Die tote Generation


Manche Menschen sind wie ein altes, fesselndes Buch. Hast du erst einmal begonnen in ihnen zu Blättern, kannst du nicht mehr aufhören sie zu lesen. Du wirst regelrecht süchtig nach der Weisheit der Seele, die du auf jeder Seite, in jedem Absatz, in jeder Zeile findest.
Sie ist ein solcher Mensch. Daher fragt sie: „Wenn du mit mir eine Zeitreise machen könntest, in welche Epoche wolltest du?“
„Das kann ich dir sofort sagen – in die Goldenen 1920er!“
„Die 1920er? Was um Himmels Willen wollen wir denn da? Warum nicht ins alte Ägypten oder zu den antiken Griechen?“
Ich gieße ihr noch etwas Rotwein nach, französisch und nicht gerade billig, der Jahrgang war mir egal, daher findet er hier keine Erwähnung. Mir reicht der kalte Kaffee aus Kolumbien, dessen heimliche Bitterkeit hinter der Süße des braunen Zuckers Anlauf auf meine Geschmacksknospen nimmt.
„Weil es die 1920er in Paris wären, wo du und ich durch die Cafés und Bars streifen würden. Mein Arm läge um deine Hüfte, du im blauen Abendkleid und ich mit Hut. Wir träfen Hemingway, sturzbesoffen, aber prosaisch und tapfer. Zu Vollmond könnte ich mich sogar mit ihm prügeln, um hinterher keuchend und blutend, doch geil und gespannt zu lauschen, wenn er von Afrika erzählt, und eifersüchtig werden, weil du auf seine Männlichkeit so sehr abfährst. Vielleicht gesellte sich sogar Miró zu uns oder Dalí, schwärmend über die Form des Rhinozeros. Ich würde Picasso an den Tisch bitten, denn seine Auffassung, man solle mit Frauen entweder schlafen oder sie malen, gefiel mir immer schon. Und wenn ich Glück hätte, denn so war das damals, würde mir Ernest anbieten, meine Schreibe Gertrude Stein vorzulegen, die nicht nur einmal seine Ergüsse und damit auch ihn als Schriftsteller gerettet hat. Vielleicht wären wir Gast im Hause eines damals noch unbekannten Filmemachers bei einem Abstecher nach Troyes. Wieder zurück in Paris würden wir mit James Joyce diskutieren, im Moulin Rouge Champagner schlürfen, Man Ray am Nebentisch zuwinken und an der Seine durch den Regen wanken, wo ich im passenden Moment, begleitet von der Musik Cole Porters, unter einer Brücke den Ring zücke, mit dem ich um deine Hand anhalten würde und mich dabei verhaspeln, obwohl ich die Sätze sicher 1921 mal zuvor im Geiste geübt hätte. Und du würdest wissen, es ist nicht nur deine Hand, die ich will, es wären auch die beinahe surrealen Schwünge deines Hinterns, deiner Brüste und deiner Nase, die ich ebenso romantisch lieben würde wie die silbrige Lyrik deiner Seele, wie die scharfen Klingen deines Intellekts und deine zarten Nylons um unser Bett verstreut als wären es Relikte eines Armageddons unserer Lust. Es wären zweifelsohne die Goldenen Zwanziger des vergangenen Jahrtausends, wo ich mit dir hin wollte, in jene Zeit, als das Rauchen von Zigaretten noch als gesund galt und Kokain als Medizin, als Kunst noch Kunst, als Krieg noch Krieg und Frieden noch Frieden war. Damals waren viele Menschen wie ein altes, fesselndes Buch. Hattest du erst einmal begonnen in ihnen zu Blättern, konntest du nicht mehr aufhören sie zu lesen. Du wurdest regelrecht süchtig nach der Weisheit, nach der Verzweiflung der Seele, die du auf jeder Seite, in jedem Absatz, in jeder Zeile fandest.
Heute hingegen, da sind die Menschen wie die BILD – von außen bunt und voller Farbe, erdrückende Schlagzeilen, marktschreierisch und vielversprechend, aber innerlich durchtränkt von dumpfer Lüge, monochrom im Denken und im Empfinden tot. Ich wäre lieber Teil der ‚Verlorenen Generation‘ als Teil der ‚Toten Generation‘. Deshalb würde ich mit dir dahin reisen, in die Goldenen 1920er, bevor uns die Wogen des letzten Krieges der Menschheit für immer vom Erdboden spülen und mein atomar verkohlter Arm, geschlungen um deine blaue, tote Hüfte, als mein finales Gedicht an dich von niemand mehr gelesen würde.“

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Angekommen


mask01Ich fand Heimat in deinen Augen, die Welt in deinem Gesicht.
Augen, die blieben, ein Gesicht, das mich liebte.
Und dann wischte ich nach langer Zeit den Spiegel wieder blank.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Nicht mehr als das



Dein Körper gegossen an den meinen,
im selben Rhythmus der Atem
macht aus uns beiden eins.
Das ist alles, was sein will.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Deine Hand gepresst an meine Brust,
ganz zart, sehr warm,
die Brust ist hart, vom Sommer braun,
das Herz pulst weich,
sein Schlag so ruhig und angekommen,
und wir fragen nicht,
ist es dein Herz, ist es meins.
Wir teilen es, so ist es ganz.
Das ist alles, was sein soll.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

In deine Augen tauche ich,
und du in meine,
bis mir die Luft ausgeht,
die du noch atmest
und mir wiedergibst
in einer Ewigkeit.

