Warum du nichts versprechen sollst


Wir alle erleben Enttäuschungen. So gut wie jeder weiß mittlerweile, dass eine Ent-Täuschung das Ende einer Täuschung bedeutet. Im Grunde wäre das etwas Schönes, über das man sich freuen dürfte, denn wer täuscht sich schon gerne? Trotzdem schmerzt es, an etwas zu glauben, das sich dann anders oder gar nicht erfüllt. Dennoch täuschen wir uns. Wir sind sogar Meister im sich Täuschen. Wir beharren nahezu darauf, uns in allem und jedem zu täuschen, weil wir gerne idealisieren, dramatisieren oder projizieren. Es ist uns offenbar ein Bedürfnis, uns selbst und andere zu täuschen. Irgendwie scheinen wir das zu brauchen, sonst würden wir ja damit aufhören. Doch gerne ziehen wir die Täuschung, besonders aber die Selbsttäuschung, der Wahrheit vor.

Eine der häufigsten Täuschungen mit äußerst hohem Enttäuschungs-Potenzial liegt in unserem Drang, etwas versprechen zu wollen. Viel Schmerz und folglich auch Leid durch Vertrauensbruch entsteht aus Versprechen, die wir geben, aber dann brechen, weil wir sie nicht halten wollen oder können. Jeder kennt es: „Ich werde immer für dich da sein!“/ „Ich werde dich ewig lieben!“/ „Papa holt dich heute zeitiger vom Kindergarten, versprochen!“/ „Beste Freunde auf Lebenszeit!“/ „Ich bin sicher pünktlich!“/ „Nein Schatz, das werde ich bestimmt niemals wieder tun!“ etc.

Kaum ein Viertel aller Versprechen wird gehalten. Einige werden vorsätzlich, die meisten aber unbeabsichtigt gebrochen. Daher solltest du aufhören etwas zu versprechen. Im spirituellen Sinne ist ein Versprechen ein Zeichen von Arroganz gegenüber der Göttlichkeit. Durch ein Versprechen gibst du dich dem Irrglauben hin, stärker, größer oder mächtiger als Gott, das Schicksal oder der Zufall zu sein. Durch ein Versprechen willst du ein Ergebnis garantieren, für das du in Wahrheit gar keine Garantie abgeben kannst. Du vergisst allzu gerne, dass du ein sterblich Wesen bist. Du vergisst, dass jeden Augenblick dein Tod eintreten kann. Du bist so sehr in deinem Wahn von Sicherheit und geplanter Zukunft gefangen, dass du glaubst, du hättest alle Unwägbarkeiten im Griff. Ein Zug, der sich verspätet, ein Stau, ein Unfall, ein Mensch, in den du dich plötzlich unsterblich verliebst, ein Unwetter, ein geplatztes Geschäft, ein Rückfall oder einfach nur ein Wecker, den du nicht gehört hast – wie getraust du dich da etwas zu versprechen? Wie kannst du es wagen, einem Menschen, der dir vertraut, etwas in Aussicht zu stellen, von dem du nicht sicher sein kannst, dass du es ihm geben wirst können?
Du kannst das Ergebnis deiner Gedanken, Worte und Taten nicht hundertprozentig abschätzen. Vielleicht nimmst du dir fest vor, etwas so oder so zu tun, gibst dir dabei äußerst Mühe, aber dann kommt dabei doch etwas ganz Anderes heraus als du wolltest, weil du eben nicht alle Unwägbarkeiten abschätzen kannst. Weil du eben ein Mensch und kein Gott bist.

Du solltest daher keine Versprechen mehr abgeben. Du solltest nur noch deine ehrliche Absicht zu etwas kundtun. Dazu musst du vorher aber auch sehr genau dein Herz prüfen, denn eine Absicht sollte immer aus vollem Herzen verkündet und daher rein und aufrichtig sein, sonst ist es keine gute, sondern eine böse Absicht.

Wenn du heiratest, dann versprich nicht „Bis dass der Tod uns scheidet!“, sondern verkünde lieber die Absicht, mit diesem Menschen so lange leben zu wollen, wie es euch beiden gegeben ist, aber lass die Finger von „niemals“ oder „immer“. Versprich nicht, sondern hege vielmehr eine reine, aufrichtige Absicht, die du kundtust. Das wäre ehrlich. Das wäre realistisch. Das birgt nicht solch scharfe Klingen in sich wie ein Versprechen, das du zwar aus einer Stimmung heraus gibst, aber vielleicht niemals wirst halten können.

Du bist ein Mensch. Menschen ändern sich. Menschen irren sich. Menschen machen Fehler. Menschen haben ein Schicksal oder unterliegen der höheren Gewalt des Zufalls. Menschen haben gar kein Recht, etwas zu versprechen. Nur Gott allein hat dieses Recht. Niemals aber ein Mensch. Du kannst eine ehrliche, reine Absicht hegen und diese auch kundtun, indem du sagst: „Meine Absicht ist es, pünktlich zu sein!“/ „Meine Absicht ist es, dir stets beizustehen!“/ „Ich hege die aufrichtige Absicht, den Rest meines Lebens bei dir zu bleiben!“/ „Ich beabsichtige mich zu bessern!“ / „Meine Absicht nicht mehr zu trinken ist aufrichtig!“ Aber du hast kein Recht, etwas zu versprechen, denn du kannst nicht garantieren, es zu halten.

Wir alle wären schon als Kind weniger verletzt worden, wenn man uns nicht so vieles versprochen sondern einfach nur Absichten verkündet hätte. Wir alle würden weniger die Ehe brechen, weniger Trennungen und Enttäuschungen erleben, wenn wir uns nicht ständig gegenseitig mit Versprechungen von ewiger Liebe und Treue belügen und unter Druck setzen würden. Wir könnten unsere Führer und Politiker mehr achten, wenn sie uns weniger versprächen. Wir alle wären zufriedener, wenn wir mehr Demut gegenüber diesem übermächtigen Universum demonstrierten, indem wir weniger versprechen, dafür aber reinere Absichten hegten.

Eine ehrliche Absicht ist etwas total Ehrbares. Eine Absicht ist etwas Reines, wenn sie als eine solche aus dem Herzen verkündet wird. Eine Absicht zu äußeren, die wirklich aufrichtig gemeint ist, zeugt von Respekt dir selbst und dem Anderen gegenüber, sowie von Respekt gegenüber Gott, dem Leben, dem Schicksal und dem Tod. Durch die Absicht versprichst du kein unabsehbares Ergebnis, sondern bezeugst den aufrichtigen Willen, den Weg zu diesem Ergebnis einschlagen zu wollen, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen durch eine zweifelhafte Garantie.

Ein Versprechen aber ist im Grunde eine schön verpackte Lüge mit eingebautem Zufallsgenerator. Hast du Glück, dann wird daraus Wahrheit. Meist aber hast du Pech und das Versprechen bleibt eine in sentimentalen Momenten schön formulierte Lüge. Du bist ein sterblich Wesen, du kannst gar nichts versprechen, denn du hast nicht die Macht, ein Versprechen unter allen Umständen zu halten. Eigentlich solltest du das wissen, denn du selbst hast es oft genug am eigenen Leibe erfahren, dass jene Versprechen, die man dir gab, nie eingehalten wurden. Aber dennoch bist du bereit, selbst eines abzugeben?

Nur ein Lügner oder ein Narr gibt ein Versprechen – der Weise aber hegt eine aufrichtige Absicht, die er mit seinem ganzen Herzen verfolgt. Und erfüllt er sie nicht, weil es aus irgendwelchen Gründen unmöglich ist, dann lädt er keinerlei Schuld auf sich, denn er hat ja nicht gelogen, sondern nur seine ihm überschaubaren Möglichkeiten zu einer Aussage dir gegenüber als aufrichtigen Willen kundgetan.

Lass die Versprechen sein, denn sie sind Sünde! Deine aufrichtig verkündete Absicht reicht völlig aus, denn sie ist Wahrheit.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Wie gelange ich zu einem positiveren Leben?


Da wird viel über Positivität geredet und geschrieben und jeder möchte sie für sich erfahren, doch für die meisten Menschen ist es nahezu unmöglich geworden, wirklich positiv zu leben. Sie glauben, dazu wären Kraftakte und spirituelle Höchstleistungen nötig. Dabei übersehen sie die einfachsten Dinge. Sie kämpfen einen nahezu ausweglosen Kampf, weil sie nicht bei den simpelsten Methoden beginnen. Ich möchte dir in Liebe gerne helfen, ein besseres Leben zu leben. Und ein besseres Leben erkennst du nicht daran, dass du mehr Geld und Erfolg hast, sondern daran, dass es dir innerlich besser geht.
Daher erkenne als erstes: Von welchem Massenmedium du dich auch programmieren, stimulieren und manipulieren lässt – du kommst der Dunkelheit kaum aus. Und ich sage bewusst „kaum“, denn es gibt immer einen Weg.

Zunächst aber ist es wichtig, dies erneut zu bekräftigen, auch wenn du das wohl bereits tausendundeinmal gehört hast: Das, womit du dich gedanklich und emotional befasst, das verstärkst du. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Dieses Gesetz ist universell. Niemand kann es umgehen.

Daher meine Frage:

Was hat es in deinem Leben jemals verbessert, wenn du eine Zeitung gelesen, TV geschaut, Radio gehört oder dich im Internet mit Seelengift selbst versorgt hast?
Wie hast du dich danach gefühlt, wenn du mit jemand stundenlang über die „Schlechtigkeit“ der Welt gesprochen hast – leer und ausgelaugt, wütend und verzweifelt oder beflügelt, inspiriert, erleichtert und froh?
Hat jemals irgendeine deiner politischen Diskussionen die Politik verändert?
Welcher Art sind die Gedanken, die du den ganzen Tag über denkst, und welche davon sind deine ganz ureigenen?
Ist deine Meinung, ist dein Weltbild aus der Weisheit deiner Seele empor gestiegen oder ist es künstlicher Natur, ein implantiertes und damit sicherlich falsches, völlig unwahres Konstrukt?

– Diese Fragen solltest du dir ganz ehrlich selbst beantworten, denn die vielleicht unbequeme Antwort darauf macht dich frei.

Wer mich kennt, der weiß, ich bin der Letzte, der eine „Kopf-In-Den-Sand-Philosophie“ vertritt, denn ich vertrete gar keine Philosophie. Ich stehe für die Wahrheit und die ist jenseits aller Philosophie. Wahrheit kommt aus dem Herzen. Sie entsteht durch stille Einkehr in den Raum fernab aller Gedanken. Wahrheit hebt sich aus der Tiefe deiner inneren Stille empor und du erkennst sie an ihrer absoluten Unveränderlichkeit. Gewiss möchte ich nicht, dass du dir eine rosarote Brille aufsetzt. Aber ich halte es für absolut kontraproduktiv für dein persönliches Glück, deine seelische Gesundheit und auch dein körperliches Wohl, dich mit den teuflischen Lügen zu befassen, die man dir als „Information“ oder „Weltgeschehen“ nicht nur für teures Geld sondern auch für den Preis deines Seelenfriedens verkauft. All das, was du in Medien vorgesetzt bekommst und dann in deinen Gedanken und Gesprächen mit Energie versorgst, vervielfacht sich für dich. Ich bin jedoch sicher, dass du damit nicht glücklich bist, dass du dir in Wahrheit eine ganz andere Welt wünscht als jene, die zu kennen glaubst.

Daher rufe ich dich hiermit dazu auf, alle Zeitungen zu schließen, das TV-Gerät nicht mehr anzumachen, nicht mehr Radio zu hören, stattdessen deine Lieblingsmusik vom Datenträger deines Vertrauens zu genießen und im Internet nur noch jene Seiten zu besuchen und Artikel zu lesen, die dich mit liebevollem, friedvollem und lieblichem Input versorgen. Und wenn du dann bald nicht mehr mitreden kannst in der Gesellschaft, dann sei dir selbst dankbar, denn glaube mir, du willst da in Wirklichkeit gar nicht mitreden können! Das wolltest du nie. Du hattest bloß Angst, dass man dich dann nicht mehr lieb hat. Aber das kann dir egal sein, denn du hast dann immer mehr dich selbst lieb. Ja, und ich hab dich sowieso lieb. Steig einfach aus. Dreh einfach ab.

In deinen Gedanken wird sich dadurch schon bald sehr vieles ändern. Auch deine Gefühlswelt wird nach und nach von schönerer und feinerer Beschaffenheit sein. Aus negativen Gesprächen ziehe dich zurück. Gestatte dir mehr Raum für Beobachtung der Natur oder spielender Keinkinder. Finde deine täglichen Entspannungsübungen und bewege dich mehr. Genieße das neue Gefühl innerer Leichtigkeit und Unbeschwertheit und deine neue Macht, die du nun hast, weil du weißt, dass du mit dem Ausstieg dieser Art die Welt veränderst, da sich immer für dich das verstärkt, womit du dich befasst. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Dieses Gesetz ist universell. Niemand kann es umgehen.

Erinnere Menschen, die sich mit Negativität vergiften, durch dein Vorbild daran, dass es auch anders geht.
Begreife, dass der Weg aus der Dunkelheit nicht jener ist, noch tiefer in sie hinein zu starren, sondern dich dem Licht zuzuwenden. Und falls da kein Licht sein sollte, dann sei selbst eines.
Wir wenden der Finsternis keine Aufmerksamkeit zu – wir wollen ins Licht, in die Liebe, in den Frieden. Und all das können wir haben, aber nur dann, wenn wir das Gegenteil nicht mehr mit uns selbst füttern.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Du bist Soldat in einem unsichtbaren Weltkrieg


Ist dir das schon aufgefallen? – Egal, welche Information du dir holst, dich findet sehr bald schon jene Gegeninformation, welche die erste Information neutralisiert. Wo auch immer du hinsiehst, was auch immer du hörst oder liest – irgendwer hat immer Argumente und „Beweise“, die ebenso schwer wiegen wie das, was du gesehen, gehört oder gelesen hast. Zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie, zu jeder These eine Antithese, zu jedem Beweis einen Gegenbeweis, zu jeder Information eine Gegeninformation. Und all das trifft dich täglich massenweise und in allen Bereichen deines Lebens. Es gibt nichts mehr, rein gar nichts mehr, woran du dich halten kannst, sobald du dich auf den mühsamen Weg zur Wahrheit machst. Unter dem Strich weißt du hinterher soviel wie vorher. Was bleibt ist Verwirrung und Ratlosigkeit, manchmal auch Wut.
– Das ist das Informationszeitalter! Du lebst in einer Welt voller Information. Du lebst in einer Welt, in der alle Information jederzeit verfügbar scheint. Aber du lebst dadurch auch in einer Welt ohne Wahrheit. Und das ist der größte Verlust, den die Menschheit jemals erleiden musste – den Verlust der Wahrheit zum Preis des Gewinns an unüberschaubarer, überall verfügbarer Information.
Information aber ist nicht gleich Wahrheit und Wahrheit ist nicht gleich Information. Doch woran sollst du das Eine vom Anderen unterscheiden in einer Welt, in der jeder Idiot jedwede Information als Wahrheit verkaufen möchte und auch kann?

Nun, diese Frage ist nicht mit wenigen Worten zu beantworten, denn zunächst muss geklärt werden, worin der Unterschied zwischen Information und Wahrheit besteht.

Information ist etwas, das jeder herstellen kann. Das geht ganz leicht. Du setzt dich einfach vor deinen Computer, logst dich in das soziale Medium deiner Wahl ein oder verfasst einen Blog oder sogar ein Buch. Schreibe einfach munter drauf los. Du musst dich dabei durch nichts bremsen lassen. Schreibe über das, was dir gerade selbst gefällt und was du gerne als Info unter die Leute bringen willst. Wenn du das geschickt machst und so tust, als hättest du von dem Thema, über das du schreibst, tatsächlich Ahnung, dann wird daraus Information. Und wenn du dazu ein wenig googelst, um jemand zu finden, der eine ähnliche Ansicht wie du vertritt, damit du dich in deinen Texten auf ihn beziehen kannst, wird daraus sogar Information mit Wahrheitsanspruch. Ob deine Information tatsächlich wahr ist oder nicht, spielt kaum noch eine Rolle – sobald du deine Texte publizierst, wird es Menschen geben, die sie für die Wahrheit halten. Was sich dazu immer gut macht, sind Fotos zum Text. Diese Fotos müssen nicht unbedingt von dir selbst stammen – du kannst sie mittlerweile einfach auf google klauen. Das kostet nichts und der Großteil aller Menschen tritt das Urheberrecht ohnehin bereits mit Füßen – alles scheint public domain! Daher benutze Fotos, wenn du deine Info besser aussehen lassen möchtest. Du solltest bei der Fotoauswahl bloß darauf achten, dass die Fotos in ihrer Aussage das bekräftigen, was du mit deinen Texten auszudrücken versuchst.
Wenn du ganz schlau bist, googelst du nach irgendwelchen Studien von sogenannten „Experten“, die deine Meinung untermauern könnten, und packst diese Studien als Fußnoten oder Bezugsquellen in deine Texte. Dann publizierst du das Ganze und sorgst dafür, dass es viral wird.
– Voilà! Du hast Information hergestellt! Und die muss nicht einmal wahr sein – sie muss bloß wahr wirken und viral gehen, damit viele Menschen sie für wahr halten. So einfach geht heutzutage Information.

Wahrheit ist im Vergleich zur Information schon schwieriger zu bekommen, denn Wahrheit ist weder inflationär noch ist sie künstlich herzustellen. Natürlich gibt es ein paar ganz Schlaue, die behaupten, es gäbe so etwas wie die Wahrheit gar nicht. Doch vor denen hüte dich, denn solche „Schlaumeier“ wollen dir mit ihrer Aussage bloß weismachen, das es die Wahrheit sei, dass es keine Wahrheit gäbe – ein offenkundiger, logischer Widerspruch und ein Paradoxon, das nicht funktioniert. Daher sei schlauer als die „Es-gibt-7 Milliarden-Wahrheiten-Fraktion“. Es gibt keine 7 Milliarden Wahrheiten – es gibt immer nur eine einzige Wahrheit und vielleicht 7 Milliarden Wahrnehmungen, 7 Milliarden Blickwinkel auf dieser Wahrheit. Doch es gibt Wahrheit. Und von dieser Wahrheit gibt es zu jedem Sachverhalt immer nur jeweils eine einzige.
Wahrheit erkennst du daran, dass sie sich nicht wandelt – sie ist unveränderlich, ewig und klingt immer gleich, ganz egal, von welcher Quelle sie verbreitet wird. Zwei mal Zwei ist immer Vier. Das ist unveränderlich. Alle Farben des Lichtspektrums vereint ergeben immer weißes Licht. Das ist unveränderlich. Eine Kraft ist immer die Ursache einer Beschleunigung. Das ist unveränderlich. Für den Frieden kannst du nicht kämpfen – du musst Frieden sein, wenn du welchen haben willst. Das ist unveränderlich. Alles Leben unterliegt der Evolution und alle Evolution ist Leben. Das ist unveränderlich. Mathematik ist Wahrheit. Physik ist Wahrheit. Evolution ist Wahrheit.
– All das sind Beispiele für Wahrheit. Und all diese Beispiele stellen Aspekte dar, die Unveränderlichkeit ausdrücken. Daher erkennst du Wahrheit daran, dass sie immer gleich klingt, ganz egal, wer sie verkündet. Wahrheit wandelt sich nicht mit der Zeit, der Mode, dem Trend oder der Moral. Sie ist zeitlos und unterliegt nicht dem persönlichen Geschmack. Und Wahrheit ist zudem meist unbequem. Sie deckt sich oftmals nicht mit deinem persönlichen Paradigma und so gut wie nie mit dem globalen. Wahrheit kann weder vergehen noch muss sie erschaffen werden. Wahrheit ist. Wahrheit kann nicht verändert und nicht verborgen bleiben, denn alle Wahrheit strebt beständig an die Oberfläche, ans Licht. Und sie sucht nach dir, wie du nach ihr suchst. Sie wird dich finden, bevor du sie findest. Denn alle Wahrheit strömt. Sie liegt nicht außerhalb von dir, sondern tief in dir. Du kannst sie nicht in deinem Kopf, in deinem Verstand finden – du findest sie ausschließlich in deinem Herzen. Tief in deinem Innersten existiert Wahrheit. Von daher stammt sie. Sie kann nur da sein, wo dein Denken nicht mehr ist, denn dein Denken ist durch Information permanent verwirrt. Dein Herz aber kann nicht durch Information in Verwirrung geraten. Wahrheit ist kein Erzeugnis und sie klingt immer gleich, ganz egal, wer sie verkündet.
– Daran erkennst du Wahrheit.

Wie du siehst, besteht ein großer Unterschied zwischen Wahrheit und Information. Das, was du gemeinhin für Wahrheit hältst, ist meist bloß Information. Dabei wählst du gerne jene Information als deine vermeintliche Wahrheit, die dir momentan am besten in den Kram passt. Du suchst dir jene Info, die das bestätigt, was dir in deiner gegenwärtigen Lebensphase am besten gefällt, und behauptest dann, dies sei die Wahrheit. Dabei vergisst du, wie viele „Wahrheiten“ du im Laufe deines Lebens schon zu ein und demselben Thema hattest – als Fünfzehnjähriger hattest du ganz andere Wahrheiten als mit Fünfundzwanzig und mit 65 hast du ganz andere Wahrheiten als mit 45. Für all deine vermeintlichen Wahrheiten aber warst du zum jeweiligen Zeitpunkt stets bereit zu kämpfen und zu streiten. Und für mache davon wärst du sogar bereit gewesen, etwas ziemlich Dummes oder Schreckliches zu tun.
Doch wo sind sie heute hin, diese total „wahren“ und „wichtigen“ Wahrheiten?
– Sie wurden durch andere, durch neue „Wahrheiten“ ersetzt.
Daher kannst du davon ausgehen, dass deine bisherigen Wahrheiten nicht die Wahrheit waren, sondern bloß Informationen, die dir gut gefallen haben.
Information ist jederzeit und von jedermann künstlich herstellbar, formbar, veränderlich und deinem Geschmack oder dem Trend unterlegen, denn es gibt massig davon. Wahrheit aber ist kein Produkt. Sie ist der unmanipulierte Zustand von etwas, das tatsächlich so ist, wie es ist. Sie kann in ihrer Essenz nicht verändert werden und schert sich einen Dreck um Geschmack, Zeitgeist, Mode oder Moral.

Das Schlimme an der Zeit in der du lebst, ist der Krieg, in dem du dich befindest. Die Schlachtfelder dieser Epoche sind keine geografischen mehr – die Schlachtfelder unserer Zeit befinden sich in unseren Köpfen. Da tobt der Dritte Weltkrieg. In unseren Gehirnen findet der Krieg statt. Und er wird mit Waffen geführt, die da lauten: Argument und Gegenargument, Studie und Gegenstudie, These und Antithese, Beweis und Gegenbeweis, Information und Desinformation. Das Medium dieses Krieges ist das Internet, die sozialen Plattformen. Und du bist ein Soldat mit einem Avatar als Kampfanzug. Deine Front ist deine Meinung, die du dir aus Informationen zusammengebastelt hast. Und so kämpfst du in einem Krieg, den du als solchen nicht erkennen kannst, solange du daran glaubst, dass Wahrheit etwas sei, das außerhalb von dir selbst existieren könnte. Du wirst solange Soldat in diesem Krieg sein, solange du Wahrheit in deinem Kopf zu finden versucht bist. Du wirst mit den Waffen dieses Krieges verletzen und töten, solange du an Expertenmeinungen, unabhängige Studien und Massenmedien glaubst. Du wirst es sogar bis zum Weltuntergang treiben, ehe du nicht erkennst, worin der Unterschied zwischen Information und Wahrheit besteht.
So hart und pathetisch das möglicherweise klingen mag, aber du befindest dich tatsächlich in einem Weltkrieg. Seine Waffe ist die Information. Seine Schlachtfelder sind wir selbst. Und seine Opfer sind unsere dereinst freien Geister. Der Friede unserer Seele ist das größte Opfer dieses Krieges. Erst dann, wenn der Großteil aller Menschen jene Wege geht, die der Wahrheit erlauben, aus dem Herzen des Menschen empor zu steigen, wird dieser Krieg enden. Dazu muss der Mensch das Herzdenken erlernen. Solange der Mensch ein Kopfwesen bleibt und die Wahrheit aus externen Informationsquellen zu beziehen versucht, statt sie aus sich selbst empor steigen zu lassen, solange wird der Krieg weiter toben und die Menschheit in noch kleinere Fraktionen zersprengen, die alle ihren bevorzugten, als Wahrheit gepriesenen Informationen dienen. Denn indem man durch massenhafte Information dem Menschen die Wahrheit nimmt, beraubt man ihn auch des inneren Friedens. Man beraubt ihn der Solidarität mit seinem Nächsten. Und man beraubt ihn dadurch der Würde als menschliches Wesen.
Massenhafte Information ist das Gift, welches die Wahrheit auf Basis der daraus entstehenden Desinformation zu zerstören versucht. Und Wahrheit ist das Heilmittel gegen die Information. Daher finde Wahrheit! Und bedenke: Information existiert inflationär – Wahrheit gibt es zu jeder Sache immer nur jeweils eine. Information strömt von außen nach innen – Wahrheit fließt von innen nach außen. Information verwirrt den Verstand – Wahrheit klärt ihn. Information erreicht den Kopf – Wahrheit kommt aus dem Herzen. Der Weg zum Herzen führt über echte Meditation. Echte Meditation ist etwas, das jenseits des Denkens geschieht.

Wenn du erkannt hast, das echte Meditation der Schlüssel zur Wahrheit ist, weil echte Meditation dir den Quell der Wahrheit und des universellen Wissens in deinem Innersten offenbart, dann wirst du frei sein von all den Wirrnissen des Informationszeitalters. Du wirst dann kein Soldat mehr im Infokrieg sein.

Und am Ende muss jetzt dein Herz entscheiden, ob meine Worte nun Wahrheit sind oder bloß Information. Betrachte es als die erste Übung zum Ausstieg aus dem Krieg in deinem Kopf.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce