Worauf wartest du?


Du suchst ständig nach Sicherheit, doch im Leben gibt es keine Sicherheit. Alles in dieser Welt bleibt stets vage, es bleibt solange unbestimmt, bis es sich ereignet im Hier und Jetzt. Aber selbst im Augenblick der Manifestation verbleiben die Ereignisse in ihrer universellen Tragweite ein ewiges Mysterium für die menschliche Ratio. Die Welt, das Leben verharrt in heiliger Unergründlichkeit. Von daher gibt es keine Sicherheit. Gib also den Wunsch danach auf. Lasse ihn los, denn er ist nichts weiter als ein Kind deiner Ängste, ein hoffnungsloses Produkt deiner Befürchtungen. Ganz gleich, was Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Weissagungen auch prognostizieren mögen – im Grunde unterliegt alles stets einer 50:50-Chance. Mit einer einzigen Ausnahme – der Tod. Das, was du den Tod nennst, ist das Einzige, was dir zu 100% sicher ist.
Doch dieser unbequeme Fakt macht dir Angst. Daher verdrängst du jeden Gedanken daran. Du gehst sogar so weit, dich der Illusion hinzugeben, nur die anderen müssten sterben. Für dich selbst aber beanspruchst du auf nahezu arrogante Weise eine groteske Form der Unsterblichkeit. Du lebst dieses Leben so, als hättest du ewig Zeit, weil du den Fakt deiner Sterblichkeit ignorierst. Dabei verzichtest du auf den wertvollsten Lebenslehrer überhaupt – den Tod!
Du sollst wissen, nicht fürchten, dass du sterben wirst. Die mutige, absichtsvolle Integration des Wissens um deinen Tod führt dich zwangsläufig zu totaler Lebendigkeit. Wenn du dir der Vergänglichkeit deiner gegenwärtigen Form gewahr bist und zwar jeden Augenblick – wie kannst du dann noch Zeit vergeuden mit dem Warten auf irgendetwas? Wenn du dir wirklich bewusst bist, dass du sterben wirst, wenn dir klar ist, wie wenig Zeit du hast – wie kannst du auch nur einen einzigen Tag damit verschwenden, deinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten zu bestreiten, die dir keine Freude bereiten? Wie kannst du die wenige Zeit, die dir gegeben ist, damit vergeuden, wegen irgendetwas unglücklich zu sein?

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2014 text by David P. Pauswek der Andersmensch. All rights reserved.


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