vollen Aschenbechern, equalize am Klang eines Beckenschlags und an meinen Gefühlen für dich rum. Eine Empfindung der Dankbarkeit klettert auf meinen Schoß und kriecht in mein Herz. Und mir wird klar: Frau, ich habe begonnen, dich zu lieben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Der Zauber und die Kraft der Muse (von Jasmin Sady T)


Wie so oft teilte ich gestern einen der zahlreichen Texte meines Mannes, den die meisten wohl unter dem Namen „Der Andersmensch“ kennen, auf meiner eigenen Künstler-Seite. Darauf gab es seitens der Leserschaft natürlich wieder ganz viele liebevolle Kommentare und schönes Feedback bezüglich der Poesie in besagtem Text. Poesie für die mein wundervoller Mann ja hinlänglich bekannt ist. Ohne viel darüber nachzudenken und wohl auch eher scherzhaft, antwortete ich auf einen der Leserkommentare folgendes:

„Ja, mein Mann ist der Poet von uns beiden. Er schreibt das alles so wunderschön. Ich bemühe mich, aber irgendwie sind meine eigenen Gedichte immer nur ein gut gemeinter Versuch. Aber ich glaube, dafür bin ich als Muse ganz passabel.“

Darauf kamen einige lieb gemeinte Leserkommentare, die sinngemäß auszudrücken versuchten, ich solle mein Licht doch nicht unter den Scheffel stellen, denn ich sei mehr als „bloß“ eine Muse. Mir ist durchaus klar, was man mir damit sagen wollte und ich freue mich außerordentlich über die große Wertschätzung, die mir meiner Follower entgegenbringen. Und sie haben ja auch absolut Recht. Man braucht sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Stelle ich als Muse also mein Licht unter den Scheffel?

Hm… Bislang fand ich mich in der Rolle als die Muse meines Mannes eigentlich ziemlich gut platziert. Aber ich konnte nicht umhin, mir Gedanken zu machen, ob es nun vielleicht doch nicht so gut sei, die Muse für jemand zu sein, und ob mich das als Mensch, Frau und bescheidene Künstlerin eventuell doch abwerten würde.

Also habe ich mich ganz im Ernst mal schlau gemacht über den Begriff „Muse“, den ich eher locker und mit dem, was über Musen aus dem Schulunterricht noch so in Erinnergung geblieben ist, immer wieder gerne mal verwendet hatte. Ich wollte mir diesen Begriff einfach nochmals zur Brust nehmen. Könnte ja sein, dass ich ihn bislang fälschlich verstanden und verwendet hatte. Wikipedia definiert „Muse“ folgendermaßen:

[ …Eine Muse ist eine Person, die einen anderen Menschen zu kreativen Leistungen anspornt oder inspiriert. Oft finden sich Musen – Frauen und Männer – im Umfeld von Künstlern und Künstlerinnen.

Musen werden seit der Antike als göttliche oder genialische Inspirationsquelle für Künstler genannt (Musenkuss; von der Muse geküsst). Ursprung ist die antike Vorstellung, dass Ideen sich nicht von selbst entwickeln, sondern von Göttern (oder eben Musen) von außen eingegeben werden.

Der Begriff Muse geht auf die Musen in der griechischen Mythologie zurück. In der antiken Mythologie sind die Musen Quellnymphen – neun Schwestern, die vom griechischen Vatergott Zeus mit der Quellgöttin Mnemosyne (Göttin der Erinnerung) gezeugt wurden. Die Musen gesellen sich um Apoll, den Gott der schönen Künste, der sie dirigiert und mit ihnen auf dem griechischen Berg Helikon dem Zeus huldigt.

In der Neuzeit begann man, auch tatsächliche Personen als Musen zu bezeichnen, – meist Freundinnen von Künstlern, vereinzelt auch Männer. Musen inspirieren durch ihren Charakter, ihre Ausstrahlung, ihre menschliche Zuwendung, durch eine erotische Beziehung.

Einige dieser als Musen wirkenden Frauen, die häufig auch selber Ruhm als angesehene Künstlerinnen erlangten, sind in die Geschichte eingegangen – so beispielsweise Mathilde Wesendonck, Youki Foujita-Desnos, Charlotte von Stein, Amanda Lear, Dora Maar, Alma Mahler-Werfel, Marietta di Monaco, Emmy Hennings, Camille Claudel, Gala Éluard Dalí, Jeanne-Claude, Edie Sedgwick, Lotti Huber und Anita Pallenberg.
Auch die Düsseldorfer Künstlerin Milo Moiré wirkt sowohl in Form von selbstschaffender Kunst als auch als Muse des Künstlers Peter H. Hergarten… ]

– So die allgemein gültige Definition dazu, was eine Muse ist. Und wenn ich mir das anhand dieser so recht überlege, finde ich es schon sehr geil, mich selbst als Muse zu sehen.

Es ist ganz einfach unbestritten, mein Mann ist ein wahrer Poet, ein Wortmagier. Da reichen meine eigenen bescheidenen Dichtversuche niemals ran. Und das sollen und müssen sie auch gar nicht. Ich war ja bereits jahrelang in die Werke dieses Menschen verliebt, bevor ich ihn überhaupt persönlich kennenlernen durfte. Gäbe es diese Werke nicht, gäbe es ihn und mich wohl auch nicht als Paar. Da haben wir schon mal einen großen, sich in der Praxis offenbarenden Zauber. Einen Zauber, den früher vielleicht eine andere Muse in ihm bewirkt hat. Heute bin ich seine Muse und er ist mein Mann. Aber selbst wenn er nicht mein Mann wäre, würde ich ihn als einen der vielversprechendsten Dichter und Autoren des neuen Jahrtausends sehen. Er ist einfach genial. Und er hat durch seine Schriften nicht nur mein Herz, meine Seele, mein Leben berührt und verändert, sondern auch das von vielen, vielen tausend anderen ebenso. Das ist ein schönes, aber auch seltenes Talent. Ich bin zwar durchaus eine Träumerin, die gerne und häufig nach den Sternen greift, aber noch realistisch genug, mich nicht in dieser Liga einordnen zu wollen. Ehre, wem Ehre gebürt!

Daher finde ich es wunderbar, die Muse eines solch großartigen Menschen und Künstlers sein zu dürfen. Ich verleihe seinen Werken sozusagen ein zusätzliches Paar Flügel! Das wertet mich aus meiner Sicht nicht im Geringsten als Mensch, Frau und Künstlerin ab. Ganz im Gegenteil, es macht mich zum Ornament eines gößeren Ganzen. Es macht mich zum Teil seiner Werke, seines Schaffens. Und es macht mich stolz, dieser Teil sein zu dürfen.

Abgesehen davon, ist es doch ganz allgemein meist so, einer in der Beziehung ist eher der kreativere, der andere gerne seine Inspiration, und dabei muss es sich nicht immer um Kunst oder ähnliches handeln. Es kann sich ja durchaus auch beim Kochen, bei der Kindererziehung, dem Geschäft oder in der Sexualität ähnlich verhalten, weil sich Inspiration nicht nur auf künstlerische Aspekte bezieht. Ich denke, der Idealfall ist so, dass einer die Ideen hat und der andere ist spitze darin, sie umzusetzen. Liebe inspiriert. Liebe verleiht beiden Seelen ein gemeinsames Paar herrlicher Flügel.

Und man sagt ja nicht umsonst: Hinter jedem großartigen Mann steht eine großartige Frau und umgekehrt. Wenn zwei Menschen in idealer Konstellation zusammenfinden, wenn sie sich gegenseitig zu fördern und zu ergänzen wissen, wenn sie sich Kraft schenken, anstatt sie sich zu rauben, ist das Ergebnis immer etwas Großartiges. Entweder entstehen dadurch großartige Kinder oder großartige Werke. Wenn Muse zu Apoll und Apoll zur Muse findet in Liebe, ist das, was dabei entsteht, wunderschöne Inspiration.

Unterm Strich bin ich also dankbar und höchst erfreut, diese Frau, diese Muse sein zu dürfen. Und als nächstes werde ich in der Rolle dieser Muse diesen Mann dazu anstiften, endlich damit zu beginnen, die Bücher zu schreiben, vor denen er sich seit Jahren erfolgreich drückt, weil er das Lesen von Büchern für sich selbst vor langer Zeit aufgegeben hat und daher meint, es wäre unehrlich, dann selbst welche zu schreiben. Aber ich weiß, es warten schon viele, viele Menschen darauf. Ich bin einer davon!
Und ich bin eine Muse, eine Ideenempfängerin!
Ich liebe, ich beflügle, ich inspiriere. Das ist mein Zauber… Und das ist etwas sehr, sehr Schönes, etwas sehr Wertvolles!
Ich schätze, es gibt viele Menschen, die verborgene Talente besitzen, und viele Menschen, die Musen sind, aber es vielleicht gar nicht wissen. Ich wünsche jeder Muse ihren Apoll und jedem Apoll seine Muse! Denn Liebe inspiriert immer noch am schönsten. Kein Werk wird großartig, ohne die Inspiration durch Liebe. Und dafür gibt es uns, die liebenden Musen…

– Jasmin Sady T
(https://www.facebook.com/jasmin.sady.t)

© 2015 text by Jasmin Sady T. Bild und Grafik © 2015 by alphawolf. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Liebe als Rebellion


Die Unfähigkeit anderer, deine Liebe wahrzunehmen oder sie zu erwidern, ist nicht deine Schwäche, nicht dein Versagen – es ist das ihre. Menschen, die selbst unfähig zur Liebe sind, werden den Liebenden immer als verrückt wahrnehmen. Sie werden sich erhaben über diesen Menschen, über seine vermeintliche Schwäche fühlen und ihn belächeln, um nach seinem Tode davon zu faseln, was er doch für ein großartiger Mensch war, ohne jedoch wirklich erkannt zu haben, woraus seine Großartigkeit bestand. Eine solch verklärte Wahrnehmung, dieser Mangel an Liebesfähigkeit, ist die größte Armut unter der ein Mensch überhaupt leiden kann. Fast die ganze Welt hungert und dürstet in dieser Form der Armut; und wenn du heute in einen Bus mit 100 Fahrgästen einsteigst, ist es wahrscheinlich so, dass du der einzige unter ihnen sein wirst, der wirklich lieben kann. Das ist die Welt, in die du geworfen wurdest wie ein Juwel unter Kieselsteine, wie eine Kerzenflamme in eine dunkle Konzerthalle. Das ist das Schicksal und die Bestimmung eines Liebenden auf Erden.
Was also kannst du tun in einer Welt, die zum Großteil von zur Liebe unfähigen Menschen bevölkert ist?
– Du kannst nichts weiter tun als so unbeugsam zu lieben wie es dir möglich ist. Deine Liebe mach zur stillen Rebellion gegen die Lieblosigkeit. Denn in einer lieblosen Welt ist deine Liebe das Licht für die Blinden. Sie ist das Brot und der Wein für die Hungernden und Dürstenden. Und wenn du dich manchmal einsam fühlst in deiner Liebe, dann wisse, du bist nicht allein – es gibt da draußen auch ein paar von deiner Art.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce