Transzendenz


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Transzendenz – das ist ein Zustand jenseits des Verstandes, fernab des Denkens. Es ist reines Gewahrsein. Im Zustand der Transzendenz bist du unbeteiligter Zeuge deiner Wahrnehmung. Du bist der, der sich selbst beim Denken und Wahrnehmen beobachtet. Der Beobachter ist frei. Er ist nicht beteiligt an dem, was er beobachtet. In der Transzendenz bist du nichts weiter als stiller Zeuge. Es findet keine Identifikation mehr mit den Gedanken, Wünschen und Ängsten statt. Dadurch lösen sie sich auf. Jenseits des Verstandes, in der Transzendenz, ist das wahre Leben, dort ist das reine Sein beheimatet, die wahre Existenz, die Ist-heit.

Der Verstand kreiert bloß ständig neue Illusionen, neue Wünsche, neue Begierden, neue Probleme – weiter tut er nichts.

Man muss erst einmal einen einzigen Augenblick im Zustand der Transzendenz verweilt haben, um überhaupt dessen Möglichkeit anzuerkennen. Wer jenen Zustand erlebt hat, der will nie wieder zurück ins Roboterdasein des konditionierten, egoverhafteten Menschen, dessen einzige Aufgabe es ist, gesellschaftlich zu funktionieren, und dessen einziges Lebensziel darin besteht, sich durch immer neue Vergnügungen und materielle Güter von seiner wahren Existenz abzulenken.

Wer in seinen Konditionierungen verharrt, wer mit seinem Ego verhaftet bleibt, der ist bereits tot, bevor er überhaupt gestorben ist, denn das Denken setzt deinem unbegrenzten wahren Sein ständig Grenzen, es beschneidet das Leben auf die Beschränkungen des Verstandes. Dadurch wird echtes Leben unmöglich; an seine Stelle tritt das Funktionieren, das Vegetieren.
Denk am besten erst gar nicht zu viel über das hier nach, denn du kannst dich nicht durch das Denken vom Denken befreien – finde dich besser in stiller Meditation ein.

Nur Meditation in Stille führt dich in den Zustand der Transzendenz, nur dort ist jene Gedankenstille, nur dort ist jener Frieden, nur dort ist jenes ewige Sein, nach dem du dich innerlich sehnst. Nur dort ist die tiefe innere Ruhe, die dir dein Verstand über deine ganze Lebensspanne hindurch niemals schenken wird.

Der Verstand, das Ego, ist reine Illusion. Dein Verstand hat keinerlei Substanz, er existiert gar nicht, denn er erlischt mit deinem Tod – das Sein aber ist ewig, ist unsterblich.

Dein Denken ist dir stille Qual, denn es gönnt dir keinen Frieden, keine Pause. Das Chaos in deinem Kopf ist eine Hölle, die dich nicht mal im Schlaf entlässt, denn selbst da rattert dein Gehirn nahezu pausenlos – du nennst das Träumen. Du bist 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, vom ersten Gedanken bis zum letzten Herzschlag Sklave deines Denkens. Und du bist dir dessen nicht einmal bewusst, weil du von all dem Denken keinen freien Raum mehr in dir hast, um das Bewusstsein für dein Leiden am Denken zu entwickeln.

Denken ist dein größtes Dilemma, dein ganzes Problem ist im Denken zuhause. Über deine Konditionierung wurdest du zum Opfer, zum Sklaven deines Verstandes. Das ging so weit, dass du nun glaubst, du seist dein Verstand, aber du bist nicht dein Verstand – du bist reines Sein. Jedoch erfährst du dich nicht als dieses reine Sein, da du dich mit deinem Verstand, deinem Ego identifizierst. Der Verstand sollte dein Werkzeug sein, nicht du seines. Jetzt aber bist du sein Diener geworden und findest keinen Ausweg aus dem Gedankensturm, aus dem Kreis deiner Probleme.
Ich sage dir, du bist nur deshalb Sklave deines Denkens, weil dir noch keiner den Weg gezeigt hat, das Denken abzustellen. Du glaubst sogar, du würdest nicht mehr existieren, wenn dein Denken endet, doch das ist ein großer Irrtum.

Meditation ist Nicht-Denken. Meditation ist Gedankenstille. Meditation ist stilles Gewahrsein. In der Meditation wirst du zum unbeteiligten Zeugen deiner Probleme, du kehrst zu deinem Urzustand, zum reinen Sein zurück, wirst zum stillen Beobachter, und nur auf diese Weise sind deine Probleme zu lösen. So lange du mit ihnen verhaftet bist, kannst du sie nicht lösen. Du wirst ein Problem beseitigen und damit zehn neue schaffen. Solange du dich mit deinen Gedankenformen, mit deinen Wünschen, mit deinen Begierden und Problemen identifizierst, bist du selbst das Problem. Wie willst du dich davon lösen, wenn du selbst das Problem bist? Wie willst du deine Probleme los werden, wenn du nicht von ihnen getrennt bist? Wie willst du befreit sein davon, wenn du sie nicht transzendierst?

Stille Meditation führt dich über das Ego und seine Verhaftungen hinaus, sie werden transzendiert, und erst jenseits deiner Verhaftungen wirst du frei sein, erst jenseits der Identifikation mit deinen Gedanken kannst das sein, was du wahrlich bist – reines Sein, reines Bewusstsein.
Meditation in Stille ist der Schlüssel zur Transzendenz.

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© 2012 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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Konditioniert


Wo auch immer du dich befindest, du musst immer an der Spitze sein, damit du dich gut fühlst. Doch das soll dir nicht zur Last gelegt werden, denn du wurdest letztlich dahingehend programmiert. Es begann bereits in deiner frühesten Kindheit. Je eher du Leistung erbrachtest, desto mehr Aufmerksamkeit und Lob wurde dir in Aussicht gestellt. Du wurdest dressiert wie ein Zirkuspferd. Erfolg, egal in welchem Bereich, war die Grundprogrammierung deines Geistes. Man hat dich so konditioniert, ohne dass du dich dagegen wehren konntest. Daher glaubst du, es wäre wichtig und richtig, ständig der Sieger sein zu müssen. Du hältst diese Programmierung sogar für die wahre Natur des Menschen – über andere zu triumphieren gilt deiner Weltsicht nach als der Sinn menschlichen Daseins. Schuld daran ist dieses falsche Programm in deinem Geist.

Diese ganze Konditionierung aber erzeugt Minderwertigkeitskomplexe, weil sie darauf hinausläuft, dass du immer besser sein willst, besser als alle anderen.
Sie lehrt dich zu konkurrieren, zu vergleichen und dich zu messen mit deinem Nächsten. Sie lehrt dich Gewalt und Kampf.
Sie lehrt dich, dass der Zweck die Mittel heiligt und der Erfolg das einzige Ziel ist.
Du aber musst nicht erst erfolgreich werden – du bist es bereits! Dein Leben alleine, schlicht dein Dasein, ist der Beweis dafür, dass du selbst ein Erfolg bist. Die Liebe Gottes musst du nicht erst durch Leistung erlangen, denn du wärst ohne diese Liebe gar nicht hier. Du wärst nicht hier, wenn Gott dich nicht lieben würde – du hättest keine Existenz, ohne die Liebe Gottes. Wäre Gott nicht von deinem natürlichen Erfolg überzeugt, wäre Gott nicht von dir begeistert, gäbe es dich nicht. Du kannst nicht noch erfolgreicher werden – du bist bereits an der Spitze!

All dein Kampf, der ganze wahnsinnige Wettstreit, ist vollkommen sinnlos. Er ist bloß Resultat deiner Konditionierung, ein unnützes Programm in deinem Geist. Deshalb fällt es dir so schwer, dich selbst zu lieben – du vergisst ständig, wer du wahrlich bist: Gottes gewolltes Kind!

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Du und deine Wut


Wut ist schlecht! – Mit dieser Ansicht bist du aufgewachsen. Wann immer du wütend warst, hat man dich dazu ermahnt, nicht mehr wütend zu sein, was dich naturgemäß noch wütender gemacht hat. Doch dafür wurdest du meistens bestraft.
Nach und nach hast du also gelernt, deine Wut zu unterdrücken, sie zu verbergen, sie runterzuschlucken. Das ist im Grunde Wahnsinn, denn es ist, als schlucktest du pures Gift. Deshalb bildet dein Körper Krankheiten aus – Tumore und Magengeschwüre zum Beispiel sind oftmals Ansammlungen von nicht kanalisierter Wut.

Wut will gelebt werden.

Wann immer aber du Wut zugelassen hast, wurde sie zu einer zerstörerischen Kraft in deinem Leben. Deine ganze Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Wut geworden, obwohl sie Wut gleichsam bestraft. Wut, die furchtbare Dinge anrichtet, was von Natur aus nicht nötig wäre, wenn man nicht die irrige Ansicht lehrte, Wut wäre schlecht. Keiner hat dir gezeigt, wie du Wut für dich sinnvoll nutzen kannst. Niemand wollte dir deine Wut gestatten, weil kaum einer das Wesen der Wut versteht.

Wut ist weder schlecht noch gut. Wut ist eine simple, aber natürliche menschliche Emotion. Emotion ist nichts weiter als Energie in Bewegung (energy in motion = E-motion). Keine Emotion ist besser oder schlechter als die andere, so wie auch Energie nicht in ihrer Qualität, sondern bloß in ihrer Quantität gemessen werden kann. Emotionale Energie strebt immer von innen nach außen, deshalb verlangen Emotionen ihren Ausdruck; und so gibt es für dich brauchbare und weniger brauchbare Wege, eine Emotion auszudrücken – sie also von innen nach außen zu bringen. Das gilt auch für Wut.

– Doch wie entsteht Wut?

Um dies zu verstehen, musst du dir darüber im Klaren sein, dass es nur zwei ursächliche Motive für menschliches Handeln gibt – Liebe oder Angst. Aus diesen Beiden entspringt jede Handlung, jedes Wort, jeder Gedanke.

Wut hat ihren Ursprung in der Angst. Bevor du wütend wirst, hast du immer erst Angst, selbst wenn du nur für einen Bruchteil von Sekunden diese Angst wahrnimmst, bzw. sie vielleicht überhaupt nicht registrierst auf bewusster Ebene. Doch sie ist da – für einen Augenblick, einen Herzschlag, einen Atemzug oder auch länger. Die Ursache von Wut ist jedenfalls immer und ausnahmslos Angst.

Angst lähmt, blockiert, hindert. Und daraus entsteht ein Gefühl der Machtlosigkeit. Machtlosigkeit führt zur Wut. Meist durchläufst du den Prozess „Angst-Machtlosigkeit-Wut“ in Bruchteilen von Sekunden und bist dir deshalb der Angst nicht bewusst. Auslöser für die zum Großteil unterbewusst gelagerte Angst können winzige Kleinigkeiten sein. Du nimmst aber nur das Ende des Prozesses – die Wut – wahr und übergehst somit den eigentlichen Auslöser, nämlich die Angst, als Grund für die Wut, weil dir die Angst nicht bewusst ist. Manchmal verharrst du länger in der Angst, manchmal länger in der Machtlosigkeit, aber irgendwann macht dich diese Machtlosigkeit wütend. Das ist der erste Schritt, an dem du erkennen kannst, dass du deine Angst überwunden hast, was einen Beweis für deine Fähigkeit zu überleben darstellt, denn Wut macht stark. Sie gibt dir jene Kraft, gibt dir jenen Willen zum Handeln zurück, den dir die Angst genommen hat – das ist im Grunde ein positives Zeichen.

Wenn du nun weißt, wie du dir die Wut zunutze machen kannst, dann entsteht daraus für dich ein Segen. Hast du nicht gelernt, sie gewinnbringend zu nutzen, dann wird sie zerstörerisch wirken. Im schlimmsten Falle zerstört sie dich oder etwas anderes Schönes, um das es dir hinterher leidtun wird.

Wie kannst du Wut nun für dich nutzen, ohne etwas zu zerstören?

– Zunächst erlaube der Wut einfach da zu sein. Gestatte dir die Wut. Gestehe sie dir ein und wisse, dass sie vorübergehen wird. Beobachte sie, beobachte dich. Sprich aus, dass du wütend bist. Wenn nötig, schreie es heraus, denn damit hast du der emotionalen Energie bereits zu einem Ausdruck verholfen, was oft schon ausreicht, um die Wut abzuschwächen. Dann lenke sie in die Richtung, in die du gehen wolltest, bevor dir irgendetwas Angst gemacht hat, bevor jenes Ereignis eintrat, welches dich zur Wut gebracht hat.
Versuche nicht, die Wut zu unterdrücken, denn sie wird den Weg nach außen finden. Schlimmstenfalls wird sie zum Magengeschwür oder zum Tumor, wenn sie sich nur lange genug angestaut hat. Im äußersten Extrem kann sie sogar als Amoklauf ihren Ausdruck finden. Das möchtest du vermeiden, deshalb akzeptiere die Wut. Du kannst sie nicht unterdrücken und du kannst sie nicht leugnen. Sie ist da. Akzeptiere das! Bleib im Beobachten. Fühle die Kraft, die sie dir gibt. Fühle, wie sie dein körperliches Vermögen zu handeln und zu reagieren verbessert – dadurch fühlst du dich rasch wohler in deiner Wut.

