Farewell, Jeanne d’Arc!


Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Raue Winde des Schicksals
griffen durch dein wildlanges Haar,
trugen den Duft deines Mutes
schwer über meine Länder.
Und so zwang mich der Ruf still zu dir
jenseits der Grenzen,
die besser kein Mensch übertritt.


Deine Arme waren kostbares Eiland,
Wiedergeburt und Neubeginn,
warm wie ein Regen,
der die Wunden sanft heilt.
In deinen Augen lag tröstende Heimat
nach all den beschwerlichen Pfaden.
Kein Mann und auch kein König
würde jemals dein Herr.
Doch um mein Herz schlugst du
kalt eiserne Bänder,
obgleich du wohl wusstest,
sein Schlag galt längst nur noch dir.

 

Ich sah dich reiten im Nebel des
Morgens,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön,
barfuß wie immer,
doch diesmal allein,
denn du rittst nicht mit mir.
Da war kein Blick zurück,
bloß der tote Staub deiner entschlossenen Spur.
Kalt die Angst, dich nie mehr zu sehen,
befahl meinem Ritt töricht Galopp,
doch die Flüsse der Zeit ohne Gnade
holt selbst der wildeste Reiter nicht ein.
So blieb ich zurück,
die Tage schwermütig zählend,
mit jeder grausamen Sonne vergehend,
denn du kehrtest nicht wieder.

Die linke Flanke deckte ich dir
in gemeinsamen Schlachten,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Die Faust hoch gen Himmel,
um deines Banners und Namens Willen,
der als Ruf des Sieges hallte
durch die fließenden Schleier der Zeit,
so das Burgen erzitternd
von selbst in sich zusammenfielen.

Über Leben und Leben hinfort
war da nur ein einzig brennender Wunsch
ewig an deiner Seite König und Gatte zu sein,
stets den liebenden Mut,
für dich durch die Feuer jeder Hölle zu gehen,
und wenn es das Schicksal so wünschte,
dann in Liebe für dich auch zu fallen.

Ich saß dir zu Füßen mit königlichem Stolz,
lauschte deinen magischen Träumen
als wären sie ein Lied der Ewigkeit,
verloren in den Welträumen deiner Seele,
küsste den Kindhöhlenbauch,
ergab mich süßem Tod in Sommernächten mit dir.
Und du legtest das Kleid des Kampfes ab,
leicht als wäre es des Mondes Schein,
jetzt endlich ganz Frau in meiner Umarmung,
befreit, um keine Kriegerin mehr zu sein.

Ich sah dich hoch zu Ross
in einer schimmernden Rüstung,
meine Königin,
strahlend, unerbittlich schön.
Keine Heldentat schrieb ich noch in ein Buch,
blieb unser Thron doch stets kalt und leer.
Immer noch folge ich deiner schwindenden Spur,
doch die spricht schlicht und bitter,
du kehrst nimmermehr…
Farewell, Jeanne d’Arc!

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2012 text by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

4 Gedanken zu „Farewell, Jeanne d’Arc!

  1. In was ist sie denn transformiert, die Kriegerin? Wenn sie ihre Rüstung ablegt, wer ist sie dann? Und muss sich die Königin ganz von ihrem Krieger-Anteil verabschieden, stirbt dieser Anteil ihrer selbst. Oder integriert sie ihn? Oder transformiert oder ergänzt sie diesen. Natürlich interessiert mich das auch aus ganz persönlichen Gründen, daher sehr dankbar für eine Antwort! Ich bin der Kämpfe ganz schön müd geworden, es ist Zeit für den bedingungslosen Frieden! In diesem Sinne, großen Dank für den Spiegel.

    • nun, in meinem falle war es so, dass sich die kriegerin in meinen armen in eine frau transformierte – in eine weiche, sanfte, anschmiegsame und offensichtlich glückliche frau.
      anscheinend aber hatte sie noch einige schlachten zu schlagen und zwar sowohl in ihrem eigenen inneren als auch in ihrer aussenwelt. sie kehrte jedenfalls nicht zurück aus diesen schlachten.
      fazit: sie war entweder nicht glücklich als frau oder sie war nicht glücklich in meinen armen oder aber sie wurde glücklicher in den armen eines anderen königs… und wenn sie nicht gestorben ist, dann kämpft sie wohl noch heute.
      wenn es die natur der kriegerin ist zu kämpfen, dann wird sie wohl manchmal müde in die arme eines königs gleiten, doch sobald ihre kraft zurückgekehrt ist, wird sie wieder auf ihr pferd steigen und in die schlacht ziehen…

  2. Es gab doch mal einen Beitrag der hieß glaube ich ‚Kriegerin‘ … Der handelte von einer gebrochenen Frau die sich durch ihren eigenen dunklen Keller kämpft und wieder ins Leben bringt. Im Sinnbild die Erhebung des eigenen Selbstwertes.
    Den hat eine Freundin mir seinerzeit geschickt und so bin ich auf Deine grandiose Seite aufmerksam geworden.
    Und jetzt find ich ihn nicht mehr. 😦 Gibt es den noch irgendwo?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s