Endgipfel


Wenn der Wanderer lange genug gewandert,
der Weg endlich gefunden
und der schwere Vorhang der Wahrheit gefallen ist,
dann sollst du neben mir sitzen.
Von meinem Leben will ich dir erzählen,
aber nichts dabei sagen.
Die Runzeln meiner Hände,
der Glanz meiner Augen,
einmal noch wiederkehrend für diesen Moment,
so als wäre ich ein letztes Mal Siebzehn,
die unzähligen Abschiede,
all die zu Grabe getragenen Hoffnungen,
Wünsche fast erstummt,
aber noch leise präsent,
der schwächer werdende Klang meines Herzens,
die bescheidenen Siege und Tage voller Arbeit,
die Dummheiten und Mühen,
das erzählt dir dann schon genug.
Die Furchen im Gesicht,
das schüttere Haar,
die abgewetzten Sohlen erzählen dann mein Leben,
das erst sehr spät seiner Wende Dank wurde,
damals,
irgendwann im Dezember,
als du kamst und ich,
viel zu spät,
nicht mehr an dich glaubte.
Du sollst neben mir sitzen auf dem letzten Gipfel,
auf den ich an jenem Tage mit dir steigen will,
atemlos und mit knarrenden Gelenken,
sehr bedächtig,
doch mit einem Rest an Kraft.
Und dann will ich sitzen und schauen mit dir,
auf die Täler,
die Flüsse,
die Straßen gewunden,
gebogen durch eine Welt,
vorbei an Häusern,
in denen wir niemals lebten,
zauberhaft das Ganze und doch hart.
Vorbei an Felsen und Weiden,
durch die Zweige der Birken und Buchen,
strudelnd um die Kiesel im Bach,
sollen dann unsere Blicke schweifen,
sich erinnernd,
sich erinnernd,
deine müde Hand in der meinen.
Und nur einen einzigen Satz
will ich dann nach Stunden hauchen:
„Siehst du die Wege, die Spuren unserer Liebe in dieser weiten,
wunderschönen Welt, die wir hinterlassen, jetzt, da die Zeit um?“
Und deine Stimme will ich dann hören mit dem Wind,
gebrochen und nicht viel jünger als die meine,
die sagt:
„Ja, Liebster! Dein Kopf an meiner Brust, alles vergeben,
schlaf ein, schlaf ein, ich gehe allein zurück ins Tal, weiß dich dann fliegen, weiß dich dann still, denn müde sind wir geworden.“

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Jungfrau für immer


Arvo Pärt, geboren in Wien, am 10.09. irgendwann, heute zuhause in Berlin. So sind wir, wir Jungfrauen, wie diese Violine und der Anschlag am Piano. Zerbrechlich und zu nahe am Wasser gebaut und doch unbeugsam wie die Felsen der Berge, wo wir gerne wandern. So sind wir, du und ich, Baby. Niemals finden wir leicht ans Ziel, aber wir finden dahin, denn wir arbeiten. Sehr hart. Und immer. Ich höre dich und ich höre mich, wenn ich Arvo höre, und ich lese dich und mich, wenn ich Neale lese, und ich tanze dich und mich, wenn ich Freddie spüre oder Mr. Jackson, und ich frage dann nicht, weil ich weiß. Weil ich weiß, tief in mir drinnen. So wie du weißt, tief in dir drinnen. Und dann werden sie sagen „Du hast mir so gut getan, denn du warst immer am Boden!“, doch da wollten wir gar nicht sein. Fliegen wollten wir. Fliegen in die Weite der Berge hinaus. Getragen von der Violine, oder auch einem Cello, gehalten an die Tasten des Pianos. Korsika. Kanada. Irgendwohin. Nur nicht da, wo Arbeit uns das Maß spricht. Zart sind wir in der Seele, doch ruppig im Austausch. Sanft sind wir im Fühlen, doch kantig in der Sprache. Jungfrauen sind wir. Ewig unschuldig, doch niemals frei von Schuld. Das sind wir, du und ich, Nini. So klingen wir. Und am Ende werde ich warten wie der Felsen, den du erklimmst. Unbeugsam, sanft und zart, wie die Weide. Rauh mein Stamm, aber meine Äste biegsam und fein. Offen mein Herz und meine Seele aus Glas. Nichts verbergend, aber alles schützend. So sind wir, du und ich. Jungfrauen für immer. Cello und Violine, Klavier und Piano. Felsen und Erde. Arbeit und Fleiß. Verlust und Hoffnung. So sind wir, du und ich. Jungfrauen für immer. Ich hab dich lieb. Einfach nur lieb. Wie der Felsen. Wie der Berg, der sich das Fliegen wünscht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Gewöhnlich wie jeder


Berge bewege ich und in Ozeanen schwimmend,
obwohl Berge schwer und Ozeane tief und voller Getier sind,
aber ich lasse dich in deinen Launen,
in deiner Disbalance nicht allein,
denn ich weiß,
wir sind größer als das.
Wir sind der stille Punkt am Horizont,
die Wolke unbewegt.
Du kommst heut Nacht nicht heim und ich sage:
Na und?
Weil ich weiß,
ich warte am Rande deiner Seele,
ich warte da und erinnere mich in den Stunden ohne dich,
wie ich selbst war in deinem Alter.
Wütend.
Behauptend.
Zuweisend.
Mutig aber voller Angst.
Ich warte am Rande deiner Seele
als Randfigur.
Da warte ich mit einem konservierten Lächeln,
ein Leben lang,
aber mein Leben war außergewöhnlich,
verflucht,
gesegnet und gewonnen.
Weil alle Dinge eines Tages enden.
Selbst die größten Lieben
müssen eines Tages fallen.
Ich weiß ganz genau,
wo ich damals war.
Und ich weiß um die Bedeutung all dessen.
Und ich kenne den Abstand zum Mond.
Und ich weiß um die Leere der Jugend.
Und ich kenne das Geheimnis deines Lächelns.
Und ich kenne das Echo der Liebe.
Und ich kenne die Einsamkeit der Herzen,
Und ich bin vertraut mit den Abgründen der Seele.
Aber ich weiß,
die Welt ist in deine Handflächen geschnitten,
sie ist um den Herz gewickelt,
und ohne diese Welt
kannst du nicht leben,
denn ich kenne die Stille der Welt.
Ich kenne die Stille der Welt.
Aber am Ende frage ich mich,
ob ich gebrochen wurde durch diese Welt.
Und stehe noch!
Und stehe immer noch wie eine Weide,
weil nicht immer sieht es so schön aus,
wenn Biegsamkeit überlebt.
Heute lehne ich mich zurück,
knicke den Ast,
fasse nach einer Banane und weiß:
You are going nuts!
You are going nuts to be a part of me.
Das ist Liebe,
die man nicht kaufen kann.
Das ist Wissen,
das man nicht lesen kann.
Das ist Leben,
das man nicht borgen kann.
Das bin ich.
Liebe.
Und alle Liebe ist Macht.
Macht ja nichts.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Ein Lächeln und ein Ozean


Sie öffnet den Käfig,
wo dein Herz schlief so lange Zeit.
Dann sieht sie dich fliegen,
richtet dein Bett verborgen vor deinem Blick,
entkleidet all deine Kräfte
und lässt dich stranden an einer Insel im Meer.
Dort schenkst du ihr dein Herz und einen Namen,
lässt alle Fragen treiben als Flaschenpost
zwischen den Wellen deines Blutes,
getragen von der Wahrheit in ihren Augen.
Deine Reisen sind nicht am Ende,
doch du reist von nun an nicht mehr allein.
Sie greift nach deiner Hand,
legt ein frisches Scheit in die Flammen und lacht.
Denn sie ist verrückt nach dir,
wartet sehnend auf deine Stimme,
die für sie flüstert von Nächten,
einem Feuer und der Anhöhe,
während deine Hände zarte Geschichten malen
auf Haut und Seele und Zeit und Vergänglichlkeit.
Du teilst den Ozean,
sie tanzt auf den Wogen,
schwebt in deine Arme
und du in die ihren,
beide vergessend,
im Nebel schwindend jene Jahre,
als ihr einander noch nicht hattet.
Die Haut eurer Körper wird dünn
wie das Papier dieser Geschichte,
denn eure Seelen singen.
Am Strand des Lebens
habt ihr einander letztlich doch gefunden.
Und im Himmel ein Lächeln,
ein stilles Lied der Freude.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Du, Herz allein


