Alle Veränderung geschieht im Inneren


meditation13Es gibt keine, absolut keine über das Außen herbeigeführte Veränderung der Welt. Du willst eine andere, eine verbesserte Welt, aber du begreifst nicht, wo der Ansatzpunkt liegt – ständig bist du bemüht, dein Leben, die Welt dadurch zu ändern, indem du im Außen nach Veränderungen strebst. Du kaufst dir neue Dinge, machst Reisen, renovierst das Haus, wechselst deinen Partner, kletterst wie verrückt die brüchige Leiter einer Karriere hinauf, in der absurden Hoffnung, dass sich dadurch etwas in dir ändern würde, dass du dadurch besser, erfüllter und glücklicher würdest. Aber du bist stets mit dieser Methode gescheitert.

Und auf dieselbe Weise, wie du gescheitert bist, sind seit Jahrtausenden auch all deine politischen und religiösen Systeme gescheitert – ihr schiebt die ganze Zeit bloß Problem X von Punkt A nach Punkt B quer über den Erdball, statt dass ihr endlich damit beginnt, das Problem in euch selbst zu erkennen und zu beheben: Bevor der Hunger in der Welt verschwindet, muss erst deine Gier sich auflösen; bevor Ungerechtigkeit in der Welt einer Gerechtigkeit weichen kann, musst erst du das Verurteilen sein lassen; wenn die Heuchelei in der Welt verblassen soll, lege du zunächst alle Masken ab; bevor die Unterdrückung in der Welt ein Ende findet, musst du erst aufhören, dich unterdrücken zu lassen; bevor die Gewalt in der Welt verstummen kann, muss sich erst die Aggression in dir erlösen dürfen; bevor die Manipulation durch eine sogenannte Elite ihre Macht verliert, musst du erst aufhören, jene Antworten als Wahrheit zu akzeptieren, zu denen du nicht durch eigene Erfahrung gelangt bist; bevor die Lieblosigkeit aus der Welt weicht, musst du erst damit beginnen, liebevoll zu sein…

Ich könnte diese Liste nun nahezu endlos fortsetzen, aber du begreifst bereits, worauf ich hinaus will – du kannst im Außen nichts verändern, solange es in dir selbst Bestand hat.
Im Grunde lebt die ganze Menschheit ein wahnsinniges Drama, weil sie nur nach außen gerichtet agiert, weil sie ausschließlich extrovertiert wahrnimmt. Nach innen jedoch, in die tiefsten Tiefen, richtet sich die Wahrnehmung der Menschheit nicht. Aber nur im Inneren kann wirklich etwas verändert werden, nur dort erfolgt echte Wandlung.
Jede Veränderung, egal welcher Art, ist eine, die von Innen heraus geschieht. Alle äußerlichen Bemühungen sind bloß Fadenschein, nichts weiter als Maskerade, ein hübscher neuer Anstrich über den alten Rost. Wenn dein Haus innen eine Bruchbude ist – was soll dann die noble Fassade? Wenn du innerlich weinst – was soll dann dein Lächeln?

– Man sagte dir: Wie innen, so außen! Und das ist auch absolut wahr. Irgendein Tor hat dann den Spieß umgedreht und dir weismachen wollen, es ginge auch in die andere Richtung, doch es wird Zeit, dass du diese Dummheit durchschaust – im Außen kann rein gar nichts verändert werden, solange es nicht im Innen geändert wurde.

Wenn ich sage, dass Meditation in Stille das ungeheure Potenzial birgt, die ganze Welt zu verändern, dann ist das nicht pseudospirituelles Geschwafel, sondern absolute Wahrheit – was denkst du denn, wo die Menschheit stünde, wenn nur die Hälfte davon auf diese Weise meditieren würde? Glaubst du wirklich, sie wäre an dem Punkt, wo sie sich im Augenblick befindet – am Rande des globalen Nervenzusammenbruchs?

– Meditation in Stille ist die tiefgreifendste Veränderung, die ein Individuum überhaupt erfahren kann. Und erst, wenn sich das Individuum ändert – wenn du dich änderst –, dann kann sich auch deine Welt ändern, denn die Welt ist bevölkert von Individuen, nicht von Massen.
Die Masse, die Gesellschaft, ist nichts weiter als eine Fiktion, eine stupide Ausrede für das Individuum, um sich nicht ändern zu müssen. Das Individuum zeigt klagend mit dem Finger auf eine gesichtslose Masse, auf eine Fata Morgana, um von sich selbst abzulenken. Die Masse, die Gesellschaft, gilt dann als der Sündenbock, das Hindernis. Aber das ist nicht die Wahrheit, sondern bloß eine billige Ausflucht – eine Fiktion kann niemals das Hindernis darstellen.
Oder bist du schon einmal der Masse, der Gesellschaft begegnet? Hast du mit ihr gesprochen, mit ihr zu Abend gegessen? Hast du mit ihr getanzt oder diskutiert? Hat sie dich angerempelt oder ist dir auf die Zehen getreten? – Natürlich nicht! Weil es keine Masse gibt, weil die Gesellschaft bloß in deiner Vorstellung existiert. Die Masse, die Gesellschaft, setzt sich immer aus einzelnen Individuen oder aus Gruppen von Individuen zusammen, aber du tust so, als ob sie ein eigenständiges Lebewesen wäre – dein bevorzugter Gegner!

Ständig erzählst du mir, was der Andere tut – doch was geht dich an, was der Andere tut? Mich interessiert nicht, was der Andere tut. Und dich sollte es auch nicht interessieren. Du hast ausreichend damit zu tun, dich um dich selbst zu kümmern. Was der Andere tut oder nicht tut, braucht dich dabei überhaupt nicht zu interessieren, denn du kannst ihn sowieso nicht ändern. Er existiert in deinem Außen – du aber existierst in deinem Inneren und kannst niemals ins Außen gelangen. Im Außen kannst du deshalb nicht wirklich etwas verändern. Nur im Innersten ist Veränderung möglich.

In dein Inneres aber willst du nicht blicken, weil du instinktiv weißt, was du dort finden würdest; und das, was es da zu finden gäbe, erfüllt dich mit Schrecken. All der Müll, der dich im Außen so ungeheuerlich stört, den findest du nämlich in deinem Innersten wieder. Deshalb gehst du nicht nach innen. Deshalb weichst du dir selbst aus, indem du dich lieber mit dem Anderen befasst, anstatt mit dir selbst. Solange du im Außen bleibst, solange du nur über die Oberfläche schweifst, kannst du dir leicht einbilden, du wärst ein glänzender, funkelnder Diamant – blickst du aber nach innen, fändest du Unmengen von Unrat, den du dort all die Jahre hindurch achtlos deponiert hast.
Natürlich würdest du irgendwann auch diesen Diamanten finden. Aber noch ist da all der unbequeme Unrat, das ganze Gerümpel, das reinste Chaos in dir. Noch hast du dich nicht auf die wahre Transformation eingelassen. Noch nickst du, meinen Worten vordergründig zustimmend, so wie du das bisher bei allen getan hast, die dir Ähnliches sagten, weil du weißt, dass ihre Botschaft irgendwann endet und du dadurch weiterhin ganz bequem an der Oberfläche verbleiben und dein seichtes, nach außen projiziertes Ding wie bisher durchziehen kannst.

Im Grunde aber bleibt dir kaum eine andere Möglichkeit, als dich dem Außen zuzuwenden, denn bislang kennst du keine effektive Methode, um zum tiefsten Kern deines Innersten vorzudringen. Noch bist du dermaßen voller Müll, voller Gedankenmüll, dass sich in dir gar kein Raum mehr für wirklich Neues, kein Raum mehr für wahre Veränderung findet. Der Diamant in dir kann überhaupt nicht zum Funkeln gelangen, solange du nicht bereit bist, einen Weg zu finden, um dich innerlich zu verändern, dich wahrhaftig zu wandeln, dich zu leeren, um all den Gedanken- und Konditionierungsmüll zu entsorgen.

Meditation in Stille macht dich gedankenleer. Meditation in Stille löscht deine Programme. Meditation in Stille radiert all die vorgefertigten Antworten in deinem Innersten aus, bis nur noch die Frage übrigbleibt. Bis du mit Ausnahme der Frage vollkommen leer bist. Du musst erst vollkommen leer werden, um Raum für wirkliche Veränderung zu schaffen. Wenn dich nichts Anderes mehr füllt als das Fragzeichen deiner ureigenen Lebensfrage, dann kann tiefgreifende Veränderung geschehen.
Ein Krug muss zunächst geleert werden, bevor er mit neuem, reinerem Inhalt gefüllt werden kann. Die Leere in ihm ist dann sein großes Fragezeichen, seine ureigene Lebensfrage: „Was wird mich füllen?“ – Das ist die essenzielle Lebensfrage eines leeren Kruges. Dabei bleibt der Krug jedem möglichen Inhalt gegenüber neutral, er bleibt offen. Und genau das geschieht mit dir, wenn du meditierst – du wirst ein leeres Gefäß, das bereit für neuen Inhalt ist, ohne dabei den möglichen Inhalt zu bewerten, weil du erkannt hast, dass du nicht der Inhalt, sondern das Gefäß bist. Das ist die süßeste, die kostbarste Veränderung, die einem Individuum möglich ist.

Wenn du wirklich etwas in der Welt verändern möchtest, denn wechsle den Fokus. Geh vom Außen ins tiefste Innere. Dort schaffe keine neue Ordnung, sondern schaffe Leere – Gedankenleere. Ordnung zu schaffen geht einher mit Ordnung halten. Beides ist mit Mühe verbunden. Gedankenleere aber bedeutet totale Leichtigkeit, sie macht jede Ordnung überflüssig.
Gedankenleere ist die für dich bedeutendste Veränderung, denn dort, in der stillen Abwesenheit des Denkens, entdeckst du plötzlich dein wahres Wesen und dieses ist Vollkommenheit auf allen Ebenen. Die Entdeckung deines wahren Wesens bedeutet totale Veränderung. In der Welt wird sich solange nicht wirklich etwas ändern, bis sich das Individuum einer totalen innerlichen Wandlung unterzogen hat. Das Individuum und seine Veränderung bist in jedem Falle stets du. Das ist Fakt.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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4 Gedanken zu „Alle Veränderung geschieht im Inneren

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