War es ein Mensch, den du als Auslöser für deine Wut wähnst, dann sag ihm, dass du wütend bist. Bemühe dich nicht zu erklären, warum du wütend bist, denn du bist in Wahrheit nicht wütend – du hattest Angst, doch weißt du meistens nichts davon. Sag dem Menschen, dass er deine Wut zu akzeptieren hat, so wie du selbst sie im Moment akzeptieren willst. Dann geh weg von diesem Menschen. Laufe ein paar Meter, nimm ein Kissen und verdresche es, wenn es nicht anders geht.
Bist du alleine in dem Moment, dann schimpfe, schreie und verprügle das Kissen, stellvertretend für den Menschen oder das Ereignis, welches du als Ursache deiner Wut siehst.

Wenn die Wut verraucht ist, dann hülle den Menschen oder das Ereignis in Liebe und Wohlwollen. Rufe diesen Menschen am Tag danach an, oder führe ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, und sag ihm, wie ungeheuer wütend du auf ihn warst. Entschuldige dich dafür, ihm gegenüber eine solche Regung verspürt zu haben. Gestehe ihm und auch dir selbst ein, dass nicht er die wahre Ursache deiner Wut war, sondern, dass du vor irgendetwas Angst hattest, das du vielleicht nicht benennen kannst, denn du alleine warst und bist die Ursache deiner Angst, die dich in Machtlosigkeit treibt und aus der heraus letztendlich Wut entsteht.

– Auf diese Weise wird dir Wut niemals schaden! Auf diese Weise wird sie dir Boden schaffen für neue Wege und Erkenntnisse. Wut ist eine natürliche Regung und sie ist wichtig für dein Überleben. Wut ist Teil des menschlichen Seins. Wut ist das Feuer, aus dem der Phönix neu entstehen kann, indem er zuvor darin verbrennt. Segne deine Wut und gib dich ihr hin, indem du sie annimmst, indem du sie geschehen lässt, indem du sie zum Ausdruck bringst! Du kannst kein vollständiger Mensch sein, wenn du nicht den Mut zur Wut hast.

Wenn durch Integrale Transzendenz tief verborgene Ängste und somit auch daraus erwachsende Wutpotenziale nachhaltig auflösen möchtest, dann klicke hier: ZUM SEMINAR →

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Du und dein Wunsch nach Erleuchtung


Die Menschen besuchen meine Seminare und Vorträge, sie lesen meine Schriften, kommen in mein Institut und fragen: „Andersmensch, bist du erleuchtet? Bist du schon ein Meister?“ – Natürlich tun das einige in der Absicht, mich damit zu provozieren, andere aber stellen diese Fragen vollen Ernstes.

Für gewöhnlich erzähle ich nicht gerne über mich selbst – wozu auch? Du glaubst ohnehin nur das, was dir dein Ego zu glauben gestattet, und mich interessiert deine Meinung sowieso nicht – es ist deine Meinung, sie hat nichts mit mir zu tun, deshalb darfst du sie auch gerne behalten. Wenn ich dich danach frage, kannst du anhand meiner Frage erkennen, dass mich deine Meinung interessiert. Solange ich dich nicht danach frage, versuche nicht, mich damit zu vergewaltigen. Und obwohl ich wenig Sinn darin sehe, über meine Person zu erzählen, möchte ich diesen Artikel dennoch mit einer kurzen Anekdote aus meinem Leben beginnen:

Ich kam erwacht zu Welt. Das war für meine Eltern nicht immer eine Freude und für meine sogenannten Lehrer eine Qual. Da ich in einem spirituell orientierten Umfeld aufwuchs, praktiziere ich seit meinem 7. Lebensjahr Transzendentale Meditation. Das war und ist keine große Sache für mich – es ist einfach Teil meines Lebens. Der Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, war jener Tag, als ich gerade mal 10 Lenze zählte und eine Schneeflocke in meiner Handfläche betrachtete. Mir wurde gewahr, dass diese Schneeflocke, wie alles im Universum, Bewusstsein besaß. Ich sah zu, wie all ihre Herrlichkeit, wie all ihre Einzigartigkeit dahinschmolz in wenigen Augenblicken, aber es lag dabei nicht eine einzige Sekunde Selbstmitleid, Angst oder Reue in diesem vollkommen natürlichen Vorgang des Dahinscheidens. Es schien dem Universum auch völlig gleich, ob jemand ihre herrliche Existenz zur Kenntnis genommen hatte oder nicht.
Jener Tag, an dem ich meine erste persönliche Erleuchtung erfuhr, das war der Tag, als ich 10 Jahre alt war und beim Betrachten dieser Schneeflocke erkannte, dass alles vollkommen ist, dass ich selbst vollkommen bin, dass jeder Mensch und das ganze Universum vollkommen ist. Das war der Tag, an dem ich mir meiner Erleuchtung bewusst wurde. Mir wurde klar, dass Erleuchtung der Grundzustand ist – nicht das Ziel. Das wachsende Gewahrsein dieses Zustandes ist der Weg.

Und in diesem Moment, genau jetzt, bin ich mir vollkommen der Provokation bewusst, die diese Aussage für manche von euch in sich birgt, denn ihr habt euch Erleuchtung anders vorgestellt. Doch das ist euer Problem – nicht das meine. Der Fakt, dass ich mich nicht ausnahmslos und ständig im Zustand von Glückseligkeit befinde, sondern ebenso voll bewusst in die tiefsten Abgründe fallen kann, ist für mich selbst die Bestätigung meiner Aussage, denn Erleuchtung bedeutet, voll und ganz am Leben zu sein und sich dieses Lebens vollkommen bewusst zu sein. Leben bedeutet Auf und Ab, Freude und Leid. Die vollständige Akzeptanz dessen, das ist die Meisterschaft. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst – Erleuchtung ist ein ewiger, endloser Prozess. Und je eher du erkennst, dass du nichts zu leisten hast auf deinem spirituellen Wege, desto näher kommst du deiner eigenen Erleuchtung. Sie ist im Grunde bereits da – du bist dir ihrer bloß noch nicht bewusst…

– Ich weiß nicht, was für dich Erleuchtung ist. Ich habe keine Ahnung, was in deinen Augen einen Meister ausmacht, und es ist mir auch völlig egal, aber ich kann dir versichern, dass jene, die im Lotussitz milde lächelnd wie eine Hindu-Kühe vor dir auf einem Teppich kauern und dir darüber erzählen, wie wundervoll Erleuchtung sei, und welch ein Meister sie selbst wären, schlicht und einfach eine Show abziehen. Sie wollen dir mit all dem Theater weismachen, sie wären erleuchtete Meister, die ein ganz spezielles Geheimnis hüten, damit du ihre Bücher kaufst, ihre Veranstaltungen besuchst, damit du dich unterlegen fühlst und sie samt ihren Lehren zu brauchen beginnst, damit du abhängig wirst von ihrem eigenen illusionären Mangel an innerem Licht, und sie damit ihr Ego und ihre Bank befriedigen können.

Ich versichere dir, ein wahrer Meister muss seine Erleuchtung nicht durch Showeinlagen deklarieren – sie ist offensichtlich und deutlich spürbar. Dazu ist keine theatralisch-suggestive Demonstration nötig. Ein wahrer Meister ist total lebendig. Er kennt die Höhen und Tiefen des Daseins und gibt sich diesen hin. Er weint und lacht. Er hat Sex und liebt das Feiern. Er tanzt ausgelassen wie ein Kind im Regen. Er weint vor Ergriffenheit beim Anblick der Schönheit einer Blüte. Er kann zornig wie ein Gewittersturm oder sanft sein wie der Wind im Mai. Ein Meister macht dich niemals von seiner Lehre abhängig – er macht dich vielmehr frei von allen Lehren, ganz besonders von seiner eigenen.

Ich stelle mir selbst nicht die Frage nach meiner Erleuchtung oder einer möglichen Meisterschaft, denn ich bin voll und ganz damit beschäftigt, lebendig zu sein. Ich bin so sehr am Leben, dass ich keine Zeit habe, mir solche Fragen zu stellen. Ich lebe mein Leben total und das reicht vollkommen aus. Ein totales Leben ist ein Leben in Erleuchtung. Wer sein Leben jeden Augenblick in aller Totalität lebt, der ist ein Meister.

Für mich ist zum Beispiel eine Schneeflocke erleuchtet. Ihre herrliche Erscheinung ist so zart, so vergänglich, so kurzlebig und zerbrechlich in ihrer wunderbaren Einzigartigkeit, dass man, wenn man sie mit allen Sinnen wahrnimmt, von ihr alles, aber absolut alles, über das Universum und das Leben lernen kann. Eine Schneeflocke ist ein erleuchteter Meister; vor allem aber ist sie das, was sie am besten kann – voll und ganz eine Schneeflocke. Es ergeben sich in ihrem Dasein keinerlei Fragen. Sie ist für sich gesehen die beste Schneeflocke, die jemals existiert hat, und selbst wenn ihre Existenz nur einen einzigen Augenblick währt, so ist dieser Augenblick ein Augenblick vollkommener Meisterschaft.
Als Zehnjähriger wurde mir bewusst, dass das Leben als Mensch wie diese Schneeflocke ist – einzigartig, herrlich und vergänglich.

Ein wahrlich spiritueller Mensch verschwendet keinen einzigen Gedanken an seine Erleuchtung, noch sucht oder strebt er danach – ein wahrlich spiritueller Mensch ist einfach voll am Leben. Er ist voll und ganz damit befasst, im Hier und Jetzt zu sein. Er lebt sein Leben total. Er gibt sich jedem Auf und jedem Ab, aller Freude, allem Leid, aller Lust und allem Schmerz voll und ganz hin. Da bleibt kein Raum und keine Zeit mehr, sich nach der Erleuchtung oder Meisterschaft zu fragen.

Du sehnst dich nach Erleuchtung, ja du kämpfst und buhlst regelrecht um das, was du für Erleuchtung hältst, ehrgeizig, ganz und gar konform mit dem Leistungsdenken deiner Gesellschaft – doch warum tust du das? Warum möchtest du erleuchtet sein, wenn du noch nicht einmal weißt, was Erleuchtung ist? Du hast gar keine Ahnung, was Erleuchtung ist. Niemand kann sie dir erklären, bevor du sie nicht für dich selbst erlangt hast.
– Man hat dir jedoch Erleuchtung versprochen, wenn du dieses oder jenes tust, wenn du auf diese oder jene spezielle Weise lebst; und das tust du dann auch in der Hoffnung, dadurch die Erleuchtung zu erlangen, aber du weißt gar nicht, warum du das alles tust.

Nun stelle ich dich vor eine Herausforderung: Gut! Angenommen, du wärst jetzt in diesem Augenblick erleuchtet, ein Meister – was wäre dann? Und vor allem – was kommt danach?
– Das hat dir noch keiner gesagt; und auch du hast noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, was danach geschieht, weil es dir in Wirklichkeit gar nicht um Erleuchtung, sondern um Überlegenheit geht. Du glaubst, durch das, was du für Erleuchtung hältst, endlich überlegen und von aller Angst und jedem Leid befreit zu sein, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich da gewaltig täuscht. Erleuchtung ist kein Ziel, das du anstreben kannst, denn Erleuchtung ist kein statischer Zustand – Erleuchtung ist ein beweglicher, individueller Prozess; ein ewiger, endloser Prozess.

Ich sage dir, solange du dich nach Erleuchtung sehnst, wird sie für dich nicht eintreten. Solange du dich oder andere nach einer Meisterschaft fragst oder beurteilst, wirst du die deine nicht erlangen, denn wenn du Zeit hast, solche Fragen zu stellen, dann lebst du noch nicht voll und ganz im Hier und Jetzt, dann lebst du dein Leben noch nicht total genug, dann bist du noch nicht total lebendig.

Erlange zunächst einmal den Zustand des total lebendigen Seins im Hier und Jetzt mit all seinen Widersprüchlichkeiten, die es in ihrem vollen Ausmaß zu akzeptieren gilt, und du wirst niemals mehr einen einzigen Gedanken an Erleuchtung oder Meisterschaft verschwenden.
Vor der Erleuchtung, vor der Meisterschaft, kommt das völlige Loslassen des Wunsches danach.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce