Finde zurück in ein zauberhaftes Leben


baby-girl01Je öfter ich dich damit konfrontiere, dass das Leben ein Mysterium ist, das weder verstanden werden muss noch verstanden werden kann, desto vehementer behauptet dein Ego, dass das Leben doch durchschaut werden könne. Ich aber bleibe dabei: Niemand wird das Leben jemals durchschauen, niemand wird jemals sein Mysterium restlos ergründen.

Doch warum willst du das Mysterium überhaupt durchschauen? Ist dir noch nicht bewusst geworden, dass jedes Geheimnis seinen Zauber verliert, sobald es gelüftet wurde? War deine Welt nicht wesentlich zauberhafter, als du den Weihnachtsmann noch für eine Realität gehalten, als die Feen, Elfen und Drachen deine Spielkameraden und ein schwarzer Panther dein Begleiter war? Warum willst du dem Leben allen Zauber stehlen?

– Weil du Angst hast! Weil deinem Ego alles Angst macht, was es nicht über den Verstand lösen kann. Weil dein Ego diese Angst braucht, weil es sich nur durch Angst am Leben erhalten kann. Ohne Angst löst sich das Ego auf und das Wahre Selbst tritt hervor. Das Ego aber will sich nicht auflösen zugunsten des Selbst, das Ich möchte nicht sterben – es weiß nämlich tief in sich drinnen, dass es in Wirklichkeit gar nicht existiert, und deshalb schafft es sich die Illusion des Verstehens, um vor allem Angst zu haben, was nicht verstanden werden kann. Sobald es etwas zu verstehen glaubt, fühlt es sich sicher.

Ich aber sage dir, dass du überhaupt nichts verstehst, weil es im Leben nicht ums Verstehen, sondern um das Erfahren geht. Um etwas zu erfahren, brauchst du es nicht zu verstehen – es reicht völlig aus, wenn du es erfährst. Du musst den Sonnenuntergang nicht verstehen, um seine Schönheit zu erfahren. Du musst das Rezept einer Speise nicht kennen, um sie köstlich zu finden. Du musst einen Menschen nicht verstehen, um ihn lieben zu können – es reicht völlig aus, dass es so ist.
Es ist absolut genug, eine Erfahrung total auszukosten, ohne sie zu analysieren – durch die Analyse zerstörst du die Magie der Erfahrung. Das ist so, als würde dir ein Zauberkünstler seine Tricks verraten – seine Zauberkunst verliert ihren ganzen Zauber, sie wird zur Profanität, und damit verschwindet die Faszination und auch die Freude an seiner Show. Ein Bühnenstück büßt seine Magie ein, sobald du weißt, was während der Vorstellung hinter der Bühne und in den Garderoben geschieht. Eine Dirne verliert ihren Reiz, wenn du sie bei Tageslicht siehst oder ein Foto von ihr in einer Schublade findest, das sie zeigt, als sie Neun war, wie ein Nachtclub, dessen Staub am Morgen beim Saubermachen in den Sonnenstrahlen tanzt.

Wenn ich dir sage, gelange jenseits aller Illusionen, dann meine ich damit: Bleibe im Zauber des Mysteriums und gib die Illusion des Verstehen-Könnens auf! Dein ganzes Leben wurde zu einer Profanität, zu einer kalten Fahrt durch eine farblose, monochrome Welt der Ratio. Es gibt keine Magie mehr in deinem Leben, es gibt keine Wunder mehr in deinem Leben – es gibt nur noch die leblose Komfortzone in den engen Grenzen dessen, was dein Ego behauptet, verstanden zu haben. Das, was du da in der Komfortzone deines Verstandes erfährst, ist mehr ein Tot-Sein, denn wahres Leben. Du bist einfach viel zu erwachsen geworden – deshalb empfindest du so wenig Freude, deshalb ist dein Leben so grau und ohne den lieblichen Geschmack bunter Fantasie; es hat sich zu einem Dasein ohne still akzeptierter Geheimnisse gewandelt.

