Dein Weg heimwärts


Es gibt den kurzen Weg. Es gibt den langen Weg. Und es gibt Wege, die man nie beschreitet, weil man den ersten Schritt nicht setzen möchte. Ich war ein Siebenjähriger, als ich mich auf diesen Pfad begab. Mittlerweile blicke ich auf über vier Jahrzehnte täglicher Meditationspraxis zurück und unterrichte seit mehr als zehn Jahren Menschen aus der ganzen Welt, die diesen wunderschönen Weg ebenfalls gehen möchten. Gerne möchte ich dir davon erzählen, um dir eine herrliche Option zu eröffnen. Eine Option, die vielleicht auch die deine sein wird…

Um Göttlichkeit bewusst zu erfahren, um bei dir selbst anzukommen, um das flehentliche Sehnen des Geistes, das sich in permanenter Unruhe, in ständiger Unzufriedenheit äußert, zu stillen, musst du echte Bereitschaft und den aufrichtigen Wunsch danach haben. Du musst bereit sein, Göttlichkeit da zu sehen, wo du sie findest, und nicht nur dort, wo du sie zu finden erwartest. Die Sehnsucht nach „Zuhause“ ist jedem Menschen implizit – es ist das ureigene Sehnen des Geistes nach dem wahren Selbst. Jeder Mensch empfindet tief in sich dieses Sehen, jeder Mensch spürt diese innere Unruhe – dazu muss nichts Spezielles getan werden; Sehnsucht und Unruhe ist ohne Mühe da. Die Bereitschaft in deinem Herzen aber ist der erste Schritt, der erste vollbewusste Schritt nach Hause, der erste vollbewusste Schritt zum Authentischen Selbst, der erste Schritt zur vollbewussten Erfahrung der Göttlichkeit. Doch der Wunsch und die Bereitschaft alleine werden nicht ausreichen – das hast du, so wie viele andere Menschen auch, bereits wieder und wieder festgestellt.

Nun wissen wir, dass Sehnen und Unruhe automatisch da sind, dass wir dafür nichts Spezielles tun müssen, aber auch das „Heimkommen“, die Erfüllung, die wahrhaftige Ruhe, die Seligkeit, ist automatisch da – auch dafür müssen wir im Grunde nichts Spezielles tun. Wir müssen bloß einen zusätzlichen Bewusstseinszustand, der uns im Laufe der Jahrtausende in Vergessenheit geraten ist, in unseren Alltag integrieren: Meditation in Stille!

Die wenigsten Menschen aber wissen, was mit dem Begriff „Meditation in Stille“ gemeint ist. Ich werde nicht müde und erkläre es dir wieder und wieder, doch egal, wie oft und wie gut ich dir es auch erklären mag – wirklich wissen, wovon ich spreche, wirst du erst, wenn du diese überaus simple Methode für dich selbst erlernt hast und sie täglich ausübst. Dennoch möchte ich dir hiermit eine weitere Erklärung geben, um dich daran zu erinnern, dass du eine Option hast, die du bisher vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hast.

In dir ist Unzufriedenheit, in dir ist Unruhe, in dir ist Rastlosigkeit und in dir ist diese unerträgliche Gedankenflut. Du probierst dieses, du versuchst jenes, du gehst hierhin und du gehst dahin, aber dein Geist findet keine Ruhe – die Gedankenflut bleibt, die Unzufriedenheit ist da. Egal, was du auch tust, du findest keinen echten, dauerhaften Frieden. Die Rastlosigkeit, die Unzufriedenheit treibt deinen Geist nahezu in den Wahnsinn, doch der Geist wünscht in Wahrheit keinen Wahnsinn, sondern höchste Klarheit und tiefste Ruhe. Trotzdem wandert dein Geist hin und her, auf und ab, vor und zurück.
Da du aus diesem Dilemma keinen Ausweg findest, und weil man dich nichts anderes gelehrt hat, flüchtest du in mehr und noch mehr Aktivität. Du hegst die wahnwitzige Hoffnung, durch diese vermehrte Aktivität der Unruhe in dir zu entkommen. Du versuchst Unruhe durch Unruhe zu erlösen, findest aber bloß Erschöpfung, die du dann mit Ruhe verwechselst – was für ein Paradoxon!
Selbst in deinen Imaginationsübungen, deinen geführten Meditationen, in deiner Selbsthypnose ist eine subtile Unruhe verborgen – der Geist bleibt unzufrieden; er bleibt jenseits des Friedens. Du hast ganz einfach vergessen, was wirkliche, wahrhaftige Ruhe bedeutet und wie sie sich anfühlt.

– Warum ist das so?

Der ganze Bereich der Aktivität ist ein Spiel des Geistes. Der Geist spielt dieses Spiel schon sehr lange. Unzählige Leben hindurch hat er dieses Spiel gespielt. Dadurch hat er seine wahre Natur vergessen; er hat die Wahrheit über die Seele, deren Werkzeug er ist, vergessen. Aber er spürt, dass ihm etwas Entscheidendes fehlt und somit hat er sich auf die Suche danach gemacht. Er hat begonnen zu wandern.
Auf seiner nahezu endlos dauernden, rastlosen Wanderschaft hat er gelernt zu trennen, zu unterscheiden, zu urteilen; und er hat gelernt zu vergessen. Durch dieses Vergessen im Spiel der Aktivität ging dem Geist das Gefühl für das Feine der Seele verloren – er ist abgestumpft und müde. Er ist so abgestumpft und müde, dass er selbst die Seele vergessen hat, derer er dient. Somit hat er die Göttlichkeit vergessen, denn die Seele ist eine sehr reine, unverklärte Form des höchsten Aspektes der Göttlichkeit. Bisher nanntest du Dieses göttlich und Jenes nanntest nicht-göttlich, du sagtest dieses sei Gott, aber jenes sei nicht Gott. Ich aber sage dir: In allem, ausnahmslos allem, findet sich Göttlichkeit – ganz besonders in jenen Dingen, Menschen, Situationen und Ereignissen, in denen du dich weigerst, sie zu erkennen, denn alles, was ist, ist Göttlichkeit. Es gibt nichts anderes als Göttlichkeit. Die Wahrheit hinter allem ist Göttlichkeit, die Essenz von allem ist Göttlichkeit. Der Großteil aller Göttlichkeit aber liegt jenseits deines Verstandes – diesen Fakt gilt es zu akzeptieren.
Natürlich ist auch der Verstand göttlich, doch der Verstand ist ein sehr begrenztes Mittel, um die Göttlichkeit in ihrer allumfassenden Herrlichkeit zu erkennen. Es ist dem Verstand nämlich nicht möglich, das Wichtigste zu erfahren: Seligkeit. Das Sein findet seinen höchsten Ausdruck in der Seligkeit. Aber der Verstand kann Seligkeit nicht erfassen, er kann sie nicht wahrnehmen, denn der Verstand ist zu eingeengt, zu kalt, zu nüchtern. Seligkeit aber ist die wahre Natur, die Essenz der Göttlichkeit. In Wahrheit ist die ganze Welt Seligkeit. Auch du bist Seligkeit und nichts sonst.
Alles, was ist, ist Ausdruck dieser Seligkeit, ist ein Aspekt der Göttlichkeit oder auch Brahman, wie manche es nennen. Brahman ist absolute Seligkeit, ewige Seligkeit, die höchste Realität.

– Wie kannst du diese Seligkeit in deinem Leben verwirklichen?

Nun, dies ist die höchste Philosophie in der Welt. Alles ist Seligkeit, alles ist Göttlichkeit; das Königreich des Himmels ist allgegenwärtig. Du denkst vielleicht, dass Seligkeit als einziges nicht erfahren, alles andere aber sehr wohl erfahren werden kann. Schmerz wird erfahren, Leid wird erfahren, Unglück wird erfahren, auch Glück wird erfahren, aber das, was wir Seligkeit nennen, kann ebenfalls erfahren werden – Seligkeit bedeutet Glück höchster Ordnung, Glück von dauerhafter Natur, Glück von größter Intensität und dabei von dauerhafter Natur.
Du siehst, dass alles vergeht und alles sich wandelt, dass es nichts gibt, was dauerhaft ist – wie kann dann Glück dauerhaft sein?

Die Wissenschaft beweist, dass diese Philosophie, alles sei Seligkeit, nicht die leere Einbildung eines verwirrten Geistes ist. Seligkeit ist kein Ideal, Seligkeit ist keine Illusion – Seligkeit ist die einzige Wirklichkeit. Seligkeit ist das, was du und ich in Wahrheit sind.

Wir wissen heute, dass alles im Bereich der Materie aus Molekülen und Atomen besteht, und dass sich die Atome in Elektronen und Protonen aufteilen. Diese Elektronen und Protonen sind nichts als Energieentladungen. So ist alle Materie letztlich Energie; alle Formen sind nichts als formlose Energie. Die Essenz aller grobstofflichen Dinge, die höchste Realität aller Materie, ist Energie. Energie ist die letzte Wirklichkeit der Materie – das ist wissenschaftlicher Fakt, darüber lässt sich nicht streiten.
In der Energie verliert Materie ihre Form, geht in die Formlosigkeit über, wird Eins mit aller Energie. Wenn du Energie als Grundlage der Existenz erkennst, ist alles, was existiert, Energie und nichts anderes. Dies ist Teil der materiellen Wissenschaft, der Wissenschaft im Bereich der Materie. Nun hat die Materie ein Ende gefunden. Wir sind an die Grenzen der Wissenschaft über die Materie gestoßen. Doch das ist längst nicht alles, was die Existenz umfasst. Wie du weißt, besitzt du einen Körper, der materiell ist – nun sollte dir klar sein, dass die Realität des Körpers Energie ist.
Der Körper stellt den objektiven Aspekt deiner Existenz dar. Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt deiner Existenz – den subjektiven; Geist, Verstand, Ego und letztlich die Seele gehören dem subjektiven Aspekt deiner Existenz an. Der Bereich der materiellen Wissenschaft ist also nur objektiv. Er bietet aber noch keine vollständige Analyse von allem, was im Universum existiert.

Wenn du herausfinden könntest, woraus der Geist, der Verstand, das Ego und die Seele gemacht ist, indem du einen Weg fändest, zu feineren Phasen der Analyse vorzudringen, so kämest du letztlich zu dem Schluss: Brahman, jene Seligkeit, ist die höchste Wirklichkeit, woraus der Geist, der Verstand, das Ego und die Seele gemacht ist, und woraus im Weiteren, im Bereich der höchsten Manifestation, der Körper und das ganze, grenzenlose Universum gemacht ist – derselbe eine Stoff, dieselbe elektronische, protonische Energie, hat sich in die Form aller Formen transformiert, in die Form aller Elemente, aller Variationen und Kombinationen im ganzen Universum. Die eine formlose Energie drückt sich in verschiedenen Formen aus.

Wenn du in der Analyse des Universums weitergehst, erkennst du, dass die eine, selige Wirklichkeit den Geist, den Verstand, das Ego, die Seele, das ganze Universum durchdringt. Du stellst fest, dass es eine Wirklichkeit gibt, eine Wirklichkeit, die sich nie wandelt, dass diese höchste Wirklichkeit unwandelbar ist.
meditatorSämtliche Wandlungen, alle Aktivitäten, finden nur im Bereich der Relativität statt – im Bereich der relativen Ordnung. Die letzte Wirklichkeit, die höchste Wirklichkeit aller Relativität, ist absolut. Das Absolute wandelt sich nie. Die höchste Wirklichkeit kennt keine Wandlung; sie ist immer die gleiche. Ihre wesentliche Natur ist das reine, stille Sein, das Seligkeitsbewusstsein. Das ist die Wirklichkeit des Lebens, das ist die Wirklichkeit aller objektiven und subjektiven Aspekte des Lebens – Seligkeit.

Der subjektive und der objektive Aspekt deiner Persönlichkeit ändern sich ständig. So, wie der objektive Aspekt sich verändert, so verändert sich auch die Subjektivität. Der Körper ist niemals stetig – er verändert sich. Auch der subjektive Aspekt deiner Persönlichkeit ändert sich. Der Geist ist stets auf der Suche, der Geist ist immer in Veränderung begriffen. Auch der Verstand wandelt sich ständig. Genauso wandelt sich das Ego unentwegt. Die Seele aber liegt jenseits des subjektiven und des objektiven Aspektes deiner Persönlichkeit. Die Natur der Seele ist Seligkeit; sie ist Brahman; sie ist das, was Jesus „Königreich des Himmels“ nannte. Jesus sagte: „Der Vater und ich bin Eins!“
– Damit meinte er die Ebene der Einheit, die keine Dualität kennt, die alle Bereiche des Lebens transzendiert. Er meinte damit die Stille der letzten Wirklichkeit, das Absolute, den unveränderlichen Zustand des reinen Seins, das ewige Feld der Seligkeit.
Dein Geist aber hat die Seligkeit vergessen – sie liegt nicht mehr in seinem Erfahrungsbereich!

– Wenn Seligkeit universal ist, wenn sie allgegenwärtig ist, wenn Seligkeit innen und außen ist, wenn alles Seligkeit ist, warum ist sie dann aus deiner Erfahrung verschwunden?

Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, dass du die Funktionsweise deiner Wahrnehmung verstehen lernst: Das Instrument deiner Wahrnehmung ist der Geist. Der Geist bedient sich der Wahrnehmung über deine Sinne. Deine Sinne aber können ein Objekt nur dann wahrnehmen, solange es grob genug ist. Wenn ein Objekt ausreichend groß ist, können es deine Augen sehen; ist es sehr winzig, brauchst du ein Mikroskop, um es sehen zu können. Ist ein Ton laut genug, können ihn deine Ohren hören. Wenn er sehr subtil ist, sind deine Ohren nicht mehr fähig, ihn zu hören. Einen intensiven Duft kann deine Nase riechen – einen sehr feinen Duft kann sie nicht mehr riechen.

Wie du erkennen kannst, ist deine Wahrnehmung nur dazu ausgelegt, die groben Aspekte des objektiven Bereiches zu erfahren – die feinen Aspekte dieses Bereiches erfahren deine Sinne nicht. Dein Geist ist stets damit befasst, die Welt durch die Sinne zu erfahren, deshalb ist der Geist nur fähig, sich an den groben Aspekten der Natur zu erfreuen. Die subtilen Aspekte der Welt bleiben hinter den Formen und Erscheinungen verborgen, da das Instrumentarium der Wahrnehmung zu grob dafür ist. Die Sinne verfügen nicht über die Sensibilität, um das Feine zu erfahren – der herrlichste Zauber, die größte Schönheit bleibt dem Geist daher verborgen. Dein Leben ist also auf die Erfahrung der gröberen Herrlichkeiten der Welt begrenzt.

Die herrlichste Schönheit, die größte Macht liegt in der Feinheit der Welt. Wenn du den Ast eines Baumes brichst, entsteht Energie, etwas Wärmeenergie, aber nur eine minimale Menge – könntest du ein Atom des Astes spalten, würde der ganze Baum explodieren!
Macht liegt in der Feinheit der Welt, Schönheit liegt in der Feinheit der Welt, Herrlichkeit liegt in der Feinheit der Welt. Solange du nur den groben Bereich der Welt durch deine Sinne erfährst, begrenzt du deine Freude am Leben. Die Feinheit der Welt ist wesentlich faszinierender, zauberhafter, herrlicher, als der grobe Bereich. Um Seligkeit zu erfahren, musst du alle Bereiche der Herrlichkeit wahrnehmen können – den groben sowie den feinen Bereich. Du aber nimmst über deine Sinne nur den groben Bereich der Herrlichkeit wahr.

Meditation in Stille ist eine Methode, die den Geist dahin führt, die feineren Bereiche, die größere Herrlichkeit der Welt wahrzunehmen. Durch Meditation in Stille erfährt der Geist bei jedem Schritt eine größere Herrlichkeit; er erfährt tieferes Verständnis, höhere Klarheit, bis er die Herrlichkeit der Transzendenz erlebt, die ewige Seligkeit ist. Er kehrt zurück zu seinem Ursprungszustand, zum reinen Sein, zum absoluten Gewahrsein – zur Seligkeit.
Meditation in Stille bringt die Gedankenflut zur Ruhe. Die Menge an Gedanken nimmt mehr und mehr ab, die Gedanken werden klarer, kraftvoller; es entsteht Raum, wo zuvor dichtes Gedränge und Chaos war. Die Gedankenmenge nimmt aber nicht nur während der Meditation ab – sie verringert sich auch im Alltag, sie gelangt zu höherer Ordnung. Dadurch werden die Gedanken machtvoller, weil dem einzelnen Gedanken mehr Energie zur Verfügung steht. Die Leistungsfähigkeit und Kreativität steigt, Handlungen werden effizienter, latente Potenziale erwachen und gelangen zur Blüte. Wünsche reduzieren sich, weil mehr echte Zufriedenheit entsteht; verbleibende Wünsche wandeln sich in Absichten, die sich rascher und unkomplizierter verwirklichen. Die Intelligenz und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen sich, der Lebenswandel orientiert sich ganz automatisch zum Besseren, Gewaltpotenziale und Aggressionen lösen sich auf. Dauerhafter Frieden erfüllt das Individuum, da es sich täglich in den inneren Raum der Seligkeit zurückzieht. Seligkeit wird mehr und mehr zum Alltagszustand. Die einfache Technik der Meditation in Stille ist der Schlüssel zum Tor der Seligkeit; das transzendentale Bewusstsein tritt hervor.

Die Essenz aller grobstofflichen und feinstofflichen Dinge, die höchste Realität aller Materie und allen Geistes ist Seligkeit. Seligkeit ist die letzte Wirklichkeit des Geistes – das ist spiritueller Fakt. In der Seligkeit hört der Geist auf zu wandern, da es dem Geist nach Seligkeit dürstet. Befindet sich der Geist irgendwo in der Mitte zwischen dem groben und dem feinen Bereich der Herrlichkeit, wendet er sich dem feineren zu. Er wird unweigerlich von den größeren Herrlichkeiten des Lebens, von den feineren Bereichen der Welt angezogen, denn der Geist ist nach all den Ewigkeiten durstig nach Seligkeit. Im groben Bereich bekommt er stets nur einen Tautropfen dieser Seligkeit ab, deshalb bleibt er durstig, rastlos und unzufrieden. Im feinen Bereich der Herrlichkeit aber wird sein Durst überreichlich gestillt. Er muss sich nicht weiter mit nur winzigen Tautropfen zufrieden geben, nicht ständig von einem Tautropfenspender der Grobstofflichkeit zum nächsten eilen, um ein wenig von der Seligkeit zu kosten, dabei aber ständig nahe dem Verdursten bleiben, sondern kann in vollen Zügen aus der unerschöpflichen Quelle der Seligkeit trinken.

Seligkeit ist das, wonach sich der Geist einzig und ausnahmslos sehnt. In der Seligkeit ist der Geist bei sich selbst angekommen; in ihr verliert er seine Form, seine Unruhe. Was du im äußeren Bereich erfährst, ist unbedeutend; innen beginnst du, direkt deine Natur zu erfahren. Die Erfahrung deiner wahren Natur, die Erfahrung deines wahren Authentischen Selbst ist die Erfahrung der Seligkeit. Diese Erfahrung ist absolut. Diese Erfahrung ist das Gewahrsein der transzendentalen Wirklichkeit. Seligkeit aber findet der Geist nur im Feinstofflichen, denn das Feine, das Feinste ist die wahre Natur des Geistes. Dort hat er seinen Ursprung, dort ist seine Heimat – dorthin zieht es ihn seit Ewigkeiten; und nur dort findet er seine Ruhe.

Manche sagen, der Geist sei übel, er sei grundsätzlich unfähig, Konzentration zu halten, er sei nichts weiter, als ein kleiner, wilder Affe – ich aber sage, der Geist ist ein König. Er ist der König der Könige. Seine ganze rastlose Wanderschaft existiert bloß, weil er keinen Platz für sich hat, weil er vergessen hat, wo sein Thron ist.
Du siehst einen wandernden König, und weil er auf Wanderschaft ist, meinst du, dies sei die wahre Natur eines Königs, doch in Wahrheit ist die Natur dieses Königs sein Thron der Seligkeit. Fände er zurück auf diesen Thron der Seligkeit, seine ganze ruhelose Wanderschaft käme an ein glückliches Ende. Seligkeit ist der Thron für den König, für den Geist. In der Seligkeit findet der Geist Frieden, in der Seligkeit endet seine endlos anmutende Suche, das tonnenschwere Kreuz der Unzufriedenheit fällt von seinen Schultern ab, ungeahnte Leichtigkeit und absolute Freiheit bleibt als heiliges Resultat.

god01Alle, die kamen, alle, die jetzt hier sind, alle, die kommen werden, um dich an den Weg zur Seligkeit zu erinnern, sprachen und sprechen vom Inneren Königreich. Finde zunächst das Königreich im Inneren und alles andere wird dir hinzugetan.
Meditation in Stille ist das tägliche Eintauchen in den Ozean dieses Inneren Königreichs. Ohne dieses Eintauchen wird das Leben zum Kampf. Mit diesem Eintauchen aber wird das Leben zur reinen Seligkeit.
Die Technik dieser Meditationsform ist so simpel, sie ist so einfach in den Alltag des modernen Menschen zu integrieren, dass sie bei vielen Leuten Zweifel aufwirft, denn das Einfache kann in der begrenzten Wahrnehmung der meisten Menschen niemals solch großartige Wirkung zeigen – es muss stets kompliziert sein, es müssen stets große Opfer gebracht werden für die Seligkeit! Ich aber sage dir, dass Seligkeit dein wahrer, natürlicher Zustand ist – für deinen wahren Zustand, für die letzte Wirklichkeit deines Seins ist kein einziges Opfer nötig.

Seligkeit ist das, was ich bin; Seligkeit ist das, was du bist; Seligkeit ist das, was alles ist. Seligkeit steht dir zu – sie ist dein für immer, doch du hast sie im ewigen Spiel der Aktivität vergessen. Seligkeit ist der natürliche Zustand allen Seins. Auf ganz einfache Weise kannst du ihn durch das Mantra – deinem ganz persönlichen Seelenklang, den du durch das Erlernen der Meditation in Stille erhältst – wiedererlangen.
Du wirst weiterhin rastlos umherirren, dich wird weiterhin alles stören, dein Leben wird weiterhin ein ermüdender Kampf bleiben, die Gedankenflut in dir wird dich weiterhin an den Rande des Wahnsinns treiben, wenn du nicht in der Lage bist, mit dem inneren Raum der Gedankenstille und des Glücks in Verbindung zu treten, denn nichts in der äußeren Welt wird dir dauerhafte Befriedigung schenken, nichts wird dir wahre Stille bringen. Tief in deinem Inneren weißt du, dass es so ist – du weißt, dass ich dir die Wahrheit sage. Das Prinzip ist so ungeheuer einfach: Tauche zweimal täglich für zwanzig Minuten in die Stille der Seligkeit ein, gelange jenseits aller Gedanken, fülle den Geist mit dieser stillen Seligkeit, sei selig, komm mit dieser stillen Seligkeit heraus – dann ist das Leben Seligkeit.

Vergleiche selbst: Alle anderen Methoden fordern dich dazu auf, irgendetwas in deinem Leben zu verändern, irgendetwas wegzulassen, aufzugeben, zu opfern, dich einer bestimmten Philosophie unterzuordnen – ich aber sage dir: Du kannst so weiterleben, wie bisher. Du musst weder etwas weglassen noch etwas aufgeben noch etwas opfern. Du musst weder eine bestimmte Geisteshaltung pflegen, noch irgendwelche speziellen Regeln befolgen, ja, du musst nicht einmal eine bestimmte Körperhaltung während der Meditation einnehmen. Du kannst weiterhin dein Glaubenssystem beibehalten, deiner eigenen Philosophie (die meist nicht deine eigene ist, du hast sie dir vielmehr irgendwo abgeschaut und angeeignet) treu bleiben, deinem persönlichen Lebenswandel folgen, aber erlerne zunächst die simple Methode der Meditation in Stille und integriere sie konsequent zweimal täglich in deinen Alltag – alles andere folgt dann ganz automatisch.

Das tägliche Eintauchen in die Seligkeit führt dich automatisch auf den für dich besten Weg – es geschieht dann alles ganz von selbst, es geschieht von deinem wahren Authentischen Selbst aus, denn dieses tritt dann mehr und mehr hervor. Nach und nach lässt du dann ganz automatisch all das los, was deinem höchsten Wohle nicht mehr dienlich ist, ohne Anstrengung, ohne Opfer – ganz automatisch. Deshalb nenne ich Meditation in Stille auch gerne „den Großen Automatismus“.
Mit der Meditation in Stille nehme ich dir – im Gegensatz zu bestimmten Glaubenssystemen, Philosophien, Praktiken und Techniken – nichts weg, indem ich dir Dogmen oder Regeln auferlege, indem ich dich zum Verzicht auf irgendetwas auffordere, oder dich zur Änderung deiner Geisteshaltung oder Lebensweise gemahne – ganz im Gegenteil: Ich füge dir etwas hinzu! Ich füge dir neben Wachen, Träumen und Schlafen einen weiteren Bewusstseinszustand hinzu – den Zustand der Transzendenz, den Zustand deines wahren Seins, den Zustand der Seligkeit.

– Trachte zunächst nach dem Königreich im Inneren und alles andere wird dir hinzugetan. Dieses Innere Königreich ist deine wahre, deine einzige Heimat – Meditation in Stille ist der Schlüssel zu diesem Königreich. Du hast vergessen, wie sich Heimat anfühlt, du hast vergessen, was Seligkeit ist, du hast den Schlüssel zu deinem Königreich verloren – ich bin gekommen, um ihn dir zurückzugeben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Farewell, Jeanne d’Arc!


Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Raue Winde des Schicksals
griffen durch dein wildlanges Haar,
trugen den Duft deines Mutes
schwer über meine Länder.
Und so zwang mich der Ruf still zu dir
jenseits der Grenzen,
die besser kein Mensch übertritt.


Deine Arme waren kostbares Eiland,
Wiedergeburt und Neubeginn,
warm wie ein Regen,
der die Wunden sanft heilt.
In deinen Augen lag tröstende Heimat
nach all den beschwerlichen Pfaden.
Kein Mann und auch kein König
würde jemals dein Herr.
Doch um mein Herz schlugst du
kalt eiserne Bänder,
obgleich du wohl wusstest,
sein Schlag galt längst nur noch dir.

Ich sah dich reiten im Nebel des
Morgens,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön,
barfuß wie immer,
doch diesmal allein,
denn du rittst nicht mit mir.
Da war kein Blick zurück,
bloß der tote Staub deiner entschlossenen Spur.
Kalt die Angst, dich nie mehr zu sehen,
befahl meinem Ritt töricht Galopp,
doch die Flüsse der Zeit ohne Gnade
holt selbst der wildeste Reiter nicht ein.
So blieb ich zurück,
die Tage schwermütig zählend,
mit jeder grausamen Sonne vergehend,
denn du kehrtest nicht wieder.

Die linke Flanke deckte ich dir
in gemeinsamen Schlachten,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Die Faust hoch gen Himmel,
um deines Banners und Namens Willen,
der als Ruf des Sieges hallte
durch die fließenden Schleier der Zeit,
so dass Burgen erzitternd
von selbst in sich zusammenfielen.

Über Leben und Leben hinfort
war da nur ein einzig brennender Wunsch
ewig an deiner Seite König und Gatte zu sein,
stets den liebenden Mut,
für dich durch die Feuer jeder Hölle zu gehen,
und wenn es das Schicksal so wünschte,
dann in Liebe für dich auch zu fallen.

Ich saß dir zu Füßen mit königlichem Stolz,
lauschte deinen magischen Träumen
als wären sie ein Lied der Ewigkeit,
verloren in den Welträumen deiner Seele,
küsste den Kindhöhlenbauch,
ergab mich süßem Tod in Sommernächten mit dir.
Und du legtest das Kleid des Kampfes ab,
leicht als wäre es des Mondes Schein,
jetzt endlich ganz Frau in meiner Umarmung,
befreit, um keine Kriegerin mehr zu sein.

Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Keine Heldentat schrieb ich noch in ein Buch,
blieb unser Thron doch stets kalt und leer.
Immer noch folge ich deiner schwindenden Spur,
doch die spricht schlicht und bitter,
du kehrst nimmermehr…
Farewell, Jeanne d’Arc!

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Am Abstellgleis


Ich bin nicht mehr sicher, ob ich dich haben wollte, wenn ich dich haben könnte, aber ich bin sicher, dass ich dich haben möchte, seit ich dich nicht bekommen kann.

Als ich dich hatte, war ich ein König und alle konnten das sehen. Seit ich dich nicht mehr habe, bin ich ein Bettler vor meiner eigenen Tür. Ich bettle mich selbst an, dich zu vergessen, aber ich gestatte es mir nicht, denn das Aufgeben ist mir ebenso fremd wie die menschliche Gattung.
So viele Leben wandle ich nun schon unter den Wahnsinnigen und habe sie doch niemals richtig verstanden. Ihre Art zu lieben ist mir fremd.
Ich begreife nicht, wie sie Oberflächlichkeiten als Hindernisse für das Lieben betrachten können. Ich begreife nicht, wie sie eine Person gegen die andere tauschen und dabei von Liebe sprechen können.

Alles, was ich weiß, ist, dass ich deine Stimme immer noch hören kann und das Feuer deiner Lippen immer noch auf den meinen brennt und mein Schoß immer noch in Flammen steht, wenn ich deine Bilder sehe, mein Herz einen Schlag auslässt, wenn ich deinen Namen vernehme, meine Träume dich immer noch rufen und meine Tage nicht mehr in jenen Farben leuchten wie damals, in jener kurzen aber heiligen Zeit unseres Beisammenseins.

Ich spiele mit dem Lächeln anderer Frauen und forme es im Geiste zu deinem Lächeln. Ich sammle ihre Bewegungen und werfe sie zusammen in der Hoffnung, sie würden zu den deinen. Ich vollbringe Heldentaten im Geheimen, weil ich möchte, dass nur du sie sehen kannst. Ich zähle die Tage, so als hättest du mir ein Datum für deine Rückkehr genannt. Ich warte an einer Haltestelle, durch die niemals mehr ein Zug fahren wird. Ich rufe ein Taxi und nenne eine Adresse, die ich nicht kenne.

Ich weiß, du hast mich verlassen, damit ich mich selbst finde, doch wo ich stets zu finden bin, das ist im Spiegel deiner Augen. Wenn ich also nicht bei dir bin, wo bin ich dann?

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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