Neider, Hater und die virtuelle Psycho-Toilette


Neider gab es schon immer. Und es gab auch schon immer Menschen, die andere Menschen einfach so, meist ohne rationalen Grund, hassen. Hätte es diesen Menschenschlag nicht gegeben – Jesus von Nazareth und all seinen Nachfolgern wäre es besser ergangen. Neider und Hater sind kein neuzeitliches Phänomen – der Großteil aller Menschen gehört zu dieser Mischpoke, meist jedoch, ohne sich dessen bewusst zu sein. Alleine die Zeit des „Dritten Reichs“ (dem heute seltsamerweise kaum einer angehörte – Verdrängung ist ein wertvolles Mittel zur Vergangenheitsbewältigung!) zeugt davon, wie unbewusst die Massen (die immer aus Einzelwesen bestehen) zu neiden und zu hassen und letztlich zu töten beginnen.

Daher sage ich als Therapeut: Rund 90 Prozent aller Menschen sind unbewusste Neider und Hater, denn rund 90 Prozent aller Menschen leiden an einer pathologischen Psyche. Um diese Aussage zu begründen, bedarf es eines eigenen Artikels, den ich vielleicht irgendwann schreiben werde es reicht jedoch vollends, wenn sich der Leser an dieser Stelle fragt „Wie oft in der Woche möchte ich einen mir völlig Fremden im Straßenverkehr verprügeln oder kann einen Anderen einfach so nicht leiden, bloß weil es mir innerlich nicht gut geht?“, um zu wissen, dass man selbst zu den erwähnten 90 Prozent gehört, auch wenn das jetzt eine ziemlich unbequeme (Selbst)Erkenntnis sein mag.

Neider und Hater sind also nichts Neues. Die gesamte Menschheitsgeschichte in all ihrer Widerwärtigkeit und Niedertracht nährt sich von diesen bedauernswerten Wesen.

Neu allerdings ist es, dass diese zweifelsfrei pathologischen Zeitgenossen ein eigenes, weltumfassendes Forum zur Verfügung haben. Doch lass uns zunächst einmal anschauen, wodurch sich Neider von Hatern unterscheiden und wo sie fließend zu Einem verschmelzen.

Neider: Der klassische Neider ist ein armes Wesen. Er fühlt sich tief drinnen minderwertig, klein und unbedeutend. Er sieht sich als benachteiligtes Opfer in einer ihn umgebenden Gesellschaft von vermeintlichen Gewinnern. Es mangelt ihm an Intelligenz, Kreativität und Mut, sein Leben so zu gestalten, dass er niemand für irgendwas neiden müsste. Da der Neider diesen Mangel jedoch weder selbst erkennt noch ihn sich bei Erkenntnis eingestehen möchte, neidet er einfach so und ziemlich stupide vor sich hin. Jeder, der etwas besitzt oder etwas darstellt, das der Neider selbst gerne hätte oder wäre, wird für ihn zum Feind in der törichten Annahme, dass der eigene Neid das herbeiführen könnte, was man dem Anderen neidet. Doch genau das Gegenteil ist der Fall! Alles, was du deinem Nächsten neidest, ist das, was du niemals erlangen wirst, solange du es neidest. Erst durch das Gönnen würde sich etwas ändern. Da zum Gönnen aber Bewusstsein und Stärke nötig ist, die dem Neider fehlt, bleibt er lieber neidisch.
Und weil sich daraus ein Teufelskreis ergibt, wird der klassische Neider irgendwann zum Hater.

Hater: Dieser Menschenschlag ist ebenso faszinierend wie bedauerlich. Mensch dieser Art sind zutiefst unglücklich, innerlich leer und voller Wut auf sich selbst. Natürlich ist diesen Menschen ihre Wut, die in Angst wurzelt, nicht bewusst. Da aber alle Emotionen von innen nach außen fließen, müssen sie diese Wut natürlich ins Außen bringen. Und so suchen und finden sich letztlich Projektionsflächen in Form von Einzelpersonen, Personengruppen oder sogar Volksgruppen. Im pathologischen Paradigma der Hater meinen diese in ihren Projektionsflächen die Begründung für ihr gesamtes Elend zu finden. Das gesammelte eigene Versagen am Leben wird auf die Projektionsfläche gestrahlt und so schauen sie täglich denselben traurigen Film ihres Hater-Daseins die Leinwand ihrer Realität hat einen Namen, eine Partei, eine Ethnie oder nennt sich einfach bloß „die Gesellschaft“.
Wenn du dich mit einem solchen Hater psychologisch befasst, wirst du erkennen, dass es ihm grundsätzlich an Liebe, Durchsetzungsvermögen und Selbstwert fehlt. All seine Hoffnung liegt im bedauernswerten Hass, durch den er eines Tages zur Beseitigung seines tiefen inneren Mangels aufzustreben hofft. Hater sind ein Volk, mit dem man einfach Mitgefühl haben muss, sofern man nicht selbst ein verkappter Hater ist. Da ein solcher Hater unbedingt ein Hassobjekt benötigt, sucht und findet er sich auch ein solches in Form einer Einzelperson, einer Personengruppe oder einer ganzen Ethnie. Dieses Hassobjekt ist dann die ganz persönliche Psycho-Toilette. Der Hater ist davon zutiefst abhängig.

Die Psycho-Toilette: Die Toilette ist jener Ort, an dem sich der Mensch unbrauchbar gewordener Stoffwechselprodukte entledigt. Da der Mensch nicht nur über einen physischen Stoffwechsel sondern auch über einen psychischen verfügt, er aber kaum gelernt hat wie Psychohygiene funktioniert, ergibt sich hier eine zwingende Notdurft auf psychischer Ebene.
Diese psychische Notdurft wird neuzeitlich mittels der sozialen Medien befriedigt. Da scheißt der Mensch all das aus, was er sich in seinem realen Umfeld nicht auszuscheiden getraut. In der sogenannten realen Welt kriegen die meisten Menschen ihren Mund kaum auf, um etwas zu sagen, das mehr bedeutet als RTL, Pro7 oder Bild – man getraut sich weder dem Partner, den Eltern noch dem Chef zu sagen, was einen alles ankotzt. Man ist zu schwach und zu feige, um selbstbewusst zur eigenen Individualität zu stehen, man denkt und lebt lieber im Gleichschritt, leidet an Autoimmunerkrankungen, Psychosen und Depressionen, ohne adäquate Wege zur inneren Heilung zu gehen. Man neidet und hasst dumpf und mundtot vor sich hin, aber im sozialen Medium verfasst man ungefragt ellenlange, inbrünstige Meinungsäußerungen, denn das soziale Medium suggeriert, die Meinung eines jeden wäre total wichtig. In Wahrheit aber kümmert diese Meinung meist keinen, außer den Verfasser selbst, seine 5 Freunde und Timmy den Hund. Besonders unter kontroversen Artikeln erscheint der Großteil der psychischen Ausscheidungen als besserwisserischer, hasserfüllter Kommentar für den sich kaum einer interessiert (der Verfasser aber liest ihn meist viele Male, weil doch jeder irgendwie auf seinen Kackhaufen stolz ist!), denn Leser besuchen Blogger oder Autoren nicht der Kommentare der Leser wegen, sondern wegen der Aussagen der Blogger und Autoren.

In jedem Falle aber ist das soziale Medium das psychische Scheißhaus des kleinen Mannes und seiner Frau. Da deponiert er all seine psychischen Blähungen und Exkremente in dem Glauben, die Welt würde sich für ihn dadurch ändern. Und je weniger sich die Welt ändert, desto mehr wütende Kommentare und Postings werden gesetzt.
Das soziale Netzwerk (eigentlich asoziales Netzwerk) ist zudem der Pranger der Neuzeit! Da wird hemmungslos intrigiert, gewettert, verleumdet, gelogen. Es werden Gerüchte gekocht und alle holen etwas aus dem Geredeschuppen. Jeder ist nur noch mit Duck Face schön und Phototshop, meist dilettantisch genutzt, erspart die plastische Chirurgie. Es werden massenweise und am laufenden Band Fake News produziert und jeder noch so geisteskranke Inhalt findet Verbreitung. Jede Katze ist ein Tiger, jeder Hund ist Lassie, jedes Abendbrot ein Festbankett, jeder Pauschalurlaub ein Besuch im Paradies, jeder veränderte Beziehungsstatus die absolute Tragödie oder die Liebe fürs Leben. Licht & Liebe wird zur neuen, dogmatisch verteidigten Religion und jeder ist plötzlich Politologe, der es eigentlich besser könnte, denn „Merkel muss weg!“. Nazis finden ihre Spielwiese und Psychopathen ihre Opfer.
Das soziale Medium – psychologisches Scheißhaus für die geistig Schwachen, die Neider & Hater, der Pranger der Neuen Weltordnung und nicht nur für Geheimdienste ein kostenloser Fundus an menschlichen Abgründen.

Für Neider & Hater ist das soziale Netzwerk jedenfalls jener Ort, an dem sie sich treffen. Da finden sie Gründe für Neid und Hass im Überfluss. Und für mich als Therapeut und mutmaßlicher Verschwörungstheoretiker, der sowieso ein Rad ab hat, ist dies der Ort, an dem ich sie kostenlos studieren kann, die Neider & Hater, die sich selbst seelisch so gesund wähnen. Und ich kann sie für meine Zwecke ideal nutzen, denn je kontroverser meine Artikel, je rüder meine Sprache und meine Rhetorik klingen, desto weiter müssen diese Neider & Hater meine Botschaft tragen, ob sie es wollen oder nicht. Klingt seltsam – ist aber so.

– Ob ich Zukunftsängste habe? – Niemals, bei dem Übermaß an potenzieller Klientel! Als Mensch bedauere ich es jedoch zutiefst, in einer Welt zu gastieren, in welcher dermaßen viele Psychotiker leben, obwohl es täglich spannend ist, sie zu studieren. Beängstigend ist es jedoch, wie leicht sie zu lenken sind durch Artikel wie zum Beispiel diesen hier.

Fazit: Futter für die Neider & Hater im virtuellen Teich der seelisch Unmittigen und ein Gewinn für jene, die daraus profitieren. Der einzig sinnvolle Ausweg aus dem psychosozialen Scheißhaus ist: OFFLINE oder endlich aufzuwachen. Hier gibt es keinen Mittelweg.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2017 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Kinder brauchen keine Regeln


Ein Kind muss so frei als möglich aufwachsen. Jede Regel, die du zwangsweise an Kindern durchsetzt, tötet ein Stück ihres Geistes und sollte dir selbst einen gewaltigen Mangel an natürlicher Autorität aufzeigen. Wer zwingen muss, ist schwach. Wer Zwang braucht, um sich durchzusetzen, verfügt nicht über Autorität sondern bloß über psychische Gewalt, die stets ein Zeichen von Schwäche ist. Und Kinder orientieren sich dann an dieser Schwäche, die sie irrtümlich für Stärke halten. Daraus entstehen dann weitere Generationen armseliger Machtmenschen für die das Mittel der Unterdrückung als Werkzeug der Stärke gilt.

Kinder brauchen weniger Regeln und mehr Förderung ihrer Kreativität. Eltern, die frühzeitig die wahren Talente eines Kindes erkennen und fördern, legen der Seele dieses Kindes den Schlüssel zur Großartigkeit in Händen. Dabei müssen diese Eltern tunlichst darauf achten, nicht die eigenen unerfüllten Lebensträume auf das Kind zu projizieren, was dieser Tage der Regelfall ist. Kinder wurden nicht dazu geboren, die verpatzten Schicksale ihrer Eltern zu korrigieren, sondern um der eigenen Bestimmung zu folgen. Und diese Bestimmung kann völlig konträr zum Wunsch der Eltern stehen. Akzeptiere das in Liebe.
Achte sehr genau auf die Art der Schule, die du deinem Kind angedeihen lässt. Wenn du dein Kind in eine Regelschule steckst, tötest du es geistig. Es wird in dieser Schule systematisch angeglichen an die Dumpfheit des Lohnsklaventums. Es wird zum funktionierenden Roboter konditioniert. Man bringt ihm bei, im Gleichschritt zu denken, zu leben und zu funktionieren. Das kommt einer psychischen Tötung des Kindes gleich. Es wird durch diese Schule niemals zu seiner vollen Schönheit, zu seiner vollen Blüte heranreifen können.

Betrachte ein Kind nicht als dein Eigentum – betrachte es als Baum, zu dessen Gärtner du bestellt wurdest. Lass ein Kind in höchstmöglicher Freiheit aufwachsen ohne große Sorgen um seine Bestimmung, denn diese bestimmst nicht du; sie ist bereits von höherer Stelle vorgezeichnet. Betrachte dein Kind als Baum, dessen Same man dir gab. Sein Platz wurde vorgegeben. Achte du darauf, dass dieser Baum ausreichend Licht, Schatten, Nährstoffe und Wasser bekommt. Halte ihm die Schädlinge fern, aber beschneide diesen Baum niemals durch kranke Regeln, deinen persönlichen Lebensfrust oder die Angst vor dem eigenen Versagen – die Seele eines Kindes hat ihren eigenen Weg. Den gilt es freizuhalten in Liebe.
Jede zwanghafte Regel, die du einem Kind auferlegst, tötet seine Kreativität, seine Schönheit, seine natürliche Wildheit.
Wenn du ein Kind liebst, schenke ihm das Höchstmaß an Freiheit und Vertrauen in seinen ganz persönlichen Lebensweg. Fördere ein Kind, aber beschränke und beschneide es nicht. Und bedenke: Die größten Persönlichkeiten der Menschheit waren keine Musterschüler und Vorzeigekinder, sondern Rebellen und Regelbrecher. Solchen Menschen verdankst auch du eine Menge.
Wenn du also eine neue Welt wünscht, lass zwei Generationen von Kindern in Liebe und Freiheit aufwachsen. Und beginne mit jenen Kindern, die dir das Leben in Obhut gestellt hat.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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Zum Kern der Liebe


„Eine erfüllte Partnerschaft symbolisiert die endlose Reise zum Kern der Liebe – mit jedem Schritt durch den ihr tiefer in euch vordringt, rückt dieser Kern ein Stück von euch ab, obwohl das Maß eurer Liebesfähigkeit um das Maß dieses Schrittes steigt, ähnlich dem Horizont, den ihr niemals erreichen werdet, weil auch er mit jedem neuen Schritt um exakt diesen Schritt von euch abrückt. So bleibt die Reise zwar nicht ziellos aber doch ohne Ende.
Und in Wahrheit ist es vollkommen egal wohin ihr reist auf diesem unendlichen Wege – da wo ihr beide seid, da ist immer Zuhause.“
– der Andersmensch © 2016

Mr & Mrs Andersmensch senden hiermit allen Fans liebe Grüße aus dem Urlaub sowie eine wundervolle Wanderung zum Kern der Liebe.

 

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Nini & Dave © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Partnerschaft als Feld der Entwicklung


Eine fruchtbare Partnerschaft ist keine Sache, die du irgendwann im Rausche der Verliebtheit beginnst und die dann ganz von selbst zu laufen hat – eine fruchtbare Partnerschaft erfordert kontinuierliche Arbeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und die aufrichtige Absicht zur Liebe. Dazu gehört auch der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen, manchmal persönlichen Eigendünkel und eigene Bedürfnisse hintanzustellen, sowie Verletzlichkeit zuzulassen. Und ihr braucht Ziele.
Wenn ihr eine Partnerschaft anstrebt, die auch noch nach Jahren rockt, dann müsst ihr bereit sein, Verletzungen hinzunehmen und miteinander Räume der Heilung und des Wachstums zu eröffnen. Ihr müsst lernen, Konflikte nicht als Niederlagen sondern als Felder der Entwicklung zu erkennen.
Erarbeitet euch gemeinsame, klar definierte Regeln und setzt euch realistische Ziele. Legt Konsequenzen fest, die auf Regelverstöße folgen und verliert dabei die Ziele nicht aus den Augen.
Stellt euch offen Fragen:

• Wie tief wollen wir uns aufeinander einlassen?
• Wohin wollen wir zusammen?
• Was können wir gemeinsam und was kann jeder für sich selbst tun, damit wir einander als Bereicherung dienen?
• In welchen Gesichtspunkten kann ich dich und wo kannst du mich unterstützen, damit es uns als Paar aber auch als Individuen gut geht?
• Welches Verhältnis von Nähe und Distanz ist eines, das uns beiden Erfüllung bringt?
• Schenken wir einander ausreichend Raum für unsere Partnerschaft und gewähren wir einander auch Räume des Rückzugs?
• Welche Eigenschaften schätze ich an dir, welche schätzt du an mir, und welche Unterschiede unseres Wesens haben wir bisher nicht als gegenseitige Ergänzung betrachten können?
• In welchen Aspekten unserer Partnerschaft kann ich selbst meine Liebesfähigkeit noch erweitern?

– Wenn ihr eure Partnerschaft nicht als einen Selbstläufer oder als Quelle egoistischer Bedürfnisbefriedigung betrachtet, sondern als ein gemeinsames Feld der Entfaltung, an dem ihr beide zu arbeiten habt, um progressive Bewusstwerdung und Erfüllung zu erfahren, dann werdet ihr erkennen, dass sie lebendig, fruchtbar und heilig bleibt, denn ihr habt einander nicht zufällig gefunden – ihr habt eine gemeinsame Bestimmung und die bedeutet: Entwicklung!
Akzeptiere: Das übergeordnete Ziel einer jeden Partnerschaft, einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung, ist nicht Glück, sondern Bewusstwerdung. Glück darf dabei als Nebenprodukt entstehen, aber es kann niemals als Hauptziel dienen, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Foto by Raffael Pauswek/Projekt 21 © 2016. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Papierschiffchen


Ein Grashalm möcht ich sein,
durch den Asphalt deines Panzers dringen,
um dich zu überraschen mit meiner Kraft,
bis du erstaunst und dich wunderst,
was mich angetrieben hat.
Ein Sonnenstrahl will ich sein,
der dich berührt in Momenten,
da die Dunkelheit dich übermannt,
um dich zu trösten mit meinem Licht,
bis du lächelst und dich freust,
weil ich auf deiner Netzhaut tanze.
Ich will die Hand sein,
die Wolken für dich zur Seite schiebt
und dir den Himmel klar macht,
die Hand, die nachts nach deiner fasst,
wenn du zuckst im Schlaf und Träume dich plagen.
Ich will der Augenblick sein,
der dich zum Staunen bringt,
der Presslufthammer,
die Betondecke deines weichen Herzens sprengend,
damit du siehst,
dass Liebe wirklich ist und Angst nur ein Schatten.
Ich will dir meine Befürchtungen darlegen,
um die deinen zu schmälern,
denn ich komme als Liebender in dein Leben,
nicht als die Dolche deiner Vergangenheit.
Ich will deine Gegenwart sein,
die Sicherheit für deinen Gang durch die Welt.
Das ist der Grund,
weshalb ich bei dir bin: Liebe.
Einen anderen Grund gab es nie.
Und jetzt gib mir die Angst,
setze sie mit mir in ein Papierschiffchen,
sieh zu,
wie die meine mit der deinen in die Wellen treibt.
Wir lassen sie ziehen, die Angst.
Und unterm Strich wirst du erkennen,
ich bin die Rechnung,
die letztlich aufgeht.
Denn Liebe war der Multiplikator.
Und Liebe ist dann auch das Resultat,
Papierschiffchen, Papierschiffchen!
Unser Meer ist voll davon.
Und in einer Flaschenpost kam ich auf deine Insel.
Da bin ich gestrandet als Antwort auf dein Gebet.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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An dich, Frau



Es ist mitten in der Nacht. Im Studio wälzen sich Bässe aus den Boxen, die Kopfhörer längst verwachsen mit meinen glühenden Ohren und ich habe sogar noch etwas Blut im Kaffee, der durch meine Venen fließt. Es ist mitten in der Nacht. Und ich habe gerade zärtlich an dich gedacht. An die Art, wie du so bist und wie du mich siehst. Leise hab ich deinen Namen ausgesprochen, fast so, als wärs das erste Mal. Damit wurde mir klar, ich trage dich öfter bei mir als ich dir und mir eingestehe.
Ich mache noch einen Schluck vom kalten Kaffee, equalize zart am Klang eines Beckenschlags rum, aber eigentlich equalize ich in meinem Innersten auch an meinen Gefühlen für dich rum.
Frische Luft täte uns gut, flüstere ich und meine damit nicht nur mich und meine Musik, daher trete ich ans Fenster, blicke über die schlafende Stadt, zähle die Lichter als wären es Sterne und fühle mich hier gar nicht mehr zuhause.
Etwas von mir strebt beständig zu dir. Im Moment sind es meine Gedanken, die unsere letzten Gespräche wiederholen.
„Du schreibst doch gerne für viele Frauen Gedichte“, sagtest du.
Und ich antwortete dir nicht, doch ich tue es jetzt, auf diesem Wege: Ja, ich schreibe für manche Frauen Gedichte, aber ich schreibe nicht für jede gleich. An der Art, wie sehr dich ein Gedicht berührt, wirst du erkennen, ob es für dich verfasst wurde oder nicht. Und weißt du, in all meinen Gedichten stecken Wölfe, nur in jenen an dich, darin sind keine zu finden. Weil du mir Zeit lässt. Weil du mich nicht drängst. Weil du an mich glaubst und mir vertraust. Weil du den geraden, offenen Weg zu meinem Herzen wählst. Daher stecken in den Worten an dich niemals Wölfe.
„Es verehren dich so viele Frauen!“ brachteste du vor und ich lächelte bloß still, doch ich will dir jetzt antworten, auf diesem Wege: Ja, ich würde lügen, wenn ich bestreiten wollte, dass eine schwer überschaubare Zahl an Frauen hinter mir her ist. Aber ich bin weder Freiwild noch ein junger Mann, der jagen möchte – ich bin ein Silberrücken und müde genug, um mir ein Nest zu bauen mit der Frau, die meine Seele sieht, die sie so annimmt, wie sie ist.
Und das Wundervolle an diesem Moment, mitten in der Nacht, ist meine Erinnerung an unseren Umgang miteinander:
„Wie wirst du mit meinen Wunden leben?“ fragte ich dich.
„Indem ich dir keine neuen schlage“, sagtest du.
„Wie wirst du mit den Lügen deiner Vorgängerinnen klarkommen?“ wollte ich wissen.
„Indem ich sie durch Aufrichtigkeit tilge“, gabst du zur Antwort.
„Was sollen wir mit meinen Zweifeln tun?“
„Ich heile deinen Glauben!“ kam aus deinem Mund.
„Und meine zerstören Luftschlösser – was soll ich mit den Trümmern tun?“ interessierte mich.
„Wir errichten uns daraus neue!“ lächeltest du.
„Aber meine ungestüme Liebe, wie willst du die ertragen?“
„Die wird mit der Meinen tanzen!“ drang aus deinem Mund.
Und so sitze ich hier im Studio, mitten in der Nacht, habe gerade zärtlich an dich gedacht, finde mich umgeben von Kaffeetassen und vollen Aschenbechern, equalize am Klang eines Beckenschlags und an meinen Gefühlen für dich rum. Eine Empfindung der Dankbarkeit klettert auf meinen Schoß und kriecht in mein Herz. Und mir wird klar: Frau, ich habe begonnen, dich zu lieben.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Liebe als Rebellion


Die Unfähigkeit anderer, deine Liebe wahrzunehmen oder sie zu erwidern, ist nicht deine Schwäche, nicht dein Versagen – es ist das ihre. Menschen, die selbst unfähig zur Liebe sind, werden den Liebenden immer als verrückt wahrnehmen. Sie werden sich erhaben über diesen Menschen, über seine vermeintliche Schwäche fühlen und ihn belächeln, um nach seinem Tode davon zu faseln, was er doch für ein großartiger Mensch war, ohne jedoch wirklich erkannt zu haben, woraus seine Großartigkeit bestand. Eine solch verklärte Wahrnehmung, dieser Mangel an Liebesfähigkeit, ist die größte Armut unter der ein Mensch überhaupt leiden kann. Fast die ganze Welt hungert und dürstet in dieser Form der Armut; und wenn du heute in einen Bus mit 100 Fahrgästen einsteigst, ist es wahrscheinlich so, dass du der einzige unter ihnen sein wirst, der wirklich lieben kann. Das ist die Welt, in die du geworfen wurdest wie ein Juwel unter Kieselsteine, wie eine Kerzenflamme in eine dunkle Konzerthalle. Das ist das Schicksal und die Bestimmung eines Liebenden auf Erden.
Was also kannst du tun in einer Welt, die zum Großteil von zur Liebe unfähigen Menschen bevölkert ist?
– Du kannst nichts weiter tun als so unbeugsam zu lieben wie es dir möglich ist. Deine Liebe mach zur stillen Rebellion gegen die Lieblosigkeit. Denn in einer lieblosen Welt ist deine Liebe das Licht für die Blinden. Sie ist das Brot und der Wein für die Hungernden und Dürstenden. Und wenn du dich manchmal einsam fühlst in deiner Liebe, dann wisse, du bist nicht allein – es gibt da draußen auch ein paar von deiner Art.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce