Die Torheit des Spiegelgesetzes


Es geht im Leben, in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ums Spiegeln, denn der Andere ist nicht dein Spiegel – der Andere ist deine Schöpfung! DU hast ihn in dein Leben gerufen. Was du in dein Leben rufst, ist Schöpfung, nicht Spiegelung. Das Bild im Spiegel ist tot, es besitzt kein eigenes Leben – der Andere aber lebt, weil Schöpfung immer lebendig ist.

Das sogenannte „Spiegelgesetz“ ist eine jämmerliche Erfindung der Esoterik-Industrie und ihrer falschen Propheten. Ich erkläre es hiermit abermals für ungültig, bis jemand kommt und einen unwiderlegbaren Beweis dafür liefert – das aber wird nicht geschehen, weil das Spiegelgesetz nur in den Köpfen unbewusster Geister existiert.

Was dir in deinem Leben widerfährt, ist stets Schöpfung, nicht tote Spiegelung. Manche Erfahrungen schaffst du dir auf bewusster und unbewusster Ego-Ebene, die meisten aber wurden schon vor deiner Geburt auf überbewusster Seelenebene kreiert. Ersteres ist das „Kleine Karma“ – es basiert auf dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Letzteres nenne ich das „Große Karma“ – es gründet sich auf dem Plan der Seele, die du in Wahrheit bist. Beides aber ist deine lebendige Schöpfung, nicht irgendein kaltes, totes Spiegelbild.
Ein Spiegelbild ist tot. Es existiert nicht ohne dich, es kann ohne dich nichts aus sich selbst heraus schaffen. Du aber bist eine kreative, lebendige Seele. Jede deiner Schöpfungen ist lebendig, jede deiner Schöpfungen ist Teil deines Plans. Dein Plan ist vollkommen, er ist göttlich – es bedarf keiner Überprüfung dieser Vollkommenheit durch einen Kontrollblick in den Spiegel. Die Seele muss sich nicht in den Spiegel sehen, um zu wissen, dass sie existiert – nur das Ego muss das tun, weil es weiß, dass es in Wirklichkeit nicht existiert. Jeder Blick des Egos in den Spiegel ist ein verzweifelter Versuch, eine Existenz zu bestätigen, die es nicht gibt. Deshalb findet dein Ego solch großen Gefallen am Spiegelgesetz. Die Wünsche, Hoffnungen, Ängste, Abneigungen und Vorlieben deines Egos aber existieren in Wahrheit gar nicht – sie sind bloß Ergebnis deiner Fremd- und Selbstprogrammierung, die jederzeit austauschbar ist. Jener Plan allerdings, den die Seele hatte, bevor sie sich in die Erfahrungsmatrix von Materie, Zeit und Raum begeben hat, der existiert sehr wohl, und er erfüllt sich unweigerlich – ob das nun deinem Ego auf der Ich-Ebene schmeckt oder nicht. Das Ego hat hier keine Mitsprache, weil das Ego keine wahre Existenz besitzt. Das Ego ist zwar ein wertvolles Werkzeug in dieser Welt, aber es ist nichts weiter als eine Illusion, ein substanzloser Nebel; es erlischt mit deinem physischen Tod – die Seele aber ist ewig, darum besitzt sie Existenz. Sie IST Existenz – die einzig wahre Existenz des Seins in Vollkommenheit.

Was du in deinem Leben erfährst, ist nicht Spiegelung – es ist Schöpfung! Schöpfung ist stets kreativ. Kreativität bedeutet, etwas Neues zu erschaffen. Eine Spiegelung aber ist nichts Neues – Spiegelung ist Kopie, und Kopie ist niemals kreativ, niemals schöpferisch.

