Befindest du dich in einer Endlosschleife?


Du stellst auf schmerzhafte Weise fest, dass sich gewisse Erfahrungen in deinem Leben wiederholen. Immer wieder triffst du auf die „falschen“ Menschen, die „falschen“ Jobs, die „falschen“ Situationen, landest immer wieder am Start, findest dich in einer Endlosschleife aus wiederkehrenden Problemen. Verantwortlich dafür machst du deine Eltern wegen deiner schweren Kindheit, die bösen Männer/Frauen für ihre Unfähigkeit dich zu lieben, die verblödete Gesellschaft und sogar Gott, diesen Sadisten! Du quälst die Welt mit Vorwürfen und du quälst dich mit Selbstvorwürfen und/oder bist dir abermals sehr sicher, es könne nur daran liegen, dass du einfach vom Pech verfolgt bist und einfach gewisse Dinge im Leben gar nicht verdient hast, denn sonst gäbe es die Wiederholung in der Schleife ja nicht. „Bad Karma!“ sagst du dann, weil das irgendwie bequem ist, frustrierst allerdings innerlich dermaßen, bis du letztlich die ganze Welt hasst. Vor allem aber hasst du dich selbst und dein ganzes, „beschissenes“ Leben, weil du glaubst, du kämst da nicht raus und es würde sich nie etwas ändern.

Und beinahe hast du damit sogar recht. Aber eben nur beinahe! Gerne erkläre ich dir auch, warum:
Du erkennst zwar die Schleife, die repetitive Problematik, den sich daraus ergebenden Schmerz und den bitteren Verlust, aber du erkennst nicht die wahre Ursache. Du bastelst oberflächlich an ein paar Verhaltensmustern, schraubst ein wenig im Außen rum, wechselst den Partner, die Wohnung, den Job, den Freundeskreis, die Hobbys, den Frisör. Und wenn du ganz gut drauf bist, legst du ein paar positive Affirmationen über die alten Gedankenmuster drüber, weil man die dann eine Weile nicht ansehen muss. Das klappt gewisse Zeit und es scheint endlich gelöst zu sein. Doch das ist es nicht, wie du meist ernüchtert feststellen musst, weil du schon wieder vor demselben Scherbenhaufen stehst, diesmal mit einem anderen Partner, in einer anderen Wohnung, in einem anderen Job, in einem anderen Freundeskreis, mit anderen Hobbys und einem anderen Frisör.

– Dabei hast du doch alles verändert!

Nein, hast du nicht. Du hast in Wahrheit gar nichts verändert. Du hast bloß so getan, als ob, indem du den alten Rost mit bunter Farbe übermalt, derselben Bruchbude in deinem Innersten eine neue Fassade verpasst und deinem eigentlichen Problem eine neue Spielwiese geschenkt hast. Das ist alles, was du getan hast in dem Glauben, du kämst damit davon.

Wenn du also aus der Endlosschleife raus willst, dann musst du bereit sein zu sterben. Du sollst dich nicht umbringen, verstehe mich bitte richtig! Dies ist kein Aufruf zum Suizid. Aber du sollst aus der Tiefe deines Herzens dazu bereit sein, dein altes Ich sterben zu lassen. Du musst so sehr von diesem Ich genug haben, es muss dir so sehr im Herzen weh tun, dass du glaubst, wahnsinnig zu werden, wenn du es nicht endlich sterben lässt! Es reicht nicht, ein bisschen genug von dir und deinem alten Ich zu haben. Du musst total davon genug haben. Du musst so sehr genug davon haben wie von deinen Ex-Partnern, als du sie verlassen hast, weil du sicher warst, es geht keine Minute länger. Denn erst dann erkennst du, wo der Hund begraben liegt: In dir selbst und nur da!

Hör mit aller Bestimmtheit, zu der du fähig bist, damit auf, dir selbst leid zu tun und über deine schlimme Kindheit, die schlechten Partner, die böse Gesellschaft, die miese Politik und all die Verletzungen in deiner Seele zu klagen. Deine Seele ist nicht verletzt! Die kann gar nicht verletzt werden, weil sie unsterblich, ewig und göttlich ist. Was ständig jammert und alle Verantwortung von sich weisen möchte, das ist dein Ego. Das wurde verletzt. Das ist im Stolz und seiner eingebildeten Erhabenheit gekränkt. Das fühlt sich ungeliebt und ungerecht behandelt. Nicht aber deine Seele. Deine Seele blieb bei all dem heil und unberührt. Sie wundert sich bloß, wie lange du dir freiwillig die Birne an der Wand stößt, wo doch einen Schritt seitwärts der offene Türrahmen wäre, durch den du gehen könntest, um frei zu sein. Sie flüstert dir zu, sie spiegelt dir Wahrheit, sie kommt als Stimme eines Freundes, eines Partners oder als Artikel im Internet. Du aber rennst blind immer wieder gegen dieselbe Wand deiner eigenen Wahl und tust dir dabei unsagbar selbst leid.

Mein Freund, ich sage dir, es sind deine alten Gedankenmuster, deine alten, eingeschliffenen Verhaltensweisen, deine Vorurteile und deine Urteile über dich und andere, die dich in eine schier endlose Schleife aus Problemen und Schmerzerfahrungen versetzt haben. Du bist es selbst, der für diese Schleife verantwortlich ist, nicht deine Eltern, deine Partner, Freunde, Kollegen oder gar Gott und die Gesellschaft. Du allein bist es, der sich da reingebracht hat. Und dafür musst du nun gerade stehen! Und du musst davon restlos genug haben. Notfalls ist es sogar nötig, dass du alles verlierst, dass du komplett zusammenbrichst und nach deinem Tod rufst. Aber du wirst nicht umhin kommen, endlich die volle Verantwortung für dich selbst zu übernehmen, indem du erkennst, dass du tief in dir ansetzen musst, damit sich im Außen etwas verändern kann.

Begreife, dass du nicht der bist, der „Ich“ sagt. Du bist das, was hinter diesem Ich lebt. Und nur du kannst dieses Ich ändern, niemand sonst. Kein Therapeut, kein Guru, kein Coach, ja nicht einmal Gott wird dieses Ich ändern. Nur du allein kannst das. Gewiss können dir Profis dabei helfen, aber ändern musst du es letztlich trotzdem selbst. Nicht die Welt muss sich ändern, sondern du musst dich ändern. Und solange dir das nicht zum aller dringlichsten Wunsch wird, der dermaßen in dir brennt, wirst du nicht aus dieser Schleife entkommen können.

Du kannst nicht immer dasselbe denken, dasselbe tun, derselbe sein, aber auf ein anderes Ergebnis hoffen. Du kannst ja auch nicht ständig 5 und 5 addieren und dann daran verzweifeln, weil dabei nicht 11 rauskommt. Doch, du kannst, aber es wäre schlichtweg idiotisch, oder?

Wenn du wirklich etwas ändern willst, dann versuche nicht, dich durch oberflächliche Gedanken neu zu bemalen, sondern blicke ganz tief in dich hinein. Schau dir den ganzen Unrat und Müll an, den du angesammelt hast, der nun dein Weltbild und somit auch deine Erfahrungen von der Welt und den Menschen ausmacht! Erkenne, dass du voller Angst, voller Zweifel, voller Misstrauen, voller Eifersucht, Missgunst und Neid bist. Schaue dich selbst ganz genau an und akzeptiere, dass du all das selbst bist. Und dann vergib dir dafür. Vergib auch allen anderen, denn das ist der wichtigere Schritt! Entlasse die sogenannten Bösewichte deines Lebens aus deinem Innersten, denn sie sind nicht böse. Du hast sie als „die Bösen“ deklariert und daher siehst du sie auch als solche. In Wahrheit sind es jedoch hilfreiche Engel, die dich genau an den Punkt deines Lebens katapultiert haben, der dich dies nun alles erkennen lässt, damit du es auflösen kannst. Danke ihnen dafür, indem du ihnen vollends vergibst. Und dann danke dir selbst, indem du dir selbst vollends vergibst.

Erkläre dich bereit, dein altes Ich nun sterben zu lassen. Willige vollkommen in diesen Tod ein. Gib dich ihm hin und verbrenne in deiner größten Angst, indem du dich ihr ebenfalls vollkommen auslieferst und hingibst, ohne sie diesmal verdrängen zu wollen. Im Feuer deiner größten Angst wirst du sterben als das Alte, das du bisher warst. Und aus seiner Asche wirst du hervorgehen als das Neue, das du nun bist. Das wird sehr weh tun. Da wird fürchterlicher Schmerz sein und es kann Wochen oder Monate dauern, bis du neu geworden bist. Aber du wirst niemals aus der Endlosschleife aussteigen können, solange du der bleibst, der du jetzt bist. Deshalb sei bereit innerlich zu sterben, da du anders nicht neu geboren werden kannst. Auf andere Weise kannst du niemals ein neues Leben beginnen. Denn solange der in dir überlebt, der dein altes Leben erschaffen hat, wirst du auch sein Leben führen müssen. Das sollte dir jetzt klar sein!

Liebe dich für deinen Mut, das erste Mal in deinem Leben wirklich-wirklich bereit zu sein, nicht mehr vor dir selbst und der Verantwortung für absolut alles in deinem Leben zu flüchten. Liebe dich jetzt schon dafür, dich in Zukunft wirklich lieben zu wollen. Liebe dich dafür, all die Fehler gemacht zu haben, um das hier an diesem Tage zu dieser Stunde für dich zu erkennen, zu akzeptieren und für immer und ewig zu ändern. Sei der Phönix und sei dein eigenes Feuer der Läuterung, in welches du dich aus Liebe zu dir selbst stürzt, um darin zu verbrennen und neu daraus hervor zu gehen.

Denke an das, was Johannes der Täufer uns sagte: „Bevor sich Königreiche ändern, müssen sich erst die Herzen ändern!“

Und wenn du dein Königreich (dein Innerstes, respektive dein Äußeres) ändern willst, dann muss sich erst dein Herz ändern. Ein Herz aber ändert sich erst dann, wenn es solange zum Messer ging, bis es sticht. Lass es sterben, das alte Herz deines unbrauchbar gewordenen Ichs – es wird daraus ein neues, viel schöneres, glücklicheres geboren. Lass es sterben, das alte Ich, indem du allen Alles und jedem Jedes vergibst, indem du durch deine Angst vor dem Tod des alten Ichs hindurch gehst, statt mit ihr zu ringen, indem du alle Urteile über dich selbst und andere aufhebst, indem du die volle Verantwortung für deine innere und äußere Erfahrung von der Welt übernimmst.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Wenn alles endet, weil alles beginnt


So viel Zeit meines Lebens hatte ich damit zugebracht, das, was geschieht, verstehen und einordnen zu wollen. Ich war der Ansicht, ich gehöre irgendwie, irgendwo zu irgendwem und zwar irgendwann. Doch niemals war ich weiter von der Wahrheit entfernt, als zu diesen Zeiten.

Die dunklen Täler, durch die ich gehen musste, will ich nicht zählen noch bin ich darauf stolz oder blicke in Selbstmitleid darauf zurück, denn heute weiß ich: Alles, was in unseren zahlreichen Leben geschieht, ist neutral. Wir selbst sind es, die daraus etwas Gutes oder Schlechtes, etwas Spirituelles oder Profanes machen durch unser Urteil darüber. Urteile, die uns zwingen in ihrem Sinne zu leben. Urteile, die uns dunkle Täler schaffen. Dunkle Täler, aus denen wir raus wollen. Und ich wollte da raus.
Aber ich brauchte sie, diese dunklen Täler, ich brauchte die vollständige Zertrümmerung meines alten Ichs und seiner Vorstellungen über das Leben, die Liebe und Gott. Ich brauchte die absolute Hoffnungslosigkeit, die absolute Machtlosigkeit, die absolute Verzweiflung sowie die totale Zerstörung all dessen, was ich bisher glaubte zu wissen und zu sein.
Ich brauchte mein Leid und das Leiden an diesem Leid so sehr, dass ich es sogar anderen antat, nur um davon genug abzubekommen.
Ich glaubte tief in mir drinnen, dass ich das wirklich brauchte. Und ich brauchte es tatsächlich, so wie wir das alle brauchen. Du brauchst es. Ich brauchte es. Bis zu dem Punkt, an dem es keine Steigerung mehr gab und ich von selbst zu Gott rief und flehte: „Herr, ich habe jetzt genug! Ich habe wirklich-wirklich genug. Ich bin es müde, mich selbst leiden zu sehen. Ich bin es müde, andere leiden zu sehen. Ich habe wirklich genug jetzt!“. Und das tat ich eine ganze lange, schrecklich schöne, schmerzvolle Nacht hindurch, nach all den dunklen Tälern, durch die ich mich und meinen Nächsten gejagt hatte in meiner Sucht nach vorsätzlicher Blindheit vor dem Offensichtlichen. Und Gott antwortete, wie immer, jedoch erst dann, als ich auch vom Flehen genug hatte, vom Weinen und Bereuen, als ich auch mit meiner Selbstverurteilung an die letzte Grenze stieß. Er sagte nur: „Ich weiß!“.

Der Moment, in dem ich aus tiefstem Herzen, in aller Aufrichtigkeit zu der ich fähig bin, beschloss, nicht mehr leiden zu wollen, war jener Augenblick, da ich mich einer Liebe öffnete, und zwar das erste Mal wirklich in Hingabe, die mir Inkarnation über Inkarnation angeboten wurde, die ich aber mehr fürchtete als alles, was ich jemals gefürchtet habe.
Es war die Liebe des Christus, des Buddhas. Jene Liebe, die meinen Tod bedeuten würde, meine Auflösung. Denn du kannst nicht wirklich lieben, wenn du nicht bereit bist zu sterben. Du musst nicht bereit für deinen physischen Tod sein, sondern vielmehr für den Tod des Egos. Es ist der Tod deines selbstsüchtigen, leidvollen, besitzergreifenden, unersättlichen Egos, das sterben muss, um ein neues Ego zu gebären. Ein Ich, das sich mehr wie eine Quelle als ein Schlund anfühlt. Ein Ich, das mehr ein Selbst als ein Ich ist.

Erst als ich meine Bereitschaft zum Tod meiner alten Form aus tiefstem Herzen zum Ausdruck brachte, wurde mein Herz auch tatsächlich offen für diese Liebe. Eine Liebe, von der ich spüre, dass sie mich niemals wieder abhängig machen wird von einer bestimmten Form, in der sie sich zu äußern hat, oder von einem bestimmten Menschen, zu dem sie fließen soll. Eine Liebe, die da sein darf für jeden im selben Maße aber auch für jeden auf besondere, einzigartige Weise. Eine Liebe, die weder mich an andere noch andere an mich zu binden wünscht, um damit alle Türen zu öffnen, damit echte Beziehungen möglich werden.
Eine Liebe, deren Ende ich niemals erreichen werde oder will. Eine Liebe, die täglich wächst, auch wenn ich sie nicht jeden Tag auf dieselbe Weise in derselben Kraft spüren kann, aber ich weiß, sie ist da. Ich weiß es. Und das ist auch das Einzige, was ich heute weiß.

Ich habe niemals weniger gewusst als jetzt. Ich war niemals weniger irgendwie, irgendwo mit irgendwem, der irgendwann kommen würde, als jetzt. Aber ich war auch niemals erfüllter, dankbarer und demütiger mit mir selbst und allen anderen als jetzt.

Ob ich glaube, fertig zu sein?

– Nein, das bin ich wahrlich nicht, weil ich spüre, dass ich erst jetzt richtig begonnen habe; und ich weiß noch nicht einmal genau, womit. Es ist nicht mehr wichtig zu wissen, zu verstehen, einzuordnen oder zu steuern. Es ist nichts mehr wichtig und nichts mehr unwichtig. Es alles nur noch so, wie es ist. Es ist alles angenehm leer, weil es so überreichlich voll ist. Es ist da nur noch das fünfjährige Kind, welches ich wieder bin, das sich staunend einem Leben hingibt in der intuitiven Erkenntnis, dass es nichts anderes gibt als Liebe.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce