In deine Hände


Von deinen Händen träumte ich.
Sie webten mir ein Kleid aus Zärtlichkeit.
In deinen Händen schlief ich heute Nacht.
Wie ein Baby lag ich darin,
sicher und warm,
gewogen nach meiner Seele,
nicht nach meinen Taten.
Getragen von deinen Händen war ich,
schlingernd wie ein Korken auf hoher See
in einem Ozean von Liebkosungen.
Deine Händen ruhten auf mir,
auf meiner Brust,
meiner Stirn und meinem Schoß.
Deine Hände schrieben Namen
aus verstaubten Leben über meine Haut,
sie waren Sternenzeit und Unendlichkeit.
Von deinen Händen träumte ich,
als Tor in neue Welten.
Deine Hände waren heut Nacht mein Quell,
meine Ankunft und Heimat,
Nahrung meines Verlangens,
Festung und endlose Weite.
Von deinen Händen träumte ich heut Nacht.
Über den Tag hinweg fühle ich sie noch,
als wären sie unter dem Mantel,
unter den Schichten meiner Person.
Und wenn ich nachts falle,
falle ich in deine Hände.
In deine allein.

© 2015 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Des Dichters Gattin



Heute liegt eine gewisse Melancholie in der Luft. Ich mag das. Melancholie ist die Kunst, ein wenig traurig zu sein, ohne dabei Unglück zu empfinden. Melancholie ist an manchen Tagen die Auftraggeberin des Dichters. Viele bewegende Worte hat sie diktiert, die Melancholie, die ich mir als wunderschöne, hochgewachsene Frau mit langem, glatte-schwarzem Haar und bleicher Haut vorstelle. Ihre Hände sind schlank und die Finger lang, damit sie nach den Herzen der Menschen greifen kann, ohne sie zu verletzen. Aus ihrem linken Auge fließt ständig eine silbrige Träne, die nicht sehr süß, aber auch niemals zu bitter schmeckt. Ein Lied summt sie für einen Liebsten, den sie nicht haben kann, und unten am grauen See, wo die Nebel der Zeit lautlos über den Wellen tanzen, da lebt sie. Der See war einst ein helles Tal, doch nach und nach hat es sich mit ihren silbrigen Tränen gefüllt und wurde so ein finsteres Gewässer. Abends, wenn die Dämmerung ihren samtenen Mantel über die Welt breitet, legt sie ihr bestes Kleid an, fährt mit einem verwitterten hölzernen Kahn hinaus, um in nicht erfüllten Sehnsüchten zu schwelgen. Es ist ihr nicht geschenkt zu altern, sie darf niemals vergehen und das ist ihr ewiger Grund. Und wenn sie dann in der Mitte des Sees, dort wo die Wasser schwarz und endlos tief sind, angekommen ist, dann stimmt sie an zu einem wunderbaren Klagelied, welches zartbitter die Herzen rührt. Melancholie ist die heimliche Gattin jedes Dichters. Sie fragt nicht nach der Hochzeit, denn sie ist längst schon mit jedem Krieger des Wortes vermählt.

© 2012 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Leere Hände


Ich finde mich verloren, unerschütterlich verliebt in deine Schönheit, sowohl in jene profane im Außen als auch in die unergründliche deines Innersten. Aber wie alles Schöne auf Erden, alles, was wahrhaft voll Schönheit ist, findet sich auch das mit Traurigkeit und Schwermut verwoben, denn alle Schönheit ist vergänglich wie Tränen im Regen. Und aus dem Einen wird bald schon sein Gegenteil. So wird aus dem Schönen einst das Hässliche und umgekehrt.

Bei beiden Prozessen bleibt jedoch eines gleich: die Bedauerlichkeit der Wandlung und das alles irgendwie so ist wie feiner Sand, der einem durch die Finger gleitet. Das ist im Grunde schon ein angenehmes Gefühl, wenn dich der Sand zwischen den Fingern streichelt an Stellen, an welchen man sonst nie gestreichelt wird. Es ist aber auch ernüchternd, wenn man aufrichtig bemüht den Sand halten möchte, weil es unmöglich ist und auch für immer unmöglich bleiben wird.

Leere Hände – so kamen wir, so gehen wir.
Leere Hände.

Und das Herz war einst weich, als wir Kinder waren und spielten in wunderbunten Welten, aber hart wird es sein, wenn wir welk und müde heimwärts gehen, denn kein Herz wünscht sich, Durchzugsstrasse der Liebe zu sein.

Jedes Herz will ein ewiger Kirschbaum sein, der blüht und unter dem sich die eigenen Träume verlieben in ihre Erfüllung wie ein Liebespaar, aufgeregt, heißblütig, weil eben erst gefunden.

Leere Hände.
Leere Hände und ein Herz, schlagend für einen einzigen Augenblick vergänglicher Ewigkeit.

© 2013 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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