Wir sprechen nicht und tun es doch.
Du sagst nichts und alles,
schreibst mir mit den Fingern auf die Haut
vom geheimen Fortgang der Geschichte.
Und ich sage nichts und mehr als das,
schweige dir mit meinen Lippen auf den Mund,
was mein Verlangen nach dir schreit.
Das ist alles, was sein muss.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Keine Uhr tickt hier noch heimlich weiter,
die Welt hat endlich angehalten,
weil du bist ich geworden und ich bin du,
da tropft die Zeit nicht mehr verloren
durch flache Zwischenräume
jener ewig langen Augenblicke.
Nur noch eine Seele umspannt das Jetzt,
geteilt war sie zu lange – doch nun nicht mehr.
Das ist alles, was sein darf.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Du und ich in einem Raum,
du und ich in einer Zeit,
das ist alles,
was sein will,
sein soll,
sein muss,
sein darf.
Du und ich – nicht mehr, nur das.
Nicht mehr als das.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Deine wahren Farben


beauty132Ich sehe die wahren Farben deiner Seele – sie scheinen mir spiegelverkehrt zu den meinen.
Das gibt mir ein Gefühl, als bilde sich aus dem Regenbogen ein Regenkreis, als würden hier zwei Bruchstücke ein Ganzes.
Ich sehe die wahren Farben deiner Seele – ich kann mich für keine davon als meine liebste entscheiden.
Das macht mich zufrieden lächelnd, denn es lässt eine Sache richtig erscheinen, so als ginge ein Schiff im Zielhafen vor Anker, als käme ein Zug im rechten Moment an.
Ich sehe die wahren Farben deiner Seele – das aber ist nicht der Grund für meinen veränderten Fokus, denn es gibt da ein Spektrum deines Wesens, welches mir völlig unsichtbar ist. Dort will ich hin, das mag ich entdecken.
Deshalb lernen meine Augen für dich neu zu sehen, damit möchte ich dir schenken, was dir noch nie jemand gab – ich möchte dich betrachten, wie ein Geburtsblinder, der plötzlich über Sehkraft verfügt. Ich will dich ansehen, als hätte dies noch kein Mensch jemals zuvor getan.
Dein Name wird unwichtig und auch die Geschichte, die du ins Buch deines Lebens schriebst, verschwindet in der Klärung – ich sehe die wahren Farben deiner Seele, weil ich alle anderen Farben vergessen habe.
Ich sehe die wahren Farben deiner Seele und erkenne: Es sind auch die meinen.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Andersliebe



Du kommst mir mit den Spielen, die ich nicht mehr spiele.
Du nutzt deine Liebe zur Macht, statt deine Macht zur Liebe.
Du willst besitzen, was niemals dein sein wird.
Du möchtest den wilden Geist, der ich bin, in eine Flasche tun und ihn schluckweise verbrauchen, doch du kannst mich nur als Wasserfall bekommen.
Du kannst mich aufsuchen, dich in meinen kühlen Regen stellen, deine Seele dort reinwaschen, deinen Durst nach Leben stillen, aber du kannst mich niemals besitzen.
Du kannst mich deuten wie die Wolken am Himmel, aber du wirst mir keine klare Form verpassen.
Du kannst nach meiner Hand greifen, die ich halten werde, bis du wieder gehst.
Ich werde weinen, wenn du gehst, aber ich werde dich nicht einsperren in einen Garten, der hohe Mauern braucht, damit ich mich deiner Liebe sicher fühle.
Du kannst mein Herz hören, wie es schlägt, wenn du mir ganz nahe bist, aber sein Pochen wirst du niemals in einen Sack stecken und mit dir nehmen.
Du musst schon an meiner Seite verweilen, wenn du mich ganz haben möchtest.
Du kannst mir keinen Namen geben, weil ich nicht an Namen glaube, aber ich folge dem Ruf eines aufrichtigen Herzens.
Das ist der Name, auf den mein Herz hört.
Es ist ein klangloser Name.
Es ist ein Name, den deine Augen sprechen müssen.
Es ist ein Name, den dein Herz brennen muss.
Es ist ein Name, den die Liebe flüstert, ohne ein Wort zu gebrauchen.
Das kann ich für dich sein, aber niemals weniger – ein Hafen für deine Lebensschiffe.
Ein Leuchtturm für deine Träume.
Eine Umarmung für deinen Schmerz.
Ein Freund in der Nacht, der dich findet, egal, wo du bist.
Einer, der nicht redet über deine Schwächen, weil sie das sind, was ich sehen möchte – dich in deinem Schatten, in all deinem Lichte.
Und anders wirst auch du mich nicht sehen können, denn ich bin unsichtbar.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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