Du und die Stille


In dir tönt ungeheurer Lärm – Gedankenlärm. Wäre jeder deiner Gedanken ein Musiker, der sein Instrument zu eigener Notation spielt, und müsstest du als Zuhörer diesen schaurig-chaotischen Dissonanzen auch nur eine Minute lang lauschen – du würdest augenblicklich dem Wahnsinn verfallen.
In gewissem Sinne jedoch bist du dieser Zuhörer. Und du leidest unter dem nicht enden wollenden Gedankenlärm in dir. Viele Mittel hast du bereits probiert, um diese Dissonanzen in dir erträglich zu machen – Ablenkungen jeglicher Art, die dir bisher keine dauerhafte Stille, keine echte Erlösung erbrachten. Da du aber nicht nur der Zuhörer, sondern auch die Konzerthalle bist, steckst du weiterhin voller Fragen. So wie du voller Fragen bist, so bist du auch überladen mit Antworten. Dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um Antworten, die du dir nicht selbst gegeben hast – man hat sie dir eingepflanzt.

Ein Liebender der Wahrheit muss sich vor fertigen Antworten hüten, doch es gibt jede Menge davon. Überall werden sie dir angeboten, aufgedrängt, impliziert. Man bietet dir Unmengen weiser Sinnsprüche, die lieblich klingen. Deshalb hältst du sie für bare Münze, nimmst sie bereitwillig als Wahrheit an und sammelst so immer neue Musiker für den Lärm in deinem Innersten.

Man hat dir die meisten Antworten schon gegeben, bevor du überhaupt die Frage gestellt hattest. Als du ein kleines Kind warst, hast du noch nicht einmal angefangen zu fragen, wie die Welt tickt, was wirklich Bedeutung hat, wer Gott ist, aber dir wurde schon die Antwort geliefert; du wurdest zwangsbeglückt, wurdest konditioniert. Die Frage ist noch gar nicht aufgetaucht – du hast nicht gefragt, aber die Antwort wird dir schon aufs Auge gedrückt. Viele Menschen glauben dann einfach diesen Antworten. Sie kommen überhaupt nie dahin, die Frage selbst zu stellen.

Wesentlich aber ist nicht die Antwort – es ist immer die Frage, die ausschlaggebend ist. Die Frage muss aus dir selbst kommen. Die Frage muss dir ein brennendes inneres Bedürfnis sein, aus deinem Herzen muss sie aufsteigen, und dazu ist Stille nötig. Tiefe innere Stille ist die Grundlage für die richtigen Fragen. Tiefe innere Stille ist es auch, die dich eines Tages erkennen lässt, dass du niemals eine Antwort gebraucht hast, weil alle Fragen verschwunden sind, weil die Musiker aufgehört haben zu spielen, denn jetzt hat die Stille jenen Raum deines Wesens eingenommen, der zuvor Tummelplatz unzähliger Fragen und bedeutungsloser Antworten war.

Wenn die Stille dein gesamtes Wesen erfüllt, sind alle Fragen verschwunden und alle Antworten erbracht. Meditiere in Stille, denn Stille ist die höchste Dimension Gottes, und nur sie bietet den unbefleckten Klangraum für das heilige Orchester des Universums; sie räumt den Konzertsaal für den Ur-Ton aller Töne. Meditation in Stille ist ein Stimmgerät, das die Dissonanzen in dir harmonisiert. Stille ist der Kammerton der Wahrheit – das klingt wie ein Paradoxon, doch das ganze Universum ist paradox. Wenn du der Stille lauscht, entsteht unermessliche Akzeptanz für die Widersprüchlichkeit des Daseins. Durch diese Akzeptanz löst sich das Paradoxon auf. Wenn du die Stille in dir trägst, wirst du selbst zur Wahrheit, zu einer Verkörperung der höchsten Schwingung – stille, unermessliche Liebe.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

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Ein Gedanke zu „Du und die Stille


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    GÖTTLICHE~TIEFE~WAHNSINN
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