In allem, was du tust, liegt so viel Herz.
Deine Worte, deine Hände, deine Lippen
breiten Frieden über meine Dummheiten,
machen mich lächeln über Wunden alter Tage,
und in deinen Augen finde ich jene Spiegel,
klar und silbrig,
schonungslos aber wahr,
um wieder neue Wesenszüge zu schmecken.
Du bist in allem einfach Herz.
Und mein Herz will stets zu deinem,
sucht es nachts mit feuchter Hand,
jauchzt und wird freudig,
weil es die deine findet.
Dann schleichen Ängste,
dann kriechen Zweifel zu uns ins Zelt,
aber dein Herz,
tapfer und weich,
gemahnt meins.
Und dann schlagen unsere Herzen wie Trommeln,
schlagen die Schatten tot,
donnernd und lachend.
Und wir erinnern uns,
deine Seele aus Glas
und meine Seele aus Glas
bleibt sicher bewahrt im Puls dieser Liebe.
Denn du bist Herz,
nur Herz und Herz allein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Minus-Frau


Weiter und weiter trägt Zeit die Berge hinfort,
die ich für uns bewegte.
Was bleibt sind leere Täler.
Und du weißt,
ich habe Berge bewegt,
habe unter deinem Fenster geschlafen
und ging den Flur zum Ende entlang,
begleitet von Silberschatten.
Nicht den Tod habe ich gefürchtet,
der kam mir nur recht,
als unser Abschied an die Türe klopfte.
Nicht den Tod,
dich habe ich gefürchtet,
da du eine Minus-Frau bist.
Und du weißt,
ich wäre für uns gestorben,
weil du eine Minus-Frau bist,
nichts schaffend,
nichts gebend.
Meisterin im Nehmen,
Göttin der Zerstörung,
Kriegerin des Feuers.
Blasser und blasser wird dein Bild,
löst sich auf in den Meeren,
die ich für uns durchschwamm.
Und du weißt,
ich war an deinen Küsten gestrandet,
wo nichts wächst,
wo sich die Gezeiten meine Seele einverleibten,
wo ich Lügen kaute und Hoffnung trank.
Weil du eine Minus-Frau bist.
Und trotzdem atme ich dich in meinen Träumen,
begleitet von Silberschatten.
Da blicke ich in fremde Spiegel und erkenne,
was noch übrig ist von mir,
fühle Körper in meinen Armen ruhen,
aber bleibe unberührt,
weil nichts mehr mein Herz anrührt.
Und du weißt, ich habe dich berührt,
bis ins Mark erschüttert mit meiner Liebe,
die nicht sterben will.
Weil du eine Minus-Frau bist.
Und da gehe ich nun
die Straße dieses Daseins ohne dich,
begleitet vom Skelett unerlösten Lebens.
Und die Reflexionen meiner Gestalt,
dies entfremdete Wesen,
in den Schaufenstern ängstigt mich,
begleitet von Silberschatten
jämmerlich im Dämmerlicht.
Dann ist das also alles, was ich noch bin,
seit sich dein Name in meiner DNA dreht.
Manche sagen,
es war nur Rock ‚N Roll,
manche sagen,
es lag nicht an uns,
es lag an der Stadt.
Und trotzdem atme ich dich in meinen Träumen,
begleitet von deiner Subtraktion,
weil du eine Minus-Frau bist.
Und trotzdem atme ich dich,
trotzdem atme ich dich in meinen Träumen.
Atemlosigkeit bist du in den Tagen,
Sauerstoff in diesen Träumen,
in diesen Träumen und auf allen Ebenen.
Weil du meine Minus-Frau bist.
In meinen Träumen.
Auf allen Ebenen.
Minus.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Rubin


Hände, Haut und Atem,
ihr Schweiß und der meine,
für immer ineinander fließend
als Nächte ohne Ende,
als Tage ohne Zahl,
als ein Herz und zwei Hälften,
und durchs Küchenfenster,
lächelnd,
ein Gesicht,
dessen Namen ich nicht kennen muss,
weil ich es erinnere,
bis in alle Zeit.
Was uns trennt, ist nicht der Weg,
was uns trennt, ist die Liebe.
Wenn die Liebe zwischen zwei Seelen,
wenn das Feuer zu wild verlangt,
dann schützt die Liebe diese Seelen,
damit sie nicht ineinander verdampfen.
Die Nadel fährt ins Fleisch,
ein Schmerz,
um den anderen zu lindern.
Und in dem Rubin eines Blutstropfen,
darin fühle ich ihr Herz schlagen,
sehe sie tanzen wie das Licht einer Kerze,
und weiß: Sie lebt in mir.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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