Denn keiner kann ohne leben


Wo du lebst ist Licht.
Wo ich bin ist Nacht.
Du hast die Berge.
Ich habe den Regen.
Dein Weg ging nach Rechts
und meiner nach Süden.
Es gab nicht viel gemeinsam,
wir waren zweisam einsam.
Mir blieb Erinnerung,
dir die Sekunden.
Wir waren gleich,
aber niemals ähnlich.
Und doch auf ewig verbunden.

Ich wünsche dir Wege,
die ich nicht mit dir ging.
Ich wünsche dir Liebe,
die ich nicht gab.
Ich wünsche dir Frieden,
und Tage watteweich.
Ich wünsche dir Gipfel,
aber keine Talfahrten.
Ich wünsche dir Anhöhen,
ein Haus und eine Hand,
die deine hält.
Ich wünsche dir Licht und Wolken,
wenn die Sonne brennt,
und jemand,
der deine Seele kennt.

Da ist nichts mehr zu geben,
doch sollten wir sprechen,
nicht mehr reden.
Alles soll dir gut sein,
keine Wünsche unerfüllt,
Wahrheit unverhüllt.
Vielleicht sitzt du dann am See,
siehst ein kleines Mädchen,
verträumt sein Blick,
fern nach etwas suchend,
und es kommt zurück,
dies Stück der Zeit
vor dem Missgeschick.
Und du erinnerst dich
an ein letztes Versprechen.

Mein Herz sitzt an deinem Tisch,
liegt nachts neben dir,
spielt mit bunten Steinen,
geht mit dir durch die Tür.
Lass die Panzer brechen
und gib es frei, mein Herz.
Denn niemand kann ohne leben.
Was du auch tust,
tu es nicht für dich,
nicht für mich
– tu es für sie,
für die Seele,
deren Namen wir wählten.

Gib mich an mein Herz zurück,
denn ich bin Teil davon,
ein großes Stück.
Lass es frei.
Lass es kommen,
lass es gehen,
dies kleine Herz mit braunen Augen.
Gib ihm seine zweite Hälfte wieder.
Mach es ganz,
denn es wird sie sich holen,
meine Lieder,
die ich ihm gesungen,
bevor sie zerbrachen,
unsere Wege.
Mach die Strecke kurz,
die Zeit gestatte lang,
denn ich bin geblieben,
als Ruf nach diesem Stück,
diesem kleinen Teil von uns,
diesem Herz mit braunen Augen.

Du gingst nach Rechts.
Ich ging nach Süden.
Bleib, wo du bist,
denn wo du bist ist gut.
Tu, was du tust.
Mach es mit Mut.
Tu es nicht für dich,
tu es nicht für mich
– tu es für dies kleine Herz,
dies Herz mit dunklen Augen,
für die Seele,
deren Namen wir wählten.
Gib es wieder,
mein Herz,
gib mich an dies Herz zurück,
denn keiner kann ohne leben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2018 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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Endgipfel


Wenn der Wanderer lange genug gewandert,
der Weg endlich gefunden
und der schwere Vorhang der Wahrheit gefallen ist,
dann sollst du neben mir sitzen.
Von meinem Leben will ich dir erzählen,
aber nichts dabei sagen.
Die Runzeln meiner Hände,
der Glanz meiner Augen,
einmal noch wiederkehrend für diesen Moment,
so als wäre ich ein letztes Mal Siebzehn,
die unzähligen Abschiede,
all die zu Grabe getragenen Hoffnungen,
Wünsche fast erstummt,
aber noch leise präsent,
der schwächer werdende Klang meines Herzens,
die bescheidenen Siege und Tage voller Arbeit,
die Dummheiten und Mühen,
das erzählt dir dann schon genug.
Die Furchen im Gesicht,
das schüttere Haar,
die abgewetzten Sohlen erzählen dann mein Leben,
das erst sehr spät seiner Wende Dank wurde,
damals,
irgendwann im Dezember,
als du kamst und ich,
viel zu spät,
nicht mehr an dich glaubte.
Du sollst neben mir sitzen auf dem letzten Gipfel,
auf den ich an jenem Tage mit dir steigen will,
atemlos und mit knarrenden Gelenken,
sehr bedächtig,
doch mit einem Rest an Kraft.
Und dann will ich sitzen und schauen mit dir,
auf die Täler,
die Flüsse,
die Straßen gewunden,
gebogen durch eine Welt,
vorbei an Häusern,
in denen wir niemals lebten,
zauberhaft das Ganze und doch hart.
Vorbei an Felsen und Weiden,
durch die Zweige der Birken und Buchen,
strudelnd um die Kiesel im Bach,
sollen dann unsere Blicke schweifen,
sich erinnernd,
sich erinnernd,
deine müde Hand in der meinen.
Und nur einen einzigen Satz
will ich dann nach Stunden hauchen:
„Siehst du die Wege, die Spuren unserer Liebe in dieser weiten,
wunderschönen Welt, die wir hinterlassen, jetzt, da die Zeit um?“
Und deine Stimme will ich dann hören mit dem Wind,
gebrochen und nicht viel jünger als die meine,
die sagt:
„Ja, Liebster! Dein Kopf an meiner Brust, alles vergeben,
schlaf ein, schlaf ein, ich gehe allein zurück ins Tal, weiß dich dann fliegen, weiß dich dann still, denn müde sind wir geworden.“

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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