Der Krieger und der Weise


Der wesentlichste Unterschied zwischen dem Krieger und dem Weisen ist jener, dass der Weise erkannt hat, dass er bereits besiegt wurde – vom Leben, von der Liebe, vom Schicksal und in weitester Folge vom Tod. Daher ist er bereit zu akzeptieren. Er lebt jenseits des Kampfes, jenseits des Wunsches nach Kontrolle. Er weilt in der Akzeptanz dessen, was ihn umgibt. Und diese Akzeptanz macht ihn unendlich machtvoll und still. Er handelt nur noch dann, wenn es wirklich nötig ist.
Der Krieger hingegen will alles bekämpfen, alles an sich reißen, es kontrollieren. Er glaubt in seiner Torheit noch an den Sieg und erschöpft sich im Gefecht gegen übermächtige Gegner. Doch er wird nicht siegen – gegen das Leben, die Liebe, das Schicksal oder den Tod. Er wird pausenlos in die Knie gezwungen, er wird verlieren, bleibt jedoch töricht genug, der Übermacht mit neuen Waffen und Strategien zu antworten. Dabei leidet er, kann aber seinen Kampf gegen Windmühlen nicht beenden, bevor er sich nicht vom Krieger zum Weisen wandelt, bevor er nicht erkannt hat, dass er nur noch dann handeln muss, wenn es unbedingt nötig ist. Er wird keinen Frieden finden, solange er nicht gelernt hat zu akzeptieren.
Diese Welt ist eine Welt erschöpfter, trauriger Krieger, die unheimlich stolz auf ihren Kampf, ihre Torheit sind. Wäre diese Welt eine Welt der Weisen, würde sie in Frieden liegen; sie wäre bevölkert von zufriedenen Menschen, die sich freudig dem hingeben, was sie im Augenblick umgibt. Es gäbe keine Tendenz mehr zum Kampf, zur Macht oder Kontrolle, weil Weisheit weder kämpft noch sich in sinnloser Aktivität erschöpft.
Und so wird es stets klüger sein, den Weg des Weisen statt jenen des Kriegers zu gehen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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© 2016 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Von Wahrheit und Heuchlern


Wahrheit ist nicht bequem und Wahrhaftigkeit eine Tugend, die in einer Welt der Lügen nicht gut ankommt. Daher nimm es nicht so schwer, wenn Menschen dich ablehnen, weil du aufrichtig das sagst, was du wirklich-wirklich denkst, das zeigst, was du wirklich-wirklich fühlst, und das lebst, was du wirklich-wirklich willst.
Menschen, die mit dem Finger auf dich zeigen, vergessen gerne, dass dabei drei Finger immer auf sie selbst deuten.
Du weißt ja, nur wer den Ball hat, wird angegriffen. Und der Ball ist stets die Wahrheit. Alle sind hinter ihm her, aber nur wenige können ihn halten.
Wusstest du übrigens, dass z.B. Osho, nachdem man ihn aus den USA verwiesen hatte, in keinem Land der Welt mehr Niederlassungsbewilligung erhielt?
– Das lag gewiss nicht daran, weil sein Bart zu lang war oder er mit zu vielen Frauen Sex hatte, seine 72 Rolls Royces keine Garage fanden oder seine Rolex zu zahlreich mit Diamanten besetzt waren. Es lag daran, dass er wahrhaftig war. Und Wahrhaftigkeit ist immer kontrovers, sie ist immer widersprüchlich, sie wird stets polarisieren. Wahrhaftigkeit ist der Erleuchtete im Bordell, der närrische Weise, das wahnsinnige Genie, der sündige Heilige – dumme, unbewusste Menschen bringen die Kontroverse einfach nicht unter einen Hut; er ist ihnen zu eng, um weitläufig zu erkennen.
Es gibt rund 7 Milliarden Wahrnehmungen, aber nur eine Wahrheit, denn Wahrheit bleibt immer gleich. Ganz egal, wer sie verkündet, sie ist unveränderlich – daran ist sie zu erkennen.
Und Heuchler tun so, als wünschten sie die Wahrheit, wenn sie ihnen aber begegnet, wollen sie sie töten, weil sie durch die Wahrheit an ihre eigene Lüge erinnert werden.
Es gibt so viele Heuchler auf dieser Welt. Daher ist es egal, was andere über dich sagen – sie werden sich immer das Maul zerreißen, um von ihrer eigenen Scheiße abzulenken. Was auch immer du tust, wie auch immer du dich verhältst – sie werden stets etwas finden, wofür sie dich verurteilen können. Und je massiver sie dich verurteilen für das, was du verkörperst, desto wahrhaftiger bist du.
Sobald du erst einmal zu dir selbst erwacht bist, sobald du begonnen hast, wahrhaftig zu sein, werden sie alles dransetzen, dich zu diskreditieren, dich zu diffamieren und fertig zu machen. Denn es gibt immer etwas, das man gegen dich verwenden wird können. In jedem Leben existiert genug Mist, um die Felder anderer damit zu düngen. Daher nimm es nicht zu schwer, wenn sie auf dich losgehen. Du solltest darauf eher stolz sein, denn es ist ein Zeichen für deine Authentizität, für deine Wahrhaftigkeit. Geh unbekümmert deinen Weg, ganz gleich, ob das anderen gefällt oder nicht, denn:
Was kümmert ‘s den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen?

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Worauf wartest du?


Du suchst ständig nach Sicherheit, doch im Leben gibt es keine Sicherheit. Alles in dieser Welt bleibt stets vage, es bleibt solange unbestimmt, bis es sich ereignet im Hier und Jetzt. Aber selbst im Augenblick der Manifestation verbleiben die Ereignisse in ihrer universellen Tragweite ein ewiges Mysterium für die menschliche Ratio. Die Welt, das Leben verharrt in heiliger Unergründlichkeit. Von daher gibt es keine Sicherheit. Gib also den Wunsch danach auf. Lasse ihn los, denn er ist nichts weiter als ein Kind deiner Ängste, ein hoffnungsloses Produkt deiner Befürchtungen. Ganz gleich, was Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Weissagungen auch prognostizieren mögen – im Grunde unterliegt alles stets einer 50:50-Chance. Mit einer einzigen Ausnahme – der Tod. Das, was du den Tod nennst, ist das Einzige, was dir zu 100% sicher ist.
Doch dieser unbequeme Fakt macht dir Angst. Daher verdrängst du jeden Gedanken daran. Du gehst sogar so weit, dich der Illusion hinzugeben, nur die anderen müssten sterben. Für dich selbst aber beanspruchst du auf nahezu arrogante Weise eine groteske Form der Unsterblichkeit. Du lebst dieses Leben so, als hättest du ewig Zeit, weil du den Fakt deiner Sterblichkeit ignorierst. Dabei verzichtest du auf den wertvollsten Lebenslehrer überhaupt – den Tod!
Du sollst wissen, nicht fürchten, dass du sterben wirst. Die mutige, absichtsvolle Integration des Wissens um deinen Tod führt dich zwangsläufig zu totaler Lebendigkeit. Wenn du dir der Vergänglichkeit deiner gegenwärtigen Form gewahr bist und zwar jeden Augenblick – wie kannst du dann noch Zeit vergeuden mit dem Warten auf irgendetwas? Wenn du dir wirklich bewusst bist, dass du sterben wirst, wenn dir klar ist, wie wenig Zeit du hast – wie kannst du auch nur einen einzigen Tag damit verschwenden, deinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten zu bestreiten, die dir keine Freude bereiten? Wie kannst du die wenige Zeit, die dir gegeben ist, damit vergeuden, wegen irgendetwas unglücklich zu sein?

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Wahrheit ist kein Besitztum


Wahrheit ist kein ideologisches, philosophisches oder religiöses Konzept – Wahrheit ist der Ausdruck einer inneren Haltung im Herzen. Wahrheit ist ein Merkmal der Liebe. Wahrheit ist jenes Empfinden, das sich in dir einstellt, wenn du weder gelogen, noch verheimlicht, noch verschwiegen, noch weggelassen noch beschönigt sowie über- oder untertrieben hast. Wenn du nicht mehr die Gedanken anderer denkst, wenn du nicht mehr die Worte anderer sprichst, wenn du nicht mehr den Wegen anderer folgst, dann ist in dir Wahrheit geboren.
Ein Mensch, der in dieser inneren Haltung lebt, ist wahrhaftig. Ein solcher Mensch spricht nicht mehr von Ehrlichkeit, wenn er eigentlich Wahrheit meint. Ein solcher Mensch sucht nicht weiter nach Wahrheit in toten Büchern, leblosen Tempeln oder spirituellen Gemeinschaften – ein solcher Mensch hat alle Konzepte in seinem Kopf ausgelöscht; er haftet keiner Ideologie mehr an, weil er zu dem Bewusstsein gelangt ist, dass du nur dann zur Wahrheit finden kannst, wenn du alle Konzepte, Ideologien und Philosophien in dir losgelassen hast.
Wahrheit ist kein Besitztum – Wahrheit ist das, was du in deiner unverfälschten Form, was du im unverklärtesten Ausdruck deiner Individualität verkörperst. Die einzigen zwei Augenblicke, in denen ausnahmslos jeder Mensch vollkommene Wahrheit verkörpert, sind Geburt und Tod. Die meiste Zeit dazwischen verbringt der Mensch jedoch im Wahn seiner Konzepte.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2014 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Zeit existiert nicht?


„Zeit existiert nicht!“ plappert dein Ego bereitwillig nach, weil es das irgendwo gehört oder gelesen hat und weil diese Aussage in Esoterik-Kreisen momentan populär ist, und du ohnehin gerne übernimmst, was populär ist, ohne zu überlegen, was du da übernimmst.

Zu behaupten es gäbe Zeit nicht, ist von der Ebene, auf der du dich als Ich erfährst, schlichtweg töricht. Es ist genauso töricht, wie sich die Hände vor die Augen zu halten und zu glauben, man wäre dadurch unsichtbar. Zeit existiert – sie existiert auf der Erfahrungsebene deines Ego-Ichs und das kannst du ganz leicht nachprüfen, indem du auf die Uhr siehst und erkennst, dass heute Morgen andere Dinge geschehen sind, als heute Abend – das, was dazwischenliegt, ist Zeit, die vergangen ist.

Die ganze vermeintliche Existenz deines Ichs, deine ganze Illusion vom Erdendasein, ist dem Gesetz der Zeit unterlegen – wenn dieses Ich nun fröhlich einem Lemming gleich behauptet: „Zeit existiert nicht!“, dann ist das wie „Des Kaisers neue Kleider“ im Vice Versa-Modus. Da könntest du genauso gut den Weihnachtsmann als real anerkennen – im Maß der Torheit beider Ansichten besteht kein wesentlicher Unterschied.

Akzeptiere: Auf der Ebene deiner Ego-Ich-Erfahrung gibt es Zeit sehr wohl! Dein ganzes bekanntes Universum baut sich auf den Kräften von Raum, Zeit, Materie und Gravitation auf. Alles in diesem Universum ist in seiner Form vergänglich, und das Maß für diese Vergänglichkeit der Formen ist die Zeit. Wenn du jetzt sagst, es gäbe sie nicht, dann denke an jene Menschen aus deinem Umfeld, die bereits gestorben sind – der Fakt, dass sie nicht mehr hier auf dieser Ebene sind, ist Beweis dafür, dass für dich als Ego-Ich die Zeit sehr wohl existiert und du einem Irrtum erliegst, wenn du unreflektiert nachplapperst, was du nicht verstehen kannst, denn dein Verstand ist nicht in der Lage, das Raumzeitkontinuum zu begreifen. Falls doch, dann stelle doch bitte eine Relativitätstheorie auf, oder erkläre die bereits bestehende auf eine Weise, wie sie auch deine Kinder verstehen würden. Das kannst du nicht? – Nun, dann wirst du dich wohl damit abfinden müssen, dass dein Verstand hier ins Schlingern gerät und du Zeit als einen unbestreitbaren Fakt deiner Welt ansehen musst. Zu sagen „Alles ist relativ!“, ist hier entschieden zu wenig, denn um Relativität erklären zu können, benötigst du eine wichtige Komponente – Zeit!

Für die Seele, die du bist, gibt es natürlich keine Zeit, doch erfährst du dich nicht auf dieser überbewussten Ebene – hier in dieser Welt bist du das Ich, das Ego, und nicht die Seele.

Jene, die dir sagten, es gäbe keine Zeit, waren Erwachte, es waren erleuchtete Meister, deren Aussage dein Ego nicht im vollen Umfang verstehen konnte. Ein Erwachter arbeitet sehr wohl mit der physikalischen Zeit, nicht aber mit der psychischen – deshalb existiert für ihn das ewige Jetzt parallel zur Vergänglichkeit der Formen durch die Zeit. Natürlich benutzt auch er Uhr und Kalender, um sich auf der Ebene von Raum und Zeit zu koordinieren, während er sich gleichsam seiner wahren Existenz als Seele im ewigen Jetzt gewahr ist. Er ist sich zwar auf mehreren Daseinsebenen seines Seins bewusst, doch das entbindet ihn innerhalb der Erfahrungsmatrix von Raum und Zeit noch lange nicht deren Gesetzen.

Ja, Zeit existiert und doch tut sie es nicht. Auch Materie existiert und tut es auf einer höheren Ebene wiederum nicht, denn letztlich ist Materie Energie. Dennoch ist in deiner Erfahrungsmatrix die Materie eine wichtige Größe, die du nicht leugnen kannst – falls doch, dann geh doch bitte durch die nächste Wand! Da du dazu nicht fähig bist, bist du auch nicht dazu berechtigt, Zeit für nicht-existent zu erklären, solange du sie nicht transzendiert hast und daher kontrollierst. Jemand, der im Wald steht und partout behauptet, es gäbe da keine Bäume, der gilt als psychopathologischer Fall – wie soll man jemand bezeichnen, dessen Dasein der Vergänglichkeit der Formen durch die Zeit unterworfen ist und der partout behauptet, es gäbe keine Zeit?

Plappere nicht einfach alles nach, nur weil es gut klingt und populär ist – du bist dir dessen absolut bewusst, dass in deiner Welt Zeit existiert. Und sei froh darüber, denn so weißt du wenigstens, wann genau deine Gehaltsschecks bei dir einlangen oder wann wieder Weihnachten ist.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Die Torheit des Spiegelgesetzes


Es geht im Leben, in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ums Spiegeln, denn der Andere ist nicht dein Spiegel – der Andere ist deine Schöpfung! DU hast ihn in dein Leben gerufen. Was du in dein Leben rufst, ist Schöpfung, nicht Spiegelung. Das Bild im Spiegel ist tot, es besitzt kein eigenes Leben – der Andere aber lebt, weil Schöpfung immer lebendig ist.

Das sogenannte „Spiegelgesetz“ ist eine jämmerliche Erfindung der Esoterik-Industrie und ihrer falschen Propheten. Ich erkläre es hiermit abermals für ungültig, bis jemand kommt und einen unwiderlegbaren Beweis dafür liefert – das aber wird nicht geschehen, weil das Spiegelgesetz nur in den Köpfen unbewusster Geister existiert.

Was dir in deinem Leben widerfährt, ist stets Schöpfung, nicht tote Spiegelung. Manche Erfahrungen schaffst du dir auf bewusster und unbewusster Ego-Ebene, die meisten aber wurden schon vor deiner Geburt auf überbewusster Seelenebene kreiert. Ersteres ist das „Kleine Karma“ – es basiert auf dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Letzteres nenne ich das „Große Karma“ – es gründet sich auf dem Plan der Seele, die du in Wahrheit bist. Beides aber ist deine lebendige Schöpfung, nicht irgendein kaltes, totes Spiegelbild.
Ein Spiegelbild ist tot. Es existiert nicht ohne dich, es kann ohne dich nichts aus sich selbst heraus schaffen. Du aber bist eine kreative, lebendige Seele. Jede deiner Schöpfungen ist lebendig, jede deiner Schöpfungen ist Teil deines Plans. Dein Plan ist vollkommen, er ist göttlich – es bedarf keiner Überprüfung dieser Vollkommenheit durch einen Kontrollblick in den Spiegel. Die Seele muss sich nicht in den Spiegel sehen, um zu wissen, dass sie existiert – nur das Ego muss das tun, weil es weiß, dass es in Wirklichkeit nicht existiert. Jeder Blick des Egos in den Spiegel ist ein verzweifelter Versuch, eine Existenz zu bestätigen, die es nicht gibt. Deshalb findet dein Ego solch großen Gefallen am Spiegelgesetz. Die Wünsche, Hoffnungen, Ängste, Abneigungen und Vorlieben deines Egos aber existieren in Wahrheit gar nicht – sie sind bloß Ergebnis deiner Fremd- und Selbstprogrammierung, die jederzeit austauschbar ist. Jener Plan allerdings, den die Seele hatte, bevor sie sich in die Erfahrungsmatrix von Materie, Zeit und Raum begeben hat, der existiert sehr wohl, und er erfüllt sich unweigerlich – ob das nun deinem Ego auf der Ich-Ebene schmeckt oder nicht. Das Ego hat hier keine Mitsprache, weil das Ego keine wahre Existenz besitzt. Das Ego ist zwar ein wertvolles Werkzeug in dieser Welt, aber es ist nichts weiter als eine Illusion, ein substanzloser Nebel; es erlischt mit deinem physischen Tod – die Seele aber ist ewig, darum besitzt sie Existenz. Sie IST Existenz – die einzig wahre Existenz des Seins in Vollkommenheit.

Was du in deinem Leben erfährst, ist nicht Spiegelung – es ist Schöpfung! Schöpfung ist stets kreativ. Kreativität bedeutet, etwas Neues zu erschaffen. Eine Spiegelung aber ist nichts Neues – Spiegelung ist Kopie, und Kopie ist niemals kreativ, niemals schöpferisch.

Würdest du dich auf deine ureigenen Erfahrungen berufen und nicht einfach wiederkäuen, was andere dir vorpredigen, hättest du das längst erkannt. Wärst du mutig genug, deinen ganz eigenen Weg der Bewusstwerdung zu gehen, könnte dir niemand eine solche Torheit wie das Spiegelgesetz verkaufen. Du aber möchtest dich lieber führen lassen, und so wirst du auch geführt – aber nicht ins Licht, nicht in die herrliche Kreativität der Transzendenz, sondern in die dumpfe Nachahmung und Wiederholung, dessen, was andere für wahr erachten.

Stelle dir doch mal die Frage, was sich denn das sechsjährige Mädchen bei seiner Vergewaltigung spiegelt, oder die Mutter von drei Kindern, die von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und schwer verletzt wird, oder der harmlose Jugendliche, der am Heimweg von der Schule von einer Gruppe Schläger verprügelt wird, die dann das „Happy Slapping Video“ zur Belustigung ins Internet stellen – was spiegeln sie sich diese Menschen?

– Trägt das sechsjährige Mädchen die Vergewaltigung in sich? Trägt die Mutter den Unfall in sich oder der Jugendliche die nicht bewältigte Aggression und geistige Dumpfheit von ein paar Schlägern?

Es wird Zeit, dass du selbst erkennst, was wahr ist, und dir deine Weisheit nicht mehr ausleihst, denn diese Leihgaben an Fremdwissen sind keine Weisheit, sondern Dummheit aus Faulheit. Lerne wieder eigenständig zu denken. Beginne damit, zu erwachen auf allen Ebenen deines Seins. Gründe dein sogenanntes Wissen allein auf deine eigene Erfahrung und übernimm nicht unreflektiert jeden Schwachsinn, der gut klingt, weil es dir gerade bequem in den Kram passt. Meditiere! Geh in die Gedankenstille, die Gedankenleere deines wahren Seins – das ist der einzige Weg zur Authentizität, das ist der einzige Weg zu deiner ureigenen Weisheit.
Du kannst niemals du selbst sein, wenn du dem Irrtum verfällst, das Wissen anderer würde automatisch zu deinem eigenen, bloß weil du es übernimmst. Wissen ohne die Erfahrung des Wissens ist gleich dem Nicht-Wissen!

Das Spiegelgesetz aber hast du nie selbst erfahren – du hast es übernommen und spürst instinktiv, dass daran etwas faul ist. Vergiss also das sogenannte Spiegelgesetz! Es funktioniert nicht. Ein universelles Gesetz kann nur dann ein solches sein, wenn es in hundert Prozent aller Fälle funktioniert – das Spiegelgesetz aber funktioniert nur dann, wenn es für dich praktisch ist. Du benutzt es vor allem dann mit Vorliebe, wenn dir die Argumente ausgehen, weil ein anderer an dir Kritik übt – dann sagst du gerne: „Alles was mich am Anderen stört, bin Ich selbst!“ und zitierst damit C.G. Jung, um den Anderen zu verhöhnen, verbal und intellektuell zu entwaffnen und dich selbst reinzuwaschen. Das ist billig und unreif – ein obszönes Spiel deines Egos.
Jung war ein Idiot, als er diesen Satz prägte, so wie Freud ein Idiot war, als er meinte, nur die Träume eines Menschen wären von therapeutischer Relevanz. Beide waren kluge Köpfe, aber keiner von ihnen war ein Erleuchteter – sie waren beide Opfer und Protagonisten ihrer Zeit und fernab jeder spirituellen Erkenntnis. Und du bist ein unbewusstes Schaf einer unbewussten Schafherde, wenn du bereits überholte, unwahre oder aber auch populäre Aussagen als deine Wahrheit annimmst, ohne sie selbst erfahren zu haben.

Gib das Wiederkäuen des Spiegelgesetzes auf! Irgendjemand wollte damit aus seiner begrenzten Sicht heraus Ruhm und materiellen Vorteil ernten, deshalb wurde es erfunden, aber es ist kein universelles Gesetz wie etwa das Gesetz von Ursache und Wirkung oder das Resonanzgesetz. Wäre das Spiegelgesetz von Gültigkeit, dann könntest du wahllos einen Passanten auf der Straße niederprügeln, ihm danach aufhelfen und ihn fragen: „Na, was hast du dir denn da wieder Schönes gespiegelt, mein Guter?“
Du aber weißt, dass das so nicht funktioniert, denn nicht alles, was dir widerfährt, ist auch etwas, das du in dir trägst.

Du siehst zum Beispiel die Grausamkeit von Kriegsverbrechen – aber trägst du diese Grausamkeit auch in dir? Du siehst Kindesmissbrauch, aber trägst du den Missbrauch von Kindern in dir? Du siehst die Gleichgültigkeit und Ignoranz durch die Industrie der Natur gegenüber – doch bist du selbst der Natur gegenüber gleichgültig und ignorant? Gießt du Tonnen von Giftmüll in das Wasser, das du trinkst? Verseuchst du auf Jahrtausende ganze Landstriche radioaktiv durch deine Atomtests?
– Natürlich tust du das indirekt, weil du Nutznießer all der Bequemlichkeiten deiner modernen Gesellschaft bist, aber würde man dir die Wahl, die Generalmacht überlassen, so träfest du wohl andere Entscheidungen im Hinblick auf jene Dinge.

Du siehst also all diese und andere schreckliche Auswüchse der Menschheit, doch wahrscheinlich trägst du sie nicht in dir, sofern du kein Psychopath bist. Wenn du das also nicht in dir trägst – wie kann es dann dein Spiegel sein?

Die Welt ist nicht dein Spiegel – die Welt ist Leben. Das Bild im Spiegel ist tot, es besitzt kein eigenes Leben – Schöpfung aber ist immer lebendig. Die Welt, das Universum, ist ein Gefäß für das Leben. Das Leben ist Schöpfung, nicht Spiegelung. Das Bild im Spiegel ist bloß eine Nachahmung, eine billige Kopie, die sofort verschwindet, sobald du nicht mehr vor dem Spiegel stehst – Schöpfung aber existiert selbst dann noch, wenn du nicht mehr da bist. Das Leben ist keine billige, leblose Reflexion im Spiegel – das Leben ist permanente, kreative Schöpfung.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Du und deine Guru-Schizophrenie


Es geht die gängige Meinung um, Gurus wären gefährlich, sie wären Verführer, Heuchler und Manipulatoren, doch die wahren Heuchler sind nicht die Gurus, sondern ihre Jünger. Der Großteil der Menschen ist mittlerweile so sehr geistig erblindet, so intensiv manipuliert, dass den meisten gar nicht klar ist, was ein Guru überhaupt ist, deshalb will ich es dir erklären.

Das Wort „Guru“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet zu Deutsch „schwer, gewichtig“ aber auch „Lehrer“ oder „Verleiher des Wissens“. Es ist dies der Titel für einen spirituellen Lehrer nichts weiter als das ist ein Guru.

Du aber erkennst deine Gurus heutzutage gar nicht, weil sie nicht mehr mit Turban und im Kaftan gekleidet auftreten, obwohl du eine Menge Gurus hast. Wenn du mir nicht glaubst, dann sieh mal in dein spirituelles oder esoterisches Bücherregal und denke an all die Seminare, die du bereits besucht hast oder noch gerne besuchen möchtest. Sieh sie dir an, deine Bestsellerautoren, Mentaltrainer, Coaches und New Age-Priester!
Ja, all das sind deine geistigen Lehrer, deine modernen Gurus.

Dir ist wohl auch nicht klar, dass Jesus von Nazareth einst ein Guru war und einer Sekte von 12 Jüngern liebevoll das Christentum lehrte. So hat das damals nämlich begonnen mit dieser Weltreligion. Und nur weil Jesus behauptete, der Sohn Gottes zu sein, bedeutet das nicht, dass er ein Heuchler war, denn er hat auch dir gesagt, dass du die Tochter Gottes, der Sohn Gottes bist. In seiner Lehre findet sich aber nirgends der Aufruf zur Tötung Andersgläubiger das haben dann später seine zahlreichen Anhänger in den Kreuzzügen getan. War also Jesus der Guru ein Verführer, ein Blender, oder waren es seine späteren Anhänger?

Was du auch nicht zu wissen scheinst, ist, dass Gurus sich nicht selbst zum Guru machen, sondern dazu gemacht werden, und zwar von dir. Mit jedem spirituellen Buch, das du gekauft hast, mit jedem Vortrag, dem du beiwohnst, mit jedem Seminar, das du besuchst, machst du den Autor oder den Vortragenden gegen seinen Wunsch zum Guru. Du bist von seinen Lehren begeistert und imitierst sie fleißig, was dir oft mehr schlecht als recht gelingt. Irgendwann bist du deshalb frustriert, weil den Teil, in dem dich der Lehrer dazu aufgerufen hat, deinen eigenen Weg zu gehen, die Verantwortung für deine spirituelle Entwicklung selbst zu übernehmen, wolltest du einfach nicht hören, da es der unangenehmste Teil der Lehre war. Es ist nicht Schuld des Gurus oder Lehrers, wenn du seinem Weg nicht folgen kannst. Doch du drehst gerne den Spieß um, wähnst dich lieber als Opfer, als armer Verführter, und misst durch die Tränen deines Selbstmitleids bereits die Balken fürs nächste Kreuz, während dein Nachbar die Nägel dazu schärft. Aber wisse: Opferhaltung ist nichts weiter als Feigheit.

Zuerst suchst du den Guru, dann folgst du ihm, verehrst ihn sogar, aber bei der kleinsten seiner menschlichen Regungen, oder bei deinem eigenen Scheitern an seinen Lehren, bist du bereit, ihn vom Sockel zu stoßen, auf den du selbst ihn gestellt hast. Notfalls würdest du ihn sogar vor Gericht stellen oder töten lassen. Deine Politiker jedoch, die dich offensichtlich belügen, manipulieren und verführen, die bezahlst du hoch, wählst sie Jahr für Jahr wieder und lässt sie ungestraft davonkommen, aber deine geistigen Lehrer, die verurteilst du aufs Schärfste beim kleinsten Anzeichen ihrer Menschlichkeit oder beim ersten Aufkommen deiner Unzufriedenheit an ihrer Lehre.
Das ist Wahnsinn, oder? Das ist Schizophrenie!

Du kannst sicher sein, dass kein spiritueller Lehrer jemals die Absicht hegt, dir zu schaden. Und selbst wenn es vereinzelt welche gab oder gibt, die verführt haben oder verführen, so bist doch du zu ihnen gegangen, um dich verführen zu lassen. Der Verführer trägt an der Verführung weit weniger Verantwortung als der Verführte selbst, so es sich beim Verführten um einen erwachsenen Menschen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte handelt.
Du aber behauptest doch, erwachsen und voll zurechnungsfähig zu sein!

Der Lehrer dient dir hingebungsvoll und geduldig, doch zum Dank für seinen Dienst kreuzigst du ihn. Das tust du schon seit tausenden von Jahren. Vielleicht kreuzigst du heute nicht mehr am Ölberg, aber du tust es mittels der Medien und Gerichte, die du beauftragst, die Schatten des Gurus, des Lehrers, auszuspionieren, um sie ihm als tödliches Kreuz anzulasten. Damit hoffst du vielleicht, dich von deinen eigenen Schatten befreien zu können, aber das wird dir auf diese Weise nicht gelingen.

Jeden, den du um Rat und Unterweisung bittest, machst du so zum Guru, zu deinem Lehrer, doch bedenke: Gurus machen keine Hausbesuche!
Und dir ist hoffentlich klar, was ich dir mit dem letzten Satz sagen möchte.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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