Barfuß


Und eines Tages werden sie schweigen,
die Stimmen der Fremden,
die Stimmen der Zweifel und jene der Angst.
Sie werden schweigen.
Und Stille wird sich legen über die Ereignisse,
die verkehrten Taten und bösen Worte.
Dann wird nichts bleiben.
Nur klare Erinnerung an dich und mich.
Und bis zu jenem Tage,
wenn alle Stimmen in uns schweigen,
die nicht Zeuge waren unserer Zeit,
bis zu jenem Tage wünschte ich,
wir könnten uns die Bilder malen,
zu jenen Augenblicken,
zu jenen Momenten hilfesuchend,
als wir barfuß waren.
Barfuß im Wunsch einander zu treffen,
barfuß in der ersten Begegnung
mit all den Fehlern im Gepäck,
aber der Hoffnung so groß.
Barfuß im Bett bei Filmen und Pizza.
Barfuß im Streit und barfuß in der Versöhnung.
Barfuß im Park vor dem grünen See.
Barfuß in den Tränen und barfuß im Lachen,
nächtelang.
Barfuß waren wir gekommen,
trotz all der Schuhe,
barfuß sind wir gegangen Hand in Hand,
wider all der Tränen.
Doch mit Schuhen nahmen wir Abschied,
und fanden doch keinen Schutz,
denn barfuß sind wir.
Barfuß für immer.
Ich wünschte,
bis zu jenem Tage,
an dem all die Fremden in uns Schweigen,
ihre Stimmen erlöst im Winde der Zeit,
bis zu jenem Tage mögen wir uns klammern,
uns halten an die Fußspuren im Sand.
Hätte ich dich größer geliebt,
hättest du mich größer geliebt,
hätte ich kleiner gezweifelt,
hättest du kleiner misstraut,
wir würden uns umdrehen,
Hand in Hand,
milde lächelnd,
ohne darauf zu warten,
die Stimmen der Fremden,
die Gesänge der Angst,
die Argumente der Zweifel,
mögen verstummen.
Wir würden blicken auf unsere Füße,
deine so hübsch und meine nicht,
und wandern und wandern
und lachen und lachen
und weinen und weinen,
ohne anzuhalten auf der Flucht
vor den Stimmen der Fremden,
die niemals Zeuge waren.
Doch sie werden verstummen.
Eines Tages.
Und bis zu jenem Tage,
wenn alle Stimmen in uns schweigen,
die nicht Zeuge waren unserer Zeit,
bis zu jenem Tage wünschte ich,
wir könnten uns die Bilder malen,
zu jenen Augenblicken,
zu jenen Momenten hilfesuchend,
als wir barfuß waren.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

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3 Gedanken zu „Barfuß

  1. So wunderschön u so echt… Dankeschön für deine Poesie, danke für deine Blickwinkel, danke für deinen Mut dich als „Andersmensch“ zu outen,u Dankeschön für die Chance, die deine Beiträge mir bieten, mein Individuelles Wesen zu erkennen u zu respektieren,mich zu lieben,u an mich zu glauben ,mich zu fördern u zu fordern,einfach mein Leben so wie es mir gefällt u gut tut zu (er)leben…

    Du bist ein Prophet unserer Zeit, ein vorsätzlicher Identitäter u machst somit Menschen Mut,endlich aufzuhören eine Rolle zu spielen um sich dahinter zu verstecken, u sich so auf ewig zu Isolieren, sondern konsequent u mutig, selbstbewusst u offen ihre Einzigartigkeit zu leben, damit immer mehr Menschen erkennen, wie schön u friedvoll das menschliche Miteinander sein könnte,
    und vielleicht sogar Akzeptieren, was wir letztendlich Alle sind, nämlich echte „Identitäter“!!!

    Deswegen mal wieder meinen Dankeschön an dich,es ist schön, dass es dich gibt.
    Es grüßt dich Herzlich
    Fauna Lalice

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