Ich fühle mich nicht mehr glücklich mit dir


„Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“ – diesen Satz sagen weltweit täglich Millionen Paare in unterschiedlichsten Sprachen zueinander. Danach trennen sie sich meistens ziemlich bald. Wahrscheinlich kennst du das sogar aus deinem persönlichen Erleben.

– Aber warum ist das so?

Nun, die meisten Menschen begehen in ihren Beziehungen einen uralten Kardinalfehler und dieser besteht aus zwei Aspekten.
Der erste Aspekt ist jener, eine Partnerschaft nicht aus Bereitschaft zur Liebe sondern aus Bedürftigkeit einzugehen. Beide fühlten sich vor ihrer Begegnung einsam, innerlich unerfüllt und wollten jemand finden, der diese Umstände ausgleichen soll. Genau deshalb haben sie sich ja auch gefunden, denn Gleiches zieht Gleiches an. In einem solchen Falle sind es zwei Bedürftige, von denen jeder den anderen um Erfüllung anbettelt. Anfangs schwelgen sie im Rausche der Verliebtheit auf Wolke 7, sind guter Dinge und projizieren im Stillen sämtliche Hoffnungen auf den neuen Schwarm. Das geht eine gewisse Zeit lang gut. Da jedoch jeder Rausch mit Ernüchterung endet und zwei unerfüllte Wesen einander nicht zu erfüllen vermögen, weil ja außer Leere nichts da ist, mit dem man den anderen erfüllen könnte, geraten sie in ein elendes Dilemma.

Zwei leere Krüge können einander eben nicht füllen. Ist einer der Krüge voll und der andere leer, wird der volle Krug den leeren zwar zu füllen versuchen, am Ende aber selbst leer sein und somit herrscht wieder die Ausgangssituation. Es bleibt Leere, wo Leere ist. Zwei Bettler können einander nicht vor der Armut retten. Auch ein Reicher kann einen Bettler nicht vor der Armut retten. Er kann ihm zwar Geld geben, ihn aber damit nicht reich machen. Denn Armut ist, ebenso wie Reichtum, ein Seinszustand, keine Frage des materiellen Vermögens. Ein unerfüllter, bedürftiger Mensch bleibt ein unerfüllter, bedürftiger Mensch. Er bleibt es so lange, bis er sich daran erinnert, dass nur er selbst sich erfüllen und somit aus der Bedürftigkeit und Einsamkeit befreien kann. Er muss sich selbst mit Liebe füllen. Er muss ein solch reichlich gefüllter Krug werden, bis er vor Liebe überquillt. Sonst bleibt er leer. Soviel zu Aspekt Nummer Eins, den ich in anderen Texten bereits ausführlicher behandelt habe.

Der zweite Aspekt des Kardinalfehlers in Beziehungen ist der, dass beide dachten, es gäbe eine Zeit des „Sich Kennenlernens“, die eines Tages ihr Ende finden würde. Irgendwann hätte der Eine den Anderen ausreichend kennengelernt und umgekehrt. Dann würde man sich kennen… Ja, und dann? Was sollte danach folgen, sobald man einander ausreichend zu kennen glaubt?

– Daran haben beide wahrscheinlich nur in Form von Idealvorstellungen gedacht. Sie hatten sich den Siebenten Himmel ausgemalt, ganz so, wie er in Liebesfilmen und Liebesromanen verkauft wird. Sie hatten sich vorgestellt, dass sie dann den anderen so gut kennen würden, um alle Techniken zu beherrschen, aus der Begegnung das meiste an Erfüllung für sich selbst herausschlagen zu können. Man würde die Prinzipien verstehen, mittels derer man den anderen so weit bringen könne, sich so zu verhalten, dass es einem selbst angenehm ist. Man hätte den Partner in einem solchen Maße ausgelotet, dass man alle Tricks drauf hat, um durch den anderen an das zu kommen, was man für sich selbst erhofft hatte.

Leider aber haben sich beide damit hoffnungslos in einem Irrtum verrannt, denn man kann einen anderen niemals ausreichend kennenlernen. Man kann sich im Prinzip nichtmal selbst ausreichend kennenlernen, da man sich täglich von Augenblick zu Augenblick verändert und entwickelt. Das gilt natürlich für den Partner ebenso. Er ist ein sich unentwegt selbst entdeckendes Wesen. Er entwickelt und verändert sich unaufhörlich. Wie kann man da nur glauben, einen anderen jemals vollständig zu kennen?
Jeder Mensch ist für sich betrachtet ein unendliches Universum. Man kann ewig durch das Wesen, durch die Seele seines Gegenübers reisen, käme aber niemals an ein Ende. Daher endet auch das „Sich Kennenlernen“ niemals. Es gibt keine Zeitspanne, innerhalb derer dieser Prozess jemals abgeschlossen wäre. Das gilt es zu verinnerlichen.

Der Tanz zweier Seelen beginnt bereits vor ihrer Geburt. Lange Zeit tanzen sie vielleicht alleine oder mit anderen. Bis es zwischen ihnen zur Begegnung in dieser Welt kommt. Da setzt sich der Tanz dann fort. Anfangs ist der Tanz unbeholfen. Man tritt einander häufig auf die Zehen, hat aber Freude daran, weil man weiß, es ist Teil des Tanzes. Mit der Zeit wird man besser. Man findet allmählich einen gemeinsamen Rhythmus sowie die Balance zwischen Nähe und nötiger Distanz. Der Tanz wird leichter, anmutiger, fließender, aber man beherrscht längst nicht alle Schritte und Figuren. Man muss üben und üben und üben. Man muss arbeiten an diesem Tanz. Manchmal frustriert es, weil man selbst einen Schritt bereits drauf hat, der andere aber noch nicht. Dann braucht man Geduld. Man braucht Hingabe. Man braucht Liebe. Man muss einander Zeit, Raum und auch Abstand schenken. Und man kann den Tanz nicht einfach aufgeben, bloß weil er manchmal anstrengend ist. Sonst ist man kein guter, sondern bloß ein fauler Tänzer. Faule Tänzer werden irgendwann zu Solotänzern, die versuchen, sich mit anderen faulen Solotänzern die Nacht um die Ohren zu schlagen, um sich aus der Verantwortung vor dem Tanz wahrer Liebe zu stehlen. Ein solcher Tanz ist ein trauriger und zutiefst einsamer.

Das Geheimnis aller erfüllten Partnerschaften lag und liegt demnach darin, dass sich beide nicht aus Bedürftigkeit fanden, sondern aus der Bereitschaft des überreichlich gefüllten Kruges, der so sehr mit Liebe angefüllt ist, dass er gar nicht mehr anders kann, als sich über und in den anderen zu ergießen. Und beide waren und sind stets bereit, ihre Entdeckungsreise durch die Seele des anderen nicht an eine fiktive Zeit des „Sich Kennenlernens“ zu opfern, sondern sich im vollen Bewusstsein auf den endlosen Tanz miteinander einzulassen. Sie wissen beide, es gibt nur die tägliche Neuentdeckung des Geliebten. Da ist die ewige Übung im gemeinsamen Tanz.
Ein solches Paar wird nach Dekaden des Miteinanders nicht sagen „Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“, sondern es wird sagen „Seit wir einander trafen, wurden wir täglich besser!“.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Eine Kunst, glücklich zu sein


In meinem Leben gibt es zwei Menschen, die praktizieren eine seltene Kunst: Sie sehen in allem etwas Schönes. Oder besser gesagt, sie bemühen sich, in allem das Schöne zu finden. Und es sind diese beiden meine ganz besonderen Lehrer im Glücklichsein. Obwohl ich sie oft dafür kritisiert, manchmal sogar belächelt habe, zu meiner Schande. Denn ich war der Ansicht, sie würden sich damit selbst betrügen. Das aber, so weiß ich heute, tun sie nicht. Sie gehen einen sehr weisen Weg…

Paramahansa Yogananda, der indische Yoga-Meister, Philosoph und Schriftsteller, war bei seinen Schülern dafür bekannt, in wirklich allem das Schöne zu finden. Und ähnlich wie ich, lehnten ihn seine Schüler genau dafür manchmal ab. Man lehnt eben oftmals jene ab, die einem das Meiste beibringen können. Bis man dann doch den inneren Widerstand niederlegt, weil man für sich die Hingabe entdeckt hat. Man kann nur wirklich dann wachsen, wenn man gegen das Wachstum keine Widerstände mehr hegt. Wachstum geschieht durch Hingabe an die Veränderung, aber das will ich hier gar nicht behandeln…

Ich wollte dir lieber davon erzählen, dass Yogananda wirklich in allem, selbst in den hässlichsten Dingen und Erfahrungen, immer noch das winzige Kleinod der Schönheit erkennen konnte, denn dieses steckt tatsächlich in allem, wenn man es zu erkennen weiß. Die Schüler Yoganandas aber wollten das nicht akzeptieren. Sie waren der Ansicht, dass auch ihr stets unerschütterlich positiver Meister in dieser Fähigkeit Grenzen haben musste. Also überlegten sie lange, womit sie den Meister konfrontieren konnten, sodass es ihm unmöglich sein müsse, etwas Schönes darin zu finden. Und sie entschieden sich für einen sich im ekelhaftesten Stadium der Verwesung befindlichen toten Fuchs, den sie ihm vor die Füße legten. Der Fuchs stank bestialisch und sah schrecklich aus mit all den Maden in seinem aufgedunsenen, geplatzten Leib. Das Fell war struppig und stumpf, die Augenhöhlen leer und grausig. Aus dem starr geöffneten Maul hing ihm die Zunge und üble Säfte quollen aus ihm hervor. Die Schüler waren sich absolut sicher, der Meister würde darin niemals etwas Schönes finden können. Doch Yogananda betrachtete den verwesenden Fuchs, lächelte erfreut und sagte: „Meine Güte! Wie schön das Sonnenlicht in den schneeweißen Zähnen des Fuchses glitzert…“

– Er vermochte selbst darin etwas zu finden, das ihn erfreute. Und das ist eine sehr hohe Kunst des Glücklichseins, die jeder für sich üben kann. In wirklich-wirklich allem steckt ein Funken Schönheit. Selbst in den schrecklichsten, ekelhaftesten Dingen, selbst in den schmerzvollsten und widrigsten Erfahrungen kann man Schönheit finden, wenn man es nur möchte. Man kann es, ohne sich selbst dabei auch nur im geringsten zu belügen. Man muss das Schöne bloß erkennen.

Mit diesen Worten möchte ich vor allem jene beiden Menschen in meinem Leben öffentlich ehren, die mir diese Kunst durch ihre Lebensanschauung vermitteln, denn sie werden es lesen und wissen, ich meine sie. Und ich möchte sie auch dir näher bringen, diese Kunst des Glücklichseins. Was auch immer du betrachtest, was auch immer du erlebst – lass uns das Schöne darin finden! Ich schätze, wenn wir das können, blicken wir ständig in das Antlitz Gottes, was uns zeigt, wir haben immer einen Grund, um trotzdem glücklich zu sein. Ganz gleich, was auch geschehen mag und wie dunkel das Tal auch sein will durch das wir gehen. Da ist immer irgendwo das Licht der Göttlichkeit. Manchmal vielleicht nur wie das schwache Flackern einer weit entfernten Kerze in mondloser Nacht. Aber es ist da. Und so wandern wir von einem Kerzchen zum nächsten, indem wir uns auf das Schöne einstimmen. Das ist eine Kunst, glücklich zu sein. Und ich lade dich dazu ein, sie mit mir gemeinsam zu üben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Maximale Freiheit ist Liebe


Es gibt unendlich viele Paare auf dieser Welt, die leben ihre Liebe nach dem Prinzip des Nehmens, statt des Gebens. Sie fragen den anderen „Was kann ich durch dich für mich gewinnen? Wie kann ich aus dir das Meiste für mich selbst herausschlagen?“ und darum sind sie unerfüllt, leer und einsamer als wenn sie alleine mit sich selbst lebten. Je mehr sie nehmen, desto leerer werden sie, desto inhaltsloser werden ihre Beziehungen, desto kürzer werden die Verfallsdaten einer solchen. Solange nicht erkannt wird, dass Liebe nie etwas nimmt, dafür aber alles geben möchte und auch geben kann, weil sie sich dadurch selbst erfüllt, solange werden Freundschaften, Partnerschaften, Ehen und Familien zerbrechen und mit ihnen auch Zivilisationen und Kulturen.

Ich spüre und weiß daher ganz bestimmt, dass Liebe das ist, was wir Göttlichkeit oder Gott nennen. Und in meiner Erfahrung habe ich Gott stets als Freiheit erlebt. Maximale Freiheit ist Göttlichkeit. Jedes Teilchen im Kosmos, jedes Wesen sehnt sich danach, diese Freiheit auszudrücken. Der ganze Kosmos expandiert unentwegt hin zu dieser Freiheit. Gott äußert sich demnach durch die Liebe als Prozess hin zu dieser absoluten Freiheit. Es (Gott) äußert sich durch uns hin zu dieser Freiheit.
Wie aber wollen wir jemals diese Freiheit erfahren, solange wir andere an uns binden, damit sie uns dabei dienen, die eigene innere Leere zu füllen, damit wir sie gebrauchen können, um unsere Bedürfnisse durch sie zu befriedigen, wo doch unser größtes Bedürfnis darin besteht, voll und ganz und ohne Bedingung zu lieben, damit wir das maximale Maß an Freiheit und somit an Gott erfahren können?
Wieso sind wir fähig, unsere Kinder bedingungslos zu lieben einfach für das, was sie sind?
Warum können wir bei ihnen die Liebe nach dem Prinzip des Gebens leben und das sogar in einem unergründlichen Maß an Freude, manchmal sogar in totaler Selbstlosigkeit?
Und warum können wir es bei unseren Freunden, Partnern und Verwandten nicht?

Liebe ist jener Prozess durch den wir zu unseren Geliebten sagen sollten: „Du bist frei. Du bist frei zu sein, wer du sein möchtest, zu tun, was du tun willst, zu sagen, was du sagen willst, zu denken, was du denken willst. Und drücke dich genau so aus, wie du dich ausdrücken willst im Leben.“
Wir sagen damit zu unseren Geliebten: „Ich gebe dir ein Höchstmaß an Freiheit, das ist, was ich dir gebe. Lass meine Liebe dich niemals kaufen, das ist, was ich dir gebe. Lass meine Liebe dich niemals einschränken, lass meine Liebe dich niemals begrenzen, das ist, was ich dir gebe. Lass meine Liebe das Gegenteil von all dem sein, was dich limitieren könnte.“

Ich weiß ja nicht, wie es dir damit geht, aber ich liebe meine Kinder auf diese Weise und eine andere könnte ich mir gar nicht für sie vorstellen. Bei meinen übrigen Mitmenschen habe ich in letzter Zeit gewaltige Fortschritte in dieser Hinsicht an mir entdecken dürfen und ich bin regelrecht süchtig danach geworden, immer „besser“ darin zu werden, denn plötzlich fühle ich mich so frei, wie niemals zuvor in meinem Leben. Bei meinen Kindern konnte ich das immer schon und sie bei mir auch.
Und ich hoffe, du kannst das ebenso bei den deinen. Denn bei der Liebe zu unseren Kindern wird diese Tendenz zur bedingungslosen Liebe in uns sichtbar. Sie offenbart sich da bei manchen vielleicht nur latent, aber es zeigt dennoch unser wahres Bestreben und unser spirituell impliziertes Begreifen der wahren Natur der Liebe, der wahren Natur Gottes und somit der wahren Natur von uns selbst.

Wenn wir es schaffen, unsere Partner, unsere Freunde und Verwandten respektive all unsere Mitmenschen als frei, unabhängig, schön und wundervoll zu sehen wie Kinder, sodass wir sie ebenfalls ein Maximum an Freiheit leben lassen wollen, dann haben wir nicht nur die gesamte Menschheit gerettet, sondern auch die ganze Welt.
Das ist das großartige Versprechen der Liebe. Das ist es, wie wir Gott in seiner höchsten uns fassbaren Form auszudrücken vermögen. Gott ist Liebe ist maximale Freiheit. Und wir müssen lernen, diese Freiheit geben zu wollen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Als Liebe kam


Über viele Dinge in dieser wundersamen Welt kann man etwas wissen, oder zumindest glauben, etwas zu wissen. Über die Liebe aber wird man niemals etwas wissen. Sie bleibt uns stets ein Rätsel, ein ewiges Mysterium. Wie oft verwechseln wir Liebe mit sentimentalen Empfindungen, mit Leidenschaft oder physischer Anziehung, bloß um zu erkennen, dass das nur ein Teilaspekt dessen ist, was Liebe sein könnte.

Als Liebe zu mir kam, da kam sie heimlich, um alles rein zu waschen, was nicht Liebe ist. Sie kam überraschend in einer Zeit, als alles um mich herum Nacht war. Nacht, von mir selbst geschaffen, in Form von Verlusten lieber Menschen, in Form von Schuldgefühlen und Angst, eine Zeit, da ich begriff, es ist der Liebe Wille und niemals der meine. Sie kam als blauer Schmetterling, schillernd sich niederlassend zuerst auf meine rechte Hand, dann flatternd über meinem Kopf und schließlich in mein müdes Herz. Sie kam als der erste Schrei eines Säuglings und das lange, schwere Haar einer Frau, in das ich mich gesponnen, als mein Schicksal stand sie vor mir, aber ohne Gestalt.

Ich bin vielleicht eine Quelle, sagte die Liebe, und manchmal da fühle ich mich an wie Stromschnellen, wie ein tosender Wasserfall, ein freundlich murmelnder Bach und streckenweise wie ein schmales Rinnsal, gerade mal genug, um zwischen trockenen Steinen hervorzukriechen. Meist jedoch bin ich nicht aufbrausend noch mitreißend oder laut, sondern ein gemächlicher, ruhiger Fluss, strömend und warm, tief in deinem Herzen, durch deine Seele zu allen anderen Seelen, die deine berühren. In deinen Händen kannst du mich nicht halten, mit deinem Willen nicht bremsen noch brechen. Dir ist es nicht gegeben mich zu lenken, zu kontrollieren oder zu regulieren, aber du kannst mich trinken und mich vergießen. Du kannst nicht satt werden durch mich, aber erfüllt. Ich kann dich tragen in meinem unaufhörlichen Fließen, aber du kannst mich nicht einsperren oder gefangen halten, denn ich bin der Tropfen, die Welle, der warme Regen eines staubigen Augustabends, die Flut und die Kraft, die sämtliche Felsen deiner inneren und äußeren Mauern über alle Zeit hinweg höhlt. Ich bin so und ich bin doch ganz anders. Ich bin das, was du niemals verstehen wirst. Und ich bin die Wege, die du nicht vorhersehen kannst. Die Gnade bin ich und der leise Ruf in dir. So bin ich und doch bin ich ganz anders, denn ich bin die Liebe, dein ewig Rätsel, dein größtes Verlangen und deine höchste Erfüllung. Doch meistens, da bin ich ein gemächlicher, ruhiger Fluss, warm strömend und tief in deinem Herzen. Das bin ich und doch bin ich es nicht, denn ich bin die Liebe. Ich bin das, was niemals gewusst und doch ewig gespürt wird. Ich bin Liebe. Ich bin, was ich bin.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Bereitschaft vs. Bedürftigkeit


Was du als spirituell erwachtes Wesen zum gelebten Ausdruck bringen solltest, ist, aus den richtigen Gründen allein, statt aus den falschen Gründen mit jemand zusammen zu sein. Ziehe einen Partner nicht aus dem Bedürfnis des Brauchens an, sondern aus der Bereitschaft zur Entwicklung. Wenn du jemand brauchst, bist du ein Bedürftiger. Ein Bedürftiger kann nur einen anderen Bedürftigen anziehen. Zwei Bedürftige aber sind zusammen verloren. Sie sind gemeinsam genauso verloren wie sie sich alleine verloren fühlten. Euer Weg wird ein leidvoller sein. Ihr werdet euch Wunden schlagen, die euch weit davon abbringen, Bereitschaft zu entwickeln. Daher bleibe lieber mit dir selbst, bis du dich selbst so tief erfahren hast, dass Bereitschaft statt Bedürftigkeit in dir entstanden ist.
Ein Mensch, der Bereitschaft zur Entwicklung signalisiert durch seine Schwingung, wird jemanden anziehen, der eine ebensolche Bereitschaft in sich trägt. Dadurch wird Wachstum entstehen. Und Wachstum bedeuet Freude.
Du kannst erst dann wirklich lieben, wenn du aufgehört hast, jemand zur Vervollständigung oder zum Gefühl der Sicherheit brauchen zu wollen. Liebe braucht niemand, der sie vervollständigt, aber sie strebt nach Räumen, in denen sie sich verstärken kann. Dazu musst du bereit und nicht bedürftig sein. Es ist deshalb weiser, aus den richtigen Gründen mit dir allein zu leben, als aus den falschen Gründen mit einem Zweiten.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Lebst auch du in einer Bedürfnis-GmbH?


Liebe und Freiheit sind eins. Das mag für viele wie ein Widerspruch in sich selbst klingen, denn für die meisten scheint mit der Liebe auch die Freiheit zu enden. Kaum ist die Box mit der Aufschrift „Beziehung“ mit zweien von euch gefüllt, geht es auch schon los mit dem gegenseitigen Beschneiden der Freiheit.

Die Frau meckert und nörgelt am Mann herum, denn so wie er ist, darf er nicht bleiben. Das war von Anfang an klar. Und egal, wie immer er auch ist, er darf auf keinen Fall sein, wie und wer er ist. Der Mann poltert und mäkelt an der Frau herum, denn so wie sie ist, darf sie nicht bleiben. Das wurde ihm nach und nach klar. Und egal, wie auch immer sie ist, sie darf auf keinen Fall sein, wie und wer sie ist.

Es wird in Wechselwirkung aneinander herumerzogen und herumgepfuscht. Jeder stülpt jedem den Glassturz der eigenen Bedürftigkeit über. Beide halten sich gegenseitig mit Sanktionen in Schach, sollte der eine die Bedürfnisse des anderen nicht erfüllen. Das eigene Unerfülltsein wird dem Partner mit der Forderung „Mach du mich glücklich!“ zur Last gelegt. Und so geht das Tag um Tag und Jahr um Jahr, bis beide nicht mehr können.

Es folgt die Trennung, der Rosenkrieg und das Wundenlecken, denn in der Opferhaltung ist es so hübsch bequem. Im Schmollwinkel verweilt man gerne, das infantile Däumchen im Mund mit der Gewissheit: Es gibt nur scheiß Männer, es gibt nur beschissene Frauen!

Bald aber schon suchen sich beide neue Opfer und Erfüllungsgehilfen für die eigene Unfähigkeit zur Selbstreflexion, die sie erkennen ließe, dass jeder selbst für das eigene Glück und die eigene Erfüllung verantwortlich ist. Das alte Drama wird rasch gegen eine neue Tragödie getauscht, in der Hoffnung, dass der oder die Neue endlich besser im „Michglücklichmachen“ ist. Aber das Rad beginnt sich bloß von Neuem zu drehen mit ähnlichem Ergebnis wie zuvor.

Wäre es nicht so traurig, man könnte sich darüber biegen vor Lachen: Da stehen sich zwei unerfüllte Bettler gegenüber, greifen einander in die leeren Taschen, sind frustriert, weil da nichts drin ist, und geben sich dann gegenseitig die Schuld für die Armut an Erfüllung. Doch das ist kein Witz – das ist der psychologische Alltag der meisten Paare. So lebt der Großteil der Menschheit seine Beziehungen.

Es wird nicht geliebt, sondern gebraucht. Es wird nicht gedient, sondern benutzt. Es wird nicht gewährt, sondern unterdrückt. Man teilt nicht, sondern dealt – meine Zuwendung gegen deine Zuwendung. Und wehe, wenn du auch nur ein Quäntchen weniger davon gibst als ich!

Doch all das ist keine Partnerschaft, das alles ist nicht Liebe, sondern eine Bedürfnis-GmbH. Jeder sperrt jeden in die Box, in das Gefängnis mit der Aufschrift „Mache du mich glücklich!“. Und da drinnen haltet ihr euch dann gegenseitig gefangen.

In einem Gefängnis aber kann nichts Liebevolles, nichts wirklich Fruchtbares erblühen. In einem Gefängnis entsteht nur Frust, Verzweiflung und am Ende Verbitterung.

Der Großteil aller Menschen lebt verbitterte Beziehungen. Er liebt daher nicht. Er faselt von Liebe, hat aber keine Ahnung, was Liebe wirklich ist. Denn zur Liebe braucht es Freiheit. Und in der Freiheit ist Erfüllung das Grundprinzip. Daher sind Liebe und Freiheit eins.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Zum Kern der Liebe


„Eine erfüllte Partnerschaft symbolisiert die endlose Reise zum Kern der Liebe – mit jedem Schritt durch den ihr tiefer in euch vordringt, rückt dieser Kern ein Stück von euch ab, obwohl das Maß eurer Liebesfähigkeit um das Maß dieses Schrittes steigt, ähnlich dem Horizont, den ihr niemals erreichen werdet, weil auch er mit jedem neuen Schritt um exakt diesen Schritt von euch abrückt. So bleibt die Reise zwar nicht ziellos aber doch ohne Ende.
Und in Wahrheit ist es vollkommen egal wohin ihr reist auf diesem unendlichen Wege – da wo ihr beide seid, da ist immer Zuhause.“
– der Andersmensch © 2016

Mr & Mrs Andersmensch senden hiermit allen Fans liebe Grüße aus dem Urlaub sowie eine wundervolle Wanderung zum Kern der Liebe.

 

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Partnerschaft als Feld der Entwicklung


Eine fruchtbare Partnerschaft ist keine Sache, die du irgendwann im Rausche der Verliebtheit beginnst und die dann ganz von selbst zu laufen hat – eine fruchtbare Partnerschaft erfordert kontinuierliche Arbeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und die aufrichtige Absicht zur Liebe. Dazu gehört auch der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen, manchmal persönlichen Eigendünkel und eigene Bedürfnisse hintanzustellen, sowie Verletzlichkeit zuzulassen. Und ihr braucht Ziele.
Wenn ihr eine Partnerschaft anstrebt, die auch noch nach Jahren rockt, dann müsst ihr bereit sein, Verletzungen hinzunehmen und miteinander Räume der Heilung und des Wachstums zu eröffnen. Ihr müsst lernen, Konflikte nicht als Niederlagen sondern als Felder der Entwicklung zu erkennen.
Erarbeitet euch gemeinsame, klar definierte Regeln und setzt euch realistische Ziele. Legt Konsequenzen fest, die auf Regelverstöße folgen und verliert dabei die Ziele nicht aus den Augen.
Stellt euch offen Fragen:

• Wie tief wollen wir uns aufeinander einlassen?
• Wohin wollen wir zusammen?
• Was können wir gemeinsam und was kann jeder für sich selbst tun, damit wir einander als Bereicherung dienen?
• In welchen Gesichtspunkten kann ich dich und wo kannst du mich unterstützen, damit es uns als Paar aber auch als Individuen gut geht?
• Welches Verhältnis von Nähe und Distanz ist eines, das uns beiden Erfüllung bringt?
• Schenken wir einander ausreichend Raum für unsere Partnerschaft und gewähren wir einander auch Räume des Rückzugs?
• Welche Eigenschaften schätze ich an dir, welche schätzt du an mir, und welche Unterschiede unseres Wesens haben wir bisher nicht als gegenseitige Ergänzung betrachten können?
• In welchen Aspekten unserer Partnerschaft kann ich selbst meine Liebesfähigkeit noch erweitern?