Würdest du dich auf deine ureigenen Erfahrungen berufen und nicht einfach wiederkäuen, was andere dir vorpredigen, hättest du das längst erkannt. Wärst du mutig genug, deinen ganz eigenen Weg der Bewusstwerdung zu gehen, könnte dir niemand eine solche Torheit wie das Spiegelgesetz verkaufen. Du aber möchtest dich lieber führen lassen, und so wirst du auch geführt – aber nicht ins Licht, nicht in die herrliche Kreativität der Transzendenz, sondern in die dumpfe Nachahmung und Wiederholung, dessen, was andere für wahr erachten.

Stelle dir doch mal die Frage, was sich denn das sechsjährige Mädchen bei seiner Vergewaltigung spiegelt, oder die Mutter von drei Kindern, die von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und schwer verletzt wird, oder der harmlose Jugendliche, der am Heimweg von der Schule von einer Gruppe Schläger verprügelt wird, die dann das „Happy Slapping Video“ zur Belustigung ins Internet stellen – was spiegeln sie sich diese Menschen?

– Trägt das sechsjährige Mädchen die Vergewaltigung in sich? Trägt die Mutter den Unfall in sich oder der Jugendliche die nicht bewältigte Aggression und geistige Dumpfheit von ein paar Schlägern?

Es wird Zeit, dass du selbst erkennst, was wahr ist, und dir deine Weisheit nicht mehr ausleihst, denn diese Leihgaben an Fremdwissen sind keine Weisheit, sondern Dummheit aus Faulheit. Lerne wieder eigenständig zu denken. Beginne damit, zu erwachen auf allen Ebenen deines Seins. Gründe dein sogenanntes Wissen allein auf deine eigene Erfahrung und übernimm nicht unreflektiert jeden Schwachsinn, der gut klingt, weil es dir gerade bequem in den Kram passt. Meditiere! Geh in die Gedankenstille, die Gedankenleere deines wahren Seins – das ist der einzige Weg zur Authentizität, das ist der einzige Weg zu deiner ureigenen Weisheit.
Du kannst niemals du selbst sein, wenn du dem Irrtum verfällst, das Wissen anderer würde automatisch zu deinem eigenen, bloß weil du es übernimmst. Wissen ohne die Erfahrung des Wissens ist gleich dem Nicht-Wissen!

Das Spiegelgesetz aber hast du nie selbst erfahren – du hast es übernommen und spürst instinktiv, dass daran etwas faul ist. Vergiss also das sogenannte Spiegelgesetz! Es funktioniert nicht. Ein universelles Gesetz kann nur dann ein solches sein, wenn es in hundert Prozent aller Fälle funktioniert – das Spiegelgesetz aber funktioniert nur dann, wenn es für dich praktisch ist. Du benutzt es vor allem dann mit Vorliebe, wenn dir die Argumente ausgehen, weil ein anderer an dir Kritik übt – dann sagst du gerne: „Alles was mich am Anderen stört, bin Ich selbst!“ und zitierst damit C.G. Jung, um den Anderen zu verhöhnen, verbal und intellektuell zu entwaffnen und dich selbst reinzuwaschen. Das ist billig und unreif – ein obszönes Spiel deines Egos.
Jung war ein Idiot, als er diesen Satz prägte, so wie Freud ein Idiot war, als er meinte, nur die Träume eines Menschen wären von therapeutischer Relevanz. Beide waren kluge Köpfe, aber keiner von ihnen war ein Erleuchteter – sie waren beide Opfer und Protagonisten ihrer Zeit und fernab jeder spirituellen Erkenntnis. Und du bist ein unbewusstes Schaf einer unbewussten Schafherde, wenn du bereits überholte, unwahre oder aber auch populäre Aussagen als deine Wahrheit annimmst, ohne sie selbst erfahren zu haben.

Gib das Wiederkäuen des Spiegelgesetzes auf! Irgendjemand wollte damit aus seiner begrenzten Sicht heraus Ruhm und materiellen Vorteil ernten, deshalb wurde es erfunden, aber es ist kein universelles Gesetz wie etwa das Gesetz von Ursache und Wirkung oder das Resonanzgesetz. Wäre das Spiegelgesetz von Gültigkeit, dann könntest du wahllos einen Passanten auf der Straße niederprügeln, ihm danach aufhelfen und ihn fragen: „Na, was hast du dir denn da wieder Schönes gespiegelt, mein Guter?“
Du aber weißt, dass das so nicht funktioniert, denn nicht alles, was dir widerfährt, ist auch etwas, das du in dir trägst.

Du siehst zum Beispiel die Grausamkeit von Kriegsverbrechen – aber trägst du diese Grausamkeit auch in dir? Du siehst Kindesmissbrauch, aber trägst du den Missbrauch von Kindern in dir? Du siehst die Gleichgültigkeit und Ignoranz durch die Industrie der Natur gegenüber – doch bist du selbst der Natur gegenüber gleichgültig und ignorant? Gießt du Tonnen von Giftmüll in das Wasser, das du trinkst? Verseuchst du auf Jahrtausende ganze Landstriche radioaktiv durch deine Atomtests?
– Natürlich tust du das indirekt, weil du Nutznießer all der Bequemlichkeiten deiner modernen Gesellschaft bist, aber würde man dir die Wahl, die Generalmacht überlassen, so träfest du wohl andere Entscheidungen im Hinblick auf jene Dinge.

Du siehst also all diese und andere schreckliche Auswüchse der Menschheit, doch wahrscheinlich trägst du sie nicht in dir, sofern du kein Psychopath bist. Wenn du das also nicht in dir trägst – wie kann es dann dein Spiegel sein?

Die Welt ist nicht dein Spiegel – die Welt ist Leben. Das Bild im Spiegel ist tot, es besitzt kein eigenes Leben – Schöpfung aber ist immer lebendig. Die Welt, das Universum, ist ein Gefäß für das Leben. Das Leben ist Schöpfung, nicht Spiegelung. Das Bild im Spiegel ist bloß eine Nachahmung, eine billige Kopie, die sofort verschwindet, sobald du nicht mehr vor dem Spiegel stehst – Schöpfung aber existiert selbst dann noch, wenn du nicht mehr da bist. Das Leben ist keine billige, leblose Reflexion im Spiegel – das Leben ist permanente, kreative Schöpfung.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2013 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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3 Gedanken zu „Die Torheit des Spiegelgesetzes

  1. Deine Intelligenz und enorm, grosser Wortschatz, der so unglaublich klar und verständlich zum Ausdruck kommt, geschieht aus der Tiefe. Meine Hochachtung, für diese Begabung. Würde mich freuen, wenn die Schöpfung mir wenigsten einen kleinen Anteil davon mitgegeben hätte. So grüsst dich mit einem Dank, eine von vielen Schlafschafen.

  2. Hallo! Danke für Ihren Artikel und Ihre Sicht. Einige Dingen die Sie schreiben sind sehr interessant und von unschätzbarem Wert für die Menschheit. Sie haben die Berufung Lebendigkeit und Klarheit zu bringen. Aufzurütteln und mit Ihrer persönlichen „Taschenlampe“ zu beleuchten.
    Andere Punkte wiederum finde ich Gefährlich und Fahrlässig.
    Allerdings wäre es schwierig das alles hier zu schreiben. Wären Sie für einen konstruktiven Austausch bereit, z.b. per Mail? Herzlichen Grüße

  3. Ich wollte eigentlich meinem eigenen Ego fröhnen und meine ganz persönliche Sicht dazu äußern, aber dann habe ich, dank deiner Texte, erkannt, dass ich ein armes, nichts wissendes Würstchen bin. Danke, dass du mich lehrst, Andersmensch. Alles, was du sagst und schreibst, ist die totale Wahrheit. Ich schäme mich jetzt dafür, dass ich glaubte, es besser zu wissen als du. Was ich doch für ein armer Wurm bin… Immer noch auf der Suche und erst durch dich angekommen. Danke.

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