Ich, Mann


Ich bin ein Mann. In meinem Gesicht und auf meiner Brust wächst Haar. Meine Stimme ist tief und die Schultern haben so viel Kraft wie deine Beine. Mein Körper ist nicht weich. Er ist hart, kantig, anders als der deine. Ich denke geradeaus, nicht in Schlingen. Mir wurde gelehrt, tapfer zu sein. Du magst vielleicht denken, es soll mein Körper sein, der Berührung sucht…
Doch ich bin ein Mann mit silbernem Rücken. Meine Kraft ist noch da, aber ich weiß, sie schwindet mit der Sonne, denn meine Jugendtage sind vorüber.
Ich bin ein Mann, manchmal wild, wütend und laut. Ich trommle mit den Fäusten an meine Brust und zerschlage mit meinen Worten den einen oder anderen Moment. Ich schweige, wenn ich reden sollte, und rede, wenn ich schweigen müsste. Meine Arme sind dazu da, dich zu tragen.
Du magst vielleicht denken, es soll mein Körper sein, der Berührung sucht…
Doch ich bin ein Mann mit silbernem Rücken. Meine Kraft macht mich schön, aber ich weiß, sie schwindet mit der Sonne, denn meine Jugendtage sind vorüber.
Ich bin ein Mann. Meine Brust dient dazu, um darauf zu ruhen oder deine kleinen Fäuste gegen sie zu prellen, wenn du auf mich wütend bist. Hinter meinem Rücken findest du Schutz. Und mein Herz schlägt wie verrückt für dich, sobald ich mir die Liebe zu dir eingestehe. Dann schlafe ich im Regen vor deiner Tür, mache törichte Geschenke und übertriebene Komplimente, lasse meine Freunde im Stich und ritze deinen Namen in einen Baum. Schickst du mich weg, bricht mein Stolz und ich schreibe dir Gedichte.
Du magst vielleicht denken, es soll mein Körper sein, der Berührung sucht…
Doch ich bin ein Mann mit silbernem Rücken. Mein Körper wurde viele Male berührt. Es gibt keine Stelle mehr, an der mein Körper nicht berührt wurde. Es gibt kein Spiel, das mein Körper noch nicht gespielt hätte. Deshalb ist es nicht mein Körper, der nach dir verlangt…
Ich bin ein Mann, aber ich möchte, dass du meine Seele berührst. Ich möchte, dass du in mein Innerstes kommst, mit meinem Herzen tanzt und es vielleicht zum hundertsten Male brichst.
Ich bin ein Mann, aber ich möchte, dass du meine Tränen siehst und meine Träume kennst. Ich möchte dich um Hilfe, um Vergebung und um deine Gnade bitten.
Ich bin ein Mann, aber ich möchte, dass du meine Seele berührst, mit ihr spielst und sie zum schwingen bringst. Du sollst meine Ängste und Hoffnungen kennen und mir den Kopf aus den Wolken holen.
Ich bin ein Mann, aber ich möchte in deine Arme kriechen und über mich selbst weinen. Ich möchte mein Gesicht in deinem Haar, deiner Haut, zwischen deinen Brüsten vergraben und für eine ganze Nacht lang nur so bleiben.
Ich bin ein Mann, aber ich möchte, dass du meine Seele berührst. Ich möchte, dass du meinen Geist beflügelst und mich dort zur Stärke führst, wo ich bisher versagt habe.
Ich bin ein Mann. Meine Seele sucht Berührung. Sie will von der deinen berührt und tief bewegt sein. Sie will zittern, jauchzen und verschmelzen. Das ist es, was ein Mann wie ich sucht.
Ich bin ein Mann. Mein Rücken ist silbern. Und ich möchte, dass du meine Seele berührst.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2014 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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5 Gedanken zu „Ich, Mann

  1. Das sind wunderschöne Worte, welche meine Seele berühren. Es sind Worte die jede Frau hören möchte, weil sie die Seele nähren!!

    • WAS SOLL ICH SAGEN, JETZT SIND DIE TRÄUME WIEDER DA UND DOCH SIND ES JA NUR TRÄUME….SEHR INSPIRIEREND UND DOCH SO WEIT ENTFERNT …VON MIR …

  2. Ich habe selten etwas so Schönes gelesen. Nur so kann wirkliche Vereinigung gelingen, nach der sich Männer und Frauen sehnen. Aber nur wenige können es auch sagen. Und so wächst eine Mauer des Schweigens, die uns letztlich für immer trennt. Danke !

  3. Was für starke Worte, hat mich unheimlich berührt. Wünschte mir, dass noch viel mehr Männer ihre Gefühle so ausdrücken könnten. Aber so versteht man als Frau die Männer endlich besser!

  4. Gott was für wundervolle Worte die einen Mann beschreiben, in seiner Weichheit und Verletzlichkeit. Ich bin zutiefst ge- und berührt. Dankeschön!

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