Höchstes Gebet löst Trennung auf


Wie du vielleicht weißt, bin ich lebenslang praktizierender Christ. Ob mir das immer gut gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Wenn ich sage „Christ“, dann hat das nichts mit irgendeiner Konfession zu tun und schon gar nichts mit dem Katholizismus oder dem Vatikan. Es bedeutet ganz einfach, der Lehre des Christus zu folgen. Dieser kannst du nur in freier Form folgen. Du kannst nicht unter drückenden Dogmen, von Menschen gemacht, ein wahrer Christ sein. Du kannst den Christus nicht in Kirchen finden oder in Büchern. Weder in einstudierten Floskeln, die manche automatisch herunter leiern und das dann Gebet nennen, noch in pseudo-frommen Ritualen wirst du ihm begegnen. Aber du kannst ihn hören, ihn spüren, ihn rufen, dich ihm hingeben und wissen, dass seine Lehre eine ist, die höchstmögliche Freiheit und Freizügigkeit in der Zuwendung zu seiner Kraft einfordert.
„Sprich in Freizügigkeit zum Herrn!“ war seine Anweisung.

Damit ist nicht unbedingt verbale Hinwendung gemeint, sondern vielmehr die omnipotente Kommunikation mit allem und jedem. Denn der Herr ist in allen Dingen. Das Leben ist in jedem Wesen, in jedem Ding. Energie ist in jedem Wesen, in jedem Ding.
Somit habe ich verstanden, dass wir uns jedem Wesen und jedem Ding gegenüber öffnen sollten, denn somit schauen und sprechen wir zum Leben, zum Herrn selbst.

Wir gehen hin zu dem, der uns in der jeweiligen Situation der Nächste ist – das kann ein Mensch, ein Pferd, ein Baum oder ein Käfer sein – und kommunizieren so, als stünden wir vor dem Allerhöchsten. Wir bemühen uns, in unserem Gegenüber das Göttliche zu sehen und anzusprechen.
Befinden wir uns dabei in einem Zustand höchster Klarheit – und höchste Klarheit definiert sich immer durch Demut, Hingabe, Respekt und Liebe –, dann spricht der göttliche Funke, die Seele in uns, zum göttlichen Funken, zur Seele des anderen. Daraus ergibt sich ein Akt größter Einheit. Es ist die höchste Form des Gebets überhaupt.

Gebet muss keine Bitte sein. Gebet ist vielmehr eine Danksagung. Ich sage, verbal oder nonverbal, zu dem Wesen oder Ding, das mir im Augenblick am nächsten ist „Danke, dass wir zwei Formen desselben Einen im selben Raume zur selben Zeit sind!“, weil ich erkenne, dass das, was ich sehe, und das, was mich sieht, ein und dasselbe ist. Ich beende durch diese Art der Kommunikation, durch diese Form des Gebets jedwede Trennung.

Wenn wir in dieser Weise die Welt ansprechen, ob nun durch Worte oder Taten oder auch Nichtstun, dann werden wir erhört. Denn was eins ist, kann sich selbst nichts ausschlagen. Die rechte Hand kann der Linken nichts ausschlagen, da sie Glieder desselben Leibes sind.

Und so möchte ich heute und auch an künftigen Tagen für dich und mit dir beten. Ich möchte beten für alle, die derzeit an der um sich greifenden Dunkelheit leiden, die ihre Lebenswerke sterben sehen, die ihre Liebsten nicht besuchen können, die ihre Träume aufgegeben haben, die um ihre Freiheit oder Gesundheit bangen, die in der Zukunft nur noch Bedrohlichkeit finden.

Falls du einer sein solltest, der in sich jene stillen Räume bereits kennt, der weiß, was Transzendenz und was die Kraft des Christus kann, dann lade ich dich ein: Bete mit mir. Bete für mich, wie ich für dich bete, wie wir für uns alle beten, ganz besonders auch für die, in denen gar kein Licht mehr brennt, weil sie von Macht korrumpiert nur noch die Hölle auf Erden bringen möchten.

Die Erde ist ein Boot, in welchem wir alle sitzen. Keiner kann aus diesem Boot aussteigen, solange er lebt. Unser Gebet muss demnach zur Tat werden, zum Rudern in dieselbe Richtung. Sag nicht, es würde nichts bringen, wenn du in deinem Nächsten – ob nun Freund oder Feind – den göttlichen Funken ansprichst, denn du weißt, dass ein Boot, in dem keiner mehr rudert, eines ist, das der Strömung zum Opfer fällt, irgendwann kentert oder auf Grund läuft und sinkt.

Wir tragen derzeit Masken. Damit haben wir nur die Augen, um uns zu erkennen, kein Lächeln mehr. Bete auf diese Weise, indem du von jetzt an tiefer in die Augen deines Nächsten blickst. Sprich mit deinen Augen zu seinen Augen, indem du wortlos sagst: „Wir sitzen im selben Boot und ich sehe dich!“. Wenn du es schaffst, das länger als fünf Sekunden zu halten, wirst du plötzlich Erlösung im Raum spüren. Du wirst Erlösung in dir spüren und Erlösung im anderen. Denn Erlösung bedeutet hier auf Erden, dass wir nicht mehr allein sind, uns nicht mehr abgespalten und entfremdet von unseren irdischen Brüdern und Schwestern fühlen. Das betrifft nicht nur die Menschen um dich, sondern jedes Wesen und sogar jedes Ding.

Sieh die Welt täglich wirklich-wirklich an mit Augen deines Wohlwollens, mit den Augen der Liebe und der Verbindlichkeit.
Das, mein Freund, ist die höchste Form des Gebets. Und sie macht nicht nur dich zum Freund der ganzen Welt, sondern auch die ganze Welt zu deinem Freund. Und je mehr Menschen diese Freundschaft schließen, desto machtvoller wird unsere Einheit.

Wenn WIR für uns sind – wer mag dann noch gegen uns sein?

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© 2019 text by David P. Pauswek – der Andersmensch. All rights reserved.


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