Bleib im Zauber des Mysteriums und gib das Verstehen-Wollen, das Verstehen-Müssen zu jedem Preis auf – der Preis ist viel zu hoch, denn er kostet dich die wundervolle Magie des wahren Lebens. Wenn du das Mysterium zur Gänze als solches akzeptiert hast, hast du es endlich verstanden.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Eins vorwärts, Zwei zurück



Ich parke das Auto.
Der Motor ist heiß nach langer Fahrt,
doch ich bin kühl wie der Tag,
gefasst wie der Stein in einem Fingerring.

Den Wagen verlasse ich, unsicher,
ob ich an der richtigen Adresse bin.
Strahlende Februar-Sonne blendet mich,
als ich mich umsehe,
und schwärmt schon heimlich vom Frühling.
Das könnte die Heimat sein.

Das Erste,
was die Aufmerksamkeit fesselt,
ist Wasser,
herrlich klar und sicher besonders kalt.
Auf der Brücke halte ich inne,
um den Augenblick das Ankommens zu kosten.
Es ist mir nicht bewusst,
was mich hierher geführt hat.
– Das Wasser ist mir also im Vorteil in seiner Klarheit.
Vielleicht war es Neugier.

Jemand wartet auf mich,
dessen bin ich gewiss.
Ein dreister Wind möchte mir den Hut klauen.
Ich lache ihm verwegen ins Gesicht und halte den Hut.

Hier möchte mein Herz bleiben,
mein Hut scheinbar auch,
dabei hat mein Herz doch von anderen Orten geträumt,
an denen mein Hut niemals war.

Das Nächste,
was mir tief geht,
ist der Geruch nach Küche aus dem Orient.
Ich sitze bei Tisch mit einer wunderschönen Frau.
Liebe hat dieses köstliche Essen gekocht,
das dampft und von Fülle flüstert.

Es ist mir egal,
worüber wir sprechen,
es zählt bloß,
dass wir zusammen sind.
Ich suche die Magie in diesem Augenblick,
aber sie ist zu geradlinig,
kann deshalb nicht wahrgenommen werden,
aber sie ist da
– zwischen den Sonnenstrahlen und dem Fell der Katze,
die immerzu schläft,
sie ist da zwischen den Fenstern,
dem Licht ihrer Augen,
denn die Augen der Frau sind tief wie ein ganzes Meer,
sie ist da, die Magie,
sie lässt alles einfach erscheinen wie ein gehobeltes Fichtenbrett,
doch sie ist da.

Die Magie ist da,
als Schärfe des vegetarischen Essens
und als die Klänge von Enigma,
als die hellen Worte ihrer tiefen Stimme,
sie ist da, die Magie,
als ich ihre Hand nehme,
um sie zu begutachten,
weil es jene Hände sein werden,
die mich berühren sollen.

Sie ist da, die Magie,
weil es mir gleich ist,
wo und wie und wann und vor allem wie lange sie berühren,
diese Hände.

Auch am Morgen,
der mit einer neuen Sonne beginnt,
ist sie da, die Magie.
Sie ist der Duft des Kaffees
und der Klang einer schnurrenden Katze,
das Vertraute in einer fremden Umgebung
mit zwei Menschen,
die einander gar nicht fremd sind.
Die Magie ist ein Buch,
das ich gar nicht lesen möchte
in einer Badewanne,
in der ich liegen mag.

Da ist Magie,
die wir nicht sehen,
während wir durch den Schnee stapfen,
während wir einander lieben,
während wir Austausch pflegen,
während mein Wagen Kilometer um Kilometer frisst
am Weg heimwärts.

Als ich das Auto in meiner Heimatstadt parke,
weiß ich,
dass meine Heimat dort ist,
wo das Wasser zusammenfließt,
wo das Wasser sehr klar und gewiss sehr kalt ist.

Magie ruft mich,
den Weg erneut zu fahren…
Aber ich kann sie hier nicht finden,
die Magie,
die so schlicht ist wie ein Kreis aus Steinen.

Es ist immer noch der eine Schritt vorwärts
und die zwei Schritte zurück,
dieselbe alte, traurige Geschichte,
und dennoch bin ich angekommen.
– Wenn das nicht magisch ist?

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce