Die Töchter Liliths


Lilith. Sie ist zu einer esoterischen Pop-Ikone geworden. Zum Leitbild zahlreicher Frauen. Viel wird über sie geschrieben, aber nur wenig davon ist wahr. Auch dieser Artikel hier ist gewiss nicht völlig objektiv, denn dem Subjekt bleibt alles subjektiver Wahrnehmung unterstellt. Wahre Objektivität ist alleine der Göttlichkeit vorbehalten. Trotz aller Subjektivität gründet sich der Artikel jedoch auf die heiligen Schriften und Mythologien, nicht auf das psychotische Eso-Tingeltangel der New Age-Bewegung, die alles an den Mann und seine Frau verkaufen möchte, was zweifelhaften spirituellen Status, vor allem aber Kohle bringt. Daher wollen wir versuchen, Lilith hier einmal anders zu betrachten, um sie anschließend in einen neuzeitlichen Kontext zu stellen.

Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.
Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein EIN Fleisch. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.
– Genesis 2, Vers 21 – 25

Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.
– Genesis 3, Vers 20

– Gott nahm also keinen Teil vom Haupt Adams, damit Eva nicht über ihm stünde. Er nahm auch keinen Teil von Adams Fuß, damit sie nicht unter ihm stünde. Er nahm von der Rippe, da wo das Herz ist, damit sie ihm gleich stehe, Seite an Seite.

Das ist im Grunde eine wunderbare Sache aus der ganz klar zu erkennen ist, dass hier durch Gott eine Gleichstellung der Geschlechter gewünscht ist. Also kein Anlass, um an dieser Stelle schon hysterisch ins feministische Horn zu stoßen. (Diese Stelle kommt noch, jedoch eher zum Ende dieses Artikels – soviel sei hier schon mal verraten!)
Es ist ein durchaus schöner Gedanke zu wissen, dass Mann und Frau aus einem Leib gemacht sind. Völlig egal, ob man aus Lehm und Staub (Adam) oder aus einer Rippe (Eva) geformt wurde – beides klingt nicht sonderlich erhaben oder gar romantisch. Daher ist Eifersucht (Penisneid) nicht nötig. Wesentlich bedeutsamer ist der göttliche Plan dahinter, der sich hier offenbart. Denn als Eines waren sie gedacht und eins sollten sie bleiben. Eva war Adam eine gute Frau und Adam war ihr ein guter Mann. Sie stellten zwar gemeinsam etwas Folgenschweres an, aber sie taten dies immerhin als eingeschworene Komplizen, die auch gemeinsam die Konsequenzen ihres „Sündenfalls“ zu tragen hatten. Bis zum heutigen Tage…

Adam war also ein guter Mann. Eva war also eine gute Frau. Viele Frauen dieser Tage aber wollen nicht die Eva sein. Sie identifizieren sich lieber mit Lilith. Offenbar wollen sie keine guten Frauen sein. Sie wollen lieber schlechte Frauen, Dämoninnen und Kindsmörderinnen sein. Denn es wird behauptet, Lilith sei die erste Frau Adams gewesen, die sich Adam nicht unterordnen wollte, worauf sich Adam bei Gott beschwerte, der Lilith zu Rede stellte und sie aufforderte, Adam doch eine gute Frau zu sein. Lilith aber weigerte sich. Sie verfluchte Gott und schwor, bis zum Ende der Zeit die Kinder Adams zu ermorden. Angeblich war sie auch gegen die Verführungen Satans immun und betrog sogar Gott, indem sie ihm seinen heiligen Namen entlockte, was ihr nahezu unbegrenzte Macht verlieh. In jedem Falle aber zog sie aus dem Paradies aus (Wir wissen nicht, ob es sich hierbei um die allererste Schmollreaktion eines Weibes handelte, Anm.d.Verf.) und tötete fortan Nacht für Nacht die Kinder aus Adams Linie. Über viele Jahrhunderte hinweg fürchteten Eltern deshalb um das Leben ihrer Babys, die Lilith zum Opfer fallen könnten.

In deutschsprachigen Ausgaben der Bibel wird Lilith genau an zwei Stellen genannt, bei Hiob 18,15 und bei Jesaja 34,14. Dort wird sie (von hebräisch „Lilit) als „Nachtgespenst“ übersetzt, mit der Heimat in der Wüste.

Ab dem 13. Jahrhundert begegnet sie uns erstmals in einer Schrift namens „Abhandlung über die linken Emanationen“ in der ein System aus sieben göttlichen bösen Mächten beschrieben wird, deren erste Samael und deren letzte Lilith darstellt. Samael und Lilith symbolisieren ein göttliches Paar, das eine Gruppe böser Dämonen beherrscht und gegen die rechten (guten) Emanationen um die Vorherrschaft der Welt kämpft. Erst durch den apokalyptischen Zweikampf zwischen Samael und dem Messias wird dieser Kampf beendet.

Diese Metaphorik ist leicht auf unser heutiges Erkenntnismodell von den beiden Hemisphären unseres Gehirns zu deuten, bei dem die Linke dem kalten, rationalen, analytischen, und logischen Verstand, dem Ego zuzuordnen ist, wogegen die Rechte für das Ganzheitliche, Bildhafte, Kreative, Zeitlose, Intuitive und Emotionale, also für die Seele steht. Zwischen diesen beiden Seiten eines Ganzen herrscht im schlimmsten Falle Zwietracht. Finden sie zurück zur Einheit, erlangt der Mensch wieder seine von Gott gewollte Vollkommenheit und den Frieden des heiligen Geistes.

Laut der sumerischen Mythologie wohnte Lilith zunächst im Stamm des Weltenbaumes. Nachdem dieser jedoch auf Befehl Inannas hin gespalten worden war, floh sie in ein unbekanntes Gebiet, von wo aus ihr negativer Einfluss weiterhin wirkt, sie selbst aber dazu verdammt bleibt, fortan als ruhelos, einsam und ohne festen Wohnort umherzuirren. Auch hier stellt sie eine böse, dämonische Kraft dar.

Man findet Lilith zwar nicht in der Dämonenliste, jedoch in vielfältigen anderen Beschwörungsschriften in Form der Lilit-Dämonen (der Nachtgespenster) als Incubus- bzw. Succubus-Dämonen, die des Nachts Menschen heimsuchen und auf vielfältige Art den Kindstod verursachen. Eine solche Lilith herrscht auch gerne auf so mancher Türschwelle und erschlägt oder erwürgt vorbeikommende Kinder.

Auch in den aramäischen Legenden erscheint sie in Beschwörungsformeln, jedoch nicht in Form einer individuellen Gestalt, sondern als Dämonenkategorie, die auch in Gruppen gemischt aus männlichen und weiblichen Verkörperungen auftauchen kann.

In der populären Literatur wird immer wieder behauptet, Lilith sei Bestandteil eines Midraschs. Tatsächlich aber wird sie im Talmud nur einmal genannt, ohne sie genauer zu beschreiben: „Einer sollte nicht in einem Haus allein schlafen, und wer in einem Haus allein schläft, wird von Lilith geplagt.“

Einige neuzeitliche Werke stellen Lilith gerne als Schöpfung des verstoßenen Engels Luzifers oder als Vampirin dar. Sie erhält sogar die Bezeichnung des ersten Dämons überhaupt, wodurch sie in eine Stellung gebracht wird, die Luzifer beinahe gleichkommt.

In keinem Falle war und ist Lilith eine Gute. All das sollte man wissen, bevor man sich als Frau mit Lilith als Leitbild identifizieren möchte. Die Parallelen zum heutigen Frauenbild sind jedoch deutlich erkennbar. Moderne Frauen, die auf sich etwas halten, irren ebenso durch die „Wüste“ wie einst Lilith, sind nirgendwo angekommen, was sie fälschlich mit Freiheit gleichsetzen, morden sinnbildlich gesehen Männer, verachten insgeheim das Maskuline, weil man sie darauf konditioniert hat, verlieren das Unrechtsbewusstsein in Sachen Abtreibung (Kindsmord) und streben in sämtlichen Lebensbereichen nach unbegrenzter Macht. Das nennen sie dann „Emanzipation“.

Stellt man demgegenüber das Bild der Eva, der Urmutter („…die Mutter aller, die da leben.“), die eine gute, treue, warmherzige und liebevolle, wenn auch offensichtlich sehr neugierige Frau war, ergibt sich für jeden bewussten Menschen die Frage, ob hier im Sinne der Frau wirklich der wahre Geist Gottes oder doch eher Satan angebetet wird. Und wer ganz schlau ist, der darf selbst Rückschlüsse auf das Dilemma der heutzutage massiv grassierenden Beziehungsunfähigkeit sowie den Zusammenbruch der schützenden und sozial wichtigen Familienstruktur ziehen. Beide Aspekte liegen ohne Mitwirken des Weiblichen brach. Eva war Weib und Mutter. Sie hat uns zwar dazu gebracht, dem Weg der Erkenntnis zu folgen, was schwer wiegt, dennoch aber in eine höhere Ordnung fällt. Lilith hingegen schafft es, das gesamte Weltgefüge ins Wanken zu bringen, indem sie ausschließlich Chaos verursacht, Rache übt und nach Macht strebt. Sie tut alles, nur eines nicht: Weib sein!
Das aber wäre ihre Aufgabe gewesen.

Eine gottlose Dämonin, hinterhältige Betrügerin, eiskalte Kindsmörderin, die einsam umherirrend ihren Platz im Universum sucht – das ist Lilith. Sie ist eine dunkle Macht, dem Satan nahe und deshalb gegen ihn immun. Sie bringt nichts hervor außer Leid. Und die satanistisch unterwanderte Esoterik-Industrie verkauft sie deshalb auch als globales Leitbild für die moderne Frau, weil damit nicht nur herrlich Kohle zu machen ist, sondern der menschliche Geist wieder mal wunderbar in die falsche Richtung gelenkt werden kann.

Hast du nun immer noch Bock darauf, eine Tochter Liliths zu sein?

PS: Jetzt kannst du übrigens, wie Eingangs versprochen, gerne ins (pseudo)feministische Horn stoßen. Oder auch nicht.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2018 text by David P. Pauswek – Der Andersmensch. All rights reserved.


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