Liebe und Schmerz



Es ist eine Sache, einen Menschen zu lieben, aber eine völlig andere, auch mit ihm leben zu können. Manche Paare brennen so lichterloh im Feuer der Liebe, dass sie es unmöglich ein Leben lang miteinander ertragen könnten:
Wenn einer die Flamme und der andere der Wind ist, der die Flamme anfacht, dann kann es zu Flächenbränden kommen oder die Flamme könnte ausgeblasen werden. Wenn einer die Flamme und der andere das Wasser ist, was sich gegenseitig fürchtet, würde die Flamme entweder erlöschen oder das Wasser verdunsten. Wenn einer die Flamme ist und der andere ebenso die Flamme, was sich zwar anzieht, aber nur schlecht ergänzt, dann könnte sich die Hitze zur Unerträglichkeit vervielfachen oder beide würden sich die Luft zum Atmen rauben. Wenn einer die Flamme ist und der andere die Erde, die das Feuer geduldig tragen möchte, dann könnte die Flamme die Erde verdörren oder die Erde die Flamme ersticken.
Ich weiß nicht, ob du dieses Gleichnis verstehen kannst, aber ich möchte dir damit klar machen, dass Liebe nicht davon abhängt, mit dem Geliebten leben zu können. Oft ist es sogar so, dass gerade zwei Seelen, die sich innigst lieben, ein Leben Seite an Seite nicht auf Dauer ertragen. Immense Liebe kann zu immensem Schmerz führen. In Wahrheit ist es sogar so, dass totale Liebe immer einen gewissen Schmerzfaktor beinhaltet. Manchmal liebt man so sehr, so innig, manchmal fließt die Kraft der Liebe so heftig durch dein Wesen, bis es im Herzen weh tut, bis es zu zerspringen droht.
Es werden die Esoteriker kommen und ihre abgelutschten, unreflektierten Phrasen dreschen von wegen, dass Liebe nicht schmerzt. Und ich sage dir, keiner, der das ernsthaft behauptet, hat jemals selbst erfahren, was er da wie eine Hindu-Kuh wiederkäut. Keiner, der das in der Welt verzapft, hat jemals so geliebt, wie ich es hier beschreibe. Einer, der jemals so sehr geliebt hat, weiß, wovon hier die Rede ist:

„Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
bis es schmerzt, kein Schmerz mehr da ist,
sondern nur noch Liebe.“
– Mutter Teresa

Das ist wahrlich paradox! Denn in der höchsten Liebe sind Schmerz und Liebe eins. Diese Ebene der Liebe bringt Schmerz, denn bevor das Herz sich öffnen kann, muss es brechen. Nur ein gebrochenes Herz ist ein offenes. Und ein vollkommen offenes Herz schmerzt von all der Liebe, die da ein- und ausströmt. Der Schmerz, der daraus erwächst, ist ein wunderschöner Schmerz, ein heiliger Schmerz, ein willkommener Schmerz. Es ist tiefstes Mitgefühl mit dem Anderen, tiefstes Mitgefühl mit der gesamten Schöpfung und der Vergänglichkeit ihrer Form. Höchste Liebe bedeutet, dass Liebe und Schmerz zu ein und derselben Erfahrung werden.
Das ist der Grund, weshalb jene, die sich als Dualseelen erkennen, zwar auf ewig verbunden, aber nur selten unter einem Dach zusammen sind. Das Feuer ihrer Liebe würde sie zerstören, weil Flamme und Flamme sich selten dienen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Nicht mehr als das



Dein Körper gegossen an den meinen,
im selben Rhythmus der Atem
macht aus uns beiden eins.
Das ist alles, was sein will.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Deine Hand gepresst an meine Brust,
ganz zart, sehr warm,
die Brust ist hart, vom Sommer braun,
das Herz pulst weich,
sein Schlag so ruhig und angekommen,
und wir fragen nicht,
ist es dein Herz, ist es meins.
Wir teilen es, so ist es ganz.
Das ist alles, was sein soll.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

In deine Augen tauche ich,
und du in meine,
bis mir die Luft ausgeht,
die du noch atmest
und mir wiedergibst
in einer Ewigkeit.

Wir sprechen nicht und tun es doch.
Du sagst nichts und alles,
schreibst mir mit den Fingern auf die Haut
vom geheimen Fortgang der Geschichte.
Und ich sage nichts und mehr als das,
schweige dir mit meinen Lippen auf den Mund,
was mein Verlangen nach dir schreit.
Das ist alles, was sein muss.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Keine Uhr tickt hier noch heimlich weiter,
die Welt hat endlich angehalten,
weil du bist ich geworden und ich bin du,
da tropft die Zeit nicht mehr verloren
durch flache Zwischenräume
jener ewig langen Augenblicke.
Nur noch eine Seele umspannt das Jetzt,
geteilt war sie zu lange – doch nun nicht mehr.
Das ist alles, was sein darf.
Nicht mehr als das – nicht mehr, nur das.

Du und ich in einem Raum,
du und ich in einer Zeit,
das ist alles,
was sein will,
sein soll,
sein muss,
sein darf.
Du und ich – nicht mehr, nur das.
Nicht mehr als das.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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