Wenn alles endet, weil alles beginnt


So viel Zeit meines Lebens hatte ich damit zugebracht, das, was geschieht, verstehen und einordnen zu wollen. Ich war der Ansicht, ich gehöre irgendwie, irgendwo zu irgendwem und zwar irgendwann. Doch niemals war ich weiter von der Wahrheit entfernt, als zu diesen Zeiten.

Die dunklen Täler, durch die ich gehen musste, will ich nicht zählen noch bin ich darauf stolz oder blicke in Selbstmitleid darauf zurück, denn heute weiß ich: Alles, was in unseren zahlreichen Leben geschieht, ist neutral. Wir selbst sind es, die daraus etwas Gutes oder Schlechtes, etwas Spirituelles oder Profanes machen durch unser Urteil darüber. Urteile, die uns zwingen in ihrem Sinne zu leben. Urteile, die uns dunkle Täler schaffen. Dunkle Täler, aus denen wir raus wollen. Und ich wollte da raus.
Aber ich brauchte sie, diese dunklen Täler, ich brauchte die vollständige Zertrümmerung meines alten Ichs und seiner Vorstellungen über das Leben, die Liebe und Gott. Ich brauchte die absolute Hoffnungslosigkeit, die absolute Machtlosigkeit, die absolute Verzweiflung sowie die totale Zerstörung all dessen, was ich bisher glaubte zu wissen und zu sein.
Ich brauchte mein Leid und das Leiden an diesem Leid so sehr, dass ich es sogar anderen antat, nur um davon genug abzubekommen.
Ich glaubte tief in mir drinnen, dass ich das wirklich brauchte. Und ich brauchte es tatsächlich, so wie wir das alle brauchen. Du brauchst es. Ich brauchte es. Bis zu dem Punkt, an dem es keine Steigerung mehr gab und ich von selbst zu Gott rief und flehte: „Herr, ich habe jetzt genug! Ich habe wirklich-wirklich genug. Ich bin es müde, mich selbst leiden zu sehen. Ich bin es müde, andere leiden zu sehen. Ich habe wirklich genug jetzt!“. Und das tat ich eine ganze lange, schrecklich schöne, schmerzvolle Nacht hindurch, nach all den dunklen Tälern, durch die ich mich und meinen Nächsten gejagt hatte in meiner Sucht nach vorsätzlicher Blindheit vor dem Offensichtlichen. Und Gott antwortete, wie immer, jedoch erst dann, als ich auch vom Flehen genug hatte, vom Weinen und Bereuen, als ich auch mit meiner Selbstverurteilung an die letzte Grenze stieß. Er sagte nur: „Ich weiß!“.

Der Moment, in dem ich aus tiefstem Herzen, in aller Aufrichtigkeit zu der ich fähig bin, beschloss, nicht mehr leiden zu wollen, war jener Augenblick, da ich mich einer Liebe öffnete, und zwar das erste Mal wirklich in Hingabe, die mir Inkarnation über Inkarnation angeboten wurde, die ich aber mehr fürchtete als alles, was ich jemals gefürchtet habe.
Es war die Liebe des Christus. Jene Liebe, die meinen Tod bedeuten würde, meine Auflösung. Denn du kannst nicht wirklich lieben, wenn du nicht bereit bist zu sterben. Du musst nicht bereit für deinen physischen Tod sein, sondern vielmehr für den Tod des Egos. Es ist der Tod deines selbstsüchtigen, leidvollen, besitzergreifenden, unersättlichen Egos, das sterben muss, um ein neues Ego zu gebären. Ein Ich, das sich mehr wie eine Quelle als ein Schlund anfühlt. Ein Ich, das mehr ein Selbst als ein Ich ist.

Erst als ich meine Bereitschaft zum Tod meiner alten Form aus tiefstem Herzen zum Ausdruck brachte, wurde mein Herz auch tatsächlich offen für diese Liebe. Eine Liebe, von der ich spüre, dass sie mich niemals wieder abhängig machen wird von einer bestimmten Form, in der sie sich zu äußern hat, oder von einem bestimmten Menschen, zu dem sie fließen soll. Eine Liebe, die da sein darf für jeden im selben Maße aber auch für jeden auf besondere, einzigartige Weise. Eine Liebe, die weder mich an andere noch andere an mich zu binden wünscht, um damit alle Türen zu öffnen, damit echte Beziehungen möglich werden.
Eine Liebe, deren Ende ich niemals erreichen werde oder will. Eine Liebe, die täglich wächst, auch wenn ich sie nicht jeden Tag auf dieselbe Weise in derselben Kraft spüren kann, aber ich weiß, sie ist da. Ich weiß es. Und das ist auch das Einzige, was ich heute weiß.

