Du, ein Schöpfer?


Viele propagieren dieser Tage ihr Schöpfertum. Du erzählst mir von göttlicher Macht, die du besäßest, erzählst davon, deine Wirklichkeit zu erschaffen mittels deiner Gedanken. Jeder Gedanke, so sagst du, weil es dir jemand gesagt hat, dem es jemand erzählt hat, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat, wäre machtvoll und könne Realität erzeugen. Du müsstest einfach nur dein Denken und Glauben ändern und dann würde sich dein Leben wandeln zu einer Erfahrung von Liebe, Fülle, Reichtum und Glück. Und so denkst und denkst du, tagein und tagaus, bist ständig am Denken und Visualisieren.

– Wieso aber läuft dann dein Leben nicht rund? Wieso wird nichts so, wie du es wünscht, wie du es denkst, wie du es glaubst?

Weil du „falsch“ denkst, sagt dir jener, der dir über die Macht der Gedanken erzählt hat, weil es ihm jemand gesagt hat, der es von jemand erzählt bekam, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat. Du mühst dich dem gemäß ab und hoffst darauf, schon bald das gewünschte Ergebnis durch deine Gedanken erlangt zu haben – bald wird sich dein Leben wandeln zu einer Erfahrung von Liebe, Fülle, Reichtum und Glück.

Das ist aber nicht deine unmittelbare Erfahrung von der Wirklichkeit. Du erfährst immer noch ein ähnliches Dilemma in deinem Leben wie damals, bevor dir einer von der Macht der Gedanken erzählt hat, weil es ihm jemand gesagt hat, der es von jemand erzählt bekam, der es von einem anderen gehört hat, der darüber gelesen hat – du erreichst mit deinem Denken schlicht und einfach nicht das, was du dir versprichst.

– Woran liegt das wohl?

Nun, ich habe da für dich eine kleine, leicht bittere, dafür aber interessante und heilsame Antwort:

Die wahren Schöpfer wissen genau, dass sie nicht die Schöpfer sind – sie waren und sind nur ein Instrument, ein Medium, ein Kanal. Gewiss, etwas geschah und geschieht durch sie, aber sie haben es nicht gemacht. Du in deinem Ich-Bewusstsein bist nicht der Schöpfer. Du wirst niemals der Schöpfer sein, denn dazu reicht dein Blick nicht weit genug, dazu wandeln sich deine Wünsche und Begierden zu rasch – sie sind flüchtig wie Morgennebel bei der ersten Berührung mit den Sonnenstrahlen. Sie schmelzen dahin wie Schnee im lauen Märzwind.

Zur Verwirklichung gelangt nur jene Realität, die im Einklang mit dem Großen Ganzen steht – niemals aber deine auf den Illusionen des Egos basierenden Vorstellungen von der Welt, und auch niemals jene Vorstellungen von deinem Leben in dieser. Du bist nicht der Schöpfer – du bist sein Instrument. Wenn du dich vollkommen der Liebe öffnen kannst, wenn du zu einem klaren und reinen Kanal für den Schöpfer wirst, indem du dich hingibst, dann wird die Melodie, die er durch dich spielt, für dich eine liebliche sein, selbst dann, wenn sich nicht verwirklicht, was dein Ego, dein Ich-Bewusstsein begehrt.

In deiner Seele wartet ein Lied, das gesungen werden will, in deinem Herzen schlummert ein Bild, das gemalt werden möchte – doch das Bild ist unsichtbar und das Lied hat noch niemals jemand vernommen. Es ruht tief verborgen in der heiligen Lotusblüte deines Herzens. Du darfst es an die Oberfläche bringen, darfst es ausdrücken, indem du dein Ich, dein Ego beiseite treten lässt – so bekommst du einen Geschmack vom totalen Leben, so wirst du zum Instrument des Schöpfers, so erfährst du Selbstverwirklichung.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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