– Wenn ihr eure Partnerschaft nicht als einen Selbstläufer oder als Quelle egoistischer Bedürfnisbefriedigung betrachtet, sondern als ein gemeinsames Feld der Entfaltung, an dem ihr beide zu arbeiten habt, um progressive Bewusstwerdung und Erfüllung zu erfahren, dann werdet ihr erkennen, dass sie lebendig, fruchtbar und heilig bleibt, denn ihr habt einander nicht zufällig gefunden – ihr habt eine gemeinsame Bestimmung und die bedeutet: Entwicklung!

Akzeptiere: Das übergeordnete Ziel einer jeden Partnerschaft, einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung, ist nicht Glück, sondern Bewusstwerdung. Glück darf dabei als Nebenprodukt entstehen, aber es kann niemals als Hauptziel dienen, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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Der Krieger und der Weise


Der wesentlichste Unterschied zwischen dem Krieger und dem Weisen ist jener, dass der Weise erkannt hat, dass er bereits besiegt wurde – vom Leben, von der Liebe, vom Schicksal und in weitester Folge vom Tod. Daher ist er bereit zu akzeptieren. Er lebt jenseits des Kampfes, jenseits des Wunsches nach Kontrolle. Er weilt in der Akzeptanz dessen, was ihn umgibt. Und diese Akzeptanz macht ihn unendlich machtvoll und still. Er handelt nur noch dann, wenn es wirklich nötig ist.
Der Krieger hingegen will alles bekämpfen, alles an sich reißen, es kontrollieren. Er glaubt in seiner Torheit noch an den Sieg und erschöpft sich im Gefecht gegen übermächtige Gegner. Doch er wird nicht siegen – gegen das Leben, die Liebe, das Schicksal oder den Tod. Er wird pausenlos in die Knie gezwungen, er wird verlieren, bleibt jedoch töricht genug, der Übermacht mit neuen Waffen und Strategien zu antworten. Dabei leidet er, kann aber seinen Kampf gegen Windmühlen nicht beenden, bevor er sich nicht vom Krieger zum Weisen wandelt, bevor er nicht erkannt hat, dass er nur noch dann handeln muss, wenn es unbedingt nötig ist. Er wird keinen Frieden finden, solange er nicht gelernt hat zu akzeptieren.
Diese Welt ist eine Welt erschöpfter, trauriger Krieger, die unheimlich stolz auf ihren Kampf, ihre Torheit sind. Wäre diese Welt eine Welt der Weisen, würde sie in Frieden liegen; sie wäre bevölkert von zufriedenen Menschen, die sich freudig dem hingeben, was sie im Augenblick umgibt. Es gäbe keine Tendenz mehr zum Kampf, zur Macht oder Kontrolle, weil Weisheit weder kämpft noch sich in sinnloser Aktivität erschöpft.
Und so wird es stets klüger sein, den Weg des Weisen statt jenen des Kriegers zu gehen.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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In deine Hände


Von deinen Händen träumte ich.
Sie webten mir ein Kleid aus Zärtlichkeit.
In deinen Händen schlief ich heute Nacht.
Wie ein Baby lag ich darin,
sicher und warm,
gewogen nach meiner Seele,
nicht nach meinen Taten.
Getragen von deinen Händen war ich,
schlingernd wie ein Korken auf hoher See
in einem Ozean von Liebkosungen.
Deine Händen ruhten auf mir,
auf meiner Brust,
meiner Stirn und meinem Schoß.
Deine Hände schrieben Namen
aus verstaubten Leben über meine Haut,
sie waren Sternenzeit und Unendlichkeit.
Von deinen Händen träumte ich,
als Tor in neue Welten.
Deine Hände waren heut Nacht mein Quell,
meine Ankunft und Heimat,
Nahrung meines Verlangens,
Festung und endlose Weite.
Von deinen Händen träumte ich heut Nacht.
Über den Tag hinweg fühle ich sie noch,
als wären sie unter dem Mantel,
unter den Schichten meiner Person.
Und wenn ich nachts falle,
falle ich in deine Hände.
In deine allein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

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