Babys und Nähe


Erwachsene Menschen schlafen nicht gerne alleine. Den Babys und Kindern aber zwingen sie nächtliche Einsamkeit auf. Und das halten sie sogar für richtig, weil irgendwelche Studien von irgendwelchen Experten das so bestätigen. Das Seltsame daran ist jedoch, dass viele Eltern zwar ihren Säugling allein in einem Bettchen schlafen lassen, sich selbst aber nachts an ihre bessere Hälfte kuscheln. Dabei wissen sie nicht, was sie dem kleinen Menschen antun, wenn sie ihn vom Kuscheln ausschließen. Es scheint ihnen nicht bewusst, dass sie dem kleinen Erdenbürger auf diese Weise ungewollt psychischen Schaden zufügen.

Empathie für den Säugling kann helfen:
Zuerst lebte dieser winzige Mensch etwa 40 Wochen lang, rund um die Uhr, geborgen in seinem weichen, gedämmten und warmen Nest der Fruchtblase innerhalb der Gebärmutter, um von einem Tag zum anderen völlig nackt in eine kalte Welt voller lauter Geräusche, heller Lichter und fremder Gerüche gestoßen zu werden. Er wird nicht mehr über eine Nabelschnur genährt. Er wird nicht mehr über den Atem der Mutter mit Sauerstoff versorgt. Er muss plötzlich Milch saugen, um satt zu werden und seine Verdauung muss von einem Tag zum anderen ungewohnte Arbeit leisten. Da ist auf einmal fremder, trockener Stoff von Kleidung auf seiner Haut, denn nur das hält ihn warm. Und all die schützende Geborgenheit des Mutterleibes fehlt plötzlich. Sie ist vollends verschwunden.

– Wie kannst du da einen kleinen, schutzlosen Menschen nachts auch noch alleine liegen lassen; vielleicht mit einem leblosen, kalten und fremd riechenden Kuscheltier als gut gemeinten Ersatz für den Job, den eigentlich du erledigen solltest: Das Spenden von Nähe?

Falls du also dein Baby wirklich liebst, dann hole es nachts zu dir ins Bett. Lass es zwischen dir und deinem Partner schlafen. Schenke ihm so viel Geborgenheit und Nähe, wie du nur kannst. Gib deinem Baby tagsüber ganz viel Körperkontakt, am besten in einem Tragetuch. So ist es dir den Tag über nahe, kann deine Wärme, deinen Herzschlag und deinen Atem fühlen. Und nachts lass es spüren, dass du neben ihm liegst, damit es deine Wärme empfängt, deinen Atem hört und du sofort für den kleinen Menschen da sein kannst, sobald er wach wird.

Meine Frau und ich, wir lassen unsere Babytochter, wie dereinst ihren heute fünfundzwanzigjährigen Bruder, nachts stets zwischen uns schlafen. Und wir wollen das solange beibehalten, bis sie ganz von selbst den Schlaf im eigenen Bett verlangt. Bis dahin darf sie, wie ihr älterer Bruder damals auch, selbstverständlich zwischen uns liegen. Oft schläft sie sogar auf dem Bauch ihrer Mama oder ihres Papas ein. Wir spüren, wie sehr die Kleine das genießt. Und es gibt auch für uns nichts Schöneres, als diesen kleinen, schutzbedürftigen Körper ganz nah bei uns zu haben.
In den ersten Nächten legten wir die Kleine auf eine zu einem Rechteck zusammengefaltete Kuscheldecke zwischen uns, damit sie etwas erhöht liegt und wir sie in der Nacht nicht unbeabsichtigt überrollen. Wobei das eher für mich zutreffend war, denn meine Frau wird ohnehin durch die erhöhte Prolaktin-Ausschüttung beim geringsten Seufzer unseres Babys wach. Meine väterliche Prolaktin-Menge reichte dafür gerade mal die ersten drei Nächte aus. Mittlerweile aber liegt unser Babystern auch ohne Überrollschutz in unserem Bett, schön eingekuschelt zwischen seiner Mama und seinem Papa. Wir könnten es uns gar nicht anders vorstellen, als diesen nächtlichen Kuschelbetrieb zu pflegen, denn wir wissen um seine wichtige Bedeutung für die Entwicklung unseres Kindes.
Auf physiologischer Ebene wird durch das Kuscheln und den Körperkontakt nämlich die Oxytocin-Ausschüttung erhöht. Oxytocin wirkt sowohl als Hormon als auch als Neurotransmitter und ist gemeinhin als „Bindungshormon“ bekannt. Es verringert den Blutdruck und den Kortisolspiegel, wirkt beruhigend und kann zu verbesserter Wundheilung führen. Oxytocin reduziert zudem die Auswirkung von Stress. Sowohl auf neurochemischer als auch auf psychologischer Ebene wird Oxytocin beim Menschen mit psychischen Zuständen wie Liebe, Vertrauen und innerer Ruhe in Zusammenhang gebracht. Babys produzieren nicht nur nach dem Nuckeln, sondern – wie Erwachsene auch – beim Kuscheln Oxytocin. Daher ist es enorm wichtig, deinem Baby so viel Nähe und Kuscheleinheiten wie möglich zu schenken.

Die Vorstellung, dass es unzählige Babys auf dieser Welt gibt, die nachts alleine liegen müssen, tut meiner Frau und mir einfach im Herzen weh. Und die Mär davon, dass es den plötzlichen Kindstod fördert, wenn das Baby im elterlichen Bett schläft, die kann wohl auch nur von kopfgesteuerten, durch die Gehirnwäsche einer Universität paranoid gemachter Medizinern in die Welt gesetzt worden sein – kein Mensch ist jemals durch zu viel liebevolle Nähe gestorben.

Dieser Appell an alle Eltern, die ihre Babys, aus welchen Gründen auch immer, nachts alleine liegen lassen, wurde mir heute Nacht von meiner Babytochter im Traum aufgetragen. In meinen Träumen sagte sie „Papa, heute wirst du einen Artikel für uns kleine Menschen schreiben, in welchem du dazu aufrufst, uns in die Betten unserer Eltern zu holen, denn wir wollen nicht alleine schlafen. Wir brauchen ganz viel Nähe. Die ganze Welt braucht ganz viel Nähe.“
Tja, und so wie es das Töchterlein im Traume mir sagte, so ist es nun auch gekommen. Daher bitten wir im Namen aller Babys: Holt die kleinen Menschen nachts zu euch! All die Nähe, die ein Mensch von seinem ersten Tage an bekommt, wird jene Nähe sein, die er dereinst selbst wird geben können. Diese Welt braucht Liebe. Wir können diese Liebe geben. Und wenn wir diese Liebe ganz früh unseren Kindern schenken, dann werden diese Kinder sie an die Welt weitergeben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Des Königs Liebe


beauty106Kurz nur verließ ich das Zimmer Nummer 14, um ganz profan, aber doch einem Alltagshelden gleich, deine Zigaretten aus dem Wagen zu holen.

Ich kann keine Sekunde ohne dich sein, wisperte deine Stimme, als ich wiederkam und du, gewickelt in ein weißes Laken, wartend im Türrahmen standest, um mich sanft zurück ins Bett und erneut in unsere Umarmungen, in unseren Duft zu bugsieren.

Der Ausdruck meiner Liebe blieb dir ein Rätsel, doch ist es die einzige Art Liebe, von der ich spüre, dass sie wirklich ist.

Du kannst tun und lassen, was immer du willst, und so es deinen Untergang bedeuten, so es dein Unglück sein sollte, so du deine Reise fortsetzen müsstest, wenn es sein möchte, sogar mit einem Anderen zu leben, mich immer wieder aufsuchend, mich stets aufs Neue verlassend – nichts, aber rein gar nichts, ändert das Fließen meiner Hingabe an dich, mein vollkommenes Fallen in unsere kurze, einmalige und unvergessliche Begegnung.

Wohin du auch gehst, mit wem du auch lebst – meine Liebe, die dich zur Königin aller Königinnen macht, meine Liebe bleibt dir.
Sie ist die unsichtbare Krone, dein heimlicher Thron.
Und daran ist keine Bedingung geknüpft, denn meine Liebe braucht die deine nicht. Meine Liebe wächst allein an der Tatsache, dass es dich gibt, und daran, uns erfahren zu haben in jenen kostbaren Augenblicken im Zimmer Nummer 14, als der Juli-Himmel über dem Schloss aussah wie gemalt, um für das göttliche Kunstwerk eines verlängerten Wochenendes auf die Erde zu kommen.

Die Liebe allein ist Grund für meine Liebe zu dir – einen anderen kenne ich nicht.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

(Danke an meinen geliebten Seelenbruder PA’ur Boris Airetsis für diesen wundervollen Track, der mich ganz spontan zu diesen Worten inspiriert hat… Moonrise: Brian Crain)

© 2013 text by David P. Pauswek / Artworx © 2009 by BrokenData. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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