Gebet oder Meditation?


Du fragst, was der Unterschied zwischen Gebet und Meditation ist. Dazu aber müsstest du zunächst wissen, was wirkliches Meditieren bedeutet. Das habe ich dir bereits mehrmals erklärt, doch du erfährst es wohl am effektivsten, indem du eines meiner Seminare besuchst, wo du wirkliche Meditation erlernst und von da an den Rest deines Lebens täglich praktizierst. Daher werde ich es hier nicht erneut erläutern. Ich kann dir jedoch nahe bringen, warum Meditation und Gebet nicht dasselbe ist.
Der wesentliche Unterschied zwischen Meditation und Gebet ist jener:

Im Gebet offenbarst du die Haltung der Trennung von der Quelle – dort ist Gott und da bist du. Du fühlst dich nicht eins mit der Göttlichkeit, daher bittest und bettelst du. Du flehst die Quelle an und hoffst auf deren Güte, deren Erbarmen. Dabei entsteht keinerlei Tiefe, keinerlei Verbindung, keinerlei Einheit, denn du murmelst Phrasen, bist kognitiv am Winseln um die Erfüllung gewisser Bedürfnisse deines Egos, die vielleicht erfüllt werden, wenn die Quelle das so möchte. Du bist im Wollen und Verlangen und dies ist immer ein Beweis dafür, dass du in irgendeinem Aspekt deines Lebens an Mangel zu leiden glaubst. Selbst wenn du in Dankbarkeit betest, so ist dein Gebet das Eingeständnis deines Mangels an Dankbarkeit in dem Glauben, Gott hätte deine Dankbarkeit nicht schon längst erkannt. Und wenn du für andere betest, dann zweifelst du unbewusst daran, dass die Göttlichkeit eins mit diesen anderen ist und deren Bedürfnisse ignoriert oder nicht schon längst erkannt hätte. Du glaubst, die Göttlichkeit bräuchte deine Hinweise, um zu wissen, was für den Anderen das Beste sei. Dein Gebet ist damit eine Verkündung deines Zweifels an Gott. Es ist praktizierter Zweifel. Du glaubst nicht, dass die Göttlichkeit für dich und alles Leben alles bereithält und es im rechten Moment geben wird, daher möchtest du sie durch dein Gebet daran erinnern.
Das Gebet ist eine groteske, verstümmelte Form der Hinwendung an die Quelle – so als müssten deine Lungen das Herz um Zulieferung deines Blutes bitten, was töricht ist, denn Herz und Lungen sind eins als Teil der Organe deines Körpers. So wie du eins mit Gott, mit der Göttlichkeit, mit der gesamten Existenz bist.

In der Meditation aber gehst du zurück in die Einheit mit Gott. Du bist ohne Wollen, ohne Verlangen, ohne Gedanken, ohne den Glauben an Trennung, ohne dem Irrtum, die Göttlichkeit wüßte nicht schon längst, dass du ein Teil von ihr bist. Meditation ist das stille, absichtslose Bekenntnis und die totale Hingabe an die Einheit mit der gesamten Existenz im Hier & Jetzt. Du erinnerst den Kern deines Wesens in völliger Gedankenstille an seinen Ursprung. Du gehst absichtslos und in absolutem Vertrauen zurück in das Bewusstsein der Quelle, hebst jede Form der illusorischen Trennung von Gott auf. Dein Ich, dein Ego ist in der Meditation gar nicht da. Du meditierst um der Meditation willen – nicht aus Mangel heraus, sondern aus Freude an der Fülle. Du meditierst aus Liebe zu Gott und daher willst oder brauchst du in der Meditation auch nichts von der Quelle. Meditation ist das stille, bedingungslose Eingeständnis deiner Einheit mit allem.

Daher kann Gebet niemals die Meditation ersetzen. Und wenn du schon eine Art des Gebetes führen willst, dann bitte und bettle nicht, sondern sprich ganz offen und voller Vertrauen im Geiste als würdest du zu deinem allerbesten Freund sprechen. Sprich die Quelle an in dem Wissen, dass sie dich ohnehin speist.
Wenn du aber meditierst – wirklich–wirklich meditierst –, dann wirst du nie wieder beten müssen, denn du weißt, dass du bloß zu dir selbst sprechen würdest, weil da keine Trennung zwischen dir und der Göttlichkeit existiert. Weil du niemals von der Existenz getrennt warst und es auch niemals sein wirst. Darum ist Mediation stets größer als das Gebet.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2016 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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