Ich habe niemals weniger gewusst als jetzt. Ich war niemals weniger irgendwie, irgendwo mit irgendwem, der irgendwann kommen würde, als jetzt. Aber ich war auch niemals erfüllter, dankbarer und demütiger mit mir selbst und allen anderen als jetzt.

Ob ich glaube, fertig zu sein?

– Nein, das bin ich wahrlich nicht, weil ich spüre, dass ich erst jetzt richtig begonnen habe; und ich weiß noch nicht einmal genau, womit. Es ist nicht mehr wichtig zu wissen, zu verstehen, einzuordnen oder zu steuern. Es ist nichts mehr wichtig und nichts mehr unwichtig. Es alles nur noch so, wie es ist. Es ist alles angenehm leer, weil es so überreichlich voll ist. Es ist da nur noch das fünfjährige Kind, welches ich wieder bin, das sich staunend einem Leben hingibt in der intuitiven Erkenntnis, dass es nichts anderes gibt als Liebe.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

Wenn du dich bereit fühlst, aus alten Begrenzungen herauszutreten, neue Wahrnehmungskanäle zu öffen und dein volles menschliches Potenzial auszuschöpfen, um zu ungeahnten mentalen Fähigkeiten zu gelangen, dann klicke hier: ZUM SEMINAR →

© 2017 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


Gefällt, dir unser ANDERSmensch-Blog? Wenn du die Informationen und Energien wertschätzen möchtest, kannst du den Betrieb und Erhalt dieser Website hier mit einer freiwilligen Zuwendung unterstützen:

Keine Sorge! Wir finanzieren durch deine Zuwendung nicht unsere Ferraris oder Lamborghinis. Etwa 60 Prozent deiner Unterstützung kommt umgehend unserem gemeinnützigen Projekt FREE HELP & HEALING zugute.


Endgipfel


Wenn der Wanderer lange genug gewandert,
der Weg endlich gefunden
und der schwere Vorhang der Wahrheit gefallen ist,
dann sollst du neben mir sitzen.
Von meinem Leben will ich dir erzählen,
aber nichts dabei sagen.
Die Runzeln meiner Hände,
der Glanz meiner Augen,
einmal noch wiederkehrend für diesen Moment,
so als wäre ich ein letztes Mal Siebzehn,
die unzähligen Abschiede,
all die zu Grabe getragenen Hoffnungen,
Wünsche fast erstummt,
aber noch leise präsent,
der schwächer werdende Klang meines Herzens,
die bescheidenen Siege und Tage voller Arbeit,
die Dummheiten und Mühen,
das erzählt dir dann schon genug.
Die Furchen im Gesicht,
das schüttere Haar,
die abgewetzten Sohlen erzählen dann mein Leben,
das erst sehr spät seiner Wende Dank wurde,
damals,
irgendwann im Dezember,
als du kamst und ich,
viel zu spät,
nicht mehr an dich glaubte.
Du sollst neben mir sitzen auf dem letzten Gipfel,
auf den ich an jenem Tage mit dir steigen will,
atemlos und mit knarrenden Gelenken,
sehr bedächtig,
doch mit einem Rest an Kraft.
Und dann will ich sitzen und schauen mit dir,
auf die Täler,
die Flüsse,
die Straßen gewunden,
gebogen durch eine Welt,
vorbei an Häusern,
in denen wir niemals lebten,
zauberhaft das Ganze und doch hart.
Vorbei an Felsen und Weiden,
durch die Zweige der Birken und Buchen,
strudelnd um die Kiesel im Bach,
sollen dann unsere Blicke schweifen,
sich erinnernd,
sich erinnernd,
deine müde Hand in der meinen.
Und nur einen einzigen Satz
will ich dann nach Stunden hauchen:
„Siehst du die Wege, die Spuren unserer Liebe in dieser weiten,
wunderschönen Welt, die wir hinterlassen, jetzt, da die Zeit um?“
Und deine Stimme will ich dann hören mit dem Wind,
gebrochen und nicht viel jünger als die meine,
die sagt:
„Ja, Liebster! Dein Kopf an meiner Brust, alles vergeben,
schlaf ein, schlaf ein, ich gehe allein zurück ins Tal, weiß dich dann fliegen, weiß dich dann still, denn müde sind wir geworden.“

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


Gefällt, dir unser ANDERSmensch-Blog? Wenn du die Informationen und Energien wertschätzen möchtest, kannst du den Betrieb und Erhalt dieser Website hier mit einer freiwilligen Zuwendung unterstützen:

Keine Sorge! Wir finanzieren durch deine Zuwendung nicht unsere Ferraris oder Lamborghinis. Etwa 60 Prozent deiner Unterstützung kommt umgehend unserem gemeinnützigen Projekt FREE HELP & HEALING zugute.