Partnerschaft und Konflikt


Das Problem bei Konflikten innerhalb einer Partnerschaft ist niemals der Konflikt selbst, denn ein Konflikt kann wunderbare Räume zur Selbsterkenntnis eröffnen, vorausgesetzt, man weiß, wie man ihn gewinnbringend führt. Das Problem bei Partnerschaftskonflikten sind immer die Konfliktparteien selbst, weil keiner von beiden Ahnung davon hat, wie man einen Konflikt friedvoll austrägt. Der Konflikt selbst aber ist niemals das Problem.
Meistens läuft es so ab: Einer der beiden Partner ist ärgerlich, wütend oder verletzt, was er auf irgendeine Weise zum Ausdruck bringt, und der Andere reagiert darauf, indem er automatisch mit der Schwingung des Partners in Resonanz geht. Jetzt sind beide aufgebracht. Das Feuer brennt doppelt so heiß. Wen wundert es, wenn sich beide nun die Finger aneinander verbrennen?
Zwei Aufgebrachte benehmen sich meist idiotisch. Sie geraten tiefer und tiefer in niedere Schwingung und das wirkt immer zerstörerisch. Wenn du es allerdings schaffst, deine eigene Schwingung in eine friedvolle zu wandeln, ist schon viel gewonnen. Frieden ist ein Ausdruck von Liebe. Und Liebe ist die höchste Schwingung von allen. Niedere Schwingung aber hat starke Macht – ihre Tendenz ist bindend; es ist leichter, in niedere Schwingung zu gelangen als in hohe Schwingung, weil die meisten Menschen grundsätzlich niedrig schwingen.
Ein Weg, um die eigene Grundschwingung den ganzen Tag über hoch zu halten, wäre Meditation. Die meisten Menschen aber wissen nicht, was echte Meditaion ist. Sie besorgen sich Tonträger, wo eine mehr oder minder angenehme Stimme irgendwelche Answeisungen faselt, denen man kognitiv folgen soll – das aber hat mit wahrer Meditation rein gar nichts zu tun! Wahre Meditation ist völlige Gedankenstille, die absolute Abwesenheit von Gedanken. Ich selbst praktiziere seit meinem 7. Lebensjahr eine Technik, die ich auch seit vielen Jahren unterrichte, und die jeden in diesen Zustand zu versetzen vermag – Meditation in Stille.
Wenn du kein Meditierender bist, dann musst du eben andere Wege finden, um in einem höheren Schwingungsfeld zu verweilen als der streitlustige Partner. Die simpelste Methode dabei ist, sich während des Konflikts des eigenen Atems bewusst zu bleiben, sich selbst während des Streits zu beobachten und sich den Partner als das Kind vorzustellen, das er einst war. Du kannst mit einem Kind wesentlich schlechter in Streit geraten als mit einem Erwachsenen. Und du wirst plötzlich ein Gefühl der Liebe verspüren, wenn du deinen Partner als Kind siehst. Das heißt allerdings nicht, du sollst deinen Partner nicht ernstnehmen – du sollst ihn dir bloß als Kind vorstellen! Sieh das Kind in ihm, die großen Augen, die kleinen Händchen, die Stupsnase, und wie es zürnt und schreit und weint, wie es sich mit den eigenen Emotionen überfordert fühlt – willst du diesem Kind jetzt immer noch böse sein? Kannst du ihm immer noch mit Ärger begegnen oder empfindest du plötzlich Mitgefühl?
Wenn du Mitgefühl empfindest, bedeutet das, dass du höher schwingst als der wütende, ärgerliche Partner, denn Mitgefühl ist eine sehr hohe Schwingung. Bleib in dieser Schwingung, bleib bei der Vorstellung deines Partners als Kind. Du wirst bemerken, wie du auf diese Weise wesentlich größere innere Ruhe bewahren kannst als üblich. Beobachte dich immer wieder selbst, indem du innerlich aus der Situation heraustrittst, so als wärst du ein unbeteiligter Dritter – wann bist du fair, wann zielst du mit deinen eigenen Handlungen, mit deinen Worten unterhalb der Gürtellinie?

Wisse: Dein Partner hat gute Gründe für seinen Ärger, für seine Wut, aber es sind dies seine eigenen – sie haben mit dir weit weniger zu tun als mit ihm selbst. Achte die Gründe des Partners, gehe aufmerksam darauf ein, aber sei dir sicher, die hitzige Emotion legt sich schneller, je liebevoller, je gelassener du bleibst. Du sollst auf keinen Fall versuchen zu siegen durch bessere Argumente oder scharfe Worte – du sollst ruhig und gelassen den Gewinn anstreben. Sieg und Gewinn sind nicht dasselbe – sie sind sogar Gegensätze! Sieg bedeutet, dass einer von beiden am Boden zerstört liegen bleibt, dass er vernichtet wird. Gewinn aber ist eine Bereicherung auf beiden Seiten. Am Ende haben beide etwas gewonnen – das ist Gewinn! Wenn du im Streit auf deinen eigenen Sieg bedacht bist, verlierst du letztlich selbst. Wenn du aber den Gewinn wünscht, dann gibt es am Ende keine Verlierer, sondern nur zwei Gewinner.
Der Gewinn durch Konflikte innerhalb einer Partnerschaft ist grundsätzlich Selbsterkenntnis auf beiden Seiten – was hast du über dich durch den Konflikt erfahren? Was hast du über eure Beziehung erfahren? Und wie seid ihr verblieben, um Lösungen für die Zukunft zu finden?
– Diese Fragen stelle dir selbst! Die Antworten darauf sind dein Gewinn. Die Antworten des Partners auf diese Fragen sind sein Gewinn. Und falls dein Partner sich diese Fragen nicht stellt, dann ist das seine Sache – er ist nicht dein Siamesischer Zwilling; er hat das Recht, anders zu handeln als du es dir vielleicht wünscht. Wichtig ist, dass du durch den Konflikt etwas über dich selbst erfahren hast.
Wie auch immer du deine Konflikte auszutragen gewohnt bist, bedenke: Wenn du das Fell einer Trommel schlägst, gerät das Trommelfell der nebenstehenden Trommel ebenfalls in Schwingung; es geht ganz automatisch in Resonanz. Wenn also jemand den Raum betritt, der die Trommel schlagen möchte, dann sei du die Harfe, denn die will zart gezupft sein!

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2015 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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