Die Welt muss nicht verbessert werden


Ich glaube nicht, dass die Welt verbessert werden muss – so wie eine Bühne nicht verbessert werden muss, bloß weil die Schauspieler mies sind. Eine verbesserte Bühne macht den Schauspieler nicht grandioser, er wird dadurch nicht zum Meistermimen. Die Welt an sich, als Bühne, als Kulisse für das menschliche Drama, ist vollkommen. Es wäre anmaßend zu denken, die Welt müsse verbessert werden, nur weil du ihre Vollkommenheit nicht erkennen kannst. Die Welt muss nicht verbessert werden.

Ich glaube nicht einmal, dass der Mensch verbessert werden muss, denn das wurde seit Jahrtausenden versucht und ist nicht gelungen. Es ist nichts am Menschen verbessert worden. Solange es Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Hunger gibt, ist nichts geschehen – rein gar nichts ist geschehen. Es wurden bloß eindrucksvollere Masken herangeschafft, es wurden bloß bessere Kostüme geschneidert, es wurde bloß die Show fulminanter, doch die Schauspieler agieren immer noch im selben schlechten Stück derselben unsinnigen Inszenierung. Der Mensch muss nicht verbessert werden – er muss verändert werden. „Anders“ aber bedeutet nicht „besser“!

Ich glaube nicht daran, dass der Mensch verbessert werden muss – ich glaube daran, dass der Mensch befreit werden muss. Er muss ausbrechen dürfen aus der Knechtschaft seiner neurotischen Gesellschaft, er muss die Ketten verklärter Ideologien, verkrusteter Konventionen, geheuchelter Moral und künstlicher Ethik sprengen dürfen. Der Mensch muss aufwachen dürfen aus dem Kerker seines Dämmerschlafes, sein Erwachen aus dem Traum der Ratio, aus der Verblendung durch das Ego, muss gestattet sein – deine Gesellschaft aber setzt alles daran, die Mauern des Gefängnisses, in dem du lebst, zu verstärken, denn sie benötigt blinde, nicht sehende Menschen, sie braucht dumme, nicht bewusste Menschen.

Ich glaube daran, dass es nichts weiter bedarf, als die Befreiung des authentischen Wesens in jedem von uns – das ist meine Botschaft. Deswegen bin ich hier: Ich erinnere dich daran, dass in dir die Vollkommenheit, die Schönheit, die Liebe und die Freiheit wohnt. Ich rufe das authentische Wesen in dir an, damit es erwacht. Ich erinnere dich daran, dass du selbst dein eigener Meister sein sollst; ich sage dir, dass du aus dem Verstand ins Herz gelangen musst – dann ist alles getan, und erst dann eröffnen sich dir die Ufer einer goldenen neuen Zeit. Solange du alle Weisheiten nur im Kopf trägst und dein Herz leer bleibt, solange bist du nichts weiter als eine Auster ohne Perle. Erst wenn du die Worte lebst, die dich über die Ratio nicken machen, erst dann wächst das Kleinod der Wahrheit und der Authentizität in dir. Bevor du deinen Verstand nicht zum Werkzeug und das Herz zu deinem Kompass machst, ist alle Mühe vergebens. Bevor du nicht du selbst geworden bist, bist du niemand, bloß die kontinuierlich verblassende Kopie einer Kopie einer Kopie.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Art © by Adam Scott Miller. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Creative Commons Licensce

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s