6 Jahre ANDERSmensch


Wir feiern unseren 6. Geburtstag. Seit nun bereits mehr als einem halben Jahrzehnt sind wir bemüht, den doch oftmals eher stereotypen Internet-Alltag auf einem gewissen Niveau für all unsere Freunde, Sannyasins, Leser und Fans zu halten, indem wir kostenlos und völlig unverbindlich die hochkarätigen Botschaften von Andersmensch mit der Welt teilen. Daher gilt der Dank an dieser Stelle zunächst sowohl dem Gründer, Initiator und Namensträger, David P. Pauswek, dem wir so viele impulsgebende, inspirierende Inputs verdanken, als auch natürlich all jenen, die uns als Fans, Follower und Freunde über all die Jahre die Treue geleistet haben.
Happy Birthday, Andersmensch! Wie schön, dass es dich gibt!

„Transzendenz. Bewusst. Leben!“

In aufrichtiger Wertschätzung,

das Andersmensch-Team

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Meditation als Weg



Jedes Wort über Meditation ist in Wahrheit ein verlorenes Wort. Niemand kann dir erklären, was Meditation ist. So wie dir niemand erklären kann, was Liebe ist. So wie dir niemand erklären kann, was Leben ist. Du musst die Liebe, du musst das Leben, du musst den Bewusstseinszustand der Meditation selbst erfahren, um zu begreifen, was es ist.

Und auch wenn dir niemand diese Dinge erklären kann, so werden Erwachte nicht müde, es zu versuchen – das ist der Weg des Bodhisattva, der hoffnungsvolle Weg des Buddhas, der liebende Geist des Christus. Der Buddha, der Christus muss dich über den Weg der Meditation anrufen. Er muss auf diesem Wege zu dir finden, ob er das nun möchte oder nicht, daher kann ein Erwachter nicht anders, als dich auf den Pfad der Meditation zu führen, denn er ist Werkzeug des Buddhas, er ist Instrument des Christus geworden. Er muss versuchen, dir zu erklären, was Meditation ist, auch wenn er weiß, dass es unmöglich ist. Er muss es versuchen, damit du dich aufmachst, Meditation für dich zu erfahren. Der Erwachte muss das Unmögliche versuchen, damit für dich das möglich wird, was du bisher für unmöglich gehalten hast. Das ist das Schicksal eines Erwachten. Und das Schicksal eines noch Schlafenden ist es, einem Erwachten zu begegnen, der ihn an wahre Meditation heranführt.

Meditation ist keine Technik. Meditation ist ein Bewusstseinszustand. Es ist der vierte, der essenziellste Bewusstseinszustand neben Wachen, Schlafen und Träumen. Ohne diesen Bewusstseinszustand kannst du keine wahre Erfüllung finden, du kannst ohne ihn niemals dir selbst nahe kommen. Bislang hat man dir diesen Zustand unterschlagen, weil niemand echtes Interesse daran hatte, dass du bewusst wirst, dass du dir selbst nahe bist.

Dennoch ist Meditation der essenziellste Bewusstseinszustand, den der Mensch erreichen kann. Ohne ihn wanderst du weiterhin blind und leer und innerlich nach Hilfe rufend durch die Welt. Ohne ihn bleibst du dieses kleine, wütende, begehrende, verzweifelte Ich, dessen Leben stets zweifelhaften Sinn hat. Ohne Meditation bleibst du unerfüllt und für immer abhängig von äußeren Umständen. Du bleibst ein Spielball deiner Launen und jener der Welt. Du bleibst Bettler, der vom Paradies träumt. Daher ist Meditation essenziell. Und Meditation ist keine Technik. Aber es gibt eine Technik, die dir hilft, diesen Bewusstseinszustand zu erlangen.

Meditation ist der Weg des erhabensten Hinhörens, der Weg reinster Wahrnehmung dessen, was jetzt so ist. Meditation ist die absichtslose Absicht, der höchsten Wahrheit zu lauschen. Es ist der heiligste Weg der Kommunikation zwischen der Göttlichkeit und dem Geschöpf. In der Meditation gewinnst du die Fähigkeit zurück, dir selbst, deinem wahren, authentischen Selbst vollkommene, ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, ohne dem Gedankenwahnsinn deines Ego-Ichs zu unterliegen.

Um wahre Meditation zu erfahren, musst du bereit sein, für kurze Zeit zu sterben. Du musst den Mut aufbringen, dein kleines, hungriges, laut schreiendes Ego-Ich für den Moment des Jetzt-Hier-Seins aufzugeben. Du musst die Kraft haben, alle Wahrheiten, die du bisher für die Wahrheit gehalten hast, loszulassen. Du musst all das, was du zu wissen glaubst, als Nicht-Wissen erkennen. Du musst dieses „Du musst“ bedingungslos akzeptieren. Erst dann, wenn du bereit bist, all dies zuzulassen, erst dann wirst du leer und offen und frei für das, was echte Meditation ist.

Solange du denkst, meditierst du nicht, solange du meditierst, denkst du nicht. Und da wo kein Gedanke mehr ist, da stirbt dein Ich, da erlischt das Ego, da tritt dein wahres Selbst hervor. Da, wo dein Denken nicht ist, da, wo dein Ich nicht ist, da ist die höchste Wahrheit. Da ist Gott, der sich selbst im Sein beobachtet. Meditation ist jener Zustand, in dem Gott zu Gott zurückgefunden hat. Doch solange du da bist, ist Gott nicht da. Und solange Gott da ist, bist du nicht da. Du musst lernen, dich aufzulösen, damit du vollkommen präsent sein kannst.

Als ich selbst mit Meditation begann, war ich sieben Jahre alt. Das war im Jahre 1979. Seit dem meditiere ich. Jeden Tag. Zweimal täglich. Und daher sehe ich mich in der Lage, dir wahre Meditation nahe zu bringen. Ich werde dir zwar niemals beschreiben können, wie Meditation sich anfühlt, denn das musst du ganz für dich selbst erfahren, aber ich kann dir sehr konkret sagen, was sie dir bringen wird:

• Durch Meditation kommst du dir selbst so nahe, dass du wieder eins bist mit der Quelle.

• Mit regelmäßiger Meditation wirst du viel entspannter werden. Auch in Situationen, die dich früher gestresst haben. Du wirst einfacher und schneller entspannen können.

• Deine Aufmerksamkeit sowie deine Konzentrationsfähigkeit werden sich verbessern und deine Wahrnehmung klärt sich zunehmends.

• Dein Selbstvertrauen und dein Selbstwertgefühl steigern sich. Und weil du immer besser mit dir selbst klar kommst, werden sich auch die Kontakte zu anderen Menschen verbessern. Deine Partnerschaften werden tiefer und du wirst Menschen elementar verstehen und auf sie eingehen können.

• Du wirst ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, weshalb du hier bist und ein ganzheitliches Empfinden für dein Leben und das Leben im Allgemeinen aufbauen.

• Meditation wird dir Einblick gewähren in das, was möglich ist, wenn du dich in deinem Leben zu Höherem entwickelst. Sie wird dich zu deiner wahren spirituellen Natur führen.

• Deine Gesundheit und deine Beziehung zu deinem Körper wird sich verbessern und deine Leistungsfähigkeit und Kreativität wird sich signifikant steigern.

• Du wirst innerlich frei und gelöst. Das Sklaventum an der Welt, unter dem du bisher gelitten hast, findet ein Ende. Du wirst zwar unendlich bewusster in der Welt, aber niemals mehr von ihr sein.

Vieles wird dir als Meditation angeboten, doch das Wenigste davon ist Meditation. Als Faustregel gilt hier: Solange du dabei denken oder Anweisungen befolgen musst, solange meditierst du nicht, denn da, wo das Denken ist, kann Meditation nicht sein. Solange du denkst, meditierst du nicht, solange du meditierst, denkst du nicht.

Ich lade dich von ganzem Herzen dazu ein, bei einem meiner Seminare mehr zu erfahren.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Tag des Vaters


Als ich im November 1991 das erste Mal Vater wurde, bekam mein Leben zum ersten Mal wirklich Sinn. Und auch wenn ich damals verhältnismäßig jung war, so fand ich in der Aufgabe und Ehre, in der Verantwortung und der Ernsthaftigkeit meiner Vaterschaft das erste Mal wahrhaftig Glückseligkeit.
Im März des Jahres 2017 durfte ich das zweite Mal Vater werden. Dieses Mal bin ich verhältnismäßig alt, aber an der Glückseligkeit und der unbändigen Freude an meiner Vaterschaft hat sich nicht das Geringste geändert – im Gegenteil: Sie ist unermesslich gewachsen!
Und auch wenn ich von diesen Anlass-Tagen nicht viel halte, so möchte ich diesen heutigen Tag dazu nutzen, mich ganz bewusst in Liebe und Dankbarkeit an all die Männer in meinem Leben zu erinnern, die mir Stück um Stück zeigten, wie ich als Vater sein möchte und wie ich niemals werden will. Ich möchte diese Männer in Aufrichtigkeit ehren, sie in meinem Innersten erheben zu wertvollen Lehrern, ich will ihnen sagen, dass sie mich durch ihr Vorbild zu jenem Vater gemacht haben, der ich heute sein kann und darf.

Allen voran danke ich meinem Großvater, der mich lehrte, mutig zu sein, der mir Tiefsinnigkeit und ein simples Gespür für die Poesie der Welt schenkte. Du warst mir ein Vorbild an Tapferkeit und Standhaftigkeit und ich werde den Tag niemals vergessen, kurz bevor das Leben dich fällte wie eine alte Eiche, als du im Wind standest mit deinem immer noch geraden Rücken und deinem schlohweißen Haar, das schütter im Wind wehte – als diesen aufrechten Mann trage ich dich in mir.

Ich danke meinem Vater, der mich Geduld und Durchhaltevermögen lehrte, der mich an totale Gewaltlosigkeit und den unerschütterlichen Glauben in die eigenen Träume gemahnte. Du lebst in mir als die Wahrheit von Love & Peace, als die Liebe zur Musik und zum Schöngeist. Ich werde dich immer als den lässigsten, geduldigsten Mann erinnern, der, eine „Camel“ zwischen den Fingern, dem Leben und seinen Härten ein gelassenes Lächeln und ein paar Rauchkringel schenkt.

Ich danke meinem Stiefvater, der mich Heldenhaftigkeit lehrte und das Handeln, wenn Worte keinen Sinn mehr machen, der mir beibrachte, dass man hilft, ohne Gegenleistung zu erwarten, und dass man als Vater von dem, was man erwirtschaftet, nur den kleinsten Teil für sich beanspruchen muss. Du wirst für mich immer der kraftvollste und fleißigste Mann sein, an den ich mich erinnern möchte.

Ich danke auch all den anderen oft stillen Männern, die mir Beispiel und Vorbild waren. Ihr alle seid Teil meines Weges zum Mann und Vater gewesen. Und so unterschiedlich ihr als meine Lehrer zum Mann- und Vatersein auch ward, da sind drei große Qualitäten, die ich in euch allen fand: Güte, Warmherzigkeit und einen gewissen Trotz den Härten des Lebens gegenüber. Ich glaube, diese Qualitäten sind es, die uns Männer und Väter so unverzichtbar machen. Ja, und so bin ich der gütigste Vater und der warmherzigste und der trotzigste geworden. Und ich hoffe, ich bin der liebevollste Vater, den die Welt jemals ertragen musste.

Zum Abschluss aber möchte ich auch all den anderen wunderbaren Vätern dieser Welt danken – meinen Brüdern, meinen Schwägern, Freunden und jenen, die ich persönlich nicht kenne. Ich danke im Namen unserer Kinder für eure Opfer, für eure Geduld mit den Müttern, für eure Güte, für eure Warmherzigkeit und euren Trotz dem Leben gegenüber. Und auch wenn wir Väter das Leben niemals bezwingen werden und auch gar nicht bezwingen müssen, so werden wir ihm in all seiner Härte, all seiner Verrücktheit und Gnadenlosigkeit dennoch erhobenen Hauptes begegnen mit einer Kraft im Herzen, die sagt: Bevor du meine Kinder und deren Mutter kriegst, musst du erst durch mich hindurch! Und all das tun wir in Liebe. In Liebe für unsere Kinder und deren Mütter. Es ist die Liebe, die uns schließlich zu Vätern macht und die Vaterschaft, die aus uns Männer macht. Es ist am Ende immer die Liebe, die uns zu etwas Großem erhebt.

Daher gebe ich letztlich meinen ganz persönlichen Vatertag an meine Kinder und an all die Kinder dieser Welt zurück, indem ich ich mich heute abermals ganz bewusst meinen Kindern schenke mit Haut und Haar, mit Herz und Seele. Für euch bin ich gekommen – für euch allein will ich leben, denn ihr, Kinder, ihr seid das Licht, die Liebe und die Hoffnung dieser Welt. Und ihr seid das Wundervollste, das Schönste und Heiligste, was ich im Leben jemals bekommen habe. Ich danke dafür, euer Papa sein zu dürfen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Seelenpartner?


Buddha sagte „Bist du bereit, sind es die Dinge auch!“ und manchmal fühlst du dich zwar bereit, bist es aber in Wirklichkeit noch nicht. Gerade in Beziehungsfragen ist der Mensch ein Meister darin, sich selbst zu täuschen. Er hat noch nicht einmal die letzte Begegnung psychisch abgeschlossen, wähnt sich aber schon bereit für die kommende. Und so stürzt er sich mit all den alten Verletzungen und Enttäuschungen von einer Beziehung in die nächste. Dadurch hofft er, es könne der neue Partner das ordnen, was durch vergangene Partnerschaften in Unordnung geraten ist.
Ohne zu bemerken, dass du dich immer tiefer in einer Abwärtsspirale befindest, die zwangsläufig zu erneuter Frustration führen muss, fliegst du von einer Blüte zu nächsten, obwohl deren Nektar von Mal zu Mal bitterer schmeckt. Ähnlich einer Biene, deren Beinchen von Blütenstaub der Zwischenmenschlichkeit so schwer geworden sind, dass sie kaum noch fliegen kann. Sie summt mit aller Kraft, zappelt und ächzt, kommt aber nicht mehr in die Höhe. Sie trägt einfach zu viel mit sich – Höhenflug ausgeschlossen!

Auch du bist voller altem Ballast. Du blutest aus unzähligen Wunden. Du trägst Enttäuschung, Verletzung und Schmerz mit dir. Dein Herz ist verschlossen. Und auch dein neuer Partner ist voller altem Ballast, blutet aus unzähligen Wunden, trägt Enttäuschung, Verletzung und Schmerz in sich. Sein Herz ist verschlossen. So begegnet ihr einander als Bedürftige, die voneinander erwarten, durch die Bedürftigkeit aus der Bedürftigkeit gerettet zu werden. Ihr verliebt euch zwar, gebt euch dem Taumel dieses Rausches aus körpereigenen Drogen hin, innerlich aber seid ihr weder gelöst noch frei noch bereit. Ihr seid auf psychischer Ebene weder heil noch offen. Und sobald der Taumel der Verliebtheit nachlässt, wundert ihr euch, weshalb es mit euch beiden nicht besser klappt, als mit euren vorherigen Partnern. Solange ihr voller Enttäuschungen, Verletzungen, Bedürftigkeit und Idealvorstellungen seid, solange ist euer Herz verschlossen. Und solange euer Herz verschlossen ist, werdet ihr auch niemals erfüllt lieben können.

Zudem sind viele von euch auf Seelenebene sogar Vertraglich an jemand anderen gebunden, weil ihr irgendwann in einem Anfall von Sentimentalität geschworen hattet, irgendeinen bestimmten Menschen aus eurer Vergangenheit für immer zu lieben – nur diesen einen und niemals wieder einen anderen! Weil sich diese Liebe zu dieser bestimmten Person nicht erfüllt hat und ihr nicht loslassen wollt oder könnt, glaubt ihr nun, diese Person wäre euer Seelenpartner. Schließlich habt ihr darüber schon so viel gelesen und gehört. Man hat euch allerhand Schwachsinn darüber erzählt, den ihr aus Mangel an echtem Wissen für wahr erachtet habt. Vor allem hat man euch gesagt, dass eine Liebe, die ihr nicht loslassen könnt oder wollt, wahrscheinlich euer Seelenpartner sein muss. Und je schwieriger und unmöglicher diese Begegnung für beide Seiten war, desto fester sollt ihr daran glauben, dass es sich um den Seelenpartner handelt – so klingt das, was man euch diesbezüglich beigebracht hat.

– Das aber ist totaler Schwachsinn! Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht gelernt hast, alleine zu sein. Du kannst deinem Seelenpartner solange nicht begegnen, solange du nicht all den alten Ballast losgeworden bist, die alten Wunden akzeptiert und sämtliche Seelenverträge gekündigt hast. Solange du nicht losgelassen hast und aus Bedürftigkeit von einer Beziehung in die nächste schlitterst, wirst du dein Leben lang auf deinen Seelen- oder Lebenspartner warten. Solange du verwundet, enttäuscht, beladen und bedürftig bist, solange bist du nicht bereit. Du bist erst dann bereit für den Seelenpartner, wenn du alle Erwartungen an ihn und sogar ihn selbst losgelassen hast, obwohl er noch gar nicht da ist. Erst dann, wenn du akzeptiert hast, dass der Seelenpartner noch nicht aufgetaucht ist, weil du bisher einfach nicht bereit warst, erst dann wird er auftauchen. Akzeptiere, dass der Seelenpartner schon längst bei dir wäre, wenn du bisher bereit gewesen wärst. Da er aber noch nicht an deiner Seite ist, musst du dir eingestehen, dass du noch nicht bereit bist. Denn wie Buddha schon sagte, sind die Dinge erst dann bereit, wenn du es auch bist.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Der Mangel an innerer Zeit


Das Hauptproblem des modernen, leistungsgetrimmten Menschen ist jenes, dass er keine innere Zeit mehr hat. Die äußere Zeit läuft ihm sowieso davon, dafür wurde ausreichend gesorgt. Aber nun mangelt es ihm auch noch an innerer Zeit. Er ist so sehr damit befasst, trotz des ständig wachsenden Leistungsdrucks und der irrsinnigen Perfektionsansprüche, äußere Zeit zu gewinnen, dass er keinen Raum mehr findet, sich innerer, psychischer Abläufe bewusst zu werden. Er ist verstimmt und bemerkt es nicht. Er ist fröhlich und bemerkst es nicht. Er ist ausgebrannt und bemerkt es nicht. Er geht kaputt und bemerkt es nicht. Erst dann, wenn ihn sein Körper durch Krankheitssymptome zum Innehalten zwingt, bemerkt er, dass er den Großteil seines Lebens an sich selbst vorbei gelebt hat. Doch dann ist es meist zu spät.

Du musst wieder lernen, innere Zeit zu gewinnen. Durch diese inneren Zeiträume erlangst du die notwendige Distanz zu den in dir ablaufenden Prozessen – dir wird gewahr, auf welche Weise du deine Ängste generierst, wie es zu deiner Wut, deinen Vorurteilen, deinen Fehlschlüssen und deinen Erfolgen kommt. Du lernst diese Vorgänge zu beobachten, zu verstehen, gegebenenfalls zu korrigieren und damit auch zu kontrollieren. Durch den Gewinn innerer Zeit gelingt es dir zu begreifen, was in dir vorgeht. Zuvor warst du wie eine geistlose auf Hochtouren laufende Maschine, doch sobald du innere Zeit erlangst, wirst du zum bewussten Ingenieur, zum Wartungsarbeiter dieser Maschine, der sie von außen zu betrachten vermag und daher auch erkennt, wann sie überlastet ist, wann sie echte Ruhepausen oder Wartung benötigt. Damit wird ihr Verschleiß minimiert und auch ihr Ausbrennen verhindert.

Innere Zeit ist der Garant für ein Leben in Gelassenheit, Weisheit und Erfüllung. Der Schlüssel dazu ist Meditation. Nur durch Meditation in Stille, durch den Zustand des inneren Gewahrseins, der Distanz zu den inneren und äußeren Geschehnissen dieser rasenden Welt schafft, kannst du innere Zeit gewinnen. Um dich herum kann dann die Welt untergehen, in dir selbst kann das größte Chaos herrschen, doch das, was du wirklich bist, bleibt davon unberührt, weil du durch die Meditation losgelöst bist von all den sich ständig wandelnden und vergänglichen Formen der weltlichen Illusion. Durch Meditation in Stille gewinnst du innere Zeit. Und innere Zeit ist das ewige Jetzt-Hier-Sein, die Unsterblichkeit auf materieller Ebene, die Rückkehr zur Seligkeit eines Kindes.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Karfreitag


Meine liebsten Feiertage sind schon immer der Karfreitag und der Ostermontag gewesen. Für mich als Kind Gottes, das ich mit jeder Zelle bin, wiegen diese Tage schwer. Und obwohl ich ein bisschen jeder Religion, ganz viel aber gar keiner angehöre, bin ich doch Christ und werde es auch immer bleiben.

Wenn du einen Christen als einen siehst, der den Evangelien Jesus folgt, dann bin ich Christ. Wenn die Lehre Jesus als das Urchristentum gilt, wenn sie dein höchstes anzustrebendes Ziel darstellt und du Jesus liebst als den Größten von uns, wenn du ihn ehrst und achtest als Mensch und als Meister, dann trifft diese Definition „Christ“ auf mich zu, denn dann bin ich Christ. Dann bin ich Evangelist. Wenn du „Christ“ damit verwechselst, heuchlerisch Kirchensteuer zu zahlen, dich die ganze Woche über wie ein Arschloch zu verhalten, aber am Sonntag scheinheilig zur Beichte zu gehen und zu glauben, Gott wäre ein Idiot, den du mit 15 „Ave Maria“ bestechen könntest, wenn du glaubst, der Papst und seine Bischöfe wären tatsächlich Gottes Stellvertreter oder Geschäftsführer auf Erden, wenn du Onanie und Sexualität als Sünde betrachtest und an die Rache und den Zorn Gottes, wenn du an Hölle und Fegefeuer glaubst, dann bin ich in diesem Sinne kein Christ, denn all das wäre nicht christlich, sondern Katholizismus.

Nach meinem Verständnis von Jesus bin ich aber Christ, ohne einer Religion anzugehören, denn ein Christ zu sein ist keine religiöse Sache – ein Christ zu sein ist eine spirituelle Sache.

Ein Christ zu sein bedeutet, Gott über alles zu lieben. Es bedeutet, in allem, was da ist, Gott zu suchen und zu finden. Es bedeutet, sich dem Kreuz des Lebens hinzugeben und sich der Vergebung Gottes sicher zu sein, ohne bewusst ein Arschloch sein zu wollen.

Christ zu sein ist eine Haltung des Herzens. Es ist eine Ausrichtung des Geistes auf Gott hin. Die Liebe Gottes anzustreben, sie zu fühlen, sie in sich zu tragen und allem Leben entgegenzubringen – das ist Christentum. Nicht zu stehlen, nicht zu lügen, nicht zu töten, nicht zu begehren deines Nächsten Hab, Weib und Gut, keine anderen Götter wie etwa Macht, Ruhm, Geld oder Drogen neben Gott zu haben, kein falsches Zeugnis wider deinem Nächsten abzulegen, Vater und Mutter zu ehren, Dankbarkeit für all die kleinen Dinge des Lebens zu verspüren, deinen Nächsten lieben zu wollen, Frieden zu stiften, wo Streit herrscht, Wahrheit zu sein, wo Lüge sich breit macht, demütig vor der Größe Gottes zu sein und Jesus zu folgen durch dein Denken, Fühlen und Handeln – das ist Christentum. Das Kreuz des irdischen Daseins geduldig zu tragen, hinauf den Ölberg deiner Bestimmung, es zu umarmen als das Schicksal, das Gott für dich wählte, und nur einmal am Tage zu zweifeln, um zu wissen, bevor der Abend kommt wirst auch du bei Gott sein, wo all deine Vergehen in Liebe Erlösung finden – das ist Christentum. Und es ist schön, dieses Christentum, denn es ist wahrhaftig, es ist voller Liebe in seinem Kern.

Das Wort Christi, die Lehre Jesu – das ist das für mich einzig gültige Christentum. Denn mein Christentum ist nicht dieser hässliche, pervertierte, heuchlerische Katholizismus. Mein Christentum ist nicht Religion – mein Christentum ist eine wunderschöne Haltung des Herzen. Dazu ist keine Kirche nötig. Dazu ist keine Schrift maßgebend – allein mein Herz auf Gott gerichtet ist Maß und Ziel und Erfüllung. Das ist mein Christentum, mein Christsein.

Und am heutigen Tage, dem Karfreitag, wurde vor rund 2000 Jahren der Tischler aus Nazareth, der nichts Unrechtes tat, der nichts Geringeres tat als zu lieben und von dieser Liebe Zeugnis abzulegen, dem Kreuz ausgeliefert. Er wurde verurteilt, verprügelt, geächtet, misshandelt und getötet von jenen, die er liebte ohne Maß und ohne Bedingung. Am heutigen Tage, dem Karfreitag, wurde uns allen ein Maßstab vorgegeben, wie wir lieben sollten. Er wurde uns im Schmerz eines Mannes, eines Menschen offenbart, der selbst in den Stunden größter Pein noch für seine Peiniger um Vergebung bat – das ist etwas, das in diesen dunklen, egomanischen Tagen, in diesen fremdenfeindlichen, angsterfüllten, satanistischen Zeiten keinen Anklang mehr findet: Für deine vermeintlichen Feinde und Peiniger zu beten!

Doch es wurde jenen aufgetragen, die mit ihrem Herzen bei Jesus sind, es wieder und wieder in Erinnerung zu bringen: Liebe deine Widersacher! Vergib jenen, die nicht wissen, was sie tun!
Und erinnere dich an jene Person, die mit der reinsten dir vorstellbaren Seele auf diese Erde kam, um uns alle zu versöhnen, uns zu einen, um uns alle an das zu erinnern, was die ganze Welt heilen könnte: Liebe.

Das ist für mich Karfreitag: Mich daran zu erinnern, mich selbst dazu gemahnen, dass ich alle Unbill, alle Herausforderungen, alle Pein, alle Ungerechtigkeit der Welt ertragen muss als das Kreuz des menschlichen Daseins in dem Wissen, dass wenn ich dieses Kreuz den Berg hoch habe und die letzte Stunde für mich schlägt, ich zu Gott heim gerufen werde. Und ich werde da sein in einem Paradies der Liebe, denn Gott liebt alle Menschen im selben Maße, aber jeden auf besondere Weise, und er hat für alle Menschen einen Platz in seinem endlosen Haus.

Das ist mein Karfreitag als der Christ, der ich in meinem Herzen für immer bin: Erinnerung an die Härten des Lebens in Demut und Liebe im Namen meines Meisters, Jesus Christus.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Babys und Nähe


Erwachsene Menschen schlafen nicht gerne alleine. Den Babys und Kindern aber zwingen sie nächtliche Einsamkeit auf. Und das halten sie sogar für richtig, weil irgendwelche Studien von irgendwelchen Experten das so bestätigen. Das Seltsame daran ist jedoch, dass viele Eltern zwar ihren Säugling allein in einem Bettchen schlafen lassen, sich selbst aber nachts an ihre bessere Hälfte kuscheln. Dabei wissen sie nicht, was sie dem kleinen Menschen antun, wenn sie ihn vom Kuscheln ausschließen. Es scheint ihnen nicht bewusst, dass sie dem kleinen Erdenbürger auf diese Weise ungewollt psychischen Schaden zufügen.

Empathie für den Säugling kann helfen:
Zuerst lebte dieser winzige Mensch etwa 40 Wochen lang, rund um die Uhr, geborgen in seinem weichen, gedämmten und warmen Nest der Fruchtblase innerhalb der Gebärmutter, um von einem Tag zum anderen völlig nackt in eine kalte Welt voller lauter Geräusche, heller Lichter und fremder Gerüche gestoßen zu werden. Er wird nicht mehr über eine Nabelschnur genährt. Er wird nicht mehr über den Atem der Mutter mit Sauerstoff versorgt. Er muss plötzlich Milch saugen, um satt zu werden und seine Verdauung muss von einem Tag zum anderen ungewohnte Arbeit leisten. Da ist auf einmal fremder, trockener Stoff von Kleidung auf seiner Haut, denn nur das hält ihn warm. Und all die schützende Geborgenheit des Mutterleibes fehlt plötzlich. Sie ist vollends verschwunden.

– Wie kannst du da einen kleinen, schutzlosen Menschen nachts auch noch alleine liegen lassen; vielleicht mit einem leblosen, kalten und fremd riechenden Kuscheltier als gut gemeinten Ersatz für den Job, den eigentlich du erledigen solltest: Das Spenden von Nähe?

Falls du also dein Baby wirklich liebst, dann hole es nachts zu dir ins Bett. Lass es zwischen dir und deinem Partner schlafen. Schenke ihm so viel Geborgenheit und Nähe, wie du nur kannst. Gib deinem Baby tagsüber ganz viel Körperkontakt, am besten in einem Tragetuch. So ist es dir den Tag über nahe, kann deine Wärme, deinen Herzschlag und deinen Atem fühlen. Und nachts lass es spüren, dass du neben ihm liegst, damit es deine Wärme empfängt, deinen Atem hört und du sofort für den kleinen Menschen da sein kannst, sobald er wach wird.

Meine Frau und ich, wir lassen unsere Babytochter, wie dereinst ihren heute fünfundzwanzigjährigen Bruder, nachts stets zwischen uns schlafen. Und wir wollen das solange beibehalten, bis sie ganz von selbst den Schlaf im eigenen Bett verlangt. Bis dahin darf sie, wie ihr älterer Bruder damals auch, selbstverständlich zwischen uns liegen. Oft schläft sie sogar auf dem Bauch ihrer Mama oder ihres Papas ein. Wir spüren, wie sehr die Kleine das genießt. Und es gibt auch für uns nichts Schöneres, als diesen kleinen, schutzbedürftigen Körper ganz nah bei uns zu haben.
In den ersten Nächten legten wir die Kleine auf eine zu einem Rechteck zusammengefaltete Kuscheldecke zwischen uns, damit sie etwas erhöht liegt und wir sie in der Nacht nicht unbeabsichtigt überrollen. Wobei das eher für mich zutreffend war, denn meine Frau wird ohnehin durch die erhöhte Prolaktin-Ausschüttung beim geringsten Seufzer unseres Babys wach. Meine väterliche Prolaktin-Menge reichte dafür gerade mal die ersten drei Nächte aus. Mittlerweile aber liegt unser Babystern auch ohne Überrollschutz in unserem Bett, schön eingekuschelt zwischen seiner Mama und seinem Papa. Wir könnten es uns gar nicht anders vorstellen, als diesen nächtlichen Kuschelbetrieb zu pflegen, denn wir wissen um seine wichtige Bedeutung für die Entwicklung unseres Kindes.
Auf physiologischer Ebene wird durch das Kuscheln und den Körperkontakt nämlich die Oxytocin-Ausschüttung erhöht. Oxytocin wirkt sowohl als Hormon als auch als Neurotransmitter und ist gemeinhin als „Bindungshormon“ bekannt. Es verringert den Blutdruck und den Kortisolspiegel, wirkt beruhigend und kann zu verbesserter Wundheilung führen. Oxytocin reduziert zudem die Auswirkung von Stress. Sowohl auf neurochemischer als auch auf psychologischer Ebene wird Oxytocin beim Menschen mit psychischen Zuständen wie Liebe, Vertrauen und innerer Ruhe in Zusammenhang gebracht. Babys produzieren nicht nur nach dem Nuckeln, sondern – wie Erwachsene auch – beim Kuscheln Oxytocin. Daher ist es enorm wichtig, deinem Baby so viel Nähe und Kuscheleinheiten wie möglich zu schenken.

Die Vorstellung, dass es unzählige Babys auf dieser Welt gibt, die nachts alleine liegen müssen, tut meiner Frau und mir einfach im Herzen weh. Und die Mär davon, dass es den plötzlichen Kindstod fördert, wenn das Baby im elterlichen Bett schläft, die kann wohl auch nur von kopfgesteuerten, durch die Gehirnwäsche einer Universität paranoid gemachter Medizinern in die Welt gesetzt worden sein – kein Mensch ist jemals durch zu viel liebevolle Nähe gestorben.

Dieser Appell an alle Eltern, die ihre Babys, aus welchen Gründen auch immer, nachts alleine liegen lassen, wurde mir heute Nacht von meiner Babytochter im Traum aufgetragen. In meinen Träumen sagte sie „Papa, heute wirst du einen Artikel für uns kleine Menschen schreiben, in welchem du dazu aufrufst, uns in die Betten unserer Eltern zu holen, denn wir wollen nicht alleine schlafen. Wir brauchen ganz viel Nähe. Die ganze Welt braucht ganz viel Nähe.“
Tja, und so wie es das Töchterlein im Traume mir sagte, so ist es nun auch gekommen. Daher bitten wir im Namen aller Babys: Holt die kleinen Menschen nachts zu euch! All die Nähe, die ein Mensch von seinem ersten Tage an bekommt, wird jene Nähe sein, die er dereinst selbst wird geben können. Diese Welt braucht Liebe. Wir können diese Liebe geben. Und wenn wir diese Liebe ganz früh unseren Kindern schenken, dann werden diese Kinder sie an die Welt weitergeben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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