Andersmensch TV – Mehr Präsenz im Hier & Jetzt


Gerne möchte ich dir eine simple Methode ans Herz legen, um leichter ins Hier & Jetzt zu kommen. Für die inkludierte Entspannungsübung solltest du dir eine ungestörte Viertelstunde deiner Zeit gönnen.

Herzlichst,
dein Andersmensch


© 2018 video by David P. Pauswek – der Andersmensch. © 2018 music by traum:teiler. Video produced by alphawolf studios. All rights reserved.


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Jetzt-Hier-Sein


« Versuche einen Moment lang, jeden Wunsch, die Dinge verstehen zu wollen, loszulassen. Nur einen Moment lang nimm einfach alles so an, wie es gerade ist. Nicht fragen, nicht denken, nur beobachten.
– Ha! Da ist es plötzlich, das Jetzt-Hier-Sein. Übe das täglich! Mache aus diesem einen Moment viele Momente. Mache aus den vielen Momenten jeden Moment. So schwindet die Angst, so wächst die Seligkeit.
»

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Der Verstand ist niemals im Jetzt


Der Verstand ist ein guter Diener, aber ein denkbar schlechter Herr. Du brauchst den Verstand für viele nützliche Dinge, doch die essentiellen Probleme deines Lebens kannst du damit nicht lösen – im Gegenteil! Du schaffst dir in Wahrheit die meisten Probleme mit dem Verstand, weil er begrenzt ist, weil er dich vom Glück abhält, weil er dich mit dem Denken, statt mit dem Leben beschäftigt hält.

Der Verstand ist niemals im Jetzt – er ist im Gestern, er ist im Morgen, aber er ist niemals im Jetzt. Da es aber nie etwas anderes gab, gibt und geben wird, als das Jetzt, kannst du den Verstand nicht nutzen, um das Jetzt zu erfassen – im Jetzt setzt er aus. In besonders intensiven Glücksmomenten oder in Gefahrensituationen erlebst du sehr eindrucksvoll, wie der Verstand kapituliert – deshalb siehst du Unfälle, in die du selbst verwickelt bist, wie in Zeitlupe ablaufen: Du steigst aus dem Verstand aus und wirst in diesen Momenten zu dem, der du wirklich bist – zum unbeteiligten Beobachter, zum reinen Gewahrsein dessen, was so ist. Du erlebst jedes Detail, jede Kleinigkeit des Unfalls vollkommen unbeteiligt, siehst die Dinge sich verlangsamt ereignen, erfährst den Ablauf so teilnahmslos, aber gleichzeitig so intensiv, wie sonst kaum etwas. Erst danach kehrst du allmählich zurück auf die reduzierte Ebene deines Verstandes und identifizierst dich wieder mit dem Geschehen, aber im Moment des Unfalls bist du vollkommen lebendig, bist total im Jetzt, während die Welt um dich herum extrem verlangsamt, deine Wahrnehmung aber präzise und absolut geschärft ist – du erfährst die Tiefe des Jetzt, du bist vollkommen im Leben, aber absolut außerhalb des Verstandes.

Nur das Jetzt besitzt die Tiefe des Lebens, der Verstand aber hat keine Tiefe, deshalb kommt er mit der Tiefe nicht klar, deshalb kommt er mit dem Leben nicht klar. Der Verstand steigt immer dann aus, wenn das Leben stattfindet, und das findet jeden Augenblick statt – du bist also nie lebendig, wenn du denkst, denn du denkst so gut wie in jedem Augenblick.

Versuche das Jetzt mit dem Verstand zu erfassen – du wirst daran scheitern. Kaum hast du „Jetzt“ gedacht, ist es auch schon wieder weg, dieses Jetzt, weil schon wieder Jetzt ist. Das Jetzt ist der einzige Augenblick, in dem das Leben sich vollzieht, aber wenn du nicht da bist im Jetzt – wo bist du dann?
– Wenn du nicht im Jetzt bist, dann bist du nicht im Leben, dann bist du in der toten Vergangenheit oder in der illusorischen Zukunft.

Das Jetzt ist für den Verstand die absolute Grenze, weil im Jetzt das Leben geschieht, nicht das Denken. Du wirst das Leben niemals denken oder verstehen können, weil es weder gedacht noch verstanden, sondern gelebt und erfahren werden möchte. Solange du dich im Jetzt mit dem Denken an das Zuvor oder ein fiktives Später befasst, verpasst du das Leben und schiebst dein Glück ständig auf – das ist der Grund, weshalb du nicht glücklich bist. Dein Verstand sagt ständig, es müsse noch etwas hinzukommen, bevor du glücklich sein kannst, etwas, das vor dir liegt, und so denkst du und denkst und denkst dich am Leben vorbei. Das Positive Denken ist der beste Weg, um niemals lebendig werden zu müssen, sondern ewig im Morgen zu verweilen, doch niemand hat jemals das Morgen erlebt. Kein einziger Mensch hat jemals die Zukunft erfahren, niemals war einer in der Zukunft – jeder Mensch war immer nur im Jetzt. Glück, das später, morgen oder irgendwann geschieht, ist bloß Illusion. Die einzig wahre positive Haltung im Leben ist jene, im Jetzt zu sein. Solange du dem Irrtum aufsitzt, dass morgen dein Glück auf dich wartet, weil du dir jetzt durch Positives Denken ein glückliches Morgen erdenken musst, wirst du sterben und niemals glücklich gewesen sein, denn das Glück kann nur im Jetzt stattfinden. Egal, was du dir auch erdacht hast – ob es sich nun erfüllt oder nicht – du kannst es nur im Jetzt erfahren. Da du aber nie im Jetzt bist, macht dich nichts von dem glücklich, was du dir erdacht hast, denn kaum hat sich etwas für dich erfüllt, bist du auch schon am Denken darüber, ob es auch so erfüllt wurde, wie du es dir erdacht hast – so kommst du niemals an im Glück, so bleibst du ewig ein sich im Kreis denkender Roboter, eine kalte Maschine, eine leblose Denkfabrik.

Wenn du dich führen lassen möchtest, wenn du glücklich sein willst, dann folge dem Herzen, denn das Herz ist unbegrenzt, das Herz ist gefühlvoll, das Herz ist weise, das Herz ist im Jetzt. Der Verstand aber ist begrenzt, kalt und ohne Gefühl, denn im Kopf ist nicht die Heimat deiner Empfindungen – die wohnen im Herzen, und das Herz ist immer und ausnahmslos im Jetzt. Das Leben findet jetzt statt, das Leben ist die Erfahrung deines Empfindens im Jetzt, weniger die Erfahrung deines Denkens an Gestern oder Morgen.

Man hat dich stets nur das Denken gelehrt, niemals aber das Empfinden. Man hat dich denken gelehrt und dich damit vom Leben entfernt, man hat dir dein Jetzt geraubt – ich aber lehre dich zu Empfinden, ich erinnere dich daran, dass du in diese Welt kamst, um jetzt zu leben, nicht um zu denken.

Übe das Jetzt! Erlerne das Jetzt! Finde die Tiefe, entdecke die Stille im Jetzt, denn im Jetzt, im Augenblick, ist kein einziges Problem – eine Sekunde davor, eine danach – da liegt dein Problem, doch es liegt niemals im Jetzt.

Das Leben ist kein Problem, welches du durch denken lösen könntest – das Leben ist ein Mysterium, das es zu erfahren gilt. Solange du denkst, lebst du am Jetzt und somit am Leben vorbei. Wenn du dich von deinem Verstand führen lässt, führt er dich geradewegs in den Abgrund seiner eigenen Grenzen. Du kannst nicht glücklich werden durch das Denken, auch wenn man dich das gelehrt hat – man hat dich etwas Falsches gelehrt! Du brauchst dich nur umzusehen in deiner Welt, in deiner Gesellschaft – es ist eine traurige Welt, eine traurige Gesellschaft, weil alle bloß denken, denken und nur noch denken, weil sie von Denkern regiert und von Denkern bewohnt wird. Die Natur denkt nicht – die Natur erfährt sich immer nur im Jetzt, aber im Jetzt ist kein Gedanke. Im Jetzt ist die Stille, im Jetzt ist das Leben. Im Verstand ist nur tote Vergangenheit oder fiktive Zukunft, aber im Verstand ist kein Leben.

Kinder sind deshalb glücklicher, lebendiger und energetischer, weil sie weniger denken, dafür mehr im Jetzt sind. Dadurch sind sie fröhlich, dadurch sind sie unbeschwert, deshalb haben sie weniger Probleme. Es liegt nicht daran, weil sie weniger Verantwortung zu tragen haben, sondern daran, dass sie in Wahrheit mehr Verantwortung übernehmen – die Verantwortung für das Leben im Jetzt.
Deine einzige Verantwortung ist jene, lebendig zu sein im Jetzt, aber du flüchtest davor, indem du dich im Gestern oder im Morgen vor dem Jetzt versteckst. Kinder sind lebendiger und verantwortungsbewusster als du, weil sie die natürliche Verantwortung am Leben zu sein übernehmen – so wie die Blüte alleine dafür verantwortlich ist, zu blühen, so wie der Wind alleine dafür verantwortlich ist, zu wehen, so wie der Jaguar alleine dafür verantwortlich ist, ein Jaguar zu sein – dazu ist kein Denken nötig, dazu ist kein Verstand erforderlich. Du nennst dich Homo Sapiens – der denkende Mensch – und bist darauf sehr stolz, aber du bist nicht glücklich mit all deinem Denken. Worauf also bist du stolz – auf dein Unglück? Auf dein Unvermögen, das Leben im Jetzt zu genießen vor lauter Denken?

Weil du nichts anderes hast, als deinen Verstand, machst du ihn zu deinem goldenen Kalb, doch dieses Gold ist kalt, hart und gefühllos. Es ist Selbstbetrug, dich mit der Krone des Verstandes zum unglücklichsten König des Planeten zu krönen. Jeder Sperling auf der Straße, jede Ameise im Wald ist glücklicher als du. Jedes Blatt am Baum, jede Wolke am Himmel hat mehr Freude am Dasein als du. Sogar deine Katze rollt sich hinter dem Ofen zufrieden mit sich selbst zusammen, ohne zu denken, ob das auch das wahre Glück sei. Nur du denkst unentwegt und möchtest die Arroganz, die hinter der Illusion deines Verstandes steckt, einfach nicht aufgeben und dir den Irrtum des Denkens als höchste Errungenschaft deines Daseins eingestehen – du hast dich in eine Sackgasse gedacht! Deine ganze Gesellschaft steckt in dieser Sackgasse. Da wird gedacht und gedacht, aber es wurde kein einziges essentielles Problem der Menschheit durch Denken gelöst – es gibt immer noch Kriege, es gibt immer noch Hunger, es gibt immer noch Armut, es gibt immer noch eine bald vollkommen zerstörte Biosphäre. Nichts hast du mit deinem Denken verändert in den letzten 10.000 Jahren, absolut nichts. Du hast sie bloß hin und her geschoben in deinem Kopf, die Problematik des Menschseins. Du steckst in einer Sackgasse. Der einzige Ausweg ist der Weg zurück zum Nicht-Denken, zum Fühlen, zum Jetzt Hier Sein.

Verwende den Verstand als deinen Diener, aber beende die Knechtschaft durch ihn – du bist nicht dein Denken, du bist nicht dein Verstand. Du bist das, was jenseits deines Verstandes liegt – du bist das Herz, der Beobachter im Jetzt!

Solange du deinen Verstand als dein einziges und höchstes Werkzeug ansiehst, solange du das unerklärliche Mysterium des Lebens mittels des Denkens zu erklären versuchst, solange wirst du am Leben vorbei leben. Du lebst nur deshalb am Leben vorbei, weil du nicht glücklich bist – und du kannst nicht glücklich sein, wenn du der Sklave eines Herrn bist. Der Handwerker wird zum Sklaven seines Werkzeugs, wenn dieses Werkzeug sein einziges ist, denn ohne Werkzeug kann er sein Handwerk nicht verrichten – du hast dich auf ein einziges Werkzeug eingelassen: den Verstand. Deshalb bist du zu seinem Sklaven geworden und leidest unter seiner eiskalten Knechtschaft.

Wäre diese Gesellschaft eine Gesellschaft des Herzens, dann wäre die Welt ein warmer, reicher, freundlicher Ort – diese Gesellschaft aber ist eine des Verstandes, deshalb ist sie kalt, arm, berechnend und voller Probleme.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Du und dein Wunsch nach Erleuchtung


Die Menschen besuchen meine Seminare und Vorträge, sie lesen meine Schriften, kommen in mein Institut und fragen: „Andersmensch, bist du erleuchtet? Bist du schon ein Meister?“ – Natürlich tun das einige in der Absicht, mich damit zu provozieren, andere aber stellen diese Fragen vollen Ernstes.

Für gewöhnlich erzähle ich nicht gerne über mich selbst – wozu auch? Du glaubst ohnehin nur das, was dir dein Ego zu glauben gestattet, und mich interessiert deine Meinung sowieso nicht – es ist deine Meinung, sie hat nichts mit mir zu tun, deshalb darfst du sie auch gerne behalten. Wenn ich dich danach frage, kannst du anhand meiner Frage erkennen, dass mich deine Meinung interessiert. Solange ich dich nicht danach frage, versuche nicht, mich damit zu vergewaltigen. Und obwohl ich wenig Sinn darin sehe, über meine Person zu erzählen, möchte ich diesen Artikel dennoch mit einer kurzen Anekdote aus meinem Leben beginnen:

Ich kam erwacht zu Welt. Das war für meine Eltern nicht immer eine Freude und für meine sogenannten Lehrer eine Qual. Da ich in einem spirituell orientierten Umfeld aufwuchs, praktiziere ich seit meinem 7. Lebensjahr Transzendentale Meditation. Das war und ist keine große Sache für mich – es ist einfach Teil meines Lebens. Der Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, war jener Tag, als ich gerade mal 10 Lenze zählte und eine Schneeflocke in meiner Handfläche betrachtete. Mir wurde gewahr, dass diese Schneeflocke, wie alles im Universum, Bewusstsein besaß. Ich sah zu, wie all ihre Herrlichkeit, wie all ihre Einzigartigkeit dahinschmolz in wenigen Augenblicken, aber es lag dabei nicht eine einzige Sekunde Selbstmitleid, Angst oder Reue in diesem vollkommen natürlichen Vorgang des Dahinscheidens. Es schien dem Universum auch völlig gleich, ob jemand ihre herrliche Existenz zur Kenntnis genommen hatte oder nicht.
Jener Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, das war der Tag, als ich 10 Jahre alt war und beim Betrachten dieser Schneeflocke erkannte, dass alles vollkommen ist, dass ich selbst vollkommen bin, dass jeder Mensch und das ganze Universum vollkommen ist. Das war der Tag, an dem ich mir meiner Erleuchtung bewusst wurde. Mir wurde klar, dass Erleuchtung der Grundzustand ist – nicht das Ziel. Das wachsende Gewahrsein dieses Zustandes ist der Weg.

Und in diesem Moment, genau jetzt, bin ich mir vollkommen der Provokation bewusst, die diese Aussage für manche von euch in sich birgt, denn ihr habt euch Erleuchtung anders vorgestellt. Doch das ist euer Problem – nicht das meine. Der Fakt, dass ich mich nicht ausnahmslos und ständig im Zustand von Glückseligkeit befinde, sondern ebenso voll bewusst in die tiefsten Abgründe fallen kann, ist für mich selbst die Bestätigung meiner Aussage, denn Erleuchtung bedeutet, voll und ganz am Leben zu sein und sich dieses Lebens vollkommen bewusst zu sein. Leben bedeutet Auf und Ab, Freude und Leid. Die vollständige Akzeptanz dessen, das ist die Meisterschaft. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst – Erleuchtung ist ein ewiger, endloser Prozess. Und je eher du erkennst, dass du nichts zu leisten hast auf deinem spirituellen Wege, desto näher kommst du deiner eigenen Erleuchtung. Sie ist im Grunde bereits da – du bist dir ihrer bloß noch nicht bewusst…

– Ich weiß nicht, was für dich Erleuchtung ist. Ich habe keine Ahnung, was in deinen Augen einen Meister ausmacht, und es ist mir auch völlig egal, aber ich kann dir versichern, dass jene, die im Lotussitz milde lächelnd wie eine Hindu-Kühe vor dir auf einem Teppich kauern und dir darüber erzählen, wie wundervoll Erleuchtung sei, und welch ein Meister sie selbst wären, schlicht und einfach eine Show abziehen. Sie wollen dir mit all dem Theater weismachen, sie wären erleuchtete Meister, die ein ganz spezielles Geheimnis hüten, damit du ihre Bücher kaufst, ihre Veranstaltungen besuchst, damit du dich unterlegen fühlst und sie samt ihren Lehren zu brauchen beginnst, damit du abhängig wirst von ihrem eigenen illusionären Mangel an innerem Licht, und sie damit ihr Ego und ihre Bank befriedigen können.

Ich versichere dir, ein wahrer Meister muss seine Erleuchtung nicht durch Showeinlagen deklarieren – sie ist offensichtlich und deutlich spürbar. Dazu ist keine theatralisch-suggestive Demonstration nötig. Ein wahrer Meister ist total lebendig. Er kennt die Höhen und Tiefen des Daseins und gibt sich diesen hin. Er weint und lacht. Er hat Sex und liebt das Feiern. Er tanzt ausgelassen wie ein Kind im Regen. Er weint vor Ergriffenheit beim Anblick der Schönheit einer Blüte. Er kann zornig wie ein Gewittersturm oder sanft sein wie der Wind im Mai. Ein Meister macht dich niemals von seiner Lehre abhängig – er macht dich vielmehr frei von allen Lehren, ganz besonders von seiner eigenen.

Ich stelle mir selbst nicht die Frage nach meiner Erleuchtung oder einer möglichen Meisterschaft, denn ich bin voll und ganz damit beschäftigt, lebendig zu sein. Ich bin so sehr am Leben, dass ich keine Zeit habe, mir solche Fragen zu stellen. Ich lebe mein Leben total und das reicht vollkommen aus. Ein totales Leben ist ein Leben in Erleuchtung. Wer sein Leben jeden Augenblick in aller Totalität lebt, der ist ein Meister.

Für mich ist zum Beispiel eine Schneeflocke erleuchtet. Ihre herrliche Erscheinung ist so zart, so vergänglich, so kurzlebig und zerbrechlich in ihrer wunderbaren Einzigartigkeit, dass man, wenn man sie mit allen Sinnen wahrnimmt, von ihr alles, aber absolut alles, über das Universum und das Leben lernen kann. Eine Schneeflocke ist ein erleuchteter Meister; vor allem aber ist sie das, was sie am besten kann – voll und ganz eine Schneeflocke. Es ergeben sich in ihrem Dasein keinerlei Fragen. Sie ist für sich gesehen die beste Schneeflocke, die jemals existiert hat, und selbst wenn ihre Existenz nur einen einzigen Augenblick währt, so ist dieser Augenblick ein Augenblick vollkommener Meisterschaft.
Als Zehnjähriger wurde mir bewusst, dass das Leben als Mensch wie diese Schneeflocke ist – einzigartig, herrlich und vergänglich.

Ein wahrlich spiritueller Mensch verschwendet keinen einzigen Gedanken an seine Erleuchtung, noch sucht oder strebt er danach – ein wahrlich spiritueller Mensch ist einfach voll am Leben. Er ist voll und ganz damit befasst, im Hier und Jetzt zu sein. Er lebt sein Leben total. Er gibt sich jedem Auf und jedem Ab, aller Freude, allem Leid, aller Lust und allem Schmerz voll und ganz hin. Da bleibt kein Raum und keine Zeit mehr, sich nach der Erleuchtung oder Meisterschaft zu fragen.

Du sehnst dich nach Erleuchtung, ja du kämpfst und buhlst regelrecht um das, was du für Erleuchtung hältst, ehrgeizig, ganz und gar konform mit dem Leistungsdenken deiner Gesellschaft – doch warum tust du das? Warum möchtest du erleuchtet sein, wenn du noch nicht einmal weißt, was Erleuchtung ist? Du hast gar keine Ahnung, was Erleuchtung ist. Niemand kann sie dir erklären, bevor du sie nicht für dich selbst erlangt hast.
– Man hat dir jedoch Erleuchtung versprochen, wenn du dieses oder jenes tust, wenn du auf diese oder jene spezielle Weise lebst; und das tust du dann auch in der Hoffnung, dadurch die Erleuchtung zu erlangen, aber du weißt gar nicht, warum du das alles tust.

Nun stelle ich dich vor eine Herausforderung: Gut! Angenommen, du wärst jetzt in diesem Augenblick erleuchtet, ein Meister – was wäre dann? Und vor allem – was kommt danach?
– Das hat dir noch keiner gesagt; und auch du hast noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, was danach geschieht, weil es dir in Wirklichkeit gar nicht um Erleuchtung, sondern um Überlegenheit geht. Du glaubst, durch das, was du für Erleuchtung hältst, endlich überlegen und von aller Angst und jedem Leid befreit zu sein, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich da gewaltig täuscht. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst, denn Erleuchtung ist kein statischer Zustand – Erleuchtung ist ein beweglicher, individueller Prozess; ein ewiger, endloser Prozess.

Ich sage dir, solange du dich nach Erleuchtung sehnst, wird sie für dich nicht eintreten. Solange du dich oder andere nach einer Meisterschaft fragst oder beurteilst, wirst du die deine nicht erlangen, denn wenn du Zeit hast, solche Fragen zu stellen, dann lebst du noch nicht voll und ganz im Hier und Jetzt, dann lebst du dein Leben noch nicht total genug, dann bist du noch nicht total lebendig.

Erlange zunächst einmal den Zustand des total lebendigen Seins im Hier und Jetzt mit all seinen Widersprüchlichkeiten, die es in ihrem vollen Ausmaß zu akzeptieren gilt, und du wirst niemals mehr einen einzigen Gedanken an Erleuchtung oder Meisterschaft verschwenden.
Vor der Erleuchtung, vor der Meisterschaft, kommt das völlige Loslassen des Wunsches danach.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce