Du solltest selten bei Verstand sein


Die meiste Zeit befindest du dich mit deiner Aufmerksamkeit in der Vergangenheit, indem du sie entweder beklagst oder glorifizierst. Und wenn du nicht in der Vergangenheit dümpelst, dann denkst du an die Zukunft, die du entweder schrecklich fürchtest oder dir herrlicher ausmalst, als sie jemals sein wird. Oftmals bastelst du dir aus deiner Vergangenheit eine Kopie derselben für die Zukunft – damit verbringst du den Großteil deiner Zeit und verschwendest auf diese Weise den einzigen Augenblick, in dem das Leben stattfindet: Jetzt.
Solange du im Gestern dümpelst mit deinem Denken, solange ist deine kostbare Gegenwart verschwendet und deine Zukunft eine Wiederholung des Vergangenen – du wieder-holst, du holst das Gestern wieder her, indem du dich nie da befindest, wo das Leben geschieht: im Hier & Jetzt.
Schuld daran ist dein Denken, dein Verstand. Der Verstand ist niemals im Hier & Jetzt – er ist immer einen Augenblick davor oder einen Augenblick danach. Aber er ist nie da, wo das Leben geschieht. Daher sind Menschen, die wahre Meditation praktizieren, selten bei Verstand, sie sind selten am Denken, Grübeln, Planen oder Fürchten und die meiste Zeit total im Sein; sie transzendieren. Im Zustand des Seins, der Transzendenz, herrscht weder Angst noch ein Problem. Da bist nur du und das, was dich tatsächlich umgibt. Du befindest dich genau da, wo du hingehörst und das macht dich unsagbar frei und kraftvoll. In dieser Qualität der Transzendenz kannst du handeln, ohne zu denken. Und alle Handlungen aus diesem Zustand heraus sind vollkommen. Wenn du meditierst, wenn du transzendierst, bist du frei von der Depression der Vergangenheit und frei von der Paranoia der Zukunft. Wahre Meditation bedeutet, da zu sein ohne zu denken. Da zu sein ohne zu denken ist der einzige Weg, wirklich am Leben teilzuhaben. Daher ist wahre Meditation wahres Leben. Alles andere ist bloß ein bedauerlicher Zustand von Halbtot oder Halblebendig.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Und das ist alles, was zählt


In meine Arme,
in meine Arme,
in meinen Händen dein Herzschlag.
So klein,
so kraftvoll.
Und ich erinnere mich an jene Zeit,
als du ohne Worte zu mir sprachst,
kleines Wunder,
kleines Wunder ganz groß.

Da sein,
ich will da sein,
wenn du kommst.
Und du wirst da sein,
wenn ich gehe.
Es ist schwer,
es ist so schwer,
dir diesen Weg nicht ersparen zu können.
Du wirst da sein,
wenn ich gehe.
Aber jetzt noch nicht.
Jetzt noch nicht.

Nimm meine Hand,
schau die Berge,
schau die Täler und die Flüsse,
meine Falten und das graue Haar,
der Duft des Frühlings und die Milde des Schnees.
Höre die Bienen und die Fliegen,
schmelze mit den Wassern im März,
atme den Mai und brenne im Juli,
wenn die Sonne mehr verspricht,
als sie hält.

Jetzt noch nicht.
Jetzt noch nicht.
Ein paar Jahre,
ein kurzes Stück des Weges,
bleib als Teil meiner Seele,
als das Atemlose,
das Namenlose,
als der erste Schrei in einer fremden Welt.

Ich will da sein,
wenn du kommst.
Und du wirst da sein,
wenn ich gehe.

So tapfer,
so milde,
so sehr du selbst.
So nehme ich dich,
so sehe ich dich,
so liebe ich dich,
kleines Wunder ganz groß.

Es ist nicht die Zeit für Revolte,
es ist nicht die Zeit für Kampf,
es ist nur Zeit.
Es ist immer nur Zeit.

Bleib wach,
schlafe niemals ein,
wenn du durch diese Welt wandelst.

Und ich weiß,
es ist nicht leicht,
ruhig zu bleiben,
wenn alle Welt in Aufruhr ist
und du erkennst,
da läuft was schief.
Aber es ist nicht Zeit für den Kampf,
es ist nicht Zeit für den Widerstand,
denn es ist Zeit,
es ist immer nur Zeit.

Und all die Zeit über,
habe ich die Dinge,
die ich wusste,
in mir behalten,
aber ich spreche sie in dein Herz,
jetzt,
mit deinem Namen.
Und ich nenne dich: Helena.

Wilde Pferde,
wilde Pferde,
Würde und Wahrheit,
ein unbeugsames Genick,
sanftes Geschick und Liebe,
das ist mein Wunsch für dich.

Und all die Zeit über,
habe ich die Dinge,
die ich wusste,
in mir behalten,
aber ich spreche sie in dein Herz,
jetzt,
mit deinem Namen.
Und ich nenne dich: Helena.
Du lebst.
Und das ist alles,
was zählt.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Kinder brauchen keine Regeln


Ein Kind muss so frei als möglich aufwachsen. Jede Regel, die du zwangsweise an Kindern durchsetzt, tötet ein Stück ihres Geistes und sollte dir selbst einen gewaltigen Mangel an natürlicher Autorität aufzeigen. Wer zwingen muss, ist schwach. Wer Zwang braucht, um sich durchzusetzen, verfügt nicht über Autorität sondern bloß über psychische Gewalt, die stets ein Zeichen von Schwäche ist. Und Kinder orientieren sich dann an dieser Schwäche, die sie irrtümlich für Stärke halten. Daraus entstehen dann weitere Generationen armseliger Machtmenschen für die das Mittel der Unterdrückung als Werkzeug der Stärke gilt.

Kinder brauchen weniger Regeln und mehr Förderung ihrer Kreativität. Eltern, die frühzeitig die wahren Talente eines Kindes erkennen und fördern, legen der Seele dieses Kindes den Schlüssel zur Großartigkeit in Händen. Dabei müssen diese Eltern tunlichst darauf achten, nicht die eigenen unerfüllten Lebensträume auf das Kind zu projizieren, was dieser Tage der Regelfall ist. Kinder wurden nicht dazu geboren, die verpatzten Schicksale ihrer Eltern zu korrigieren, sondern um der eigenen Bestimmung zu folgen. Und diese Bestimmung kann völlig konträr zum Wunsch der Eltern stehen. Akzeptiere das in Liebe.
Achte sehr genau auf die Art der Schule, die du deinem Kind angedeihen lässt. Wenn du dein Kind in eine Regelschule steckst, tötest du es geistig. Es wird in dieser Schule systematisch angeglichen an die Dumpfheit des Lohnsklaventums. Es wird zum funktionierenden Roboter konditioniert. Man bringt ihm bei, im Gleichschritt zu denken, zu leben und zu funktionieren. Das kommt einer psychischen Tötung des Kindes gleich. Es wird durch diese Schule niemals zu seiner vollen Schönheit, zu seiner vollen Blüte heranreifen können.

Betrachte ein Kind nicht als dein Eigentum – betrachte es als Baum, zu dessen Gärtner du bestellt wurdest. Lass ein Kind in höchstmöglicher Freiheit aufwachsen ohne große Sorgen um seine Bestimmung, denn diese bestimmst nicht du; sie ist bereits von höherer Stelle vorgezeichnet. Betrachte dein Kind als Baum, dessen Same man dir gab. Sein Platz wurde vorgegeben. Achte du darauf, dass dieser Baum ausreichend Licht, Schatten, Nährstoffe und Wasser bekommt. Halte ihm die Schädlinge fern, aber beschneide diesen Baum niemals durch kranke Regeln, deinen persönlichen Lebensfrust oder die Angst vor dem eigenen Versagen – die Seele eines Kindes hat ihren eigenen Weg. Den gilt es freizuhalten in Liebe.
Jede zwanghafte Regel, die du einem Kind auferlegst, tötet seine Kreativität, seine Schönheit, seine natürliche Wildheit.
Wenn du ein Kind liebst, schenke ihm das Höchstmaß an Freiheit und Vertrauen in seinen ganz persönlichen Lebensweg. Fördere ein Kind, aber beschränke und beschneide es nicht. Und bedenke: Die größten Persönlichkeiten der Menschheit waren keine Musterschüler und Vorzeigekinder, sondern Rebellen und Regelbrecher. Solchen Menschen verdankst auch du eine Menge.
Wenn du also eine neue Welt wünscht, lass zwei Generationen von Kindern in Liebe und Freiheit aufwachsen. Und beginne mit jenen Kindern, die dir das Leben in Obhut gestellt hat.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Trennung und Rückkehr zur Seligkeit


Der ganze Bereich der Aktivität ist ein Spiel des Geistes. Der Geist spielt dieses Spiel schon sehr lange. Unzählige Leben hindurch hat er dieses Spiel gespielt. Dadurch hat er seine wahre Natur vergessen; er hat die Wahrheit über die Seele, deren Werkzeug er ist, vergessen. Aber er spürt, dass ihm etwas Entscheidendes fehlt und somit hat er sich auf die Suche danach gemacht. Er hat begonnen zu wandern.
Auf seiner nahezu endlos dauernden, rastlosen Wanderschaft hat er gelernt zu trennen, zu unterscheiden, zu urteilen; und er hat gelernt zu vergessen. Durch dieses Vergessen im Spiel der Aktivität ging dem Geist das Gefühl für das Feine der Seele verloren – er ist abgestumpft und müde. Er ist so abgestumpft und müde, dass er selbst die Seele vergessen hat, derer er dient. Somit hat er die Göttlichkeit vergessen, denn die Seele ist eine sehr reine, unverklärte Form des höchsten Aspektes der Göttlichkeit. Bisher nanntest du Dieses göttlich und Jenes nanntest nicht-göttlich, du sagtest dieses sei Gott, aber jenes sei nicht Gott. Ich aber sage dir: In allem, ausnahmslos allem, findet sich Göttlichkeit – ganz besonders in jenen Dingen, Menschen, Situationen und Ereignissen, in denen du dich weigerst, sie zu erkennen, denn alles, was ist, ist Göttlichkeit. Es gibt nichts anderes als Göttlichkeit. Die Wahrheit hinter allem ist Göttlichkeit, die Essenz von allem ist Göttlichkeit. Der Großteil aller Göttlichkeit aber liegt jenseits deines Verstandes – diesen Fakt gilt es zu akzeptieren. Natürlich ist auch der Verstand göttlich, doch der Verstand ist ein sehr begrenztes Mittel, um die Göttlichkeit in ihrer allumfassenden Herrlichkeit zu erkennen. Es ist dem Verstand nämlich nicht möglich, das Wichtigste zu erfahren: Seligkeit. Das Sein findet seinen höchsten Ausdruck in der Seligkeit. Aber der Verstand kann Seligkeit nicht erfassen, er kann sie nicht wahrnehmen, denn der Verstand ist zu eingeengt, zu kalt, zu nüchtern. Seligkeit aber ist die wahre Natur, die Essenz der Göttlichkeit. In Wahrheit ist die ganze Welt Seligkeit. Auch du bist Seligkeit und nichts sonst. Alles, was ist, ist Ausdruck dieser Seligkeit, ist ein Aspekt der Göttlichkeit oder auch Brahman, wie manche es nennen. Brahman ist absolute Seligkeit, ewige Seligkeit, die höchste Realität.
[…]
Meditation in Stille ist eine Methode, die den Geist dahin führt, die feineren Bereiche, die größere Herrlichkeit der Welt wahrzunehmen. Durch Meditation in Stille erfährt der Geist bei jedem Schritt eine größere Herrlichkeit; er erfährt tieferes Verständnis, höhere Klarheit, bis er die Herrlichkeit der Transzendenz erlebt, die ewige Seligkeit ist. Er kehrt zurück zu seinem Ursprungszustand, zum reinen Sein, zum absoluten Gewahrsein – zur Seligkeit.

(Auszug aus „Meditation in Stille ist dein Weg Heimwärts“ von ANDERSmensch)

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Gebet oder Meditation?


Du fragst, was der Unterschied zwischen Gebet und Meditation ist. Dazu aber müsstest du zunächst wissen, was wirkliches Meditieren bedeutet. Das habe ich dir bereits mehrmals erklärt, doch du erfährst es wohl am effektivsten, indem du eines meiner Seminare besuchst, wo du wirkliche Meditation erlernst und von da an den Rest deines Lebens täglich praktizierst. Daher werde ich es hier nicht erneut erläutern. Ich kann dir jedoch nahe bringen, warum Meditation und Gebet nicht dasselbe ist.
Der wesentliche Unterschied zwischen Meditation und Gebet ist jener:

Im Gebet offenbarst du die Haltung der Trennung von der Quelle – dort ist Gott und da bist du. Du fühlst dich nicht eins mit der Göttlichkeit, daher bittest und bettelst du. Du flehst die Quelle an und hoffst auf deren Güte, deren Erbarmen. Dabei entsteht keinerlei Tiefe, keinerlei Verbindung, keinerlei Einheit, denn du murmelst Phrasen, bist kognitiv am Winseln um die Erfüllung gewisser Bedürfnisse deines Egos, die vielleicht erfüllt werden, wenn die Quelle das so möchte. Du bist im Wollen und Verlangen und dies ist immer ein Beweis dafür, dass du in irgendeinem Aspekt deines Lebens an Mangel zu leiden glaubst. Selbst wenn du in Dankbarkeit betest, so ist dein Gebet das Eingeständnis deines Mangels an Dankbarkeit in dem Glauben, Gott hätte deine Dankbarkeit nicht schon längst erkannt. Und wenn du für andere betest, dann zweifelst du unbewusst daran, dass die Göttlichkeit eins mit diesen anderen ist und deren Bedürfnisse ignoriert oder nicht schon längst erkannt hätte. Du glaubst, die Göttlichkeit bräuchte deine Hinweise, um zu wissen, was für den Anderen das Beste sei. Dein Gebet ist damit eine Verkündung deines Zweifels an Gott. Es ist praktizierter Zweifel. Du glaubst nicht, dass die Göttlichkeit für dich und alles Leben alles bereithält und es im rechten Moment geben wird, daher möchtest du sie durch dein Gebet daran erinnern.
Das Gebet ist eine groteske, verstümmelte Form der Hinwendung an die Quelle – so als müssten deine Lungen das Herz um Zulieferung deines Blutes bitten, was töricht ist, denn Herz und Lungen sind eins als Teil der Organe deines Körpers. So wie du eins mit Gott, mit der Göttlichkeit, mit der gesamten Existenz bist.

In der Meditation aber gehst du zurück in die Einheit mit Gott. Du bist ohne Wollen, ohne Verlangen, ohne Gedanken, ohne den Glauben an Trennung, ohne dem Irrtum, die Göttlichkeit wüßte nicht schon längst, dass du ein Teil von ihr bist. Meditation ist das stille, absichtslose Bekenntnis und die totale Hingabe an die Einheit mit der gesamten Existenz im Hier & Jetzt. Du erinnerst den Kern deines Wesens in völliger Gedankenstille an seinen Ursprung. Du gehst absichtslos und in absolutem Vertrauen zurück in das Bewusstsein der Quelle, hebst jede Form der illusorischen Trennung von Gott auf. Dein Ich, dein Ego ist in der Meditation gar nicht da. Du meditierst um der Meditation willen – nicht aus Mangel heraus, sondern aus Freude an der Fülle. Du meditierst aus Liebe zu Gott und daher willst oder brauchst du in der Meditation auch nichts von der Quelle. Meditation ist das stille, bedingungslose Eingeständnis deiner Einheit mit allem.

Daher kann Gebet niemals die Meditation ersetzen. Und wenn du schon eine Art des Gebetes führen willst, dann bitte und bettle nicht, sondern sprich ganz offen und voller Vertrauen im Geiste als würdest du zu deinem allerbesten Freund sprechen. Sprich die Quelle an in dem Wissen, dass sie dich ohnehin speist.
Wenn du aber meditierst – wirklich–wirklich meditierst –, dann wirst du nie wieder beten müssen, denn du weißt, dass du bloß zu dir selbst sprechen würdest, weil da keine Trennung zwischen dir und der Göttlichkeit existiert. Weil du niemals von der Existenz getrennt warst und es auch niemals sein wirst. Darum ist Mediation stets größer als das Gebet.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Ein Leben ohne Fragen?


Ein Leben ohne Fragen ist ein erleuchtetes Leben. Das ganze Dilemma der Menschheit begann durch die Frage „Wer bin ich?“. Das war die allererste Frage, der Sündenfall, wenn wir im religiös-spirituellen Kontext bleiben wollen, die der Mensch gestellt hat:
„Wer bin ich und wer ist Gott?“
Damit fiel er aus dem Paradies, aus seinem seligen Zustand das Seins heraus. Und seit dem irrt er durch die Dimensionen und wiederholt diese Frage in unzähligen Versionen. Alle bewegenden, essenziellen Fragen sind nichts weiter als Abarten dieser einen Frage. Du bist süchtig nach dieser Frage und den möglichen Antworten.
Die Welt, in der du lebst, fördert dich sogar darin, indem sie dich mit der Aussage „Nur wer Fragen stellt, erhält Antworten!“ zum Narren hält. Rund um diese Aussage kreiert man dir ein Theaterstück voller Lügen und Illusionen. Man verkauft dir die Fragestellung als gut und wichtig. Und du bist mittlerweile so weit von dir selbst entfernt, dass du bereitwillig und völlig widerstandslos daran glaubst. Du fragst unentwegt. Sogar in deinen Träumen stellst du Fragen. Du hältst die Frage für wichtig, weil man dir sagte, sie sei wichtig. Wie kann es dann aber sein, dass keine Antwort die Antwort auf deine Fragen ist? Völlig gleich, welche Antwort du bekommst – sie befriedigt dich nicht! Sie führt dich nicht zurück ins Paradies, sie führt dich nicht zurück in die Seligkeit. Trotzdem stellst du Fragen und das bringt dich in immer größere Schwierigkeiten. Durch all die Fragen und all die Antworten befindest du dich in einem nahezu hoffnungslosen Konflikt mit dir selbst und der Existenz. Dieser Konflikt ist die Ursache deines Leidens. Er ist die Ursache allen Leidens.
Wenn du zum Ende aller Fragen gelangt bist, und es gibt dieses Ende, dann ist das nicht der Punkt, an dem du alle Antworten oder die eine, ultimative Antwort kennst, sondern der Punkt, an dem dir bewusst wird, dass dein Leben nicht durch Fragen oder Antworten erlöst werden kann. Beobachte die Natur. Sie ist ohne Fragen. Sie ist insich die Antwort. Und daher ist sie ohne Fragen. Wenn du dahin zurückfindest, wo du durch dein Sein allein die Antwort bist, wird dir klar, dass es nie eine Frage gab. Daher ist ein Leben ohne Fragen ein erleuchtetes Leben. Ein erleuchtetes Leben ist ein Leben aus der Erkenntnis heraus, dass das Leben ein ewiges Mysterium bleibt. Du kannst es nur dann freudig ertragen, wenn du es als solches bedingungslos akzeptierst. Es ist egal, welche Frage du in Bezug auf das Leben stellst – keine Antwort ist die Antwort darauf.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Angst ist eine Entscheidung


Angst ist nicht real. Der einzige Ort, an dem Angst existieren kann, ist in unserer Vorstellung von der Zukunft. Sie ist ein Produkt unseres Verstandes und seiner Unfähigkeit, im Hier und Jetzt zu verweilen. Angst ist ein Kind unserer eigenen Fantasie und lässt uns Dinge fürchten, die in der Gegenwart nicht existieren und vielleicht niemals existieren werden. Sie grenzt an Wahnsinn. Verstehe mich richtig. Ich sage nicht, Gefahr existiert nicht. Ich sage, Angst ist nicht real. Gefahr ist real, aber Angst ist eine Entscheidung. Sie ist jene Entscheidung, dem Schrecken der eigenen Fantasien zu unterliegen. Wenn wir aus der Unfähigkeit des Verstandes, die Zukunft zu kennen, Angst generieren und dieser Angst folgen, gehen wir wahnsinnige Wege. Wenn wir stattdessen Neugier entwickeln, erzeugen wir Freiheit für den Weg des Wundersamen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce