Nur ein liebender Mund spricht Wahrheit


Als Maria aus Magdala zum Grab von Jeshua ging, um den Leichnam zu salben, da sah sie, dass der Stein vor dem Grab weggerollt und das Grab leer war. Sie fiel auf die Knie und weinte. Ihr Weinen galt dem Fehlen des Körpers jenes Mannes, dem sie folgte als Schülerin und den sie liebte als ihren Mann, und es galt der Erkenntnis, dass er der Heiland sein musste.

Als sie aus dem Grab kam, stand ein Fremder vor ihr, der lächelnd fragte: „Weib, was weinst du so bitterlich?“
Sie antwortete: „Das Grab ist leer. Ich bin ohne meinen Mann und ich bin ohne meinen Meister.“
Aber der Fremde lächelte nur und sagte „Erkennst du mich denn nicht, Weib? Was suchst du den Lebenden unter den Toten? Ich bin es. Und ich lebe.“
Da erkannte Maria ihn, denn sie sah, dass er es war, und sie fiel vor ihm auf die Knie und streckte ihre Hände nach ihm aus, doch er sagte: „Rühre mich nicht an, Frau, denn noch bin ich nicht aufgefahren zu meinem Vater im Himmel. Doch zu dir komme ich als der Erste und als die Erste sollst du gehen und ihnen sagen, ich lebe. Gehe, und bringe ihnen die frohe Kunde, dass ich nicht eingehen kann ins Reich der Toten, und lehre sie die Worte, die ich nur dir gab, und berichte, wer ich dir bin, nachdem ich hochgestiegen bin zum Vater!“
Und Maria war glücklich, denn sie wusste nun, dass er lebte und sie ging zu dem Haus, wo die Jünger sich versteckten aus Angst vor Verfolgung, wo sie klagten um den Tod ihres Meisters, denn sie hatten Angst und waren voll Kummer. Maria tat, wie er ihr es aufgetragen hatte. Doch die Jünger konnten nicht glauben, was Maria erzählte. Und so gingen drei von ihnen mit Maria zum Grab, unter ihnen Simon Petrus, und auch sie sahen, dass es leer war.

Da nahm Simon Petrus Maria zur Seite und sagte: „Schwester, wir wissen, der Herr hat dich mehr geliebt hat als andere Frauen. Erzähle uns doch von seinen Worten die er nur dir allein gab, denn vielleicht haben wir einige davon noch nicht gehört. Welches sind die Geheimnisse, die nur du kennst?“
Maria aus Magdala antwortete: „Sobald er aufgestiegen ist zum Vater im Himmel will ich euch alles wahrheitsgetreu sagen, so wie er es mir gesagt hat, bis ins Kleinste.“
Da wurde Simon Petrus sehr wütend, denn er war voll Eifersucht.
Maria aber beruhigte ihn und sagte: „Ich will euch nicht nur die Geheimnisse anvertrauen, die er nur mir allein anvertraute und die dann keine mehr sein sollen. Ich will euch auch berichten von dem Mann, der er mir war und der er mir immer sein wird, denn ihr sollt ihn kennen bis ins Kleinste. Als Meister habt ihr ihn geliebt, als Heiland werdet ihr ihn erkennen, ich aber habe die Aufgabe, euch den Menschen zu bringen, der er ist.“

Was ich dir mit dieser Geschichte sagen möchte? – Ich will dir damit nahelegen, dass du nicht die fragen sollst, die nicht lieben. Jemand, der nicht liebt, kann nicht die Wahrheit sagen. Wenn du etwas über einen anderen Menschen erfahren willst, den du selbst nicht fragen kannst, dann gehe nicht zu jenen, die ohne Liebe über einen anderen berichten, denn was sie dir erzählen werden, ist bloß die Wahrheit über sie selbst, aber eine Lüge über den Menschen. Wenn du einen Menschen nicht über sich selbst fragen kannst, damit er dir über sich erzählt, dann frage diejenigen, die ihn lieben. Frage die, die mit ihm in Frieden sind. Sonst wirst du nur Lügen hören und ein falsches Bild bekommen. Kein Mensch kann die Wahrheit sagen, wenn er nicht liebt. Denn Liebe und Wahrheit sind eins.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Karfreitag


Meine liebsten Feiertage sind schon immer der Karfreitag und der Ostermontag gewesen. Für mich als Kind Gottes, das ich mit jeder Zelle bin, wiegen diese Tage schwer. Und obwohl ich ein bisschen jeder Religion, ganz viel aber gar keiner angehöre, bin ich doch Christ und werde es auch immer bleiben.

Wenn du einen Christen als einen siehst, der den Evangelien Jesus folgt, dann bin ich Christ. Wenn die Lehre Jesus als das Urchristentum gilt, wenn sie dein höchstes anzustrebendes Ziel darstellt und du Jesus liebst als den Größten von uns, wenn du ihn ehrst und achtest als Mensch und als Meister, dann trifft diese Definition „Christ“ auf mich zu, denn dann bin ich Christ. Dann bin ich Evangelist. Wenn du „Christ“ damit verwechselst, heuchlerisch Kirchensteuer zu zahlen, dich die ganze Woche über wie ein Arschloch zu verhalten, aber am Sonntag scheinheilig zur Beichte zu gehen und zu glauben, Gott wäre ein Idiot, den du mit 15 „Ave Maria“ bestechen könntest, wenn du glaubst, der Papst und seine Bischöfe wären tatsächlich Gottes Stellvertreter oder Geschäftsführer auf Erden, wenn du Onanie und Sexualität als Sünde betrachtest und an die Rache und den Zorn Gottes, wenn du an Hölle und Fegefeuer glaubst, dann bin ich in diesem Sinne kein Christ, denn all das wäre nicht christlich, sondern Katholizismus.

Nach meinem Verständnis von Jesus bin ich aber Christ, ohne einer Religion anzugehören, denn ein Christ zu sein ist keine religiöse Sache – ein Christ zu sein ist eine spirituelle Sache.

Ein Christ zu sein bedeutet, Gott über alles zu lieben. Es bedeutet, in allem, was da ist, Gott zu suchen und zu finden. Es bedeutet, sich dem Kreuz des Lebens hinzugeben und sich der Vergebung Gottes sicher zu sein, ohne bewusst ein Arschloch sein zu wollen.

Christ zu sein ist eine Haltung des Herzens. Es ist eine Ausrichtung des Geistes auf Gott hin. Die Liebe Gottes anzustreben, sie zu fühlen, sie in sich zu tragen und allem Leben entgegenzubringen – das ist Christentum. Nicht zu stehlen, nicht zu lügen, nicht zu töten, nicht zu begehren deines Nächsten Hab, Weib und Gut, keine anderen Götter wie etwa Macht, Ruhm, Geld oder Drogen neben Gott zu haben, kein falsches Zeugnis wider deinem Nächsten abzulegen, Vater und Mutter zu ehren, Dankbarkeit für all die kleinen Dinge des Lebens zu verspüren, deinen Nächsten lieben zu wollen, Frieden zu stiften, wo Streit herrscht, Wahrheit zu sein, wo Lüge sich breit macht, demütig vor der Größe Gottes zu sein und Jesus zu folgen durch dein Denken, Fühlen und Handeln – das ist Christentum. Das Kreuz des irdischen Daseins geduldig zu tragen, hinauf den Ölberg deiner Bestimmung, es zu umarmen als das Schicksal, das Gott für dich wählte, und nur einmal am Tage zu zweifeln, um zu wissen, bevor der Abend kommt wirst auch du bei Gott sein, wo all deine Vergehen in Liebe Erlösung finden – das ist Christentum. Und es ist schön, dieses Christentum, denn es ist wahrhaftig, es ist voller Liebe in seinem Kern.

Das Wort Christi, die Lehre Jesu – das ist das für mich einzig gültige Christentum. Denn mein Christentum ist nicht dieser hässliche, pervertierte, heuchlerische Katholizismus. Mein Christentum ist nicht Religion – mein Christentum ist eine wunderschöne Haltung des Herzen. Dazu ist keine Kirche nötig. Dazu ist keine Schrift maßgebend – allein mein Herz auf Gott gerichtet ist Maß und Ziel und Erfüllung. Das ist mein Christentum, mein Christsein.

Und am heutigen Tage, dem Karfreitag, wurde vor rund 2000 Jahren der Tischler aus Nazareth, der nichts Unrechtes tat, der nichts Geringeres tat als zu lieben und von dieser Liebe Zeugnis abzulegen, dem Kreuz ausgeliefert. Er wurde verurteilt, verprügelt, geächtet, misshandelt und getötet von jenen, die er liebte ohne Maß und ohne Bedingung. Am heutigen Tage, dem Karfreitag, wurde uns allen ein Maßstab vorgegeben, wie wir lieben sollten. Er wurde uns im Schmerz eines Mannes, eines Menschen offenbart, der selbst in den Stunden größter Pein noch für seine Peiniger um Vergebung bat – das ist etwas, das in diesen dunklen, egomanischen Tagen, in diesen fremdenfeindlichen, angsterfüllten, satanistischen Zeiten keinen Anklang mehr findet: Für deine vermeintlichen Feinde und Peiniger zu beten!

Doch es wurde jenen aufgetragen, die mit ihrem Herzen bei Jesus sind, es wieder und wieder in Erinnerung zu bringen: Liebe deine Widersacher! Vergib jenen, die nicht wissen, was sie tun!
Und erinnere dich an jene Person, die mit der reinsten dir vorstellbaren Seele auf diese Erde kam, um uns alle zu versöhnen, uns zu einen, um uns alle an das zu erinnern, was die ganze Welt heilen könnte: Liebe.

Das ist für mich Karfreitag: Mich daran zu erinnern, mich selbst dazu gemahnen, dass ich alle Unbill, alle Herausforderungen, alle Pein, alle Ungerechtigkeit der Welt ertragen muss als das Kreuz des menschlichen Daseins in dem Wissen, dass wenn ich dieses Kreuz den Berg hoch habe und die letzte Stunde für mich schlägt, ich zu Gott heim gerufen werde. Und ich werde da sein in einem Paradies der Liebe, denn Gott liebt alle Menschen im selben Maße, aber jeden auf besondere Weise, und er hat für alle Menschen einen Platz in seinem endlosen Haus.

Das ist mein Karfreitag als der Christ, der ich in meinem Herzen für immer bin: Erinnerung an die Härten des Lebens in Demut und Liebe im Namen meines Meisters, Jesus Christus.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du und deine Guru-Schizophrenie


Es geht die gängige Meinung um, Gurus wären gefährlich, sie wären Verführer, Heuchler und Manipulatoren, doch die wahren Heuchler sind nicht die Gurus, sondern ihre Jünger. Der Großteil der Menschen ist mittlerweile so sehr geistig erblindet, so intensiv manipuliert, dass den meisten gar nicht klar ist, was ein Guru überhaupt ist, deshalb will ich es dir erklären.

Das Wort „Guru“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet zu Deutsch „schwer, gewichtig“ aber auch „Lehrer“ oder „Verleiher des Wissens“. Es ist dies der Titel für einen spirituellen Lehrer nichts weiter als das ist ein Guru.

Du aber erkennst deine Gurus heutzutage gar nicht, weil sie nicht mehr mit Turban und im Kaftan gekleidet auftreten, obwohl du eine Menge Gurus hast. Wenn du mir nicht glaubst, dann sieh mal in dein spirituelles oder esoterisches Bücherregal und denke an all die Seminare, die du bereits besucht hast oder noch gerne besuchen möchtest. Sieh sie dir an, deine Bestsellerautoren, Mentaltrainer, Coaches und New Age-Priester!
Ja, all das sind deine geistigen Lehrer, deine modernen Gurus.

Dir ist wohl auch nicht klar, dass Jesus von Nazareth einst ein Guru war und einer Sekte von 12 Jüngern liebevoll das Christentum lehrte. So hat das damals nämlich begonnen mit dieser Weltreligion. Und nur weil Jesus behauptete, der Sohn Gottes zu sein, bedeutet das nicht, dass er ein Heuchler war, denn er hat auch dir gesagt, dass du die Tochter Gottes, der Sohn Gottes bist. In seiner Lehre findet sich aber nirgends der Aufruf zur Tötung Andersgläubiger das haben dann später seine zahlreichen Anhänger in den Kreuzzügen getan. War also Jesus der Guru ein Verführer, ein Blender, oder waren es seine späteren Anhänger?

Was du auch nicht zu wissen scheinst, ist, dass Gurus sich nicht selbst zum Guru machen, sondern dazu gemacht werden, und zwar von dir. Mit jedem spirituellen Buch, das du gekauft hast, mit jedem Vortrag, dem du beiwohnst, mit jedem Seminar, das du besuchst, machst du den Autor oder den Vortragenden gegen seinen Wunsch zum Guru. Du bist von seinen Lehren begeistert und imitierst sie fleißig, was dir oft mehr schlecht als recht gelingt. Irgendwann bist du deshalb frustriert, weil den Teil, in dem dich der Lehrer dazu aufgerufen hat, deinen eigenen Weg zu gehen, die Verantwortung für deine spirituelle Entwicklung selbst zu übernehmen, wolltest du einfach nicht hören, da es der unangenehmste Teil der Lehre war. Es ist nicht Schuld des Gurus oder Lehrers, wenn du seinem Weg nicht folgen kannst. Doch du drehst gerne den Spieß um, wähnst dich lieber als Opfer, als armer Verführter, und misst durch die Tränen deines Selbstmitleids bereits die Balken fürs nächste Kreuz, während dein Nachbar die Nägel dazu schärft. Aber wisse: Opferhaltung ist nichts weiter als Feigheit.

Zuerst suchst du den Guru, dann folgst du ihm, verehrst ihn sogar, aber bei der kleinsten seiner menschlichen Regungen, oder bei deinem eigenen Scheitern an seinen Lehren, bist du bereit, ihn vom Sockel zu stoßen, auf den du selbst ihn gestellt hast. Notfalls würdest du ihn sogar vor Gericht stellen oder töten lassen. Deine Politiker jedoch, die dich offensichtlich belügen, manipulieren und verführen, die bezahlst du hoch, wählst sie Jahr für Jahr wieder und lässt sie ungestraft davonkommen, aber deine geistigen Lehrer, die verurteilst du aufs Schärfste beim kleinsten Anzeichen ihrer Menschlichkeit oder beim ersten Aufkommen deiner Unzufriedenheit an ihrer Lehre.
Das ist Wahnsinn, oder? Das ist Schizophrenie!

Du kannst sicher sein, dass kein spiritueller Lehrer jemals die Absicht hegt, dir zu schaden. Und selbst wenn es vereinzelt welche gab oder gibt, die verführt haben oder verführen, so bist doch du zu ihnen gegangen, um dich verführen zu lassen. Der Verführer trägt an der Verführung weit weniger Verantwortung als der Verführte selbst, so es sich beim Verführten um einen erwachsenen Menschen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte handelt.
Du aber behauptest doch, erwachsen und voll zurechnungsfähig zu sein!

Der Lehrer dient dir hingebungsvoll und geduldig, doch zum Dank für seinen Dienst kreuzigst du ihn. Das tust du schon seit tausenden von Jahren. Vielleicht kreuzigst du heute nicht mehr am Ölberg, aber du tust es mittels der Medien und Gerichte, die du beauftragst, die Schatten des Gurus, des Lehrers, auszuspionieren, um sie ihm als tödliches Kreuz anzulasten. Damit hoffst du vielleicht, dich von deinen eigenen Schatten befreien zu können, aber das wird dir auf diese Weise nicht gelingen.

Jeden, den du um Rat und Unterweisung bittest, machst du so zum Guru, zu deinem Lehrer, doch bedenke: Gurus machen keine Hausbesuche!
Und dir ist hoffentlich klar, was ich dir mit dem letzten Satz sagen möchte.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce